nd-aktuell.de / 10.02.2011 / Kultur / Seite 17

Leseprobe

Welternährung

Gibt es Hoffnung, den Hunger in der Welt wirksam zu bekämpfen? ... Über Jahrzehnte hinweg suchte man die Lösung in der Entwicklung immer neuer Sorten, einer hoch technisierten Landwirtschaft und in der Produktion von mehr Nahrungskalorien. Doch Technologie allein reicht nicht aus. Die Probleme liegen tiefer. Es ist die ungleiche Verteilung von Landbesitz, Produktionsmitteln und sozialen Dienstleistungen wie Zugang zu Bildung und Gesundheit, die zu einer unsicheren Ernährungslage führt – und damit zu dem ständigen Kampf um ein elementares Menschenrecht, das Recht auf Nahrung.,

Wir haben uns daran gewöhnt, dass bei uns in Deutschland die Regale in den Supermärkten überquellen und die Preise für Lebensmittel seit Jahrzehnten sinken, während in den Medien über Versorgungskrisen und Hunger in der Welt berichtet wird. Die wenigsten Menschen bei uns bringen die Bilder von Dürren im Sahel, Überschwemmungen in Asien und Hungeraufständen in Haiti mit unserem Alltag in Verbindung. Während die Schicksale der Menschen nach der Jahrhundertflut in Pakistan zumindest kurzfristig in die Öffentlichkeit dringen, bleiben die vielen Millionen unbeachtet, die in Afrika, Asien und Lateinamerika an chronischem Hunger leiden. Und dies ist nicht neu.

Erst wenn sich Nahrungskrisen (wie die im Jahr 2008) zuspitzen und die Nachrichten von Hungerrevolten berichten, Barrikaden in den Slums der Entwicklungsländer brennen und Läden und Wohnungen geplündert werden, geraten die verdrängten Probleme der Welternährung wieder in das öffentliche und politische Bewusstsein. Dann schrecken Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsunternehmen wieder auf und beeilen sich, die Schäden zu begrenzen. Doch schnell umgesetzte Verteilungsprogramme behandeln nur die Symptome, nicht aber die tiefer liegenden Ursachen.

Aus der Einleitung des von Lioba Weingärtner und Claudia Trentmann im Auftrag der Deutschen Welthungerhilfe e.V. herausgegebenen »Handbuchs Welternährung« (Campus, 240 S., br., 17,40 €).