In einem Brief an den Bildungssenator wird vor Notversorgung und Unterrichtsausfall gewarnt
Bernd Kammer
Lesedauer: 2 Min.
Schulleiter schlagen Alarm: Für das kommende Schuljahr würden noch 400 Lehrer fehlen, so die Vorsitzenden der Vereinigung Berliner Schulleiter, Erhard Laube und Wolfgang Harnischfeger. Die 220 mit dem Finanzsenator ausgehandelten Neueinstellungen reichten nicht aus. Besonders Grundschulen seien hoffnungslos unterversorgt, an Oberschulen mangele es an Fachlehrern, weil befristete Stellen nicht verlängert und hoch qualifizierte Referendare nicht übernommen würden. »Damit droht die selbe Situation wie im Vorjahr«, befürchtet Laube. Auch damals habe die Senatsschulverwaltung ihnen Panikmache vorgeworfen, um dann in den Sommerferien festzustellen, »dass wir Recht hatten«. Dann sei hektisch versucht worden, Lehrer einzustellen, aber die gut ausgebildeten Kandidaten hätten schon Stellen in anderen Bundesländern gehabt. »Wir wollen jetzt wissen, wer an unsere Schulen kommt, und wir brauchen gute Lehrer«, so Laube. Zwei hatten die Schulleiter gleich mitgebracht. Henrike Albrecht, laut Laube eine »hervorragende Lehrkraft«, die ihren bis Juli befristeten Vertrag gern verlängern würde, aber noch »keine positive Rückmeldung« hat, dafür das Angebot einer Privatschule. »Wenn sie geht, bekommt ihre vierte Klasse binnen kurzer Zeit schon die dritte Lehrerin«, so Laube. Und Cornelia Sommer-Niehaus, die ihr zweites Staatsexamen gerade mit 1,8 abgeschlossen hat, der aber trotz Bewerbung auch in Berlin nur ein Angebot aus Hamburg vorliegt. »In Hamburg wissen sie offensichtlich, wie viele Lehrer sie brauchen«, kommentierte Harnischfeger. In der Schulverwaltung geht man davon aus, den Lehrerbedarf zum Teil durch Umsetzungen aus östlichen Bezirken abdecken zu können. Einige haben einen Überhang von 80 Stellen gemeldet. »Aber Namen, wer kommt, kann uns die Schulverwaltung nicht nennen, also wissen wir nicht, welche Fächer abgedeckt sind und können keinen Stundenplan machen«, so Laube. Die Umsetzungen könnten längst abgeschlossen sein. Probleme befürchten Laube und Harnischfeger vor allem in den unteren Klassen. »Wir brauchen ausgebildete Grundschullehrer und bekommen Oberschullehrer.« In ihrer Not haben sich Grundschuldirektoren aus Mitte direkt an Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gewandt. Anforderungen an die Qualität speziell in der Schulanfangsphase seien durch innerbezirkliche Umsetzungen aus dem Oberschulbereich nicht zu realisieren. »Das Schuljahr 2007/2008 ist nur im Sinne einer Notversorgung einzurichten«, Unterrichtsausfall sei »quasi systembedingt vorgegeben«, heißt es in einem Brief an Zöllner. Der ließ gestern ausrichten, dass die Schulen eine Ausstattung erhielten, »um die Unterrichtsversorgung zu 100 Prozent zu sichern«.
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