Ausgabe vom 08.11.2007

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Unten links

Die Stiftung Lesen und die Initiative deutsche Sprache haben jetzt den »schönsten ersten Satz« eines Romans oder einer Erzählung gekürt. Er stammt selbstverständlich von Günter Grass und ist in seinem Roman »Der Butt« zu besichtigen. Der Satz heißt »Ilsebill salzte nach«. Wahrlich ein schmuckes Teil, mit dem Rechte wie Linke, Synkretisten und Mittelspurschleicher, Quer- und Andersdenkende bestens ...

Zwei Drittel besitzen fast nichts

Berlin (AFP/ND). Der Reichtum in Deutschland ist sehr ungleich verteilt: Die reichsten zehn Prozent der Deutschen besitzen fast zwei Drittel des Vermögens, zwei Drittel dagegen fast nichts. Das zeigt eine am Mittwoch vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin veröffentlichte Studie. Danach verfügen die Deutschen über ein Gesamtvermögen von 5,4 Billionen Euro. Dazu zählen Erspa...

Kurt Stenger

Politik aus dem Kaffeesatz

Es sind nicht nur böse Zungen, die behaupten, Wirtschaftswissenschaft bestehe zu einem Gutteil aus Kaffeesatzleserei. Solange die Forscher dies berücksichtigen und in den Schlussfolgerungen ihrer Studien vornehme Zurückhaltung üben, ist dies nicht der Rede wert. Leider schwingen sich Sachverständige mit Verweis auf die Untertasse der Konjunktur in schöner Regelmäßigkeit zu Verkündern einer Heilsle...

René Heilig

KSK wird bald wieder aus der Etappe geholt

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch beschlossen, ein weiteres Jahr an der »Operation Enduring Freedom« teilzunehmen. Die US-geführte Militäraktion gegen den internationalen Terrorismus läuft bereits seit sechs Jahren. Vor allem in Afghanistan.

ndPlusKurt Stenger

Gutachter gegen mehr ALG I

Die fünf Wirtschaftsweisen wollen die Bundesregierung von Änderungen an den Sozialreformen abhalten. Derweil sprudeln die Steuereinnahmen.

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Zahlen und Fakten: Krieg und Frieden in Guatemala

Gewalt als Mittel in der Politik hat im Guatemala der Moderne eine lange Tradition. 1954 putschte die guatemaltekische Armee gegen den sozialreformistischen Präsidenten Jacobo Arbenz. Seit Anfang der 60er Jahre formierten sich sowohl aus den mestizisch dominierten Universitäten als auch im indigen geprägten Hochland bewaffnete Widerstandsgruppen gegen die Militärdiktatur, aus der sich später die U...

Die Grenze des Krötenschluckens
ndPlusRainer Funke

Die Grenze des Krötenschluckens

Das Berliner Polizeigesetz soll demnächst geändert werden – womöglich bereits in der Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses in zwei Wochen. Doch hat sich derzeit ein Konflikt aufgetan, der die rot-rote Regentschaft zumindest ins Schlingern bringen könnte.

»Wir brauchen einen echten Wandel«

Álvaro Colom, der Kandidat der sozialdemokratischen Zentrumspartei UNE, hat es im dritten Anlauf geschafft. Der hagere Mittfünfziger und Kettenraucher Colom wird neuer Präsident Guatemalas. In den 90er Jahren bekleidete Colom verschiedene Regierungsämter, war Vizewirtschaftsminister und leitete das »Land für Frieden«-Programm, durch das ehemaligen Guerilleros Land zugewiesen werden sollte. Während des Wahlkampfes hatte ND-Mitarbeiter Markus Plate hatte die Gelegenheit, sich mit Colom in Guatemala-Stadt zu unterhalten.

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ndPlusAnke Engelmann, Potsdam

18 000 leben auf der Straße

Die Hartz-IV-Gesetze haben die Wohnungsnot erheblich verschärft – dieses Fazit zog gestern die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) in Potsdam.

Arche Noah im Nutztierland
Volker Stahl

Arche Noah im Nutztierland

Todgeweihte Hunde, ausgesetzte Katzen, blinde Pferde oder halb erfrorene Leguane finden bei Barbara Deppe ein neues Zuhause. Auf dem Hagelhof im niedersächsischen Löningen leben 500 Tiere, die keiner mehr haben will. Weil die Spendenbereitschaft in den Zeiten von Hartz IV nachlässt, ist das Projekt gefährdet.

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Hungern für den Tierschutz

Hungern für den Tierschutz

Berlin, Wilhelmstraße: Barbara Hohensee befindet sich seit Montag vor dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Hungerstreik. Mit der auf eine Woche befristeten Aktion protestiert die Berliner Tierrechtlerin gegen die Politik von Minister Horst Seehofer, der seit seinem Amtsantritt »in vielfältiger Weise agrarindustrielle Tierquälerei« fördere. Kommentar Seite 8...

Kriegsverrats-Gesetz kurzerhand abgesagt

Berlin (ND). Am Freitag sollte das Bundestagsplenum in zweiter und dritter Lesung über einen Gesetzentwurf der Linken entscheiden, der die vollständige Rehabilitierung von Wehrmacht-Deserteuren zum Inhalt hat. Es geht darum, die staatsanwaltschaftliche Einzelfallprüfung bei Fällen von sogenanntem Kriegsverrat abzuschaffen. Bei bisherigen Aufarbeitungsversuchen des an Wehrmacht-Angehörigen begangen...

»Schön, dass die Konjunktur greift«

ND: Der Ministerpräsident hat Sie gelobt: Es gebe nur eine ernsthafte Oppositionspartei. Freut Sie das? Schön, dass die Regierung Kritik ernst nehmen will. Auch wenn ich's nicht glaube. Sie hat sich etwa vom Umweltschutz verabschiedet. Das Umweltministerium wurde aufgesplittert, jetzt sind drei Minister für verschiedene Umweltfragen verantwortlich. Die Verbände klagen bitter darüber. Ich dachte im...

Jürgen Seidel, Schwerin

Deutscher Wachstums-Meister

Zu Beginn der Pressekonferenz der Schweriner Landesregierung von SPD und CDU, die gestern auf den Tag genau ein Jahr im Amt war, regnete es in der Landeshauptstadt in Strömen. Am Ende der Veranstaltung strahlte dann aber die Sonne – fast wie über der Bilanz, die Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) und sein Stellvertreter, Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU), präsentierten.

Seite 5

»Zug der Erinnerung« ab heute in Frankfurt

Berlin (ND). Mit der Einfahrt in den Bahnhof Franfurt (Main) soll heute der »Zug der Erinnerung« beginnen – eine Wanderausstellung über die Rolle der Deutschen Reichsbahn bei den NS-Verschleppungen. Auf einer rund 3000 Kilometer langen Fahrt in die früheren Deportationsorte wird dabei eine Ausstellung über das Schicksal von mehr als 12 000 Kindern aus Deutschland gezeigt, die in die Vernicht...

Hendrik Lasch, Magdeburg

Politische Bildung für NPDler

Die Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen-Anhalt steht unter Druck: Sie hat »Lustreisen« bezahlt – und NPD-Funktionäre zu Seminaren über Rechtsextremismus eingeladen.

Seite 6
Jan Keetman, Istanbul

Sohn von Hrant Dink in der Türkei verurteilt

Erstmals hat ein türkisches Gericht die Verurteilung zweier Türken armenischer Abstammung direkt damit begründet, dass die Angeklagten die Behauptung verbreitet haben, die osmanische Türkei habe während des Ersten Weltkriegs Völkermord an der armenischen Minderheit begangen.

Irina Wolkowa, Moskau

Duma billigt KSE-Moratorium

Mit überwältigender Mehrheit bestätigte Russlands Duma gestern einen Erlass von Präsident Wladimir Putin, mit dem Moskau die Erfüllung des KSE-Abkommens aussetzt.

Seite 7
ndPlusOliver Eberhardt, Jerusalem

Unklarheit vor Nahost-Gipfel

Ende des Monats soll in den USA der Nahost-Gipfel beginnen. Doch in der Region hält sich die Begeisterung darüber in Grenzen. Noch sind weder die Teilnehmer der Beratungen noch die zu besprechenden Themen bekannt – und das könnte das Treffen zum Scheitern bringen.

Hannes Hofbauer, Wien

Serbische Optionen für Kosovo

»Kosovo-Kompromiss 2007« heißt die serbische Initiative, die jetzt im Wiener Presseklub Concordia vorgestellt worden ist. Im Untertitel wünschen sich die Initiatoren eine möglichst rasche Integration des ganzen Raumes in die Europäische Union – den »schnellen Weg nach Europa«.

ndPlusWolfgang Kötter

Streubomben-Verbot im Visier

Am Europäischen Sitz der Vereinten Nationen begann gestern die Jahrestagung der Konvention über inhumane Waffen. Die 103 Vertragsmitglieder bewerten die Erfüllung des aus fünf Protokollen bestehenden Rahmenabkommens, schätzen die Wirksamkeit der Bestimmungen ein und prüfen, ob diese ergänzt oder ausgeweitet werden müssen.

Seite 8
ndPlusIngolf Bossenz

Deutscher Herbst

Am 5. November 2001 starb der britische Tierrechtler Barry Horne an den Folgen eines Hungerstreiks gegen Tierversuche. Genau sechs Jahre danach begann jetzt die Tierrechtsaktivistin Barbara Hohensee einen Hungerstreik vor dem Agrarministerium in Berlin. Dass die britische Botschaft nur wenige Meter entfernt liegt, ist Zufall, unterstreicht aber den Zusammenhang dieser Aktionen. Aktionen, aus denen...

ndPlusRichard Claus

Zypries und Zynismus

Zunächst versuchte es Justizministerin Zypries auf Mitarbeiterebene: Es wäre doch nett, wenn die LINKE die Abstimmung über ihren Ge-setzentwurf zur Rehabilitierung all jener Wehrmachtsdeserteure, die auch nach aktueller Rechtsauffassung »Kriegsverrat« begangen haben, verschieben könnte. Man brauche Zeit, um sich eine Meinung zu bilden. Klartext: Die SPD will keinen zusätzlichen Knatsch mit dem Koa...

Olaf Standke

Wankender Grundpfeiler

Präsident Wladimir Putin gab den Kurs vor, die Duma folgte ihm jetzt: Gestern votierten die Abgeordneten in Moskau einstimmig für die Aussetzung des Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE). Wenn es um die Verteidigung des Vaterlandes geht, regiert der Schulterschluss. Die Vorlagen aus dem Westen sind allerdings auch danach. Der KSE-Vertrag, 1990 zwischen den NATO- und den Warscha...

Detlef D. Pries

Mischas Feind

Irakli Okruaschwili bedauert sehr, dass er nicht unter den Protestierenden in Tbilissi ist, die am Mittwoch mit Polizeigewalt auseinandergejagt wurden. Nie hätte er Georgien aus freiem Willen verlassen, versicherte er – aus München. Der 34-jährige Jurist war einst der engste Vertraute Michail Saakaschwilis, gegen dessen autoritäre Präsidentschaft tausende Georgier seit Tagen protestieren. Al...

Freiheit für die »Miami Five«?

Freiheit für die »Miami Five«?

ND: Frau Salanueva, welches Ziel hat Ihre Europa-Reise gemeinsam mit Adriana Pérez, der Ehefrau von Gerardo Hernández? Salanueva: Inwischen gibt es weltweit eine breite Solidaritätsbewegung für die »Miami Five«, die fünf Kubaner, die seit 1998 wegen angeblicher Spionage unrechtmäßig in den USA im Gefängnis sitzen. Wir haben uns die Aufgabe gestellt, über den Fall der »Miami Five« öffentliche aufzu...

Seite 9
Hans-Dieter Schütt

Tote hängen im Zaun

Ob alles in Ordnung sei, fragt die Liebe. Ob alles gut sei, fragt das Mitgefühl. Ob man sich Sorgen machen müsse, fragt der Familiensinn. Familiensinn, Mitgefühl, Liebe klingen wie Angestellte einer Firma, und diese Firma überwacht, Tag und Nacht ... Ob alles in Ordnung sei, ob alles gut sei, ob man sich Sorgen machen müsse – so fragt also die Frau ihren Mann. Und der druckst. Nichts ist in ...

Seite 10
ndPlusSabine Neubert

Tschukotka trauert

Die Romane des Tschuktschen Juri Rytchëu, auch dieser, sind wie traurige Märchen. Sie erzählen vom Leben der einfachen Menschen, ihrem Umgang miteinander, von den Tieren und der Natur – und das in grandiosen Bildern und einer klaren Sprache. In ihnen klingen ganz ferne, uralte Melodien. Traurig sind sie, weil sie vom Untergang der alten Menschengemeinschaft ganz »am Ende der Welt«, im äußers...

Werner Wolf

Hexe im Ofen - zeitgemäß?

Seit weit über 100 Jahren führt das unsterbliche Geschwisterpaar Hänsel und Gretel nun auch sein fröhliches, zugleich von Ängsten und Schrecken durchsetztes Opernleben. Naht die Weihnachtszeit, stellen die Opernhäuser die beiden mit Eltern, Knusperhexe, Sand- und Taumännchen ins Bühnenlicht. Nicht selten überlasen sie die Inszenierung oder auch nur Neueinstudierung einem jungen Regisseur als »Anfä...

Rätsel des Erkennbaren
ndPlusPeter H. Feist

Rätsel des Erkennbaren

Harald Metzkes erhielt soeben den nach der Dadaistin Hannah Höch benannten, seit 1996 vergebenen Kunstpreis des Landes Berlin für Künstler über 60, die ihren Arbeitsmittelpunkt in der Hauptstadt hatten. Das schuf die Voraussetzung für die Stiftung Stadtmuseum, eine Bilanz seines Werks als Maler zu zeigen. Graphik blieb ausgespart. 55 Gemälde, die in den intimen Räumen des Ephraim-Palais feinfühlig...

Seite 11
STARporträt

STARporträt

Mit dem von Sam Raimi produzierten Horrorschocker »30 Days of Night« erweitert der eher sensible amerikanische Filmkünstler (*14.5.1962 Rom) sein recht umfangreiches Rollenspektrum um einen Vampir. Dabei wollte er Mitte der 1990er (Barkeeper in »Leaving Las Vegas«) nur einige kleine Rollen spielen, um als Regisseur besseres Verständnis für die Schauspieler zu erlangen. Das Filmhandwerk hatte er vo...

literaturkritik.de

Seit 1999 ist das Rezensionsforum literaturkritik.de im Netz zugänglich. Die dort mittlerweile vorhandenen Rezensionen zu über 10 000 literarischen und kulturwissenschaftlichen Neuerscheinungen sind kostenfrei zugänglich. Wenn man sich jedoch für ein Online-Abonnement entscheidet, bekommt man zusätzliche Leistungen geboten: Volltextsuche im Archiv, Tipps zur Rezensionssuche im Internet und vieles ...

»Ich arbeite mein Hobby«

GERHARD DELLING (Foto: dpa) hat seit November den Sendeplatz von Frank Plasberg beim WDR. Über »Dellings Woche« sprach JAN FREITAG mit dem Moderator.

Marion Pietrzok

Sehenden Auges

Irgendwann ist Schluss. Irgendwann kann, wer die bezeichnenderweise Demokratiefeldzug genannte Machtdemonstration seines Landes als Tarnung für Eroberungskriege erkannt hat, nicht mehr still sein. Wenn jemand, der sein Land liebt, erleben muss, dass niemand mehr in der Welt die gehisste Nationalflagge sehen möchte. Wenn jemand, der an der Zukunft seines Landes interessiert ist, die Jugend in Oberf...

Seite 12
Fritz Rudolf Fries

Wo die Uhren anders gehen

Vorzustellen wäre, wie die Protagonisten berühmter lateinamerikanischer Romane ihre wunderbaren Welten verlassen, die Kostüme ablegen, die ihnen ihre Autoren angepasst haben, und aus den Buchseiten aussteigend zurückgehen in die Niederungen ihrer Herkunft. Die Trennung zwischen Fiktion und Realität wird dennoch kaum gelingen. Große Fabulierer etwa wie Gabriel García Márquez haben ihr journalistisc...

Benjamin Jakob

»Tiger der Pampa«

Endlich! möchte man ausrufen, endlich erscheint dieser Titel auf deutsch, eines der wichtigsten Bücher Lateinamerikas: Sarmientos »Barbarei und Zivilisation«. Was für ein Werk, das Porträt eines halben Erdteils, und was für ein Autor. Domingo Faustino Sarmiento, geboren 1811 im Westen des heutigen Argentiniens, war Journalist, Erzähler, Politiker; er fühlte sich zum Lehrer seines Volkes berufen, z...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Worte für das Unsichtbare

Vor dem Fenster zum Meer kamen sie zusammen: die Mutter im Nerzmantel, die vier Schwestern in Seidenkleidern und ihr Bruder – der Ich-Erzähler – im englischen Anzug. »Und alle trugen wir Schmuck und waren parfümiert.« Ein Ritual beinahe: die Schiffe auf dem Meer zu beobachten und über die fremden Matrosen zu lästern, wobei es wohl vor allem um eine Bekräftigung der eigenen Sicht auf di...

Seite 13
ndPlusPeter Nowak

Die Gewöhnung

Interessiert das heute überhaupt noch jemand?«, fragte Eva Roubickova, als Historiker ihr Tagebuch aus Theresienstadt veröffentlichen wollten. Nachdem es in den USA erschienen ist, liegt es nunmehr auch auf Deutsch vor. Eva Mändl Roubickova ist 1921 in der nordböhmischen Stadt Saaz geboren worden, wo die deutschsprachige jüdische Familie bald mit dem zunehmenden Antisemitismus der deutschvölkische...

ndPlusWerner Berthold

Damit dies nicht mehr geschehe ...

Im Leipziger Universitätsverlag sind im Laufe eines knappen Jahres zwei bedeutende Veröffentlichungen über Juden in Leipzig, ihre Integration ab Anfang des 19. Jahrhundert und ihre Verfolgung und Ermordung nach 1933 erschienen. In der Folge »Leipziger Beiträge zur jüdischen Geschichte und Kultur«, für die als Herausgeber Dan Diner, Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Ku...

Karlen Vesper

Die Bereicherung

Ihr Koffer steht im Jüdischen Museum zu Berlin. Mit dem letzten Kindertransport nach England war sie dem Holocaust knapp entkommen, ihre Eltern nicht. Inge Lammel hat sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten ganz der Spurensuche verschrieben. Mit einer bewundernswerten Ausdauer und Akribie forscht sie nach Juden, die einst in Berlin, insbesondere in Pankow, ihrem Heimatbezirk, lebten. Es ist vor...

Seite 14
ndPlusErich Preuß

Kein Zug nach Tiefensee

Zweierlei wurde bei einer Tagung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung am Dienstag in Berlin deutlich: Es fehlt eine öffentliche Diskussion über das Ob und Wie der Bahnprivatisierung. Und es mangelt an Vertrauen der SPD-Genossen in die Pläne.

Michaela von der Heydt

Manifest gegen Agro-Gentechnik

Vor der ersten Lesung des neuen Gentechnikgesetzes, die für Freitagfrüh um 3 Uhr 50 angesetzt ist, appellierte gestern ein Bündnis von 36 Verbänden und Organisationen an die Abgeordneten, gegen die Novelle zu stimmen.

Reimar Paul

Unausgereifte Endlagertechnik

Während Atomkraftwerke weltweit immer weiter nuklearen Müll produzieren, ist das Problem einer sicheren Lagerung weiter ungelöst.

Seite 15
ndPlusMatthias Koch

Kindergarten kickt gegen Frankfurt

Fußball-Trainer Bernd Schröder muss sich allmählich an den nahen Abschied von Torhüterin Nadine Angerer gewöhnen. Der Winterpausen-Wechsel der Weltmeisterin von Turbine Potsdam zu Djurgarden Stockholm ist seit einigen Tagen offiziell. Damit ist der Weg für Desirée Schumann frei. Die 17-Jährige musste die verletzte Angerer schon bei den Siegen gegen Bad Neuenahr (2:0) und in Wolfsburg (5:2) vertret...

ndPlusJörg Mebus

Hoffen in Gelsenkirchen Ernüchterung in Bremen

Das Fazit nach dem vierten Spieltag in der Champions League: Hoffen auf Schalke, Ernüchterung in Bremen. Zwar gab es für die Klubs der Fußball-Bundesliga am Dienstagabend keinen Sieg, doch konnte sich Vizemeister Schalke 04 wenigstens an einem Punkt beim 0: 0 gegen den englischen Ex-Meister FC Chelsea aufrichten. Werder Bremen droht nach dem 1:2 bei Lazio Rom allerdings ein Europacup-Totalschaden....

Erik Eggers

Siegtreffer drei Sekunden vor dem Schlusspfiff

Handball-Weltmeister Pascal Hens misst stattliche 2,03 Meter, und trotzdem hat er in der tosenden Ostseehalle den Überblick verloren. In den dramatischen Schlusssekunden des Bundesligaspiels beim Meister THW Kiel war der Rückraumschütze des HSV Hamburg völlig ins Geschehen versunken – und begriff daher nicht, warum Mannschaftskollege Kyung-Shin Yoon nach dessen Gewaltwurf zum 31:30 (15:16) g...

Seite 16
René Gralla

Drittkarriere für Kasparow?

Garri Kasparow ist ein Mann mit vielen Talenten. Lange Zeit galt er als beinahe unschlagbar am Schachbrett, war unangefochten die Nr. 1 der Weltrangliste. Heute publiziert er Bestseller über die Helden des Denksports (»Meine großen Vorgänger«) und demnächst möchte er zum Präsidenten von Russland gewählt werden.Gleichzeitig arbeitet Kasparow heimlich daran, Geheimnisse aus Fernost zu entschlüsseln....

Seite 17
ndPlusKarin Nölte

DenkMal

... gibt Freiheit und Einheit eine Zukunft.

ndPlusPaul Alexander

»Hochzeitsprämie« zur Länderfusion?

Wenn es nach dem an der TU Dresden lehrenden Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Helmut Seitz geht, »haben wir zu viele und zu viele kleine Länder, die wir als nicht hinreichend selbsterhaltungsfähig ansehen«. Dies gelte unter anderem für Bremen, das Saarland und Berlin. In einem Gutachten für die Tagung der Föderalismuskommission am heutigen Donnerstag in Berlin, das dem ND vorliegt, plädiert er dafü...

Kameras ersetzen Bahnsteig-Aufsicht
Bernd Kammer

Kameras ersetzen Bahnsteig-Aufsicht

BVG-Fahrgäste kennen die dynamischen Zugzielanzeiger bereits seit langem, jetzt erfahren auch die Reisenden auf dem S-Bahn-Ring genau, wann die nächste Bahn fährt. Was bei der BVG freundlich »Daisy« heißt, klingt bei der S-Bahn allerdings etwas komplizierter: BIS/ZAT, Betriebs- und Informationssystem/Zug-Abfertigung Triebfahrzeugführer. Denn zu dem neuen System gehört auch die Abfertigung der Züge...

Klaus Joachim Herrmann

Sachverständiger contra Mindestlohn

»Stottern die Triebwerke des Aufschwungs?«, fragte IHK-Präsident Eric Schweitzer als Gastgeber im Konferenzzentrum des Ludwig-Ehrhard-Haus gestern Nachmittag den Wirtschaftsweisen Prof. Wolfgang Franz. Er erläuterte unmittelbar nach der Übergabe der Prognose zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands Berliner Unternehmern in der IHK Berlin Folgerungen aus dem Gutachten für die Bundeshauptstadt....

Seite 18
Oliver Händler

Von der Piste direkt an den Strand

Da die Berliner bekanntlich allen aus dem Rahmen fallenden Neubauten einen Namen geben müssen, wird dieses futuristische Gebäude wohl bald »Riesenrutsche« getauft. Die offiziell »Polaris« genannte Kombination aus Skihalle und Wasserpark an der Ringstraße in Mariendorf wird auf jeden Fall ein Blickfang. Wenn alles gut geht, können die ersten Skihasen bereits im Spätsommer 2009 die 70 Meter hohe übe...

Peter Nowak

Denkmal wird Stein des Anstoßes

Zu einer Diskussion über die Gedenkpolitik der Universitätsleitung hatte der Allgemeine Studentenausschuss der Freien Universität (AStA) am Dienstagabend unter dem Titel »Freiheit, die ich meine?« eingeladen. Der Stein des Anstoßes ist mehrere Tonnen schwer und steht seit September 2007 auf dem Gelände des Unicampus. Es handelt sich um eine Bronzeskulptur des Bildhauers Volker Bartsch: das Freihei...

ndPlusPeter Kirschey

»Schlecht drauf«

Nein, die beiden tadellos gekleideten Herren gehören nicht zu diesen dumpfdrögen Nazitypen, die sich regelmäßig zum Parolenschreien zusammenrotten und schnell mal einen Ausländer, Linken oder Obdachlosen zusammenschlagen. Eike (28) und Peter (57), Sohn und Vater, repräsentieren eher das normale deutsche Mittelfeld, das im passenden oder unpassenden Moment die Sau rauslassen muss.Sie sind angeklagt...

Seite 23

»ND im Club« mit Ernst Röhl

(ND). Wie zu erwarten, hatte er die Lacher auf seiner Seite – Ernst Röhl, ND-Lesern ohnehin durch seine »Flattersatz«-Kolumnen bekannt. Gestern Abend bei »ND im Club« gab er Pointiertes zur deutschen Gegenwart zum Besten und präsentierte sein neuestes Werk: »Mit fRÖHLichem Gruße. Das dicke Ernst-Röhl-Buch«, das seine schönsten Texte aus fünf Jahrzehnten enthält. Mit Illustrationen von Hans-E...

ndPlusRobert Meyer

Schockmomente

Ein Ehepaar auf einem Flughafen gerät in Streit. Wie das abläuft, ist ein Klassiker. Zuerst verstecken sie sich hinter beschönigenden Worten. Nach und nach aber kommen die tatsächlichen Gefühle und Konflikte zum Vorschein. Ganz typisch dabei ist, dass die Frau zuerst anspricht, was so gar nicht stimmt. Unter der Regie von Alexandra Wilke zeigt die bat Studiobühne der Hochschule für Schauspielkunst...

Tom Mustroph

Die Nähe von Kunst und Verbrechen

Künstler und Verbrecher weisen manche Affinität auf. Der eine oder andere handwerklich begabte Pinselschwinger hat sich aufs Kopieren großer Meister – inklusive Sig-natur – verlegt. Ein anderer, eher konzeptuell ausgerichtet, demonstriert mit der Beschädigung von Museumsschätzen, dass die Avantgarde erst durch rücksichtsloses Einverleiben des kulturellen Erbes zur Avantgarde werde. Ein...

Seite 24
Bernd Baumann

CDU-Landschule in die Kritik geraten

Die Initiative der brandenburgischen CDU für einzügige Oberschulen in den ländlichen Regionen trifft auf breiten Widerstand. Vom Koalitionspartner SPD wird jegliche Unterstützung für den Vorschlag zur Errichtung von »Kleinen Oberschulen« mit nur einer Klasse pro Jahrgang kategorisch abgelehnt. Und die oppositionelle Linkspartei wirft der Union Populismus vor. Mit den einzügigen Oberschulen will di...