nd-aktuell.de / 27.05.2021 / Brandenburg / Seite 11

Mehr Kultur bei Kohleausstieg

Sonderausschuss des Landtags erörtert Strukturentwicklung in der Lausitz

Tomas Morgenstern

Das reiche industrielle Erbe der Mark steht im Mittelpunkt des Themenjahres 2021 der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte. Dass damit nicht zuletzt auch die Lausitz mit ihren Braunkohletagebauen und der darauf basierenden Energie- und Chemieindustrie gemeint ist, betonte Kulturland-Chefin Brigitte Faber-Schmidt am Mittwoch im Potsdamer Landtag. Im Sonderausschuss Strukturentwicklung in der Lausitz präsentierte sie das Programm des Themenjahres, das unter dem Motto »Zukunft der Vergangenheit - Industriekultur in Bewegung« am 4. Juni in Eberswalde (Barnim) eröffnet wird und landesweit mehr als 40 Projekte umfasst. Es geht dabei um Erhalt, Wiederbelebung und Umnutzung von Standorten der Industriegeschichte.

»Wir sehen Industriekultur natürlich auch als einen Blick in die Vergangenheit, aber wir wollen insbesondere auch den Bogen spannen zu den aktuellen Fragen und den Zukunftsfragen, die sich in der Lausitz auch noch einmal in besonderer Weise verdichten«, erklärte Faber-Schmidt. In die Lausitz lädt zum Beispiel ab Juli eine Ausstellung im Stadtmuseum Cottbus. »Das Projekt des Museums hat sich vorgenommen, nicht weniger als 3000 Jahre Lausitzer Industriekultur zu präsentieren«, so Faber-Schmidt. Von der Bronzezeit über die Eisenzeit bis zur Entstehung des Hüttenwerks in Peitz und des Eisenhammers in Lauchhammer werden Spuren beleuchtet - vom Holz zur Holzkohle, vom Bronze- zum Eisenguss, von der Braunkohle zu Briketts, ohne die es das regionale Textil- und Glasgewerbe nicht gegeben hätte.

Mit dabei ist auch die 1882 in Domsdorf (Elbe-Elster) gegründete Brikettfabrik Louise, die bis in die 1990er Jahre Berlin belieferte und von einstigen Mitarbeitern nach der Wende als Denkmal erhalten wurde. Als Transformationsprojekt richte sich dort die Schülerakademie mit Angeboten an junge Leute. »Sie macht mit der Industriegeschichte vertraut und zeigt, wo die Reise in der Region noch hinführen könnte«, so Faber-Schmidt.

Bei Projekten wie der »Louise« gehe es besonders um Wertschätzung von konkreten Lebensleistungen von Menschen in der Lausitz, wie Kathrin Dannenberg (Linke) einwandte. Faber-Schmidt verwies darauf, dass es gerade in Zeiten des Wandels wie heute auch um Stolz auf die Region gehe, um Stolz auf die industrielle Vergangenheit und darauf, an der Zukunft für sich selbst und die Region zu arbeiten. Dabei müsse man auch europäisch denken, zu den Nachbarn nach Sachsen, Polen und Tschechien blicken.

Wie groß die Rolle von Kunst und Kultur bei der Stärkung der kulturellen Identität für die Ober- und Niederlausitz ist, erläuterte Brandenburgs Kulturstaatssekretär Tobias Dünow (SPD) anhand von Projekten aus den Bereichen Kunst und Kultur im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes. Eines der Kernprojekte sei der Kulturplan Lausitz, ein Gemeinschaftsvorhaben von Brandenburg und Sachsen, als Sofortmaßnahme finanziert vom Bund. Es sei der Versuch, mit den Menschen vor Ort und ihren eigenen Initiativen ins Gespräch über deren Projekte zu kommen und diese gemeinsam mit ihnen zu entwickeln.