nd-aktuell.de / 16.07.2016 / Kultur / Seite 16

Bloß keine gute Laune

Jacobien Vlasman live

Hansdieter Grünfeld

Seit Mitte der neunziger Jahre ist Jacobien Vlasman in der Berliner Kunst-Szene aktiv. 1997 tritt sie zum ersten Mal im Jazz-Klub »A-Trane« auf und erhält 1999 für Duo-Einspielungen mit dem Gitarristen Kai Brückner den Berliner Senatspreis. Seitdem gilt die Komponistin, Texterin und Comboleiterin auch als Berlins beste Jazzsängerin. Folgerichtig wird ihr 2001 der Jazz und Blues Award der Stadt verliehen.

Aufgeschlossenheit und der Wille zur Zusammenarbeit zeichnen seitdem ihren Lebensweg. Wer sich die Titel der Produktion »Infant Eyes« ansieht, stellt erfreut fest, dass das Vlasman-Quartet zwar Kompositionen von Miles Davis, Freddie Hubbard, Wayne Shorter oder Randy Weston interpretiert, aber auch von Kai Brückner, Felix Wahnschaffe oder von Vlasman selbst. Hüftgold heißt das Duo bzw. Trio, in dem sie mit dem Vibraphonisten Olli Bott und dem Kontrabassisten Andreas Henze zusammenarbeitet. Meist konzentriert sie sich dabei auf Vocals, also textlose Improvisation. Ähnliches steht seit 2005 in Zusammenarbeit mit dem Kontrabass-Flötisten Tillmann Denhard auf dem Plan. »Ich singe zu 65 Prozent Texte, und ungefähr 35 Prozent instrumental«, so Vlasman. »Ich kann keine positiven Stücke schreiben«, merkt die Künstlerin an. Das scheint sie auch auf Texte zu beziehen. Denn den Text des freundlich sanften Bossa-Nova-Standards »The Girl from Ipanema« schrieb sie um, und beschwört durch harte Intonation eine aggressive Stimmung.

Seit gut zwei Jahren jedoch schien die kreative Jazzerin wie vom Erdboden verschluckt. Den Grund gab sie jetzt bekannt. 2014 hatte sich Vlasman im Jazz Institut Berlin, einer Abteilung der Hanns Eisler Musikschule, als Studentin für den European Jazz Master eingeschrieben. Wer diesen Grad erwerben möchte, muss zu einem zweijährigen Studium auch gleichzeitig an anderen europäischen Hochschulen bereit sein. Offensichtlich hat sich Vlasman in Trondheim und Kopenhagen bestens eingebracht. Für den praktischen Beweis ihrer erworbenen Fähigkeiten steht nun das Examenskonzert in Berlin an. Zwei Vorabende im »A Trane« tönten es geglückt in die Nacht: Alle Kompostionen und Arrangements für das achtköpfige Orchester hat Vlasman selbst geschrieben. Genau 60 Minuten wird das Konzert von »Jacobien’s Berlin International Connection« im Jazz Institut Berlin dauern. Der Eintritt ist frei.

18. Juli, 18 Uhr. Jazz Institut Berlin, Einsteinufer 43, Charlottenburg.