Ausgabe vom 10.02.2007

Testspiel

Wer schrieb es? Bei unseren westlichen Grenznachbarn, die ja eine bestimmte Art Deutsch auch sprechen, ist Reform einfach ein anderes Wort für Verschlechterung. Hochschulreform: weniger Wissen. Gesundheitsreform: weniger Gesundheit. Steuerreform: mehr Abgaben. Noch im Fluss ist unser einheimischer Wortgebrauch. Etwa die Sozialismusreform... Was war es? Was geschah am 15. Februar 1971 Epochales in ...

Mautzende Despoten

Auf dem Bauernhof herrschen die Katzen. Nur der mutige Supermäuserich »Gil mit den grünen Hosen« kann da etwas Trost spenden. Und Mut machen. Aber warum eigentlich nur er? Und schon beginnen einige vorwitzige junge Mäuse den Aufstand gegen die Katzentyrannei zu predigen ... Unübersehbar besitzt die Tiergeschichte parabolischen Charakter, und es bietet sich an, vermenschelnde Schlussfolgerungen zu...

Reizen im Netz

Dieser Tage gewann der Amateur Markus Bindl (Neumarkt, bei Nürnberg) das GameDuell Skat- Masters gegen den amtierenden Skat-Europameister Joachim Körner, Preisgeld: 25 000 Euro. Die Technologie des Web 2.0 und die große Gemeinschaft von Spiele- und Skatbegeisterten machen es möglich, auf www.gameduell.de gegen immer neue Skatgegner aus ganz Deutschland anzutreten. Im Mai 2006 hatte GameDuell zusa...

ndPlusTom Mustroph

Gute Räder, aber kein guter Rat

Ein kleines Dorf in Sizilien; mein Bekannter Roberto Alajmo berichtete mir darüber. Viel Sonne, wenig Menschen und wenig Arbeit für die Dagebliebenen. Im Sommer kommen ein paar Touristen, die die zwei Herbergen des Ortes frequentieren und ein wenig Geld in den Bars und Lebensmittelläden lassen. Einmal ist auch ein Paar mit Fahrrädern unter ihnen. Es quält sich die steilsten Straßen hoch. Plötzlich...

Sonderbonus und Sieg

Bei nationalen Meisterschaften kann letztlich nur einer gewinnen, deshalb entscheidet manchmal eine Sonderwertung über den Titel. So auch jüngst bei der 78. Deutsche Meisterschaft in Bad Königshofen. Vor der letzten Runde hatte Rainer Buhmann (26) einen halbe Punkt mehr als Arkadij Naiditsch (21) und holte abschließend nur ein Remis. Naiditsch brauchte gegen Michael Prusikin (29) also unbedingt ei...

Besuch beim Paten

Chicago im Jahr 1930. Mafiapate Don Pedro Calliente hat mehrere Mitglieder seiner Familie auf sein Anwesen geladen. Die konkurrierenden Morelli-Brüder setzen dem Clan zu. Don Pedro gibt sich geheimnisvoll: Die Zukunft der Familie steht auf dem Spiel. Auch wir Spieler wissen zu Beginn nicht, was uns erwartet. Per Brief haben wir eine Einladung zur Krimiparty und eine Beschreibung unserer Rolle in d...

Alfred Michaelis, Luang Namtha

Auf Opium folgt Kautschuk

Yeng Ly greift das winklige Messer und setzt es an die Rinde des Baumes. Behutsam schält er schräg von unten nach oben einen schmalen Streifen heraus. Sofort quillt weißer Saft hervor und rinnt in eine Tonschüssel. Latex, der Saft des Heveabaumes, aus dem Naturkautschuk gemacht wird.

ndPlusHarald Lachmann

Die unbegründete Angst vor Meister Isegrim

Der Wolf, das unbekannte Wesen. Jeder im Lande glaubt ihn zu kennen, hört von klein auf die Gruselmärchen um Rotkäppchen und die sieben Geißlein. Und doch weiß die Menschheit noch nicht einmal Verbindliches über das Wanderverhalten von Wölfen in Mitteleuropa. Als sicher gilt nur, dass Isegrim auf der Suche nach einem Partner Hunderte Kilometer hinter sich bringt. Um diesen Lusttrieb genauer auszul...

WochenChronik

9. Februar 1972: Großbritannien und Frankreich erkennen als erste NATO-Staaten die DDR an. 10. Februar 1842: Samuel Colt stellt das erste funktionierende Exemplar des nach ihm benannten Trommelrevolvers vor. 10. Februar 1947: Die Alliierten unterzeichnen in Paris Friedensverträge mit den Verbündeten des »Dritten Reiches« im Zweiten Weltkrieg: Bulgarien, Finnland, Italien, Rumänien und Ungarn. 10. ...

ndPlusMartin Stolzenau

Martha Schrag

Ihr Werk spiegelt Natur und soziale Wahrheit: Martha Schrag mauserte sich abseits vom kommerziell einträglichen Kunstbetrieb, ungeachtet aller Einschränkungen und Entbehrungen zur eigenständigen künstlerischen Größe. Inzwischen gilt sie neben Ikonen wie Käthe Kollwitz zu den »bedeutendsten Frauenpersönlichkeiten in der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts«. Ihr Werk umfasst Stillleben, Landschafte...

Wilhelm Ersil

Nicht nur zivile, friedliche Ziele

Vor 50 Jahren fanden die abschließenden Verhandlungen zwischen der BRD, Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten über die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) statt. Im Januar und Anfang Februar 1957 erörterten die Außenminister die Vertragstexte. Am 19./20. Februar wurden die Verhandlungskompromisse von den Regierungschefs bestätigt. Am 25. März erfolgte in Rom die Unterzeichnung der Verträge. Damit waren grundlegende Weichen für den weiteren Weg der westeuropäischen Integration gestellt.

ndPlusWerner Ruch

Dr. Suhr bedauerte außerordentlich

»Konzernenteignung beschlossen«, »Notmaßnahmen für die Opfer der Kälte und des Hungers«. So und ähnlich waren Berichte der Berliner Tageszeitungen über die 15. Ordentliche Berliner Stadtverordnetenversammlung am 13. Februar 1947 getitelt. Auf der Tagesordnung des im Herbst des Vorjahres gewählten Parlaments stand der Antrag der SPD-Fraktion, ein Gesetz zur Überführung von Konzernen und sonstigen w...

Fred Kelemen

Selbstbefragung vor blindem Spiegel

Kennen Sie den? - Adolf Hitler als boxendes Senfwürstchen. Oder den? - Adolf Hitler als impotenter Bettnässer? Darf man über Hitler lachen? Diese, im Zusammenhang mit dem Film »Mein Führer« von Dani Levy öffentlich gestellte Frage, ist im Jahre 62 nach Adolf lächerlich. Sie wurde schon zu Lebzeiten des »Führers« intelligent von Charles Chaplin beantwortet. Auch wenn dieser später sagte, er hätte ...

Jetzt also ist »die Katze aus dem Sack«

»Ein moderner Sozialismus« hieß der Artikel von Gregor Gysi (ND vom 3./4. Februar 2007) - basierend auf einer Rede des Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag, gehalten an der Universität Marburg. Hier eine Replik von KLAUS BLESSING und MATTHIAS WERNER, die jüngst durch ihr Buch »Die Schulden des Westens« von sich reden machten.

Frau Paula Trousseau

In den drei Wochen bis zum Semesteranfang sprach Hans kein Wort über mein Studium. Er blendete es vollkommen aus, als könnte sein Stillschweigen es aus seinem und meinem Leben streichen. Mir war das recht. Was zu sagen war, hatte ich gesagt. Meine Freundin Katharina hatte mir eine Unterkunft in Berlin besorgt, in Weißensee, nur eine Viertelstunde von der Hochschule entfernt, ein Zimmer in der Dre...

Spreequellen und die Welt

Markus Wolf, langjähriger Chef des DDR-Nachrichtendienstes, starb im November 2006. Bis kurz vor seinem Tode traf er sich mit dem Journalisten Hans-Dieter Schütt, der ihn interviewte - ein Buchprojekt mit offenem Ausgang. Über Nacht sind diese Gespräche, zwischen Juli und Oktober vergangenen Jahres, zur Hinterlassenschaft geworden. Geplant waren die Interviews für eine ND-Buchreihe - »AutorenLeben«: biografische Nachfragen zum 20. Jahrhundert, zu dessen Aufbrüchen und Katastrophen. Markus Wolf, 1923 als Sohn des Schriftstellers Friedrich Wolf geboren, erzählt von dem, was eine Existenz trägt, wenn »sich die Nebel lichten über der Unruhe, die einen durch die Zeiten trieb« (Alexander Puschkin).

Günter Schenk

Alpenländer auf Kundenfang

Sekunden nur währt die Abfahrt, ein schneller Schuss 300 Meter bergab. Jahrzehnte aber soll er nachwirken. Das jedenfalls hoffen die Bergbahnen in der österreichischen Ski-Hochburg Sölden, die in Bispingen weit vor den Toren Hamburgs zum Winterauftakt eine der modernsten Skihallen Europas eröffnet haben. Einen riesigen Ski-Dom, dessen bis zu 100 Meter breite Pisten das ganze Jahr über 35 Zentimete...

ndPlusGottfried Walsch

Huckepack bergauf und bergab

Raus aus dem Bus, rein in die Bahn. Die Urlauber haben nicht einmal die Muße, den prächtigen Bahnhof in Obstfelderschmiede anzusehen, ein restauriertes Fachwerkgebäude. Schon ruckt die Bahn an, gleitet langsam bergan. »Und wenn das Seil reißt«, fragt ein vorwitziger Fahrgast. »Dann verlangen wir Intercity-Zuschlag«, kontert Ronald Pforte. Der untersetzte 42-Jährige mit dem kleinen Oberlippenbart n...

Heidi Diehl

Das kreative Objektiv

Erinnerungen an die Kindheit sind bei mir mit langatmigen und langweiligen Diavorträgen der Verwandtschaft über ihren Urlaub verbunden. Bestenfalls verdienten die Fotos das Prädikat »scharf geknipst«. Inzwischen weiß ich, dass Naturfotografie etwas ganz Tolles sein kann, vorausgesetzt, man hat einen Blick für Flora und Fauna sowie die nötige innere Ruhe, auch mal Stunden warten zu können, bis der ...

ndPlusThomas Kühn

Rastlose Suche nach der Ewigkeit

Rom lebt von der Widersprüchlichkeit empfundenen Zeitgefühls - die »Ewige Stadt« hetzt mit großem Tempo Besucher und Touristen durch breite Einkaufsboulevards und enge Gassen, über Plätze vorbei an Historischem und Ausgrabungsstätten. Müßiggang scheint es im Lärm der Metropole kaum zu geben. Dennoch: Die Stadt begeistert Jahr für Jahr Millionen von Touristen, laut Staatlichem Italienischen Fremden...

ndPlusAnna Maldini, Rom

US-Soldat wegen Mordes angeklagt

Mitte April beginnt in Rom der Prozess gegen den US-Soldaten, der für den Tod eines italienischen Geheimdienstagenten vor zwei Jahren in Irak verantwortlich ist. Die italienische Justiz spricht von Mord, die USA nennen es Unfall. Der Prozess belastet die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den USA und Italien.

Vougar Aslanov

Turkmenbaschis schwieriges Erbe

An diesem Sonntag finden in Turkmenistan außerordentliche Präsidentschaftswahlen statt. Gewählt wird der Nachfolger des im Dezember verstorbenen »Vaters der Turkmenen« Saparmurad Nijasow, der das Land 21 Jahre lang beherrscht hatte.

ndPlusThomas Grossman

Wieder da: The Police

Der Grammy gilt weltweit als wichtigster Musikpreis. Am Sonntagabend werden in Los Angeles die begehrten goldenen Grammophone zum 49. Mal vergeben. Die Tickets für die Star-Gala kosten zwischen 750 und 2500 Dollar. Verliehen wird der Grammy in 108 Kategorien. Die vier begehrtesten sind Platte des Jahres, Album des Jahres, Song des Jahres und bester neuer Künstler. Anfang Dezember hat die National ...

Klaus Bellin

Meisterstück

Um Thomas Mann ging es schon früh. Der 30. Geburtstag lag noch nicht lange zurück, als Inge Jens im Marbacher Archiv über Briefen saß, die der Schriftsteller zwischen 1910 und 1955 dem Kölner Literaturhistoriker Ernst Bertram schickte. Die Arbeit war mühselig, die Aufklärung der Namen, Zusammenhänge und Anspielungen nur mit Hilfe anderer zu bewältigen. Der wichtigste Helfer, natürlich, war Katia M...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Ungeschminkt

Der Champagner wird aus Schuhen getrunken. Durchs farblose Bild, welches das Leben hier abgibt, staken in regelmäßigen Abständen farbige Kleider, in denen Puppen stecken, die als Menschen durchgehen möchten. Models also. In den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin (Box und Bar) inszenierte Philipp Preuss »Die bitteren Tränen der Petra von Kant«, ein Stück von Rainer Werner Fassbinder. Eine ...

Martin Koch

Quanten, Bytes und Bomben

Schon als Sechsjähriger konnte er ohne Mühe achtstellige Zahlen im Kopf dividieren. Er verfügte über ein fotografisches Gedächtnis und war mithin fähig, Bücher nach einmaligem Lesen Wort für Wort wiederzugeben, und das noch nach Jahrzehnten. Die Rede ist von einem Mann, den die Öffentlichkeit kaum kennt. Unter Wissenschaftlern jedoch gilt er als einer der größten Denker des 20. Jahrhunderts: John ...

Fliegen nach Antenne

Schmetterlinge und andere Insekten schaffen es, im stabilen Schwebeflug Nahrung aus Blüten aufzunehmen. Wie sie es dabei schaffen, selbst in tiefer Dunkelheit ihre Position zu halten, das konnten jetzt Forscher um Sanjay Sane von der Universität von Washington in Seattle zeigen. Beim Tabakschwärmer (Manduca sexta) fanden sie, dass feine Sensoren an der Wurzel der Antennen des Vierflüglers das Sehv...

Robert Meyer

Magnetische Rohrpost ins Weltall

Schon der Altmeister der Science-Fiction Jules Verne ließ seine Mondreisenden mit einer gigantischen Kanone ins All schießen. Auch wenn man bei der bemannten Raumfahrt schon wegen der extremen Anfangsbeschleunigung von Anfang an auf andere Transportmittel setzte, werden sogenannte Weltraumkatapulte als Alternative zu herkömmlichen Raketen immer wieder ins Gespräch gebracht. Diese sollen langfristi...

ndPlusGregor Schirmer

Braucht Europa ein Grundgesetz?

Sie soll nach dem Auftrag des Europäischen Rates (vom Juni 2006) und sie will nach eigenem Bekunden (Regierungserklärung vom Dezember 2006) einen »Fahrplan« vorlegen, wie es mit dem Verfassungsvertrag für Europa »weitergehen kann«. Die deutsche Bundeskanzlerin misst dem hohe Priorität zu. Gegen Ende der deutschen EU-Ratspräsidentschaft will Angela Merkel etwas vorweisen. Denn sie hält es für ein h...

Ich spielte mit Curd Jürgens um Peer Gynt

Prominentester Gast beim Simultan von Viktor Kortschnoi am Berliner Stadtrand in Fredersdorf war Filmproduzent ARTUR (»Atze«) BRAUNER. Der 88-Jährige bot dem Seniorenweltmeister lange Paroli und gab hinterher DAGOBERT KOHLMEYER gern Auskunft über seine Beziehung zum königlichen Spiel.

ndPlusKnut Henkel

Run auf mexikanische Aktien

Trotz der politischen Turbulenzen im Zuge der Präsidentschaftswahlen vom August 2006 hat der mexikanische Börsenindex IPC deutlich zugelegt. Und die Prognosen für den zweitwichtigsten Börsenplatz Lateinamerikas nach São Paulo sind auch für dieses Jahr optimistisch.

Bernd Parusel, Stockholm

Aufräumen in Forsmark

Nachdem der Direktor des schwedischen Atomkraftwerks Forsmark zurückgetreten ist, kündigte die Kraftwerksleitung neue Maßnahmen für eine verbesserte Sicherheit an. Doch Wirtschaftsministerin Maud Olofsson vermisst ein »drittes Standbein« bei der schwedischen Stromerzeugung.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Käufer für 7,5 Prozent EADS-Anteile

Im Kampf zwischen Frankreich und Deutschland um Einfluss bei der EADS-Tochter Airbus hat jetzt ein Kosortium die von 15 privaten und staatlichen Investoren bislang von DaimlerChrysler gehaltene 7,5 Prozent EADS-Anteile im Wert von 1,5 Millliarden Euro übernommen.

Ralf Streck

Portugal streitet über Abtreibung

Noch gelten in Portugal restriktive Regeln für einen Schwangerschaftsabbruch, doch das soll sich an diesem Sonntag ändern.

Stefan Thimmel

Ein Leben zwischen den Welten

Als Kommunist und Jude hatte Ernst Kroch in Nazi-Deutschland keine Lebensperspektive. Die Flucht brachte ihn schließlich nach Uruguay, wo er unter anderem als Mitbegründer des Bertolt-Brecht-Hauses in Montevideo Geschichte schrieb. Am Sonntag feiert Ernesto seinen 90. Geburtstag.

Beharrlich

Es ist keine Frage mehr des Ob, sondern nur noch des für Wen. Rigoberta Menchú Tún tritt im September 2007 bei den Präsidentschaftswahlen in Guatemala an; nur die Partei, für die sie kandidiert, ist noch offen. Die Organisationen und Vertreter der indianischen Ureinwohner hätten ihre Standpunkte ausgetauscht und entschieden, sich an der Wahl zu beteiligen, sagte Menchú der Zeitung »Siglo XXI«. Eig...

Claus Dümde

Altersteilzeit verboten

Die Bundesrepublik Deutschland gilt als Rechtsstaat. Und trotz etlicher Defizite spricht alles dafür. Manchmal können einem freilich Zweifel kommen, wenn man von Urteilen wie dem folgenden hört und sie dann liest :

Montagsdemo ist der Polizei zu laut

Berlin (ND). Der Polizeieinsatz gegen eine Montagsdemonstration in Hannover hat ein parlamentarisches Nachspiel. Das Linksbündnis in der niedersächsischen Landeshauptstadt will vom Rat der Stadt wissen, welche Möglichkeiten behördlicherseits bestehen, »auf Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit durch die Polizei Einfluss zu nehmen«. Hintergrund ist das Vorgehen der Polizei gegen mehrere Prote...

René Heilig

Bundeswehr als Saalschutz in München

Die Münchner Sicherheitskonferenz, die gestern begonnen hat, ist zwar formal eine Privatveranstaltung - doch ohne potente Sponsoren undenkbar. Auch Steuergelder fließen.

ndPlusTom Strohschneider

Protest zu Gast in Essen

Gestern Abend begann das Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industrieländer. Doch nicht nur »das Geld« ist »zu Gast in Essen«, wie es beim Netzwerk Attac heißt, sondern auch der Protest.

Markus Drescher

Mehr Einnahmen aus Gewerbesteuer

Der Präsident des Städtetages, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, zeigt sich mit der Entwicklung der Finanzlage vieler Städte im Jahr 2006 zufrieden. Zuwächsen bei der Gewerbesteuer stehen aber hohe Kassenkredite und Sozialausgaben gegenüber. Bei der Vorstellung der Finanzdaten des Deutschen Städtetages für das Jahr 2006 am Freitag in Berlin sprach Ude von einem »erfreulichen Lichtblick«, ...

ndPlusUwe Kalbe

Das zwölfte Kamel für Friedrich Merz

Eigentlich hätte Friedrich Merz im Jamama-Palast neben dem König sitzen müssen. Ihm standen die zwölf Kamele zu. Nun hat Abdullah sie Angela Merkel verehrt. Aber eigentlich wäre Friedrich Merz heute Kanzler, wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre ... Zwölf Kamele aus Gold hat seine Majestät der Bundeskanzlerin zu Füßen legen lassen. Mit einem Schlag ist der deutsche Staatshaushalt saniert....

Was ist »typisch deutsch«?

ND: Wie kamen Sie darauf, einen Film über schwarze Deutsche zu machen? Halfar: Diese Frage impliziert: Warum macht ein Weißer einen Film über Schwarze? Mir ging es aber nicht darum, pauschal einen Film »über Schwarze« zu machen. Als Filmemacher habe ich die Pflicht, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen. Rassismus ist ein gesellschaftlich relevantes Thema. Dann hätten Sie auch drei afrika...

»Night in the City«

F rüher, als ich noch nicht in der Jury für den Friedenfilmpreis sitzen durfte, habe ich die Berlinale aus einem einzigen Grund besucht: der Filme wegen. Es gibt aber Leute, die zieht etwas anderes an: Sie lassen keine Party aus. Man könnte meinen, Berlin feiert im Februar auf einen Schlag Weihnachten, Silvester, Ostern sowie die Geburtstage der Hälfte aller Urberliner zusammen. Nahezu alle Klubs,...

Caroline M. Buck

Kiezkinder, Migrantenghetto

Im letzten Jahr war er eher schwach vertreten, in diesem Jahr kommt der Dokumentarfilm mit Macht zurück: Unter den zwölf Titeln des einheimischen Berlinale-Talentschuppens Perspektive deutsches Kino macht er diesmal ein starkes Drittel aus. Den Max Ophüls-Preisträger des Filmfests Saarbrücken und nun schon traditionellen Abschlussfilm der Reihe noch gar nicht mitgezählt: In ihrem sehenswerten »Ful...

ndPlusGunnar Decker

Tore und Selbsttore

Sport ist in der Erinnerung meist prägender als Politik. Das geht einzelnen so und auch ganzen Völkern. Brasilien wurde 1970 zum dritten Mal Fußballweltmeister. Daran erinnert sich Mauro. Auch daran, dass seine Eltern in diesem Jahr einen langen Urlaub machten. Wir haben teil an einer Reise in die Erinnerung, in die eigene und in die Brasiliens. Cao Hamburger erzählt uns die Geschichte eines Somm...

Thomas Wieczorek

GSG 9 gegen Spielerabwerbung?

Trainerfrau Nicola Magath musste ihr Studium für das Jodeldiplom im 5. Semester ebenso abbrechen wie Ottmar Hitzfeld seine Frührentnerkarriere, und jetzt scheint alles umsonst gewesen zu sein. Wenn schon alter Wein nicht einmal in neuen Schläuchen etwas bringt, dann offenbar in alten Schläuchen erst recht nicht: Dieselben Sprüche des bedächtigen Erfolgsmannes, die die Bayernspieler schon vor zweie...

ND-Rennsteigteam läuft sich schon warm

Am 19. Mai startet der GutsMuths-Rennsteiglauf. Dieser Ost-Klassiker, einer der schönsten und härtesten Crossläufe Europas, begeht sein 35. Jubiläum - und auch Neues Deutschland wird wieder mit einer Mannschaft dabei sein. Alle laufbegeisterten und laufharten Leserinnen und Leser sind ab sofort aufgerufen, ins Team einzusteigen. Als Schirmherr fungiert Gustav-Adolf »Täve« Schur, der »ND-Sportler aller Zeiten«.

Mark Wolter

Lahmes Zugpferd

Fünf Kranausleger kreisen geschäftig über der Baustelle zwischen Warschauer Brücke und Berliner Ostbahnhof. Mit dem Bau der neuen Multifunktionsarena »O2-World« des milliardenschweren US-Unternehmens Anschutz Entertainment Group geht es, unterstützt vom milden Winter, gut voran. Beim dazugehörigen Eishockeyteam, das sich Firmeninhaber Philip Anschutz 1999 kaufte, stockt es dagegen. Nach zwei Meist...

ndPlusAndré Dahlmeyer, Feuerland

Schaulaufen für die europäischen Klubs

Kürzlich ging in Paraguay die Südamerika-Meisterschaft der Junioren zu Ende. Brasilien stopfte sich alle Taschen voll und holte den Titel. Argentinien konnte sich mit einem Last Minute-Tor doch noch für Olympia qualifizieren - zum Leidwesen von Kolumbien.

Tom Mustroph, Catania

»Die wollen nur prügeln«

In Rom und Mailand wird die Fußballmaschinerie wieder ins Rollen gebracht. Nach der einwöchigen Spielpause im italienischen Fußball - ausgelöst durch den Tod des Polizeikommissars Filippo Raciti bei Ausschreitungen am Rand des Erstligaspiels Catania - Palermo - hält die Normalität wieder Einzug. Wenig ist geblieben von den Versprechungen der Politik. Drastische Maßnahmen hatte etwa Sportministeri...

ndPlusMatthias Koch

Trotz Notbremse weiter auf Abstiegskurs

Acht Neuzugänge im Winter - null Punkte in der Rückrunde. Beim FC Carl Zeiss Jena stehen Aufwand und Nutzen im krassen Gegensatz. Der Verein, dem im Sommer 2006 nach achtjähriger Abwesenheit die umjubelte Rückkehr in die 2. Liga gelang, torkelt derzeit mit großen Schritten dem sofortigen Abstieg entgegen. Seit sieben Spielen konnten die Thüringer nicht gewinnen - obwohl inzwischen gewaltig an der...

Frank Wehner

Belohnter Terror

Afghanistans Süden wollen die Taliban wieder übernehmen. Die NATO ist entschlossen, es zu verhindern. Serbiens Süden wollen UCK-Terroristen, die heute zivil verkleidet sind, an sich reißen. Die NATO findet nichts dabei, sie mahnt vielmehr die Serben, sich mit dem Verlust Kosovos abzufinden. Man sieht: Manchmal wird Terror auch belohnt, und beim Umgang mit dem Terrorismus muss man sensibel differen...

ndPlusClaus Dümde

Mitbürger Murat Kurnaz

Dass Murat Kurnaz nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Bremen überlegt, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen, ist nur zu verständlich. Er ist hier geboren und hat hier sein ganzes Leben verbracht - bis auf die Jahre, die er von den USA, völkerrechtswidrig verschleppt, in Guantanamo festgehalten, gedemütigt, ja gefoltert wurde. Dass sich Bundeskanzlerin Merkel, ganz anders als ihr Amtsvo...

Olaf Standke

Bush bastelt wieder

Douglas Feith war die Nummer drei im Pentagon, neokonservativer Vordenker, geistiger Vater der Präventivkriegsstrategie und des Irak-Feldzuges, einer der aggressivsten Bush-Falken. Dieser einstige Staatssekretär habe »unangemessen« gehandelt, heißt es nun in einem weitgehend noch unter Verschluss gehaltenen Regierungsreport. Verheerend nannte ein Senator die Verurteilung. Das Büro von Feith agiert...

ndPlusPeter Ensikat

Haben Sie auch schon geerbt?

Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass etwas faul ist am deutschen Steuerrecht. Unsereins hat das zwar schon lange geahnt, aber bei unsereinem besteht ja sofort der logische Verdacht, nur neidisch zu sein auf die Besserverdienenden, also Geringerversteuerten. Sozialneid ist ein zutiefst deutsches Schimpfwort, wie wir von unseren leidenden Managern immer wieder zu hören bekommen. Nur b...

Hendrik Lasch

Die geschrumpften Wohnungen

Wer Arbeitslosengeld II bezieht, darf nicht mehr wohnen, wie er will: Die Unterkunft muss angemessen sein. In Löbau verzichten Arbeitslose daher auf ein Zimmer. Die Lösung wirkt grotesk, wird aber angenommen.

ndPlusDaniel Bergmann, Freiburg

Schwarze Listen

Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) lässt eine schwarze Liste mit den Namen von über 2500 Studenten erstellen, die gegen Studiengebühren vor Gericht ziehen - und sorgt damit für helle Aufregung.

Jürgen Amendt

Außer Spesen nichts gewesen?

Mit einem Boykott von Studiengebühren wollen sich Studierende gegen eine Zwangsabgabe an den Unis wehren. Die Zwischenbilanz fällt allerdings ernüchternd aus: Nur in wenigen kleinen Unis verweigerten bislang genügend Studierende den Obolus.

ndPlusBernd Baumann

Jeder zehnte Schüler geht ohne Abschluss

Immer mehr Jugendliche in Brandenburg verlassen die Schule ohne einen Abschluss. In den meisten Fällen haben sie deswegen kaum noch eine Chance auf einen Ausbildungsplatz und damit keine berufliche Perspektive. Die Jugendlichen erhalten keinen Job und reihen sich in das Heer der Hartz IV-Empfänger ein. Selbst mit guten Noten ist es schon schwer, eine Lehrstelle zu ergattern. Inzwischen hat fast j...

Wilfried Neiße

Gen-Produkte beschädigen das Ansehen

Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) hat sich - im Unterschied zu seinem Amtsvorgänger Wolfgang Birthler (SPD) - klar gegen gentechnisch veränderte Feldfrüchte positioniert. Er wolle weder von Gesundheitsgefahren noch ökologischen Schäden reden, sagte Woidke. »Vielmehr befürchte ich in der Tat einen Imageschaden.« Weder bei Lebens- noch bei Futtermitteln »brauchen wir gentechnisch veränderte Produk...

ndPlusSteffi Bey

Puddingbaum erfunden

Normal ist anders. Unter diesem Motto erforschen in den Ferien 110 Kinder und Jugendliche aus Berlin und Brandenburg den Alltag. Gemeinsam mit Künstlern experimentieren sie in zehn verschiedenen Labors. Ihre Arbeitsergebnisse präsentieren sie heute im Theater an der Parkaue. Obwohl so viele Kinder und Jugendliche in dem denkmalgeschützten Haus an der Lichtenberger Parkaue unterwegs sind, ist es le...

Almut Schröter

Miss Marple zeigt ein süßes Lächeln

Rentnerin war Miss Marple schon, als Agatha Christie sie 1930 als gebildete Dame in die Welt setzte. In »Mord im Pfarrhaus« tauchte sie zum ersten Mal auf - als neugierige Schreckschraube, die vom Gartenzaun aus mit dem Fernglas das Dorfleben von St. Mary Mead im Auge behielt. Der Roman wurde in England dramatisiert. Die deutsche Bearbeitung von Peter Goldbaum erfuhr nun eine weitere Brechung durc...

Prozess gegen Yorck59 beginnt

(ND-Engelmann). Am kommenden Dienstag beginnt der Prozess gegen die etwa 150 Personen, die sich während der Räumung des linken Hausprojektes Yorckstraße 59 in Kreuzberg Anfang Juni 2005 im Haus aufhielten. Das teilten die Besetzer gestern mit. Als Zeugen seien der Hauseigentümer Marc Walter sowie Polizeibeamte geladen. Die Staatsanwaltschaft habe Geldstrafen zwischen 300 und 500 Euro beantragt »W...

Andreas Heinz

Suche nach der lebenswerten Stadt

Die »Lebenswerte Stadt Berlin« ist nicht auf Anhieb zu finden. Wer die Sonderausstellung im Haus Am Köllnischen Park 3 in Mitte sehen möchte, muss sich erst einmal auf die Suche machen. Kein Hinweis führt zu den 30 Schaubildern, auf denen die Entwicklung der Stadt gezeigt wird. »Wie die Menschen in den Städten zusammenleben, wird entscheidend für die Zukunft unserer Gesellschaft sein«, heißt es d...

Diagnose: Krebs

(ND-Nölte). Krebs - bei der Diagnose möchte niemand unter den 70 Krankenhäusern in Berlin erst lange suchen, prüfen und auswählen, wenn eine Operation empfohlen wird. Deshalb hat die Senatsgesundheitsverwaltung gestern eine Übersicht ins Internet gestellt, die erstmals über die Zahl der Operationen bei 21 verschiedenen Tumoren an den einzelnen Krankenhäusern informiert. Das sei ein Beitrag zur Tra...

Rainer Funke

Von »Causa« bis »Jour Fixe«

* Nachdem sich Regiermeister Klaus Wowereit zuletzt auf der politischen Bühne irgendwie rar gemacht hatte, tauchte er nun wieder auf - unter den Gästen der Berlinale natürlich. Gesprächsthema ganz am Rande: Was wäre, wenn jemand einen Film über das Leben Wowereits drehen würde? Ja, da sollte der 48-jährige Alec Baldwin die Titelrolle spielen, wünscht sich der Regierende jenen aus Filmen wie »Die ...

ndPlusMark Wolter

Das ICC bleibt - oder nicht

Bleibt das Raumschiff oder nicht? Vor einer Entscheidung des Senats hat sich jetzt die SPD zu Wort gemeldet. »Das ICC soll bleiben«, ist sich Jörg Stroedter vom SPD-Arbeitskreis für Wirtschaft nach eigener Aussage mit der Fraktionsspitze einig. Das aber birgt Konfliktstoff in der Diskussion um die Zukunft des Internationalen Congress Centrums (ICC) am Charlottenburger Messegelände. Denn die Links...

Anke Engelmann

Immer mehr Dreck in der Luft

Umweltzonen, Bau von Radwegen, Erdgasfahrzeuge im öffentlichen Personennahverkehr - was tut der Senat, um den Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid zu reduzieren? Nicht genug, meinen die Grünen im Abgeordnetenhaus. Nach den Ergebnissen des UN-Berichtes zum Klimawandel müsse der Senat seine Politik prüfen, forderten gestern Bündnis 90 / Die Grünen. Vor allem in der Verkehrspolitik sehen die Grünen ...

Berlin-TIPPS

Politisches »60 Jahre "junge Welt"« - Dr. Seltsams Wochenschau mit Herausgeber Dietmar Koschmieder am 11.2., 13 Uhr, im Kreuzberger Wirtshaus »Max & Moritz«, Oranienstraße 162. »Wolfgang Abendroth - ein Lebensweg aus dem Blickwinkel der Jugendbewegung« - Philosophisches Gespräch mit Dr. Uli Schöler und Dr. Wladislaw Hedeler am 12.2., 19 Uhr, im Verein »Helle Panke«, Kopenhagener Stra...

ndPlusGabriele Oertel

Zimmerklau bei Hartz IV-Betroffenen

Nachdem im sächsischen Löbau Bezieher von Arbeitslosengeld II auf ein Zimmer verzichten, um trotz Hartz IV- Kriterien in ihrer Wohnung bleiben zu können, wollen auch Wohnungsunternehmen in Sachsen-Anhalt Arbeitslosen Räume sperren. Das Echo auf diese »Hartz IV-Anpassung« ist geteilt.