nd-aktuell.de / 26.06.2012 / Politik / Seite 2

Die Gewalt und das Lachen

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622-76) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Erzähler des 17. Jahrhunderts. Der einstige Soldat hat den »Simplicius Simplicissimus« geschrieben. Der angebliche Schelmenroman gibt uns eine Vorstellung der Gräuel des Dreißigjährigen Krieges. Da lachte der kleine Simplex, nur so zur Gesellschaft, als sein Vater lacht. Dem hatte man die Fußsohlen mit Salzlake eingestrichen. Eine Ziege leckte sie mit ihrer rauen Zunge voller Inbrunst. Lachen als Ausdruck von Ohnmacht. Spät erst begriff Simplex, dass da gefoltert wird. Da blieb im das Lachen im Halse stecken.

Damit ist er heutigen Zeitgenossen weit voraus. Heute wird Folter sogar als moralisch geboten dargestellt - ohne dass ein allgemeiner Aufschrei erfolgt. Im sogenannten »Krieg gegen den Terror« entführte die US-Regierung Verdächtige in einer für einen demokratischen Rechtsstaat einmaligen Art und Weise. »Rendition« - wie Pakete flogen CIA und DIA Menschen in geheime Foltergefängnisse. Die wurden außerhalb des US-Territoriums mit Hilfe williger Verbündeter aufgebaut, um die Garantien von Washingtons Verfassung zu umgehen. Man pfiff auf das Strafrecht, weil Anti-Terror-Kampf angeblich nicht per Strafrecht zu leisten ist. Mit der Schaffung einer neuen Kategorie von »Illegalen feindlichen Kämpfern« hebelte man sogar die Mindestregeln des Kriegsrechts aus. Guantanamo gilt als Schmerzensschrei des Rechts.

Man kennt Verantwortliche und Täter. Die Nummern der fliegenden Gefangenenkarren sind notiert, Verliese in Polen, Litauen und Rumänien aufgedeckt. So wie die Lohnfolterei für US-Dienste in Damaskus und Amman. Konsequenzen? Keine!

Was also hat sich seit dem Mittelalter verändert? Nun ja, die Salzlake-Folter wurde durch Waterboarding ersetzt. hei.