nd-aktuell.de / 02.04.2014 / Kommentare / Seite 4

Symbolkatalane

Pep Guardiola gilt als Vorzeigekatalane und Unabhängigkeitsverfechter

Martin Ling

Parteipolitische Präferenzen hat Josep »Pep« Guardiola öffentlich bisher nicht geäußert. Dennoch sind sich alle in Katalonien sicher, der »Pep« ist ein Linker. Immerhin hat er offen gesagt: »Wir spielen linken Fußball. Alle machen alles.« Noch öfter als zu linkem Fußball bekennt sich der am 18. Januar 1971 im katalanischen Dorf Santpedor Geborene zu Katalonien. Schon als junger Profi äußerte er sein Bedauern, nicht für Katalonien auflaufen zu können und notgedrungen in Spaniens Selección Karriere machen zu müssen, wobei dort Titel bis auf den Olympiasieg 1992 in Barcelona ausblieben.

Guardiola ist ein klarer Verfechter der Unabhängigkeit Kataloniens, die seit der Verwerfung des neuen Autonomiestatuts 2010 durch das Verfassungsgericht in Madrid großen Zulauf erhält. Offensichtlichster Ausdruck ist jeweils der 11. September, der Nationalfeiertag »La Diada«, an dem alljährlich mit Blumengebinden der Schlappe im Jahr 1714 gedacht wird, als Barcelona vor den Truppen des Bourbonenkönigs Philipp V. kapitulierte und anschließend seine Selbstverwaltung verlor. 2012 meldete sich Guardiola per Videobotschaft aus seinem damaligen New Yorker Sabbatjahr. Seine klare Botschaft an die Millionen Demonstranten: Meine Stimme für die Unabhängigkeit habt ihr.

Inzwischen verkündet der neben katalanisch, spanisch, italienisch und englisch nun auch passabel deutsch sprechende und seit Juli 2013 Bayern München trainierende Fußballlehrer seinen Willen zur Unabhängigkeit auch in der Sprache von Goethe und Marx: In einem im März in den spanischen Medien veröffentlichten Video fordert er gemeinsam mit anderen katalanischen Prominenten »das Recht auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung« ein. Bei seiner Rede im katalanischen Parlament 2011, wo er für seine Verdienste um den FC Barcelona ausgezeichnet wurde, brachte er Fußball und Politik auf eins: »Wir haben viele Rückschläge einstecken müssen, als Mannschaft und als Land ... Und wir haben uns immer wieder aufgerappelt.« Madrid wird die Botschaft ernst nehmen.