»In falsche Hände geraten«

Humanitäre US-Hilfe ging an Al-Qaida-Kämpfer in Idlib

  • Von Karin Leukefeld
  • Lesedauer: 2 Min.

Eine US-Regierungskommission, die Geldzahlungen der staatlichen Entwicklungshilfeorganisation USAID kontrolliert, hat herausgefunden, dass Kämpfer in der nordwestlichen Provinz Idlib auf der Empfängerliste für humanitäre Hilfe standen, die von USAID mit 44,6 Millionen US-Dollar finanziert wurde. Die Empfänger gehörten demnach der ehemaligen Nusra Front (Al Qaida) an, die sich heute Hay’at Tahrir al Scham nennt. Das Integrierte Regionale Informationsnetzwerk (IRIN), eine zunächst mit der UNO, seit 2015 unabhängig arbeitende Nachrichtenagentur, berichtete über den Fall und schrieb, dass derzeit drei drei solcher Untersuchungen stattfänden.

Die zuständige USAID-interne Kontrollbehörde OIG (Büro für allgemeine Untersuchungen) wollte den Namen der Hilfsorganisation nicht nennen. IRIN geht davon aus, dass es sich um den Katholischen Hilfsdienst (CRS) handelt, der bisher von USAID 147 Millionen US-Dollar für humanitäre Hilfsleistungen in Syrien erhalten hat. Die Organisation erklärte, sie habe ihre Tätigkeit im Nordwesten Syriens eingestellt, nachdem Hilfe »in die falschen Hände« geraten sei.

In einem Untersuchungsbericht von USAID an den US-Kongress von Juli 2018 heißt es, Kämpfer von Hay’at Tahrir Al-Scham seien von Mitarbeitern der betroffenen Organisation auf die Liste von Zivilisten gesetzt worden, die Nahrungsmittelhilfe erhalten durften. USAID hätten sie eine »gefälschte Empfängerlisten« eingereicht, um den Vorgang zu vertuschen. Die Mitarbeiter hätten unter Zwang der bewaffneten Gruppe gehandelt, 27 Personen seien entlassen worden.

Ashley Jackson, Mitarbeiterin des britischen Instituts für internationale Entwicklung (ODI) beobachtet seit Jahren die humanitäre Hilfe in Kriegs- und Krisengebieten. Der Vorgang in Idlib sei nicht nur unverantwortlich von der Hilfsorganisation, kommentierte sie. »Es sind auch unverantwortliche Geldgeber, die sich innenpolitischem Druck beugen und Hilfe liefern, obwohl sie wissen, dass diese in die falschen Hände geraten kann«, so Jackson.

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