nd-aktuell.de / 10.10.2015 / Kultur / Seite 19

Alles genau gemessen

Wetterprognosen bieten inzwischen viele an. Doch ohne die Daten und Computer der staatlichen Dienste läuft nichts.

Steffen Schmidt

Die Prognose für das Wochenendwetter versprach Mitte der Woche für den Osten Deutschlands überwiegend sonniges, wenn auch kühles Wetter. Bestenfalls bei der Temperatur wichen die Prognosen des staatlichen Deutschen Wetterdienstes (DWD) von denen privater Anbieter geringfügig ab. Die Übereinstimmung ist auch kein Wunder. Zwar besitzt etwa die MeteoGroup in Deutschland eine größere Zahl eigener Messstationen (Karte), doch für ihre Prognosen müssen auch die privaten Dienste auf die Daten staatlicher Wetterdienste zurückgreifen.

Denn der DWD misst nicht nur Temperatur, Luftdruck, Niederschläge, Windrichtung und -geschwindigkeit an seinen rund 2000 Messstationen, er betreibt zusammen mit den übrigen europäischen Wetterdiensten zudem Satelliten, die großflächig das Wetter erfassen. Darüber hinaus betreibt er 17 Wetterradarstationen und bekommt von knapp 600 Handelsschiffen Daten von hoher See und aus Verkehrsflugzeugen. Außerdem liefert er mit jährlich 7500 Wetterballonaufstiegen Messdaten aus den höheren Schichten der Atmosphäre.

Ob für die Flugwetterprognose oder die Wetterprognose in den Fernsehnachrichten - alle greifen auf diese Daten zurück. Daten allein reichen allerdings nicht aus. Die Meterorologen haben in den letzten Jahrzehnten immer bessere Computermodelle der atmosphärischen Prozesse entwickelt. Das derzeit auch in Deutschland und der Schweiz genutzte Modell wurde von den staatlichen Wetterdiensten und Wissenschaftlern von 50 Universitäten entwickelt. Um die Wetterdatenmenge zu verarbeiten und damit eine einigermaßen feinmaschige Prognose zu errechnen, braucht man sogenannte Supercomputer, die mehrere Billionen oder gar Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde ausführen können. Die beiden Cray-Computer des DWD kommen mit ihren rund 400 Billionen Rechenoperationen auf Platz 169 und 170 der Top 500 der Supercomputer. Die hier modellierte Wetterentwicklung für Deutschland dient dann als Grundlage für die Prognosen, auch der privaten Anbieter. Da bestimmte Regionen - Gebirge etwa, oder Millionenstädte - abweichende lokale Trends aufweisen, bleibt immer noch ein Interpretationsspielraum. Dabei helfen dann wieder lokale Wetterbeobachtungen - der Blick des Meteorologen aus dem Fenster. Steffen Schmidt