nd-aktuell.de / 17.04.2018 / Brandenburg / Seite 12

»Marxwalde« feiert Karl Marx

Jeanette Bederke

Karl Marx ist in Neuhardenberg nicht vergessen. Zu Füßen eines Denkmals am nördlichen Ende des Dorfangers steht ein Korb mit frischen Frühlingsblumen. »Er wäre jetzt 200 Jahre alt geworden. Zu seinem Geburtstag am 5. Mai veranstalten wir deshalb ein Geschichtsforum«, sagt Dietmar Zimmermann, Vorsitzender des Neuhardenberger Heimatvereins. Auch wenn Marx nie in dem Ort im Landkreis Märkisch-Oderland gewesen ist, gehört er laut Zimmermann doch zu seiner Historie.

Denn das alte Gut Quilitz, das König Friedrich Wilhelm III. 1814 seinem Staatskanzler Karl August Freiherr von Hardenberg geschenkt hatte und das daraufhin zu Neuhardenberg wurde, hieß von 1949 bis 1990 Marxwalde. Wer genau für die Umbenennung verantwortlich war, ist nicht überliefert. »Fest steht, dass es ein paar aktive Kommunisten gab, die den Junkernamen Hardenberg auslöschen wollten«, sagt der 57-Jährige. Der Gemeinderat sei solange »bearbeitet« worden, bis sich für die Umbenennung eine Mehrheit fand, erzählt Heimatvereinsmitglied Lothar Banse, nach dessen Recherchen auch die Namen Thälmannfelde und Engelshagen im Gespräch waren.

Der letzte adelige Schlossherr Carl Hans von Hardenberg hatte 1944 zu den Verschwörern um den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehört. Er saß dafür im KZ. Doch die von den Faschisten vorgenommene Enteignung der Hardenbergs wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zurückgenommen. Als die Familie den toten Grafen 1958 in Marxwalde beisetzen lassen wollte, lehnte Bürgermeister Karl Linse ab: »Wir wollen weder die Junker, noch ihre Asche wieder haben.«

Es findet sich aber noch jede Menge Marx in dem 2600 Einwohner zählenden Dorf. Die Ortsdurchfahrt heißt noch immer Karl-Marx-Allee, im Dorfmuseum gibt es alte »Marxwalde«-Schilder und natürlich das Denkmal des Philosophen auf dem Dorfanger, geschaffen von dem bekannten Bildhauer Fritz Cremer.

Die Vergangenheit unter dem Name »Marxwalde« sei bei vielen Bewohnern längst vergessen, sagt der Zimmermann. Neuhardenbergs Linksfraktionschef Mario Eska sieht das allerdings ganz anders. Beim Geschichtsforum am 5. Mai im Tagungssaal des Schlosses soll es darum gehen, welche Bedeutung der Philosoph heute noch hat. Im nächsten Jahr wird der Heimatverein »70 Jahre Marxwalde« feiern.

Auch die Stiftung Neuhardenberg greift den 200. Marx-Geburtstag auf, sagt Sprecherin Susanne Kumar-Sinner. »Schauspieler Boris Aljinovic ist am 28. April als ›Marx in Soho‹ im gleichnamigen Stück von Howard Zinn zu erleben - um 18 Uhr im großen Saal des Schlosses.« dpa