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Deutschlandlied - alle Strophen

Antifa verdächtigt Sacha Korn des Rechtsrocks im Rockerclub, er dementiert beides

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

Ist der Rocksänger, Gitarrist und Musikproduzent Sacha Korn ein Nationalist, ein Rassist, ein Rechtsextremist oder sind das alles unhaltbare Anschuldigungen? Eins steht fest: Naiv ist der durchtrainierte und tätowierte Künstler jedenfalls nicht, und unpolitisch auch nicht.

Unklar ist dann schon wieder, ob Sacha Korn am 6. April im Domizil des Motorradclubs Silvertooth MC in Lieberose spielt. Die Antifa Cottbus erklärt, sie habe einen entsprechenden Hinweis erhalten. Korn dementiert. Er werde an dem Tag ein Konzert in der Nähe von Cottbus geben, aber nicht beim Silvertooth MC in Lieberose.

Auch der MC-Vorstand erklärt, dass Korn am 6. April nicht im Club auftreten werde. Von den Vorwürfen gegen den Musiker habe man bislang nichts gewusst. Er habe tatsächlich im Oktober vergangenen Jahres im Club gespielt. Doch da habe es in den Texten nichts gegeben, das auf einen rechtsextremistischen Hintergrund schließen ließ. »Rassistisches oder menschenverachtendes Gedankengut ist uns fremd«, beteuerte der Vorstand. »Wir wollen zusammen Spaß haben und Motorrad fahren!« Kein Clubmitglied unterhalte Beziehungen zu Rechtsextremisten, heißt es.

Die Angelegenheit erregt nicht zuletzt deshalb Aufmerksamkeit, weil das Innenministerium gerade erst wieder auf gefährliche Querverbindungen zwischen Rockerszene und rechtem Lager speziell in Südbrandenburg hingewiesen hat. Außerdem erklärte die Landtagsabgeordnete Bettina Fortunato (LINKE) kürzlich anlässlich der Vorlage des aktuellen Verfassungsschutzberichtes, dass Hassbands und Hassmusik nach wie vor für den Einstieg ins rechte Milieu benutzt werden. Dass es nicht gelungen sei, diesen Einfluss zurückzudrängen, bereite ihr Sorge, sagte Fortunato.

Was Lieberose betrifft, so beschwert sich Marlene Müller von der Antifa Cottbus: »Es ist inakzeptabel, dass islamophoben, völkischen und rassistischen Musikern eine Bühne geboten wird.« Die Antifa meint, auf Bildern aus dem Clubhaus Besucher entdeckt zu haben, die Kleidung der bei Neonazis beliebten Modemarke »Thor Steiner« trugen oder sich mit naziverherrlichenden Symbolen schmückten. Deshalb könne davon ausgegangen werden, dass Clubmitglieder mit rassistischer und faschistischer Ideologie sympathisieren, schlussfolgert die Antifa.

Die Vorwürfe gegen Korn wiegen schwer. Beispielsweise ließ die rechtsextreme NPD eins seiner Lieder auf ihre berüchtigte Schulhof-CD pressen, ein Lied verwendete sie für einen Wahlwerbespot. Die Polizei unterband Konzerte, der Verfassungsschutz erwähnte den Rocker. Allerdings wehrte sich Korn und erreichte vor Gericht, dass sein Name aus dem Verfassungsschutzbericht gestrichen werden musste. Auftritte wurden nach langer Pause wieder zugelassen.

Auf die Schulhof-CD und in den Wahlspot sei er gegen seinen Willen gelangt, beteuert Korn. Er habe danach angewiesen, dass Rechte an seinen Titeln an Parteien in Deutschland künftig nicht mehr abgetreten werden dürfen. Er sei kein Nationalist und kein Rassist, stecke weder mit der NPD, noch mit einer anderen Partei unter einer Decke. Wenn man ihn dennoch in eine politische Ecke stellen wolle, so könne er sagen, dass er den italienischen Politclown Beppe Grillo »sehr gut« finde. Den ausgeprägten Familiensinn islamischer Menschen bewundere er.

Das »Lied der Deutschen« hat Korn modern interpretiert. Er singt alle drei Strophen der Nationalhymne, also auch »Deutschland, Deutschland über alles« und »Von der Maas bis an die Memel«. Verboten ist das nicht, bloß seit dem Zweiten Weltkrieg bei offiziellen Gelegenheiten nicht mehr üblich. Der Text, 1841 von Hoffmann von Fallersleben gedichtet und damals ganz anders gemeint als in der Nazizeit, ist von den Faschisten zweifellos missbraucht worden. Es stellt sich aber die Frage, ob nicht auch Korn Missbrauch betreibt?

»Ich liebe Sport, laute Rockmusik« und »Ich liebe mein Land«, sagt er. Dann erzählt er in seiner Stellungnahme zu den Vorwürfen der Antifa noch davon, wie schwierig es sei, sich nach einem Konzert oder per Post mit ideologisch noch nicht gefestigten jungen Menschen auszutauschen und ihnen klar zu machen, »dass Extremismus nie gut ist oder ein Weg sein kann«. Das klingt vernünftig.

Auf seiner Facebook-Seite notiert Korn allerdings: »Definitiv ist man kein Islamfeind, wenn man eine zügellose Zuwanderung kritisch sieht.« Und er regt ironisch an, dass akzentfreies Deutsch vielleicht unter Strafe gestellt werden sollte. Oder er schreibt von Rechtsextremen, die es wagten, »die ruhmreiche und mutige Vernichtung von Frauen und Kindern in Frage zu stellen und all jener zu gedenken, die bei Bombenangriffen starben« - und dass die Rechten dabei vergaßen, dass es »als demokratisches Highlight« gehuldigt werden müsse, »wenn es um die Vernichtung Deutscher geht«. Mit dem 8. Mai gebe es in der BRD einen Gedenktag dafür. Das hört sich schon ganz anders an.

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