Lachen links von der SPD

Das prime time theater zieht im guten schlechten Wedding um

Gelacht wurde links von der SPD natürlich schon immer. Aber nun sind der Heiterkeit keine Grenzen mehr gesetzt. Das prime time theater – seit Jahren beheimatet in der Müllerstraße 163b – zieht in den von den Besitzern des Kurt-Schumacher-Hauses veräußerten linken Flügel. Während die 1962 von Willy Brandt eröffnete Berliner SPD-Zentrale von der Müllerstraße 163 aus zu betreten ist, gelangt man vom Tag der Befreiung an, dem 8. Mai, zum prime time theater von der Burgsdorfstraße aus ins selbe Haus. Der Eingang wird nicht zu übersehen sein.

Prenzlwichser, Friedrichshainis, Kalle, Onkel Ahmed – der komplette Ölgür-Schinkel-Witzkowsky-Clan der 2004 entstandenen Theatersitcom »Gutes Wedding, schlechtes Wedding« (GWSW) von Constanze Behrends Tautorat, die zusammen mit Oliver Tautorat das Theater führt, packt seine Sachen und zieht in ein größeres Quartier. 210 Plätze hat der neue Theatersaal, der behindertengerecht über ein großes Foyer mit Bar zu erreichen ist.

Nach wie vor dürfen die Besucher ihre Getränke mit in den Saal nehmen und sitzen nun bequemer. Die neuen Sessel sind alte aus dem Schiller-Theater. Der Ausbau der neuen Räume wird gefördert durch das Bund-Länder-Programm »Aktive Stadtzentren«, Teilgebiet Müllerstraße, durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung »Investition in Ihre Zukunft« und durch Lotto-Gelder. Da haben also auch viele, die dachten, sie haben wieder nichts gewonnen, einen guten Tipp abgegeben und mitgeholfen. »Dankeschön«, sagt das Theater allen. Die neue Vorderbühne geht in die Breite. Dahinter bewegt sich das, was sich W.E.L.T. nennt – »Wedding Entertainment Live Television«. Diese Weiterentwicklung des Theaterkonzepts verbindet Film und Fernsehen eng mit dem Theaterspiel. Zwei große Rückprojektierungswände erlauben das Zusammenspiel der Schauspieler auf der Bühne mit dem »eigenen Klon im Fernsehen« oder mit anderen Darstellern. Hintergründiges wird mit Hilfe einer so genannten Greenbox zum Vorschein kommen. »Innerhalb einer Millisekunde kann eine Figur vom verschneiten Paris ins tropische Brasilien und zurück ins Weddinger Wohnzimmer reisen«, kündigt das Theater an. Da öffnen sich Abgründe. Was treibt beispielsweise der türkische Onkel Ahmed immer so lange im Keller? Der Mann wirkt, als könnte er kein Wässerchen trüben. Ist er vielleicht doch ein reicher Besucher aus dem osmanischen Reich? Das kommt alles raus.

Bis zum 19. April zeigt das prime time theater die GWSW-Folge 58 »Die Post-Moderne« noch in den bisherigen Räumen. Die neue Spielzeit am 8. Mai beginnt mit der Uraufführung von »The Friecks – eine Rockstory«. Um das und was sonst noch geschieht im neuen W.E.L.T-Format zu sehen, müssen Zuschauer künftig einen Euro drauflegen und für eine Karte 10, ermäßigt 7 Euro zahlen. Aber darüber können sie sich auch freuen, denn das kleine Theater-Unternehmen stellt einen weiteren Mitarbeiter ein und die Gehälter der Schauspieler werden endlich etwas erhöht. Wo sonst bitte gibt's denn momentan noch so was zu erleben? Fröhliche Anti-Krise in der Müllerstraße!

Informationen auf:
www.primetimetheater.de
Karten-Tel: 49 90 79 58

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung