nd-aktuell.de / 24.06.2016 / Kultur / Seite 14

Kreativ und vielfältig

Fritz Edlinger über Widerstand gegen Besatzer

Ludwig Watzal

Der palästinensische David ist in der Wahl seines Widerstands gegen den israelischen Goliath sehr erfinderisch. Davon legt die Geschichte des Widerstands gegen das übermächtige Unterdrückungsregime beeindruckend Zeugnis ab, wozu auch künstlerische Protestformen gehören. Politische Wandmalerei und Graffiti sind seit der ersten Intifada 1987 nirgends weiter verbreitet als in Palästina. Den Künstlern hat Israel mit dem Bau des Schutzwalles eine perfekte Projektionsfläche geliefert.

Die in dem hier angezeigten Band versammelten Bilder belegen die Kreativität und Vielfalt des Widerstandes des palästinensischen Volkes. Steine werfende Jugendliche und die Bäuerin, die in ihrem Tragetuch die ganze Last eines geknechteten Volkes trägt, sind zu Symbolen der Standhaftigkeit (Sumud) geworden.

Die Graffiti sind politische Manifestationen gegen die israelische Besatzungs- und Vertreibungspolitik und für den Kampf um Selbstbestimmung des palästinensischen Volkes geworden, schreibt Fritz Edlinger, Generalsekretär der Österreichisch-Arabischen Gesellschaft, in seinem Vorwort. Silman Mansour berichtet über die politischen Einflüsse in der palästinensischen Kunst, Samiha Abdeldjebar über weibliche Straßenkunst in Palästina und Lamis Rahbani über »das Blau meiner Angst«. Letztere Autorin schreibt aus Angst vor Repressalien unter Pseudonym. Sie schildert anhand des Flüchtlingslagers al-Azza in Bethlehem, wie wichtig Kunst und Kultur für Jugendliche als Flucht aus ihrer täglichen Tristesse sind. Erinnert wird auch an den Komik- und Karikaturenzeichner Naji Al-Ali, der den Flüchtlingsjungen »Handala« geschaffen hat und 1987 vom israelischen Geheimdienst Mossad ermordet wurde.

Doch nicht nur das israelische Besatzungsregime drangsaliert kritische Künstler in Palästina, auch fanatische islamistische Gruppen sind zu einer permanenten Bedrohung freien Denkens in der Region geworden. Die Bilder zeigen, wie trotz brutaler Unterdrückung und Rechtlosigkeit in den besetzten Gebieten die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung ungebrochen ist.

Fritz Edlinger (Hg).: Mit Spraydose und Pinsel gegen die Besatzung[1], Promedia, Wien. 224 S., br., 24 €.

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  1. http://www.nd-aktuell.de/shop/article/9783853713952