nd-aktuell.de / 01.10.2014 / Wirtschaft und Umwelt / Seite 16

Piloten streiken - Lufthansa mauert

Konzern drängt weiter auf Kostensenkung und Profit

Hans-Gerd Öfinger
Auch nach dem eintägigen Streik am Frankfurter Flughafen ist kein Ende des Tarifkonflikts zwischen dem Pilotenverband Cockpit (VC) und der Lufthansa in Sicht.

Die sichtbaren Streikfolgen hielten sich am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen in Grenzen. An den Terminals herrschte »Business as usual«. Annulliert wurden laut Anzeigetafeln bestreikte Lufthansa-Flüge nach Nordamerika mit Zielen wie Atlanta, New York, Chicago, Detroit, Dallas, Los Angeles oder Washington, die hier üblicherweise am Vormittag starten. Am Abend waren die Flüge Richtung Fernost an der Reihe. Teils setzte die Lufthansa kurzfristig Führungskräfte mit Pilotenschein in den bestreikten Fliegern ein. Gestrandete Passagiere waren nicht zu sehen, schließlich waren die meisten per Telefon, SMS oder Mail informiert worden.

Weil der Streik auf einen Tag befristet war, hatte der VC diesmal auf eine Kundgebung vor der nahen Lufthansa-Zentrale verzichtet. Man wolle den Mitgliedern die langen Anfahrtswege zum Airport ersparen und die Möglichkeit geben, am Mittwoch ausgeruht den Flieger zu besteigen, so VC-Vorstand Markus Wahl. Er hielt am Dienstag im Terminal 1 die Fahne seiner Organisation hoch und stand Journalisten Rede und Antwort.

Wahl bemängelte auf »nd«-Anfrage, dass sich das Management in den Verhandlungen um die Regelung der betrieblichen Alters- und Übergangsversorgung für ältere Piloten »bei den Kernforderungen nicht bewegt« und teils noch Verschlechterungen vorgelegt habe. »Da ist kein ernsthafter Wille zu einer Lösung erkennbar«, so Wahl. Der Konzern hatte den entsprechenden Tarifvertrag bereits 2013 gekündigt. VC möchte im Prinzip die bestehenden Regelungen für einen vorzeitigen Ruhestand auch für neu Eingestellte behalten, während den Konzernchefs für die künftige Übergangsversorgung ein rein »arbeitnehmerfinanziertes Modell« vorschwebt.

Die Piloten argwöhnen, dass es die Großaktionäre, allen voran die US-Investmentfirma Blackrock, auf die Rückstellungen für die Versorgung der Piloten in Höhe von rund einer Milliarde Euro abgesehen haben. Die Vermutung liege nahe, dass es um Profitmaximierung und eine Ausschüttung dieser Gelder als Dividende gehe, so Wahl. Gäben die Piloten jetzt nach, so träfe dies auch andere Berufsgruppen und löse eine allgemeine Abwärtsspirale bei Löhnen und Sozialleistungen aus. »Wir haben nach teils jahrelangen Verhandlungen derzeit 15 offene Tarifbaustellen«, so Wahl. Anders als in früheren Jahrzehnten lege das Management keinen Wert mehr auf ein »Miteinander« und Kompromisse. Auf Dauer lasse sich ein Betrieb aber nicht gegen die Mitarbeiter führen. Unter den Piloten habe sich aufgrund mangelnder Wertschätzung durch das Management gedrückte Stimmung breit gemacht, so Wahl. »Man fühlt sich verschaukelt.«

Anfang vergangener Woche war das Management beim Frankfurter Arbeitsgericht mit dem Antrag auf eine einstweilige Verfügung gescheitert. Darin sollte VC zur Einhaltung einer Ankündigungsfrist von mindestens 48 Stunden vor Streikbeginn verpflichtet werden. »Dies war der vierte untaugliche Versuch, den Konflikt in den Gerichtssaal zu verlagern und zu ersticken, statt sich am Tariftisch zu bewegen«, resümiert der Verband.