nd-aktuell.de / 17.06.2014 / Politik / Seite 10

Frauen erhellen Afrika

Tansania bildet Solaringenieurinnen aus

New York. »Mutter war meist zu Hause. Seit ihrer letzten Reise ist sie viel unterwegs. Sie ist jetzt Ingenieurin und Gemeindeführerin«, erzählt ein zehnjähriges Mädchen aus Chekeleni, einem Dorf im südtansanischen Bezirk Mtwara. »Wenn ich groß bin, möchte ich auch eine Anführerin sein. Vielleicht werde ich Präsidentin.«

Noch vor gut einem Jahr herrschte in Chekeleni nach Sonnenuntergang Dunkelheit. Doch inzwischen dringt Licht aus vielen Hütten. Mindestens 200 Haushalte verfügen über eine eigene Mini-Solaranlage, um ihren Strombedarf zu decken. Insgesamt sechs Frauen aus den ländlichen Bezirken Mtwara und Lindi gehörten zur Gruppe von 25 Müttern und Großmüttern, die am »Barefoot College« in Tilonia im indischen Bundesstaat Rajasthan zu Solaringenieurinnen ausgebildet wurden. Obwohl sie Analphabetinnen sind, haben sie gelernt, wie man Solaranlagen installiert und wartet. Das Schulungsprogramm ist Teil der 2011 gestarteten Initiative »Ländliche Frauen erhellen Afrika«, ein Partnerschaftsprojekt von UN Women und dem Barefoot College. Nach dem Lehrgang statteten die Frauen die Haushalte mit kleinen Solaranlagen aus und führen Wartungsarbeiten durch.

»Wir hoffen, dass wir anderen Frauen zu Vorbildern werden, die ihre Lage verbessern und der Armut entkommen wollen«, meint Mariam Luwongo aus Nitekela, eine der Solarmütter. Obwohl sie alle weder lesen noch schreiben können und ihre finanziellen Möglichkeiten begrenzt sind, ist es ihnen binnen weniger Wochen gelungen, die Dörfer Chekeleni, Nitekela and Mjimwema in der Nähe der mosambikanischen Grenze mit Solarstrom zu versorgen. Ausgestattet wird jeder Haushalt mit einer 20-Watt-Solarpaneele, einer Zwölf-Volt-Batterie, einem Mobiltelefonladegerät und drei Neun-Watt-Lampen. Die Frauen hatten das Paket während ihrer Fortbildung in Indien zusammengestellt. Die Familien sparen so monatlich 1000 Schilling an Kerosin und Ladegebühren für ihre Handys. Zudem sind die Sicherheitsrisiken geringer, seit sich die Verwendung des hoch entflammbaren Kerosins erübrigt hat.

Die indische Regierung hat Hilfsgelder zugesagt, die die Einrichtung eines Solarenergie-Trainingszentrums außerhalb des Bezirks Mtwara in Tansania ermöglichen sollen. Die sechs tansanischen Solaringenieurinnen werden dann als Dozentinnen auftreten und ihr Wissen an andere weitergeben. IPS