nd-aktuell.de / 17.02.2018 / Politik / Seite 2

Feindbildner

Personalie

Uwe Kalbe

Einst standen Norbert Röttgen alle Türen offen, er galt als »Muttis Klügster«, als Reservekanzler, als glänzender Analytiker, als hervorragender Rhetoriker, wie Wolfgang Bosbach, sein väterlicher CDU-Landesparteikollege, einmal aufzählte. Heute ist es meist Norbert Röttgen, wenn im Chor der Kanzlerinnenkritiker eine Stimme besonders klar und prononciert heraussticht. Fünf Jahre ist es her, als Norbert Röttgens Karriere einen abrupten Knick erfuhr. Und aus dieser Zeit stammt wohl auch seine Unversöhnlichkeit.

Zuvor war er an der Seite von Angela Merkel aufgestiegen, als ihr Vertrauter; Erster Parlamentarischer Geschäftsführer im Bundestag, dann Umweltminister. Da hatte er in Merkels Sinne den Kurswechsel der Union in der Atomenergiepolitik zu moderieren. Doch es machte ihn der steile Aufstieg wohl blind vor Selbstgewissheit. Dass er sich dabei auch mit CSU-Chef Horst Seehofer anlegte, war vielleicht sein größter Fehler. Als Landesvorsitzender und Spitzenkandidat wurde Röttgen 2012 für den Verlust der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen verantwortlich gemacht; er hatte auch Merkel aufgebracht, als er die Wahl kurzzeitig zur Abstimmung über ihre Europapolitik erklärte, was er Stunden darauf kleinlaut zurücknahm. Als Landespolitiker nach der Niederlage in die Opposition zu gehen, schien ihm wohl auch zu umständlich auf seinem Weg ganz nach oben. Das Ende war Merkels Liebesentzug, Absetzung als Minister, Sturz in die dritte Reihe.

Die Zeit seither hat ihn verändert, nicht seinen Ehrgeiz geschmälert. Als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag ist der promovierte Jurist wieder ein Mann von Gewicht. Doch während er einst als Liberaler in der CDU galt, als flexibel und offen, gehört er heute zu denen, die Merkel am schärfsten angreifen, weil ihm ihr Kurs zu unprofiliert scheint; seine Härte verlangt er jetzt auch für die Partei. Und unter den Kritikern am Koalitionsvertrag mit der SPD ist er wieder einer der lautesten. Kompromisslos, wie er anfangs über Donald Trump redete oder wie er jederzeit über Russland oder die Türkei redet. Seine Welt ist voller Feinde.