China kündigt hackersicheres Internet an

2016 soll zwischen Peking und Schanghai ein Quantenkommunikationsnetzwerk für staatliche Stellen in Betrieb genommen werden

  • Von Daniel Kestenholz und Kurt Stenger
  • Lesedauer: 3 Min.
Kann es ein hackersicheres Internet geben? Chinesische Wissenschaftler meinen ja - und kündigen zudem eine baldige Realisierung an.

China will als erstes Land ein größeres Quantenkommunikationsnetzwerk installieren, das hackersicher sein soll. Der erste Teil werde sich über 2000 Kilometer von Peking nach Schanghai erstrecken und soll im Jahr 2016 am Netz sein, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag unter Verweis auf beteiligte Wissenschaftler berichtete. Bis 2030 könne das chinesische Netzwerk die Welt umspannen. Das im vergangenen Jahr gestartete Peking-Schanghai-Projekt kostet den Wissenschaftlern zufolge umgerechnet rund 1600 Dollar pro Nutzer.

Laut Xinhua wird das neue Quanteninternet von der Zentralregierung, dem Militär und Schlüsselunternehmen wie Banken genutzt werden. Das Land sei »in gewissen Bereichen der Quanteninformationswissenschaft und -technologie führend«, sagte Jian-Wei Pan, Professor an der Universität für Wissenschaft und Technologie am Montag bei einer internationalen Konferenz in Hebei. Großstädte wie Hefei und Jinan seien bereits dabei, eigene Quantennetzwerke zu bauen, und würden an das zentrale Netz angeschlossen. Pan hatte 1999 an der Uni Wien bei einem Pionier der Quantenkommunikation, dem Österreicher Anton Zeilinger, promoviert, mit dem sich Pans Arbeitsgruppe seither einen Wettlauf über die längste Datenübertragungsstrecke auf der Basis von Quantenzuständen liefert.

In der Quanteninformationstechnologie werden Daten jenseits der physikalischen Grenzen existierender Systeme verarbeitet und übertragen. Dazu werden Quantenzustände von physikalischen Informationsträgern wie Elektronen, Photonen und Atomen erschlossen und genutzt. Die Informationen werden als sogenannte Qubits gespeichert, die sich stark von klassischen Bits unterscheiden.

Zumindest in der Theorie ist das Quanteninternet sicher. Jeder Versuch, die Verschlüsselung zu decodieren, würde den physikalischen Status der Informationsträger, der Qubits, ändern und Alarm auslösen. US-Wissenschaftler hatten die Grundlagen der Technologie bereits in den 1980er Jahren erforscht, doch die Quantenkommunikation blieb wegen der technischen Herausforderungen bisher auf kurze Distanzen beschränkt. Das größte Problem ist, den fragilen Quantenzustand der Qubits über lange Distanzen zu gewährleisten. Dies soll mithilfe eines Netzwerks an Repeaterstationen gelingen, das mit der Infrastruktur des heutigen Internets verglichen werden kann.

Dass China beim Quanteninternet vorangeht, ist auch deshalb bemerkenswert, da der Staat in Verdacht steht, für Hackerangriffe auf Computer und Server weltweit verantwortlich zu sein. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden, wonach der US-Geheimdienst NSA in großem Stil vertrauliche Informationen auf »Network Backbones«, also Kupfer- und Glasfaserkabeln mit hoher Kapazität, sammeln, ist die chinesische Führung überzeugt, dass die Schaffung einer sicheren Internetinfrastruktur Priorität hat. Statt andere zu kopieren, erweist sich China dank großzügiger staatlicher Förderung derzeit als führend bei der technischen Umsetzung. Bereits 2016 soll ein erster Quantenkommunikationssatellit ins All entsandt werden. Das chinesische Netzwerk »wird nicht nur den höchsten Grad von Schutz für Regierungs- und Finanzdaten bieten«, erläutert Quantenphysiker Pan, »es dient auch als Testfeld für Quantentheorien und neue Technologien«.

Europa, Japan und Kanada arbeiten an der Entwicklung eigener Satellitenprojekte. Dagegen wünscht sich in den USA ein Privatkonsortium eine staatliche Finanzierung für den Bau eines 10 000 Kilometer langen Quantennetzwerks, das alle größeren Städte verbinden soll.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung