nd-aktuell.de / 17.02.2012 / Sport / Seite 19

Suche nach dem Reset-Knopf

Titelverteidigerin Cathleen Martini vermisst vor Bob-WM in den USA alte Leichtigkeit

Frank Kastner, dpa

Weibliche Routine und männliche Unbekümmertheit: Mit dieser Mischung wollen die deutschen Bobfahrer bei der WM erfolgreich sein. Nach guten Resultaten im Weltcup tragen sie ab heute auch auf der komplizierten WM-Bahn in Lake Placid die Favoritenrolle. »Die haben wir uns über die Saison erarbeitet. Doch mit den Nordamerikanern, Russen und Schweizern ist immer zu rechnen. Wir müssen gut in den Wettkampf kommen, nur das zählt«, gab Cheftrainer Christoph Langen die Richtung vor.

Bei den Frauen bringt Langen gleich drei Favoritinnen an den Start. Titelverteidigerin Cathleen Martini muss jedoch noch zu ihrer Lockerheit zurückfinden, nachdem der Druck beim Weltcupfinale immens groß auf ihr lastete. Immerhin holte sie nach zwölf Jahren zum ersten Mal den Gesamtsieg und verhinderte den zehnten in Serie von Dauerrivalin Sandra Kiriasis. »Ich muss jetzt den Reset-Knopf finden und auf mein Gefühl hören«, sagte Martini. Im Training war jedoch Kiriasis die Schnellste.

Gemischte Gefühle hat die Winterbergerin Kiriasis, die in dieser Saison noch ohne Sieg ist und ausgerechnet in Lake Placid 2009 ihre bitterste Stunde erlebte. Als hohe Favoritin verzockte sie sich damals in der Auswahl ihrer Anschieberin und verbuchte mit Platz sieben die schlechteste WM-Platzierung ihrer Karriere. Martini fuhr damals mit Janine Tischer auf Rang drei. Für Anja Schneiderheinze, die im Gesamtweltcup Zweite wurde, ist die WM nur noch Zugabe: »Ich bin als Neuling in Übersee auch auf dieser Bahn nur Außenseiterin.«

Bei den Männern muss Langen auf die verletzten Routiniers Thomas Florschütz und Karl Angerer verzichten. Dafür bringt er die unbekümmerten Jungen Maximilian Arndt und Manuel Machata sowie Juniorenweltmeister Francesco Friedrich an den Start. Machata war der Aufsteiger des Vorjahrs und holte auf Anhieb den Titel im großen Schlitten. In diesem Winter lief es bislang durchwachsen, doch der Oberhofer Arndt trat in seine Fußstapfen und gewann den EM-Titel im Vierer sowie den Gesamtweltcup. »Wir sind bereit. Schnelle und harte Bahnen wie diese liegen mir. Ich will um den Sieg mitfahren«, meinte Arndt, der plötzlich auch im Zweier mit Florschütz' Anschieber, Olympiasieger Kevin Kuske, Siegpotenzial hat. Im Training lag er nur eine Hundertstelsekunde hinter der Bestzeit von Lokalmatador Steven Holcomb.