nd-aktuell.de / 08.07.2017 / Wirtschaft und Umwelt / Seite 8

Stahlkonzern trifft Stöckelschuhe

Firmen mischen mit beim Christopher-Street-Day

Köln. Schrille Kostüme, Regenbogenfahnen, Konfetti, laute Musik - und der traditionsreiche Indus-triekonzern ThyssenKrupp mittendrin. Erstmals nimmt das Essener Unternehmen an der Christopher-Street-Day-Parade in Köln teil und zeigt damit Flagge auf der riesigen Party für Schwule, Lesben und Transsexuelle. Rund 950 000 Menschen werden von den Veranstaltern am Sonntag zu der Parade durch die Innenstadt erwartet: eine ideale Plattform für die Imagepflege des Stahlgiganten.

Nicht nur für diesen: Banken, Autohersteller und Handelsketten wie Rewe, Toom oder Penny haben die schrille Szene längst für sich entdeckt. Der Kölner Autobauer Ford ist seit vielen Jahren mit dabei. »Diversity-Manager« Volker Ehrentraud wird in diesem Jahr von rund 100 Beschäftigten begleitet, die Lutscher und Rosen verteilen. Auf einem eigenen Paradewagen sorgt ein weiblicher DJ für die passende Musikkulisse.

Bei ThyssenKrupp ist mit Arbeitsdirektor Oliver Burkhard gleich ein Vorstandsmitglied am Start. Für den Auftritt gibt es einen eigenen Festwagen und T-Shirts mit der Aufschrift »Open for all« (»Offen für alle«). Auf die Besucher warten ThyssenKrupp-Gummibärchen und Jutetaschen. Dem Unternehmen gehe es darum, Toleranz und Offenheit zu demonstrieren, betont eine Sprecherin.

Auch bei möglichen Bewerbern will der Industriegigant mit weltweit 160 000 Beschäftigten punkten. »Schwule, Lesben und Transsexuelle werden für Unternehmen auch unter dem Gesichtspunkt der Mitarbeiterrekrutierung zunehmend interessant«, sagt Michael Kauch, Vorsitzender des Völklinger Kreises. Der Berufsverband schwuler Führungskräfte und Selbstständiger zählt bundesweit rund 700 Mitglieder. Zunehmend entdeckten auch eher konservative Firmen das Potenzial einer vielfältigen Belegschaft, so Kauch.

Beim CSD-Veranstalter sei man zunächst »positiv überrascht« über die Anmeldung von ThyssenKrupp gewesen, sagt Sprecher Martin Rätze. Schließlich handele es sich um einen »typischen Männerkonzern«. dpa/nd