nd-aktuell.de / 10.04.2015 / Politik / Seite 20

Indonesier überlebt im Radkasten

Blinder Passagier wollte seinen Geburtsort sehen

Barbara Barkhausen, Sydney

Der 21-jährige Indonesier Mario Steve Ambarita muss einen besonderen Schutzengel gehabt haben. Er ist einer der wenigen Menschen, die einen Flug außerhalb der Passagierkabine in voller Reiseflughöhe überlebt haben. Der junge Mann hatte sich am Dienstag im Radkasten eines Flugzeugs der indonesischen Fluglinie Garuda versteckt. Der Flieger startete am Nachmittag in Pekanbaru auf der Insel Riau und landete nach einem etwa einstündigen Flug in Jakarta, der Hauptstadt des südostasiatischen Inselstaates.

Nach lokalen Medienberichten hatte der junge Mann genau recherchiert, wann das Flugzeug kurz vor dem Start noch einmal stoppen würde und er in den Radkasten klettern könnte. Er soll den Flughafen in den Tagen vor seinem Abenteuer auch längere Zeit beobachtet haben, um den Moment genau abzupassen.

Garuda-Sprecher Pujobroto sagte gegenüber tribunnews.com, der junge Mann sei entdeckt worden, als er nach der Landung in Jakarta aus dem Radkasten stolperte. Obwohl er sein Abenteuer überlebt habe, sei er noch nicht bei stabiler Gesundheit. »Seine Finger sind blau angelaufen und eines seiner Ohren blutete«, sagte Pujobroto. Ambarita war in den Radkasten geklettert, weil er unbedingt einmal Jakarta sehen wollte - seine Geburtsstadt - sich aber kein Flugticket leisten konnte.

Das Flugzeug von Riau nach Jakarta war zwar nur eine Stunde in der Luft. Doch es erreichte bis zu 12 000 Meter Flughöhe, wo Temperaturen weit unter null Grad und Sauerstoffmangel den 21-Jährigen hätten töten können. Laut der »Kompas daily« ist Ambarita erst der dritte blinde Passagier seit 1981, der in Indonesien einen Flug im Radkasten überlebt hat.

Vor einem Jahr hatte in Amerika ein blinder Passagier ähnliches Glück gehabt. Er überlebte einen fünfstündigen Flug von Kalifornien nach Hawaii im Radkasten eines Flugzeuges. Der 16-Jährige soll aufgrund von Sauerstoffmangel und Kälte einen Großteil des Fluges bewusstlos gewesen sein.

Kürzlich wurde die Geschichte des bisher wohl waghalsigsten blinden Passagiers aller Zeiten im Buch festgehalten. In »Out Of The Box: The Highs And Lows Of A Champion Smuggler« erzählen die Autoren die Lebensgeschichte des Australiers Reg Spiers, der sich 1964 im Alter von 22 Jahren selbst in einer Kiste per Post von London nach Perth schickte, da er ähnlich wie der junge Indonesier heute kein Geld für ein Flugticket hatte. Wie durch ein Wunder überlebte auch der Australier sein Abenteuer im Frachtraum, obwohl er 63 Stunden unterwegs war und zwischendurch in Mumbai Stunden in der Mittagshitze auf dem Rollfeld stehen gelassen wurde und beinahe dehydriert wäre.