nd-aktuell.de / 10.11.2016 / Kultur / Seite 16

Zum Festmahl in Sibirien

Irmtraud Gutschke

»Einmal war ich Gast auf einer burjatischen Hochzeit«, so Tatjana Kuschtewskaja, geboren in Turkmenistan. (Der ukrainische Künstler Ruslan Naida hat sie uns gemalt.) Wir erfahren etwas über die traditionelle Zeremonie und über Speisen, die dabei gereicht werden. Für die köstlichen »Buusy« gibt es auch gleich das Rezept. Auch »Churen-Machn-Guertagjan« - gebratenes Fleisch mit Nudeln - wird auf jeden Fall munden, wie überhaupt viele Gerichte, die in diesem Band präsentiert werden.

Die Autorin, die inzwischen in Essen wohnt, hat selber viele Jahre in Sibirien gelebt und ist in diesem riesigen Gebiet auch viel herumgekommen. Sie hat dort Lebenswelten kennengelernt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. »Im südsibirischen Tuwa reitet man auf einem Kamel, und im sibirischen Norden trifft man auf den Eisbären.« Wie viele verschiedene Völkerschaften in Sibirien beheimatet sind - hierzulande haben die meisten keine Vorstellung davon: Jakuten, Tuwiner, Chakassen, Nganasanen, Burjaten, Ewenen, Ewenken, Chanten und Mansen, Tschuktschen, Eskimos, Nenzen, Selkupen, Jukagiren u.a. Ihnen allen ist je ein kulinarisches Kapitel gewidmet. Dazu gibt es eines zur Küche am Baikal und ein anderes zu der im Altai-Gebirge. Dorthin würde sich »das dünne Gespenst der Diät« nur selten verirren. Überhaupt: Wer in einem meist rauen Klima lebt, den dürfte es nach Gehaltvollem verlangen.

Also viel »Smetana«, hierzulande durch Schmand zu ersetzen, aber insgesamt doch mehr Fisch als Fleisch. Fisch der allerbesten Sorten - rund achtzig diesbezügliche Rezepte verzeichnet das Register, dazu Vorspeisen, Salate, Suppen, Gerichte mit Rind- und Pferdefleisch, Rentier, Wild, Milchprodukte, Desserts und, und, und. Ein extra Kapitel gilt der Küche der »Sibirjaken«, jener Russen, die schon mit dem Norden verwachsen sind und eine eigene Esskultur entwickelt haben. »Ich werde nie vergessen, wie ein Sibirjak, der zu Gast war, auf einen Rutsch und ohne mit der Wimper zu zucken, hundert Pelmeni hinunterschlang ...« Ja, die »Sibirischen Pelmeni«, gefüllt mit einer Mischung aus Rind, Schwein und Hammel, sind wohl wirklich die besten.

Tatjana Kuschtewskaja: Küche Sibiriens[1]. Zeichnungen Ruslan Naida. Wostok Verlag, 384 S., br., 20 €.

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