nd-aktuell.de / 30.06.2018 / Sport / Seite 29

Eine ganze WM an nur einem Tag

32 Teams aus allen Teilen der Welt sind zur Schüler-Fußball-WM gekommen - sie lernen das die nicht nur Jungensache ist

Marie Frank

Im Fußballstadion geht es an diesem Tag zu wie in einem Bienenstock: Hunderte Fans und Spieler treffen sich im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und feiern ausgelassen, dass die Weltmeisterschaft endlich losgeht. 32 Teams aus allen Teilen der Welt sind gekommen, um gegeneinander anzutreten. Es ist laut, es ist bunt, eine echte Fußball-WM eben. Aber halt. Findet die in diesem Jahr nicht in Russland statt? Richtig! Es handelt sich hierbei nämlich um eine ganz besondere Weltmeisterschaft: Die »Fair Friends 2018 - Discover the world«.

Einen Tag vor Start der »echten« WM treffen sich in Berlin 16 polnische vierte sowie 16 deutsche fünfte Klassen, denen je eines der 32-WM-Länder zugelost wurde. Welche Klasse welches Land vertritt, ist an den verschiedenfarbigen Shirts leicht zu erkennen. Die mexikanische Mannschaft sticht zudem mit ihren riesigen Sombreros aus der bunten Kinderschar heraus. Um Nationen soll es an diesem Tag jedoch weniger gehen, im Gegenteil: »Ihr seid Weltbürger*innen und werdet hoffentlich die Welt ein bisschen besser machen«, betont Projektleiter Peter Wissmann vor dem Start.

Wie in Moskau wird auch die Mini-WM in Berlin von Russland eröffnet - allerdings gegen Costa Rica und nicht gegen Saudi-Arabien. Anschließend wird parallel auf vier Feldern um den Titel gespielt. Nur eben nicht in vier Wochen, sondern an einem einzigen Tag. Deswegen dauern die Spiele auch nur einmal zwölf Minuten statt zweimal 45. Und noch einen Unterschied gibt es: Hier spielen Jungen und Mädchen zusammen und es darf so oft ausgewechselt werden wir man möchte - jedoch nur Mädchen gegen Mädchen und Jungs gegen Jungs. Außerdem fallen sehr viel mehr Tore und Fouls gibt es kaum. Kein Wunder, dafür gibt es nämlich Punktabzug. Überhaupt ist Fair Play wichtiger Bestandteil des Spiels. Dafür gibt es sogar einen eigenen Pokal. Für den wird sowohl das Verhalten der Spieler*innen als auch das der Fans berücksichtigt.

Ansonsten erinnert alles an eine echte WM: Es sind jede Menge Emotionen mit im Spiel, es wird geschrien, gejubelt und geweint - um den verpassten Sieg, die erlittenen Verletzungen oder das gewonnene Spiel. In Berlin lässt die englische Mannschaft ein echtes Torgewitter auf ihre Gegner*innen los und schafft es am Ende sogar ins Finale. Ein Szenario, das in Russland eher unwahrscheinlich sein dürfte.

Das Finale wird dann ganz im Sinne der binationalen Freundschaft zwischen einer deutschen (England) und einer polnischen (Panama) Klasse ausgetragen. Am Ende siegt England mit 8:0. Fair finden das jedoch längst nicht alle: Schließlich handelt es sich dabei um Schüler*innen von einer Sportschule - Kein Wunder also, dass diese bisher alle Turniere der vergangenen Jahre für sich entscheiden konnten.

Apropos Fair: Den Alternativ-Pokal gewann die vierte Klasse von der Grundschule Nummer 9 aus Koło-brzeg - für Deutschland.