Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

Um die Inhalte, die in den Jahrgängen bis 2001 als gedrucktes Papier vorliegen, in eine digitalisierte Fassung zu übertragen, wurde eine automatische Text- und Layouterkennung eingesetzt. Je älter das Original, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der automatische Erkennvorgang bei einzelnen Wörtern oder Absätzen auf Probleme stößt.

Es kann also vereinzelt vorkommen, dass Texte fehlerhaft sind.

Im Gerichtssaal saß auch der Geheimdienst

Folge einer Deutschlandreise: Prozeß gegen indonesischen Regimekritiker in Jakarta

Von KRISTINA VAILLANT

Verschärfte Sicherheitskontrollen und ein großes Polizeiaufgebot bestimmten das Bild bei der Eröffnung des Prozesses gegen den ehemaligen indonesischen Parlamentsabgeordneten Sri Bintang Pamungkas in Jakarta. Schon Stunden vorher waren Plätze im Gerichtssaal von Abgesandten des indonesischen Geheimdienstes besetzt. Nur wenige Sympathisanten des Angeklagten gelangten nach Abgabe ihrer Personalausweise in den Saal.

In der Anklageschrift wird Pamungkas der Beleidigung und Rufschändung des Staatsoberhauptes bezichtigt - in Indonesien eine schwerwiegende Beschuldigung. Bei einer Ver-

anstaltung vor indonesischen Studenten an der Technischen Universität Berlin im Vorfeld des Suharto-Besuches im April dieses Jahres soll er gesagt ha-

ter Sri Bintang Pamungkas, keine politische Rede zu halten, worauf dieser entgegnete: „Ich habe nur offen meine Meinung geäußert, und auf dieses Recht lege ich großen Wert.“ Pamungkas forderte das Gericht auf, ihn nicht weiter als Kriminellen zu behandeln.

Als der Angeklagte, dem bis zu sechs Jahre Haft drohen, nach der ersten Verhandlungsrunde das Gerichtsgebäude verließ, bekundeten etwa 50 Studenten mit Rufen und Transparenten ihre Solidarität mit dem Regänekritiker.

Die Regierung hingegen scheut keine Mühen, eine Verurteilung zu erreichen. Das Militär betrachtet den Ex-Abgeordneten zudem als einen der Drahtzieher der Protestaktio-

nen beim Besuch Suhartos im April in Dresden. Deshalb wurden Regierungsbeamte nach Deutschland geschickt, um Belastungszeugen ausfindig zu machen. Fündig wurde man in Berlin: Drei indonesische Studenten wurden nun nach Jakarta geflogen, um gegen den Angeklagten auszusagen.

„Präsident Suharto hatte mit einem regelrechten Wutausbruch auf die Proteste gegen ihn in Dresden reagiert. Jetzt will die Regierung um jeden Preis einen Schuldigen finden, um ihr Gesicht zu wahren“, so ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation Watch Indonesia. Sie hat auf Bitte der Verteidigung ebenfalls drei Zeugen zum Prozeß entsandt, der am kommenden Mittwoch fortgesetzt wird.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
Mehr aus: Politik