nd-aktuell.de / 08.12.2007 / Kultur / Seite 12

Bescherkinder und Pfefferküchler

Die Oberlausitz wirbt mit alten Advents- und Weihnachtsbräuchen

Wolfgang Weiß

Mit zahlreichen vorweihnachtlichen Überraschungen will die Oberlausitz dem Erzgebirge Konkurrenz machen. Dabei kann sie mit einigen Besonderheiten aufwarten, die es nur hier, in der Region zwischen Bautzen, Görlitz, Löbau und Zittau, gibt. Wie etwa die Tradition des Bescherkindes.

Diese Figur gibt es nur noch in der Trachtenregion des Kirchspiels Schleife. Bescherkinder, so die Überlieferung, erfreuen in der Vorweihnachtszeit Jung und Alt mit kleinen Geschenken. Sie treten dabei in einer typisch schleifer-sorbischen Tracht auf. Geheimnisvoll ist das von einem weißen mit Perlen geschmückten Tuch verdeckte Gesicht des jungen Mädchens. Im Sorbischen Kulturzentrum in Schleife bekommt der Besucher einen Überblick über sorbisches Brauchtum auch und gerade in der Weihnachtszeit. Und so erfährt man auch, dass jeder Ort ein eigenes Bescherkind hat, dessen Kleidung variiert.

Auf eine ebenfalls lange Tradition verweist ein Museum in Weißenberg. In der »Alten Pfefferküchlerei«, dem einzigen technischen Museum des Pfefferküchlerhandwerks in Europa, finden in der Adventszeit Weihnachtsausstellungen statt, so an diesem Sonntag mit dem Titel »Das Christkind zu Besuch«. Außerdem werden hier die Gewinner des Wettbewerbs »Wer bäckt das schönste Pfefferkuchenhaus« ermittelt.

Pfefferkuchen selber backen und verzieren kann man auch im Haus des Gastes in Pulsnitz, der »Hauptstadt« dieses berühmten Backwerkes. In der Pulsnitzer Schauwerkstatt gibt es dazu Tipps und Anregungen.

Advent ist auch die Zeit der Weihnachtssterne. Eine besondere Form kommt aus Herrnhut. Der vielzackige Herrnhuter Stern wird hier seit Anfang des 20. Jahrhunderts manufakturmäßig hergestellt. Ob groß oder klein, gelb, rötlich oder mehrfarbig, für innen oder außen – auf dem Betriebsgelände der Sterne GmbH kann man wochentags ganz nah beobachten, wie diese Festtagsbeleuchtung entsteht.

Eine Krippenausstellung ist noch bis Sonntag in der Schirgiswalder Pfarrkirche zu sehen. Zu den mehr als 100 Exponaten, fast alle aus Privatbesitz, gehören viele geschnitzte böhmische Krippen. Denn Schirgiswalde gehörte bis 1845 als Enklave zu Böhmen. Durch familiäre und konfessionelle Bindungen über Generationen hinweg hat sich die nordböhmische Krippentradition bis in die Gegenwart erhalten. Ort und Umgebung gelten heute als die einzige Region in Deutschland, in der diese Art der Krippenkunst fast lückenlos nachgewiesen werden kann.

Auch Eisenbahnnostalgiker kommen in der Advents- und Weihnachtszeit in der Oberlausitz auf ihre Kosten. Zwischen Zittau und Oybin verkehrt am zweiten und dritten Advent ein Nikolaus-dampfzug der Zittauer Schmalspurbahn und am 24. Dezember der Weihnachtsmanndampfzug.

Einen Tag später findet in Oybin die traditionelle Kaiserweihnacht statt. Da macht sich der Kaiserzug von Karl IV. mit Rittern, Mönchen und Mägden auf den Weg zur Burg, wo die Besucher mit Krippenspiel, Chorgesang und Märchen unterhalten werden.