nd-aktuell.de / 18.09.2017 / Kommentare

Die SPDGrüneFDPCDU-Koalition

Elsa Koester findet es unerträglich, dass beinahe alle Parteien kurz vor der Bundestagswahl um das schwarze Zentrum herumsurren

Elsa Koester

Es ist unerträglich. Grüne und FDP buhlen um Muttis Gunst wie zwei rivalisierende Geschwister, die SPD diskutiert schonmal, wie sie zur Rolle als Juniorpartner in der GroKo steht, und die AfD punktet kurz vor der Wahl mit faschistischen Vorstößen. Ja, sie punktet, denn wer glaubt, dass die Entsorgungswünsche Gaulands oder seine Ehrung von Wehrmachtssoldaten der AfD irgendwie schaden, hat den Schuss nicht gehört. Die AfD hat ordentlich nach rechts gezogen – und beinahe die gesamte Parteienlandschaft ist diesem Ruck gefolgt.

Sechs Tage vor der Wahl scharwenzelt alles um die CDU herum – alles rechts der Linkspartei. Schuld daran ist Martin Schulz. Seit der Saarlandwahl tut der sozialdemokratische Spitzenkandidat alles, um ein braver kleiner Bruder zu sein, das heißt natürlich, Rot-Rot-Grün zu verhindern. Zum Beispiel, indem er beim Kanzlerduell einfach mal vergisst, dass sein Wahlkampf-Thema die soziale Gerechtigkeit ist, und stattdessen auf der Mautgeschichte herumreitet. Warum ausgerechnet auf der Maut? Nicht etwa auf dem Diesel-Skandal? Weil er mit der Mautgeschichte so richtig auf der Linkspartei herumreiten kann! Oh ja, die LINKE ist nach Jahren der Großen Koalition ja auch das größte Problem der SPD.

Wer erinnert sich noch an die linke Aufbruchsstimmung, als Schulz Kanzlerkandidat wurde? An die kurze Phase einer real existierenden Alternative? Schulz und die Grünen haben ihren Zug nicht nur gestoppt, sondern kloppen jetzt auch auf den Schienen herum. Für SPD, FDP, AfD und Grüne führen scheinbar alle Wege zum schwarzen Zentrum. Die Koalitionsverhandlungen werden bereits geführt. Einzig die LINKE spielt nicht mit. Bleibt die Hoffnung, dass die Demoskopen irren und die Parteien ihre Rechnung ohne die Wähler gemacht haben. Die Hoffnung auf ein demokratisches Wunder also.