nd-aktuell.de / 29.03.2016 / Berlin / Seite 12

Bücherausweise für Flüchtlinge

Berliner Bibliotheken wollen das Ankommen in der Metropole erleichtern

Anja Sokolow
Für geflüchteten Menschen gibt es in der Hauptstadt seit dem vergangenen Herbst kostenlose Ausweise für Bibliotheken - das Projekt ist ein großer Erfolg.

Etwa 2000 Flüchtlinge in Berlin haben bereits einen kostenlosen Bibliotheksausweis bekommen. »Das Angebot der Bibliotheken ist sehr erfolgreich«, sagte die Sprecherin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Anna Jacobi. Seit Oktober vergangenen Jahres können Flüchtlinge in Berlin einen zunächst auf drei Monate befristeten Ausweis bekommen, auch wenn sie noch keine amtliche Meldebescheinigung oder Aufenthaltserlaubnis haben. Das Angebot des Verbunds der öffentlichen Bibliotheken (VÖBB) ist laut Deutschem Bibliotheksverband bundesweit das erste dieser Art. Dem Verbund gehören insgesamt 75 Bibliotheken an.

Neben den kostenlosen Ausweisen haben viele Einrichtungen laut Jacobi auch ihre Auswahl an Medien zum Sprachenlernen aufgestockt. »Die ZLB hat auch ihr Belletristik-Angebot auf Arabisch erweitert«, berichtet Jacobi. Einige Bibliotheken lieferten zudem Bücherkisten an Flüchtlingsheime, wo die Neuankömmlinge direkt Medien ausleihen könnten. In vielen Asylbewerberheimen liegen laut Jacobi Informationen über die Berliner Bibliotheken aus, die für das Angebot werben.

Laut der Sprecherin der Zentral- und Landesbibliothek können die Einrichtungen den Flüchtlingen das Ankommen im deutschen Alltag erleichtern. »Bibliotheken sind barrierefreie Orte, an denen man wie alle anderen Leute sein kann, ohne den Stempel ›Flüchtling‹ zu tragen«, so Jacobi. Selbst ohne Ausweis sei es in den Bibliotheken möglich zu lesen, Filme zu schauen, Musik zu hören oder das Internet zu nutzen.

Die Herausforderungen der Flüchtlingsbewegung waren auch Thema des 6. Bibliothekskongresses, der vor kurzem in Leipzig veranstaltet wurde. Dabei wurde deutlich, dass Bibliotheken in Deutschland insgesamt ihr Engagement für Flüchtlinge ausbauen wollen. dpa