nd-aktuell.de / 10.08.2017 / Politik / Seite 2

Fliegen können ist nicht alles

Nordkoreas Raketenarsenal ist für die USA beherrschbar

Kein Zweifel: Nordkorea hat unter Kim Jong Uns Herrschaft viel Kraft in die Weiterentwicklung seines Raketenarsenals gesteckt. Und Erfolge erzielt. Man verfügt über zwei verschiedene Typen von Interkontinentalraketen. Die »Taepodong-2« brachte 2016 einen nordkoreanischen Satelliten ins All. Im Juli 2017 wurde eine »Hwasong-14« erstmals erfolgreich mit rein militärischer Bestimmung als Sprengkopfträger getestet. Bei voller Leistungsfähigkeit, dem richtigen Abschusswinkel und mit Hilfe der Erdrotation könnte die »Hwasong« US-Festland oder die Insel Guam erreichen. Wie zielgenau, ist offen.

Auch beim Bau von Atomwaffen ist man dem Ziel, sie auf Sprengkopfgröße zu reduzieren, nähergekommen. Das behaupten jedenfalls der US-Militärgeheimdienst DEA und das japanische Außenministerium. Strittig ist, ob so ein Sprengkopf bereits getestet wurde und welche Sprengkraft er hat. Dabei ist besonders wichtig, ob Kims Wissenschaftler einen Wiedereintrittskörper für den Sprengkopf bauen können. Der ist wichtig, um die eigentliche Waffe beim Eintauchen in die Erdatmosphäre vor dem Verglühen zu schützen.

Doch selbst wenn Kims Fachleute all diese Technologien beherrschen, so gibt es eine Reihe von Abwehrmöglichkeiten. Da Nordkoreas Weltraumraketen (noch) nicht aus einem Silo heraus gestartet werden können, sind die überirdischen Flugvorbereitungen bereits Tage zuvor auszumachen. Kims U-Boot-Raketen haben nur eine Reichweite von wenigen Hundert Kilometern, die Standtorte der nicht sehr modernen Boote sind den USA mit ziemlicher Sicherheit bekannt. Gefährlicher sind mobile Landlafetten, die nur rund eine Stunde brauchen, um abschussbereit zu sein. Wie weit deren Raketen fliegen, kann man nur mutmaßen. Doch werden diese Waffen weder das USA-Festland noch Japan oder Guam erreichen. Gefährlich wären sie für Südkorea.

Nordkorea ist unter ständiger Überwachung durch ein internationales Netzwerk. Technisch besteht es aus Radar- und Satellitensystemen mit verschiedensten Sensoren. So etwas wie ein Überraschungsangriff ist nicht möglich. Es sei denn, jemand möchte überrascht werden und so einen irren Präventivschlag rechtfertigen. Doch der ist sicher nicht nötig. Technisch sind die USA in der Lage, die strategischen Raketen Nordkoreas beim Start abzufangen. Gelingt das nicht, sollte also eine nordkoreanische Rakete den Pazifik überqueren, wird man maritime Aegis-Abwehrraketen Südkoreas, Japans und der USA einsetzen. hei