Lafontaine holte bei Saar-PDS »Standing Ovations« ab

Landesverband machte Weg frei für linken Erfolg bei Bundestagswahlen

Alles verändert sich, auch im Saarland. Vorbei die Zeiten, in denen die kleine saarländische PDS ihre Landesversammlung in einem kleinen Raum ohne großes Medienecho abhielt.
Am Wochenende tagten die Sozialisten in der Saarbrücker Kongresshalle - zwar noch nicht im großen Saal sondern in einem kleineren Nebenraum. Dennoch: Das Medieninteresse ist so groß wie nie, vier Kamerateams wuselten aufgeregt zwischen den 27 Delegierten und den Gästen umher.
Grund dafür war natürlich Oskar Lafontaine. Auch für den ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten haben neue Zeiten begonnen. Während er früher auf den Landes- und Bundesparteitagen der SPD von hunderten Delegierten frenetisch umjubelt wurde, fällt sein Einzug in die Kongresshalle diesmal sehr bescheiden aus. Nur die Kamerateams verfolgten nervös jeden seiner Schritte, die Delegierten dagegen ließen sich zunächst in ihren Gesprächen nicht stören. Erst, als Lafontaine an seinem Platz angekommen war, kam kurz etwas Applaus auf.

Ein Polit-Profi redete sich warm
Gefeierte Einzüge sehen anders aus. Und als der PDS-Landesvorsitzende Hans-Kurt Hill in seiner Einführung sagte: »Wenn mir nach der Landtagswahl jemand gesagt hätte, dass Oskar Lafontaine auf einer Versammlung der PDS sprechen würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt«, kam prompt aus dem Publikum ein lautes: »Wir auch!« Es war also wirklich kein Heimspiel für den ehemaligen SPD-Vorsitzenden. Und so wirkte er am Beginn seiner Rede auch unsicher, ruhig, fast zurückhaltend. Doch er wusste, wie er das Vertrauen der Delegierten gewinnt. Und so schmeichelte er den PDS-Genossen, geißelte Agenda 2010 und neoliberale »Altparteien«, warb und kämpfte. Er erklärte, es sei »bemerkenswert«, dass die saarländische PDS über zwei Prozent und bei den Kommunalwahlen in der Stadt Saarbrücken sogar mehr als drei Prozent der Stimmen erhalten hätten. Dennoch, man müsse nun einmal die Fünf-Prozent-Hürde nehmen, und das Schlimmste wäre, wenn bei der Bundestagswahl zwei linke Parteien jeweils 4,999 Prozent bekommen würden. »Wir brauchen eine neue, starke Linke, die die Mehrheit des Volkes wieder vertritt.« Er habe auch nichts gegen die PDS und »wir wollen sie nicht umbenennen, weil wir weglaufen vor dem, was die PDS in den letzten 15 Jahren in Ostdeutschland gemacht hat«, aber ein Neuanfang sei nötig.
Lafontaine wusste, wie er die Zuhörer packt, nach und nach wurde er angriffslustiger, redete sich in Fahrt - und bekam immer mehr Applaus von den versammelten PDS-Delegierten und den Gästen der WASG. Die »Altparteien« und auch die meisten Medien würden »die Irrlehre jeden Tag herunterbeten: Die Volkswirtschaft wächst, wenn es dem Volk schlecht geht.« Lafontaine nahm sich seine Gegner vor: In letzter Zeit habe es einen »großen Missbrauch des Wortes Populismus« gegeben, vor allem von »denjenigen, die im Widerspruch zur Meinung der großen Mehrheit des Volkes stehen. Ich sage zu denen: Ihr seid anmaßend und abgehoben!«
Wie derzeit gegen ihn und die Linkspartei gehetzt werde, zeige, »dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich mit politischen Gegnern in der Sache auseinander zu setzen«. Immer mehr redete er sich in Fahrt, immer begeisterter reagierte sein Publikum. Am Ende bekam er Standing Ovations von den PDS-Delegierten und den Gästen. Der kleine Saal tobte.

WASG-Mann an der Spitze der Liste
Im Anschluss daran ging es eher unspektakulär weiter. Es stand die Umbenennung der Saar-PDS in »Die Linkspartei. Landesverband Saarland« auf dem Programm. Zum Thema gab es gerade einmal vier Wortmeldungen. Die Landesversammlung folgte mit großer Mehrheit dem Antrag des Landesvorstandes. An der Spitze der achtköpfigen Landesliste stehen Volker Schneider Bundesgeschäftsführer des Berufsverbandes der Sozialarbeiter und Mitglied der WASG sowie Hans Kurt Hill, Landesvorsitzender der PDS.

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