nd-aktuell.de / 17.02.1994 / Politik / Seite 1

Schweres Erdbeben verwüstete Sumatra

Jakarta (dpa/Reuter/ND). Bei einem Erdbeben auf der indonesischen Insel Sumatra sind am Mittwoch nach offiziellen Angaben mindestens 131 Menschen getötet und 75 000 obdachlos geworden. Der etwa 30 Sekunden dauernde Erdstoß der Stärke 6,5 auf der nach oben offenen Richterskala verursachte im Süden der Insel schwerste Zerstörungen. Rund 30 Stunden nach der Katastrophe befürchteten die Behörden, daß die Zahl der Opfer noch erheblich steigen dürfte.

Allein im ländlichen Liwa-Distrikt in der schwer getroffenen Lampung-Provinz konnten nach Angaben eines Behördensprechers bisher 117 Leichen geborgen werden. Mehr als 1000 Menschen wurden als verletzt gemeldet, davon 450 schwer. „Die Zahl der Toten dürfte aber noch weiter steigen“, hieß es. Im Liwa-Di-

strikt mit rund 100 000 Einwohnern lägen drei Viertel aller Häuser in Trümmern.

Das ganze Ausmaß der Katastrophe sei noch nicht abzusehen, sagte der Sprecher. Bislang hätten Rettungsmannschaften nicht in alle betroffenen Regionen vordringen können, wo insgesamt sieben Millionen Menschen leben. Tele-

fonverbindungen seien unterbrochen, Straßen und Brücken zerstört; Rettungsteams seien teilweise auf Motorrädern auf dem Weg in die unzugänglichen Bergregionen.

Die Katastrophe hatte die meisten Menschen kurz nach Mitternacht im Schlaf überrascht. Die Opfer seien unter ihren Häusern begraben oder

durch herabfallende Steine erschlagen worden, hieß es. Erschütterungen waren auch auf Java und in der Hauptstadt Jakarta zu spüren. Das Epizentrum des Bebens lag nach Angaben des Seismologischen Instituts in Jakarta mehr als 300 Kilometer vor der Westküste Indonesiens im Indischen Ozean. Experten verglichen seine Stärke mit dem jüngsten schweren Erdbeben in Kalifornien.

Auch die nordwestchinesische Provinz Qinghai wurde am Mittwoch von einem Beben der Stärke 5,8 betroffen; nach Angaben der Behörden stürzten etwa zehn Häuser ein.

Das Beben auf Sumatra ist das schwerste in Indonesien seit der Katastrophe vom Dezember 1992, als auf der Insel Flores im Süden des Archipels etwa 3000 Menschen durch ein Seebeben starben.