nd-aktuell.de / 21.11.2013 / Sport / Seite 19

Die Brust noch stolzer geschwellt

Cristiano Ronaldo schießt die Portugiesen mit drei Toren zur WM und will endlich mal wieder Weltfußballer werden

Thomas Lipinski
Cristiano Ronaldo hat das Duell der Superstars gegen Zlatan Ibrahimovic gewonnen. Während der Portugiese nach seinen drei Toren beim 3:2 im Playoff-Rückspiel nach Brasilien fliegt, interessiert den Schweden die WM nicht mehr.

Nach seiner spektakulären Torshow schwebte Cristiano Ronaldo plötzlich in höchsten Sphären. »Wie Gott«, schrieb die spanische Sportzeitung »Marca«. Englands Fußballikone Gary Lineker schwärmte: »Er ist nicht von dieser Welt.« Mit seinem grandiosen Dreierpack beim 3:2 (0:0) im Playoff-Rückspiel in Schweden hatte der Superstar nicht nur Portugal nach Brasilien geschossen sowie Fans und Experten in Ekstase versetzt. Er hatte auch Widersacher Zlatan Ibrahimovic jegliche Lust auf die WM genommen.

»Eins ist sicher«, sagte der exzentrische Torjäger der Schweden nach dem Showdown der Egomanen, »eine WM ohne mich ist etwas, was mich nicht interessiert.« Dabei hatte Ibrahimovic mit zwei Toren selbst seinen Teil zum Spektakel in Solna beigetragen, am Ende stahl ihm jedoch Ronaldo das WM-Ticket - und brachte ihn damit um die wohl letzte Chance auf einen Auftritt auf der ganz großen Bühne. »Es war wahrscheinlich mein letzter Versuch, mich für eine WM zu qualifizieren«, sagte der 32-Jährige und blickte schon auf das Ende seiner Karriere: »Beim nächsten Mal werde ich wohl nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen.«

Dass in Brasilien die Kunststücke von »Ibrakadabra« fehlen werden, dürfte Ronaldo wenig stören. Der 28-Jährige verspürte nach seiner Gala höchste Genugtuung. Nicht nur darüber, dass er Ibrahimovic ausgestochen hatte - und er nun in der spanischen Presse zum »Gott« wurde, nachdem sich sein Kontrahent in einem Interview vor dem Spiel selbst so genannt hatte. Der Torjäger von Real Madrid genoss besonders die Fragen nach Joseph Blatter. Der Präsident des Weltverbandes FIFA hatte sich vor vier Wochen vor Studenten in Oxford über den Portugiesen lustig gemacht und ihn mit militärischem Gruß als Kommandanten persifliert. »Ich muss niemandem eine Antwort geben, ich mache das auf sportliche Weise«, sagte Ronaldo. Sein Jubel nach den drei Toren (50./77./79.) sah aus wie eine Botschaft an den FIFA-Boss. Breitbeinig baute er sich auf und zeigte mit beiden Händen auf seine stolz geschwellte Brust.

Die ultimative Genugtuung könnte am 13. Januar 2014 folgen, wenn in Zürich der Weltfußballer gekürt wird. Ronaldo hat beste Chancen, aus Blatters Hand den Goldenen Ball zu bekommen - wenn er denn zur World Player Gala erscheint. Die Zahlen sprechen für ihn: Seit Anfang des Jahres hat der Portugiese bereits 66 Tore erzielt. Zum Vergleich: Lediglich Bayern München und Borussia Dortmund trafen in der Bundesliga im selben Zeitraum öfter.

Dass zuletzt viermal in Folge sein argentinischer Rivale Lionel Messi als bester Fußballer der Welt ausgezeichnet wurde, ärgert den selbstbewussten Ronaldo. Zwar betonte er: »Ich bin nicht besessen, Titel zu gewinnen. Ich muss auch niemandem mehr etwas beweisen.« Doch es klang durch, dass er sich ungerecht behandelt fühlt: »Ich habe jede Saison 40, 50 Tore geschossen, das ist für die anderen unerreichbar.«

Unerreichbar war »CR7« am Dienstagabend auch für Ibrahimovic. Zwar schlug zunächst der Schwede zu. Mit zwei Toren in vier Minuten (68./72.) brachte er die »Tre Kronor« nach Ronaldos erstem Streich in Führung. 50 000 blau-gelbe Fans im Stadion träumten nach dem 0:1 im Hinspiel wieder von Brasilien. »Das hat uns wirklich nervös gemacht«, gab Ronaldo zu. Doch dann stahl er »Ibrakadabra« die Show, und dem Unterlegenen im Duell der Giganten blieb nur noch, dem Sieger zu applaudieren. SID/nd