nd-aktuell.de / 27.08.2018 / Wirtschaft und Umwelt / Seite 4

Botschafter

In China preisgekrönt für sein Engagement für Erneuerbare: Hans-Josef Fell

Jörg Staude

Hans-Josef Fell gilt als einer der kompromisslosesten Vertreter der Energiewende in Deutschland und das nicht nur, weil er um das Jahr 2000 zu den Mitinitiatoren erst des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gehörte. Wenn es dabei so etwas wie eine positive Militanz gibt, dann ist Fell einer ihrer Repräsentanten.

Sein Motiv: Alle nachteiligen Wirkungen, die Ökoenergien auf Umwelt, Landschaft oder Preise haben könnten, sind nichts im Vergleich zu dem, was eine Fortsetzung des fossilen Subventionswahnsinns mit dem Planeten anstellt. 2015 trat Fell deswegen aus dem Bund Naturschutz (BN), dem bayerischen Landesverband des BUND, aus, weil dieser den Bau großer neuer Stromtrassen ablehnte. Damit unterstütze der BN die Politik der CSU und verhindere so »den regionalen und dezentralen Ausbau der Erneuerbaren«, wetterte Fell damals.

Damit kam Fell selbst unter den Grünen, für die er von 1998 bis 2013 im Bundestag saß, zunehmend in eine Außenseiterposition. Konsequenterweise quittierte er den Parlamentsjob, initiierte die Energy Watch Group (EWG) und ist seit ihrer Gründung 2014 deren Präsident. Fell streitet auch hier für die Revolution mit und durch Erneuerbare: Ein weltweites Stromsystem, das komplett auf Ökoenergien basiere, schaffe Versorgungssicherheit zu jeder Stunde übers Jahr und das kosteneffizienter als das aktuelle, hauptsächlich auf fossilen Brennstoffen und Kernkraft basierende, verkündet die EWG.

Dass der Prophet im eigenen Land nicht mehr so viel zählt, zeigt jetzt auch die Auszeichnung Fells mit dem Preis für Weltzivilisation in der Kategorie Nachhaltigkeit. Gestiftet ist dieser Preis vom chinesischen Milliardär Lui Che Woo. Damit wolle man Fell als eine der Gründungsfiguren der globalen Erneuerbaren-Bewegung anerkennen, erklärte Woo dem »Handelsblatt«. Dass es nun eine Auszeichnung aus China und nicht aus Deutschland wurde, ist auch für Fell selbst keine Überraschung. Die Energiewende schreite in China eben in einem rasanten Tempo voran. Das Preisgeld will er in seine Watch-Group stecken.