nd-aktuell.de / 12.02.2020 / Politik / Seite 4

Debatte um Abbiegeunfälle

Fahrradverband und Transportbranche fordern mehr Schutz für Radfahrer

Berlin. Fahrradlobbyisten und Transportfirmen setzen sich gemeinsam für einen besseren Unfallschutz von Radfahrern im Verkehr ein. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) forderten am Dienstag in einem gemeinsamen Papier den Umbau von Kreuzungen, getrennte Grünphasen an Ampeln und eine möglichst flächendeckende Ausrüstung von Lastwagen mit Abbiegeassistenzsystemen, die Fahrer im Ernstfall warnen.

»Die Art, wie Kreuzungen in Deutschland gestaltet sind, begünstigt schwerste Unfälle. Wenn an der Ampel Lkw und Rad direkt nebeneinander stehen und gleichzeitig Grün bekommen, ist höchste Gefahr im Verzug«, erklärte ADFC-Geschäftsführer Burkhard Stork in Berlin. BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt betonte, beide Verbände »eint das Anliegen, die angespannte Situation auf den Straßen zu entschärfen« und »Radfahrende besser vor schrecklichen Kollisionen mit Lastwagen zu schützen«. Die Branche sehe sich auch in der Fürsorgepflicht für ihre Fahrer, die durch die Unfälle traumatisiert würden.

Der BGL forderte alle Lkw-Besitzer zugleich dazu auf, in Abbiegeassistenten zu investieren. Jährlich sterben laut ADFC bundesweit etwa 30 bis 40 Menschen, weil sie an Kreuzungen von abbiegenden Lastwagen erfasst werden. Sie befinden sich für die Fahrer im sogenannten toten Winkel.

ADFC und BGL schlagen auch vor, dass die Verkehrsbehörden die Ampelschaltungen verändern. Abbiegende Lkw und die neben ihnen stehenden Radfahrer hätten dann nicht mehr gleichzeitig Grün. Auch sollten die Kommunen die Verkehrsführung an Kreuzungen so anpassen, dass der Lkw-Verkehr räumlich von Radfahrern und Fußgängern getrennt und besser gesehen werden kann.

Europaweit ist die Einführung von Abbiegeassistenten für Lkw beschlossen. Sie werden aber erst ab 2022 schrittweise verpflichtend, ab Juli 2024 müssen laut EU-Beschluss alle neuen Lkw damit ausgerüstet sein. Der Zeitplan gilt vielen als unzureichend. AFP/nd