Rückfall in schlechte alte Zeiten

Reimar Paul über die Entscheidung für ein neues Atommüllzwischenlager

  • Reimar Paul
  • Lesedauer: 1 Min.

Mitten in Deutschland, in Würgassen im östlichen Nordrhein-Westfalen, soll ein Atommüllzwischenlager gigantischen Ausmaßes entstehen. Hier will die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung die schwach und mittelradioaktiven Abfälle aus ganz Deutschland einsammeln und bündeln, bevor sie im Endlager Schacht Konrad in Salzgitter deponiert werden. Mit Blick auf eine möglichst reibungslose Einlagerung in Konrad macht der Bau eines vorgeschalteten Eingangslagers Sinn, aber die Auswahl des Standorts ist mehr als fragwürdig. Die Anzahl riskanter Atommülltransporte würde in die Tausende gehen und sich verdoppeln, da der strahlende Abfall ein zweites Mal von Würgassen über 130 Kilometer nach Salzgitter geschafft werden muss. Wenn überhaupt, sollte das Zwischenlager in der Nähe von Schacht Konrad gebaut werden - auch wenn die Region schon jetzt stark belastet ist.

Fast schlimmer noch ist die Art und Weise, wie der Bund den Standort von oben herab per Pressemitteilung dekretiert. Weder die Bevölkerung noch ihre lokalen Vertreter wussten vorab Bescheid. Dabei hatten die Verantwortlichen nach den Erfahrungen mit Gorleben doch versprochen, die Suche nach Atommülllagern werde nun ganz anders ablaufen: transparent und mit Beteiligung der Öffentlichkeit. Der Vorgang in Würgassen ist ein Rückfall in schlechte alte Zeiten. Den Widerstand gegen das neue Lager dürfte das beflügeln.

Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Das beste Mittel gegen Fake-News und rechte Propaganda: Journalismus von links!

In einer Zeit, in der soziale Medien und Konzernmedien die Informationslandschaft dominieren, rechte Hassprediger und Fake-News versuchen Parallelrealitäten zu etablieren, wird unabhängiger und kritischer Journalismus immer wichtiger.

Mit deiner Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Sei Teil der solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

Vielen Dank!

Unterstützen über:
  • PayPal