nd-aktuell.de / 05.12.2012 / Wirtschaft und Umwelt / Seite 17

Deutsche Autolobby ziemlich zufrieden

Branchenverband legte Zahlen für 2012 vor

Kurt Stenger

Die deutsche Autoindustrie ist zufrieden mit ihrem Geschäft und blickt trotz Euro-Krise optimistisch in die Zukunft. Gerade in den größten Pkw-Märkten USA und China gebe es eine »sehr dynamische Automobilkonjunktur, an der die deutsche Industrie überproportional teilhat«, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Dienstag in Berlin.

Weltweit wird der Pkw-Markt im Gesamtjahr 2012 nach Schätzungen des VDA um rund vier Prozent auf gut 68 Millionen verkaufte Einheiten wachsen. Für 2013 soll die 70-Millionen-Marke erreicht werden. Die Entwicklung ist aber sehr uneinheitlich. Kräftigen Zuwächsen in China (plus acht Prozent auf 13,2 Millionen Einheiten) und den USA (plus zwölf Prozent auf 14,3 Millionen Einheiten) stehen erneute Einbrüche in Westeuropa gegenüber. Bei den Verkaufszahlen macht sich vor allem der massive Rückgang in Italien, Spanien und Frankreich bemerkbar. Allein in Spanien ist der Markt gegenüber dem Jahr 2007 um fast 60 Prozent geschrumpft.

In Deutschland rechnet der VDA bei den Neuzulassungen für 2012 mit einem - wenngleich moderaten - Minus von zwei Prozent auf 3,1 Millionen Stück. Wissmann findet diese Entwicklung angesichts der doch recht stabilen Gesamtkonjunktur in der Bundesrepublik etwas rätselhaft und vermutet, dass die Psychologie mit im Spiel ist: »Wer Tag für Tag schon beim Frühstück mit der Frage konfrontiert wird, ob dieses oder jenes EU-Land noch seine Schulden bezahlen kann - und was die entsprechenden Rettungsmaßnahmen für den deutschen Steuerzahler bedeuten könnten -, der geht nicht am Nachmittag voller Vorfreude ins Autohaus, um einen Neuwagen zu kaufen.«

Die deutschen Hersteller haben mittlerweile ihren Weltmarktanteil auf rund 20 Prozent erhöht. Das liegt nach Ansicht des VDA vor allem daran, dass sie vor allem auf die PS-starke Oberklasse setzen, wo man auf 80 Prozent Weltmarktanteil kommt. Insgesamt zählt die Branche einschließlich der Zulieferer laut VDA knapp 749 000 Beschäftigte, ein Plus von 18 700 gegenüber dem Vorjahr.

Die Probleme, dass es globale Überkapazitäten in der Kfz-Industrie gibt und dass deutsche Hersteller bei der Reduktion des CO2-Ausstoßes nicht gerade spitze sind, spielt beim VDA keine Rolle. Man erwartet lieber wie gewohnt Hilfe von der Politik. Und so hatte Wissmann auch einen Wunschzettel parat: mehr Freihandelsabkommen, niedrige Energiekosten und Steuern sowie Entgegenkommen bei der Klimapolitik.