Beratungslücke für Alleinerziehende schließen

Die kostenlose »Hotline Familienrecht« will Alleinerziehende bei Rechtsfragen unterstützen

Geben viel Unterstützung und brauchen auch Unterstützung: Alleinziehende
Geben viel Unterstützung und brauchen auch Unterstützung: Alleinziehende

Rund 2,6 Millionen Menschen sind in Deutschland alleinerziehend, fast jede fünfte Familie. Für diese Personengruppe liegt das Armutsrisiko bei 43 Prozent, das macht aus ihnen die am meisten von Armut bedrohte Bevölkerungsgruppe. Durch strukturelle Mehrfachbelastung wie Beruf und Carearbeit verfügen Alleinerziehende oft über geringe finanzielle Mittel. Das macht sich in vielen Lebensbereichen bemerkbar, so ist auch der Zugang zu einer Rechtsberatung bei Fragen rund um Trennung und Familienrecht erschwert.

Da niedrigschwellige Beratungsangebote bundesweit kaum vorhanden sind, hat die Stiftung Alltagsheld:innen die erste bundesweite kostenfreie Rechtshotline für Alleinerziehende ins Leben gerufen. »In den vergangenen Jahren ist zu beobachten, dass der Bedarf nach spezialisierter Beratung in diesem Rechtsbereich deutlich zugenommen hat. Die Betreuung der gemeinsamen Kinder nach Trennung wird immer häufiger auch mit rechtlichen Mitteln ausgetragen«, sagt Heidi Thiemann, geschäftsführende Vorständin der Stiftung Alltagsheld:innen.

Und wie groß der Bedarf ist, zeigt sich jetzt schon: Bis Mitte August sind die halbstündigen Termine mit den Rechtsanwält*innen restlos ausgebucht – die Webseite ist am 18. Mai online gegangen. Für die »Hotline Familienrecht« wurden zwei Anwält*innen und die technische Struktur wie etwa die Webseite zur Verfügung gestellt. Staatliche Unterstützung gibt es bei fehlender oder nicht ausreichender rechtlicher Beratung von Alleinerziehenden noch nicht. Es gibt zwar lokale Verbände und Vereine, die Rechtsberatung anbieten, doch nur vor Ort. In Zeiten von Corona oder im ländlichen Raum sind diese rechtlich speziellen Beratungen aber nicht für alle zugänglich.

Die Stiftung Alltagsheld:innen will deshalb neue Wege gehen mit dem Pilotprojekt. Auch das Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« sei aus Strukturen entstanden, die anfänglich von Vereinen und Projekten initiiert wurden, so eine Sprecherin. Die Hoffnung ist, dass die Bundesregierung auch ein Angebot für Alleinerziehende mit Rechtsfragen auflegt.

www.hotline-familienrecht.de

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