Ausgabe vom 08.12.2007

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Unten links

Die Einbrecher in Washington werden immer dreister. Vor 25 Jahren trauten sie sich gerade mal in ein Hotel, heute wagen sie sich bis ins Weiße Haus vor. Und anders als 1972, als sie sich im Watergate-Quartier der Demokraten mit dem Diebstahl von Wahlkampfunterlagen begnügten (wofür sie den Geschädigten immerhin ein paar Mikrofone hinterließen), klauten sie nun das einzige Manuskript, das der Präsi...

Marianne Demmer

Abschwellende Bocksgesänge

Innerhalb von nur einer Woche von der Weltspitze über den Europameister in die Regionalliga? Wie ist das möglich? Die Antwort ist einfach: Wenn der Wunsch der Vater des Gedankens ist, ein Bundesparteitag der CDU stattfindet und der Abwehrkampf der Konservativen gegen ein integriertes Schulsystem immer verbissener geführt wird, kann ein solcher Absturz aus lichter Höhe schon mal passieren. Doch der...

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»Das ist wie Leicht- gegen Schwergewicht«

»Das ist wie Leicht- gegen Schwergewicht«

Mohammed Adam Nashiru ist Präsident des Bauernverbands von Ghana (PFAG). Er nimmt auf Einladung der Nichtregierungsorganisationen Germanwatch und FIAN kommende Woche in Berlin an der Konferenz »African smallholders in focus - a voice in EU trade policy« (Afrikanische Kleinbauern im Fokus - eine Stimme in der EU-Handelspolitik) teil. Mit ihm sprach Martin Ling.

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Alternativer Nobelpreis

Der Alternative Nobelpreis, offiziell »Right Livelihood Award« (Preis für richtiges Leben), wurde 1980 von dem deutsch-schwedischen Publizisten Jakob von Uexküll ins Leben gerufen. Der Preis »ehrt Menschen und Initiativen, die Lösungen für die dringendsten Probleme unserer Zeit finden und erfolgreich umsetzen«.Drei bis vier Preisträger jährlich teilen sich das Preisgeld von umgerechnet 220 000 Eur...

Schüler knüpfen Kontakte über Kontinente
ndPlusPeter Steudtner

Schüler knüpfen Kontakte über Kontinente

Berliner Schüler und Schülerinnen engagieren sich in Zusammenarbeit mit dem INKOTA-Netzwerk für Aids-Prävention in Mosambik und unterstützen das AJUPIS-Jugendprojekt gegen Aids und Kinderprostitution in Maputo.

ndPlusChristoph Nepram, Delhi

»Das Völkerrecht kann unsere stärkste Waffe sein«

Stets in seiner Laufbahn hat sich der srilankische Jurist Christopher Weeramantry vehement für die Einhaltung und die Stärkung internationalen Rechts eingesetzt. Bekannt wurde er 1996, als er gegen die Mehrheit seiner Richterkollegen am Internationalen Gerichtshof forderte, selbst die Androhung eines Kernwaffeneinsatzes als Verstoß gegen das Völkerrecht zu brandmarken. Für sein Lebenswerk erhielt Weeramantry gestern den

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Uwe Kalbe

Teufelsaustreibung

Dem Atheisten erscheinen die Rufe nach einem Verbot von Scientology wie die »Luzifer-Weiche!«-Rufe von Teufelsaustreibern, die nicht merken, dass sie selbst die Besessenen in diesem Dialog sind. Verboten oder nicht, ist Scientology nur Vorfeldorganisation vieler anderer Sekten und Vereine, deren Existenz den Menschen seit Ewigkeiten nicht nur Halt und Hoffnung, sondern ebenso oft Verblendung, Verd...

Steffen Schmidt

Katastrophale Wortwahl

Zugegeben, erst dachte ich, es gehe um das »Unwort des Jahres«. Doch nein, die Damen und Herren der Gesellschaft für deutsche Sprache hatten tatsächlich »Klimakatastrophe« zum »Wort des Jahres« gekürt. Nun ist das ND weit davon entfernt, die Folgen des Klimawandels zu verniedlichen, und ich ahne, auch wir haben am inflationären Gebrauch des Wortes Katastrophe unseren Anteil. Dennoch ist es wohl ke...

ndPlusOlaf Standke

Gesäuberte Folter

Folter kennt George W. Bush nicht, die USA-Regierung lasse nicht foltern, basta. »Harte« Verhörmethoden nennt der Präsident, was Praxis ist in dem von ihm erklärten »Krieg gegen den Terrorismus«. In dieser Logik läuft das Verschwindenlassen von Beweisen für genau solche völkerrechtlich verbotenen Foltermaßnahmen wahrscheinlich unter »Flurbereinigung«. Sauber ist das alles nicht, wie die CIA nur zu...

Der Sieger
Klaus Joachim Herrmann

Der Sieger

»Ich bin mir sicher, wenn man mich mit dem Haushalt ein paar Tage alleine ließe, wäre er nachher um eine Milliarde kleiner. Und die meisten Menschen in Berlin würden es nicht mal merken«, verkündete der Finanzsenator der bundesweit einzigen rot-roten Koalition in der Nacht zum Freitag in Siegerlaune. Seit Januar 2002 verwaltet er die Kasse. Als der 62-Jährige mit dem meist treffenden, zuweilen sar...

Strafanzeige gegen Wikipedia?

Strafanzeige gegen Wikipedia?

ND: Sie haben Strafanzeige gegen die Online-Enzyklopädie Wikipedia gestellt. Warum? Nazis versuchen immer wieder, Online-Projekte gezielt für ihre Zwecke zu verwenden. Mir geht es um eine konkrete Trennlinie, die verhindert, dass Symbole verfassungsfeindlicher Organisationen nicht nur zu Dokumentations-, sondern auch zu Propagandazwecken genutzt werden können. Mein Anliegen ist es, zu verhindern, ...

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Chefinnensache Kinderschutz?

Nach dem Tod mehrerer Kleinkinder in ihren Familien sind erneut Forderungen nach bundesweit verbindlichen Vorsorgeuntersuchungen laut geworden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am 19. Dezember bei einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder über das Thema sprechen.

Velten Schäfer, Schwerin

Neuer Streit um Kita-Gelder

Die Schweriner Koalition will die Gelder für vorschulische Bildung kürzen. Die LINKE sieht darin einen Verfassungsverstoß, weil das Kita-Gesetz zuvor nicht entsprechend geändert wurde. Für eine Verfassungsklage hat die Opposition aber nicht genug Stimmen im Landtag.

Innenminister zeigen Härte

Die Innenminister der Länder haben Entschlossenheit demonstriert. Die finanzielle Unterstützung rechtsextremer Organisationen soll unterbunden, die Scientology-Sekte soll verboten werden. Kritiker sprechen von Aktionismus und Alibi-Maßnahmen.

Seite 6
ndPlusMartina Schwager, Osnabrück

Eine Mutter kämpft um ihren Sohn

Marion Müllers (Name geändert) Sohn ist rechtsextrem. Sie hasst seine Springerstiefel, die Nazi-Embleme, die rassistischen Sprüche und die Alkohol-Exzesse mit den »neuen Freunden«. Seit zwei Jahren hält sie dagegen, will ihn aus der Szene rausholen.

Tom Strohschneider

Zur weiteren Auseinandersetzung

Keine wichtige Wahl ohne Stasi-Vorwurf – daran hatte sich die PDS nach 1989 gewöhnen müssen. Ob die dabei erhobenen Anwürfe auf Fakten basierten oder nicht; ob die regelmäßig von großer Empörung begleiteten Debatten der Aufarbeitung der DDR-Geschichte dienten oder nicht – im Wahlkampf hatten Stasiakten einen festen Platz.Selbst noch im Herbst 2005, als die frühere Staatspartei Ost läng...

Ganze oder halbe Wahrheit
ndPlusHendrik Lasch

Ganze oder halbe Wahrheit

Der sächsische Linkspolitiker Volker Külow soll sein Landtagsmandat verlieren. Angelastet werden ihm eine IM-Tätigkeit, die er freimütig eingeräumt hat – soweit er sich erinnerte.

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Seite 8
ndPlusHilmar König, Delhi

Ausmarsch aus dem Parlament

Die hitzige Debatte diese Woche in beiden Häusern des Parlaments in Delhi zeigte, dass der Pakt zwischen Indien und den USA über die Zusammenarbeit im zivilen Nuklearsektor weiter ein kontroverses Thema ist.

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Indien sagte EADS ab

Berlin (ND-Heilig). Die indische Regierung hat den beabsichtigten Kauf von 197 leichten Militärhubschraubern des europäischen Rüstungsunternehmens EADS gestoppt. Der Auftrag hatte einen Wert von 600 Millionen US-Dollar.In der indischen Presse war von Unregelmäßigkeiten im Bieterverfahren die Rede. Die Konzernmutter bestritt, dass man mit dem Modell Ecureuil eine zivile Version des Militärhubschrau...

Reimar Paul

Streik bei Cinemaxx?

In den festgefahrenen Tarifstreit bei der Cinemaxx AG kommt jetzt Bewegung. Nach zahlreichen Warnstreiks hat Deutschlands größter Multiplex-Kino-Betreiber ein neues Angebot vorgelegt.

Kein Öl-Wechsel in Sicht

Michael Lenz, Nusa DuaWeltbank und Hilfsorganisationen des Nordens unterstützen genau die Branchen, die den Klimawandel verursacht haben, heißt es in einem Bericht der Organisation Oil Change International.Umweltbewusste Teilnehmer der UN-Klimakonferenz auf Bali zeigen den kostenlosen Shuttle-Bussen zwischen Tagungsstätten die kalte Schulter und schwingen sich trotz der Hitze aufs Fahrrad. Räder s...

Anke Engelmann

Aus dem Nähkästchen geplaudert?

Will die PIN Group künftig Zeitungszusteller einsetzen, um den Mindestlohn zu unterlaufen? Eine entsprechende Meldung sorgte gestern für Aufruhr.

Seite 10
»Die Nationalität ist nicht entscheidend«

»Die Nationalität ist nicht entscheidend«

ULRICH LEPSCH ist seit 31. Juli 2006 Präsident des FC Energie Cottbus. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Spree-Neiße spricht im ND über drei Neuzugänge und die Hinrunde in der Fußball-Bundesliga.

Rote Karte gegen Prag als Initialzündung

Rotsünder Carsten Ramelow gab unfreiwillig die Initialzündung und beförderte sich mit seinem Blackout bei seiner Tätlichkeit (60.) gegen Jan Rezek womöglich selbst ins Abseits. Kurioserweise machte Bayer Leverkusen erst nach dem Platzverweis des Kapitäns das Weiterkommen im UEFA-Pokal perfekt. »Das war total unnötig und darf nicht passieren«, schimpfte Trainer Michael Skibbe über Ramelow nach dem ...

Seite 11
Wen wählen die Leser zu ND-Sportlern des Jahres?

Wen wählen die Leser zu ND-Sportlern des Jahres?

Auch ohne Blick in den Kalender merkt man an unserem Posteingang, dass die ND-Sportlerwahl 2007 in ihre Endphase tritt: Die guten Wünsche für Weihnachten am Rande der Tippscheine nehmen zu. Herzlichen Dank dafür an alle! Hingegen gilt für Leserinnen und Leser, die ihre Stimme noch nicht abgegeben haben: Tippschein auf Karte kleben – und ab damit! Oder rauf damit aufs Faxgerät, gewählt &ndash...

Krumme Tour
ndPlusThomas Wieczorek

Krumme Tour

Spätestens seit Bekanntwerden der jüngsten Wettskandale sogar in der Fußball-Champions- League und im Tennis dürfte klar sein, dass uns die Globalisierung einen neuen alternativlosen Sachzwang beschert hat. Wenn immer irgendwo auf der Welt irgendwer gegen irgendwen antritt, läuft darüber in irgendeinem entlegenen Winkel dieser Welt eine Wette, setzt sich also irgendwo jemand mit dem Geldkoffer in ...

ndPlusErik Eggers, Dijon

Die deutsche Erfolgsserie hält an

Der Jubel fiel verhalten aus. Die deutschen Handballerinnen klatschten sich lediglich ab, als die Schlusssirene im Palais des Sports von Dijon ertönte. Zwar hatten sie im ersten Hauptrundenspiel der 18. WM Spanien klar mit 30:25 (14:8) geschlagen und streben bei nun 4:0 Punkten dem Viertelfinale in Paris entgegen, doch nicht nur Grit Jurack wusste, dass sich das Team noch unnötig in die Bredouille...

Seite 12
Klaus Muche

Draht ins All

In der Nacht zum Freitag sollte die Universität Cottbus im Licht der Sterne funkeln. Denn an Bord der Raumfähre »Atlantis« befindet sich die Technik für ein von hiesigen Wissenschaftlern entwickeltes Experiment. Aber dann kam die Nachricht: Der Start ist verschoben. Die Forscher blieben deshalb unter sich, der Sekt verschlossen.Eine Erdkugel, so klein wie ein Golfball, wollen die Cottbuser mit in ...

ndPlusRené Heilig

»Atlantis« kommt nicht hoch

Die US-Raumfähre »Atlantis« bewegt sich keinen Millimeter von der Start-rampe im Kennedy-Space-Center von Florida. Es gibt mal wieder Probleme mit dem Treibstofftank.

Wolfgang Weiß

Bescherkinder und Pfefferküchler

Mit zahlreichen vorweihnachtlichen Überraschungen will die Oberlausitz dem Erzgebirge Konkurrenz machen. Dabei kann sie mit einigen Besonderheiten aufwarten, die es nur hier, in der Region zwischen Bautzen, Görlitz, Löbau und Zittau, gibt. Wie etwa die Tradition des Bescherkindes.Diese Figur gibt es nur noch in der Trachtenregion des Kirchspiels Schleife. Bescherkinder, so die Überlieferung, erfre...

Seite 13
ndPlusF.-B. Habel

Lobby regiert

Schon lange hält sich unter aufmerksamen Beobachtern die Meinung, dass die Republik von Lobbyisten regiert wird. Interessenvertreter bestimmter Industriezweige machen ihren Einfluss geltend, auf dass politische Entscheidungen in ihrem Sinne gefällt werden. Das ist unstrittig. Wie stark dabei »geschmiert« wird, kann selten nachgewiesen werden. Immerhin geht es um Milliarden. Autor Thomas Kirchner e...

Hans-Dieter Schütt

Die Königin

Leipzigs Schauspiel hatte die rauchig-sinnliche Marylu Poolman, die zarte schöne Ellen Hellwig, die fast südländisch lustvolle Astrid Bless, die eher nordisch beruhigte Regina Jeske. Aber immer war sie es, die mit Überragem beschäftigt war. Die Königin. Geradezu asketisch, mondän in härtestem Zuschnitt; das Unnahbare lag ihr mehr als der Handschlag.Christa Gottschalk, Tochter eines Beamten und ein...

Seite 14

Kampf um Veränderung

Die Kunstkuratorin Catherine David hat den Nahen Osten als faszinierende und widersprüchliche Region entdeckt. Mit dem Projekt »Di/Visions« im Berliner Haus der Kulturen der Welt (7.12. bis 13.1.) verschafft sie den vielfältigen Stimmen von Künstlern und Intellektuellen Gehör.

ndPlusAntje Rößler

PLATTENBAU

Till Brönner ist ein erklärter Weihnachtsplattenfan. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Deutschlands Vorzeige-Jazzer einmal selbst diesem Genre widmen würde. Nun ist es soweit: Das elfte Album des 36-jährigen Trompeters steht ganz im Zeichen weihnachtlicher Besinnlichkeit. Leise Enttäuschung macht sich jedoch breit, denn Brönners Repertoire-Auswahl glänzt nicht eben durch Originalität. Lo...

Geschichte persönlich genommen
ndPlusUli Gellermann

Geschichte persönlich genommen

Nach den Gesetzen des Marktes könnte Florian Havemann schon gewonnen haben: Sein unglaublich dickes, rigoros moralisches Buch mit dem unkomplizierten Titel »Havemann« hat, von der »Frankfurter Rundschau« über den Berliner »Tagesspiegel« bis zur »Bild am Sonntag«, die Schlagzeilen erreicht. Nicht alle Medien fragen so schön unmittelbar wie »Bild«: »Hat Wolf Biermann mit Margot Honecker geschlafen?«...

Seite 15
Mark Stralau

Urlaub auf Seen und Flüssen

So wie auf hoher See Kreuzfahrten, so liegen auf Binnengewässern Hausboottouren voll im Trend. Die Spezialveranstalter Crown Blue Line und Connoisseur haben unter der Dachmarke Le Boat den Deutschlandkatalog für 2008 neu aufgelegt. Neben Mecklenburg und Brandenburg umfasst er Touren im Saarland bis nach Elsass-Lothringen hinein. Durch die neu eröffnete Basis Jabel in Mecklenburg-Vorpommern ergeben...

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Was erleben

Mit der höheren Form der Roten Socke warteten die Linksfraktionäre am Donnerstag auf. Zur Haushaltsberatung schmückten kleine rote Nikolausstiefel ihre Abgeordnetentische. Aus guten Gründen schaffte es der Tischschmuck sogar ins Präsidium zu Senatorinnen wie Heidi Knake-Werner. Auch einen Sack Nikoläuse brachte Fraktionschefin Carola Bluhm in die Debatte ein – die roten waren zuerst weg, die...

»Lebensqualität ist keine Ware«
Andreas Heinz

»Lebensqualität ist keine Ware«

Die Trillerpfeifen scheinen schriller zu klingen als sonst, die Paukenschläge der Sambatruppe dumpfer als bei früheren Demonstrationen. Gestern gingen die Beschäftigten des Einzelhandels zum wiederholten Male für mehr Lohn auf die Straße. Die begleitenden Musikanten sind ebenfalls Beschäftigte des Einzelhandels.Dieses Mal hatten sich auch Streikende aus Warenhäusern und von Ikea dem Protestzug ang...

ndPlusBernd Kammer

Nach Kolonnenstraße und Kopenhagen

Am Sonntag ist bei den Verkehrsunternehmen »großer« Fahrplanwechsel, doch im Vergleich zu den Vorjahren fallen die Veränderungen in und um Berlin zumeist gering aus.BVG: Größte Neuerung ist die Verlängerung der Metrobuslinie M 85, die bisher am S- und U-Bahnhof Rathaus Steglitz endete, zum Hauptbahnhof. Dadurch entsteht eine umsteigefreie Verbindung aus den südlichen Stadtteilen zum Hauptbahnhof. ...

ndPlusWolfgang Richter

Zur Speicherstadt immer der Nase nach

Von Berlin aus dürfte der Weg nach Hamburg die meistbenutzte Strecke in Deutschland sein. Allein Berlin Linien Bus, mit über 350 Zielen das größte Linienbus-Unternehmen in Europa, fährt täglich zwischen 7 und 21 Uhr zwölfmal hin und zurück. Aber was soll man bei tristem Herbst- oder Winterwetter in Hamburg? Da ist die Speicherstadt genau das Richtige. Vom Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB), direkt ne...

Seite 16
Ohne Dach und Schornstein
Peter Nowak

Ohne Dach und Schornstein

Seit dem 14. November 2007 verfolgt Akim J. den Wetterbericht besonders genau. Wenn Regen angekündigt wird, muss er noch mehr Wannen und Eimer besorgen. Die hat er in seiner Wohnung im Obergeschoss des Quergebäudes der Almstadtstr. 24 in Mitte aufgestellt. In allen Räumen sind Plastikplanen aufgespannt, die mit Flaschen beschwert sind, damit das Regenwasser in die Behälter fließt.Wie J. geht es we...

ndPlusHeidi Diehl

Unterwegs in vergessenen Ländern der Welt

Wer, so wie ich, vom Reisevirus befallen ist, den kann fast nichts aufhalten, auch noch den entlegendsten Zipfel der Welt mit eigenen Augen zu sehen. Und doch gibt es Länder, die ich mir – aus verschiedenen Gründen – auf einen freiwilligen Index gesetzt habe. Nichts reizt mich, in Länder zu reisen, wo sich – wie in Somalia – Menschen gegenseitig ermorden, und auf die Frage ...

ndPlusWolfgang Weiß

Kalender wandert durch Schöneweide

Das Ausstellungszentrum in der Wilhelminenhofstraße 48 in Oberschöneweide war dieser Tage Anziehungspunkt für Kunstinteressierte aus vielen Teilen Berlins. Mit einer Vernissage stellten Maler, Bildhauer und Fotografen aus Treptow-Köpenick und Umgebung ihre Werke der Öffentlichkeit vor. Die Ausstellung, die bis zum 20. Dezember freitags bis sonntags von 16 bis 20 Uhr geöffnet ist, gehört zum Progra...

ndPlusChristian Kolb

Europa endet in Südamerika am Oyapok

»Ja, ja«, sagte Joep, »da kannst du schon ins Wasser hineingehen.« Unser einheimischer Begleiter legte sich in den Schatten und döste vor sich hin. Ernst-Otto, einer der Mitglieder an diesem Ausflug in die Kaw-Sümpfe von Französisch-Guyana, allerdings traute dem Braten nicht so recht. Er hängte erst einmal den Angelhaken ins Wasser. Sofort biss ein Fisch an - es war ein Piranha. Ernst-Otto ließ ih...

Seite 17
Mehr als Symbole der DDR-Schule
Tom Mustroph

Mehr als Symbole der DDR-Schule

Auf das Jahr 1977 wurde in den letzten Monaten oft zurückgeblickt. Meist war da vom »deutschen Herbst« die Rede. Begriffe wie »Imperialismus« und »Klassenfeind« fanden sogar Eingang in die bürgerlichen Medien, wenn von RAF und 2. Juni berichtet wurde. Doch eine kleine Ausstellung im Schulmuseum macht bewusst, dass diese Begriffe nicht nur von Meinhof, Meins und Mahler gebraucht wurden. Herzstück d...

Vertreibung aus Bitterfeld
René Heilig

Vertreibung aus Bitterfeld

»Herr Nguyen und Frau Phuong reisten 1992 nach Deutschland ein und beantragten jeweils erfolglos ein Asylverfahren. Seit 1994 sind sie rechtskräftig zur Ausreise aus Deutschland verpflichtet. Sie kamen ihrer Ausreiseverpflichtung nicht nach, so dass ihre zwangsweise Aufenthaltsbeendigung eingeleitet werden musste. Die Ausreise war zunächst nicht möglich, weil sich Vietnam völkerrechtswidrig weiger...

Seite 18
Uwe Werner

Ferienpark an der Naturtherme

Still war es geworden um die Pläne des Bauunternehmers Hans-Georg Barwinsky, unmittelbar neben der Naturtherme Templin eine Ferienhaussiedlung zu errichten. Mit dem Abriss der letzten Gebäude – es handelte sich um den ehemaliger Getränkestützpunkt – im Jahr 2001 hatte der Mann Hoffnungen geweckt, dass die 14 000 Quadratmeter große Brache schon bald verschwindet. Kritiker meinten allerd...

ndPlusBernd Baumann

DVU verlangt Abstimmungsmarathon

Die rechtsextreme DVU sorgt im Landtag für Aufregung und Empörung bei den demokratischen Parteien. Für die dreitägige Debatte zur Verabschiedung des Doppelhaushalts 2008/2009 in der kommenden Woche beantragte die DVU-Fraktion eine namentliche Abstimmung zu ihren 98 Änderungsanträgen. Hinzu kommen weitere Anträge bei der Verabschiedung der neuen Kommunalverfassung. Das würde den Zeitrahmen sprengen...

Seite 19
Eine zeitgemäße Idee
ndPlusHelge Meves

Eine zeitgemäße Idee

Ein Gemeinplatz im Feuilleton: Die neue LINKE wird für die Sprengung des westdeutschen Vier-Parteien-Systems geadelt. Die Bundesrepublik ist indes nur in der europäischen Normalität angekommen. Die westeuropäischen Nachkriegsparteiensysteme beruhten im Wesentlichen auf denen der 20er Jahre: Christliche Konservative, Liberale, Sozialdemokraten. Nach dem Auseinanderbrechen der II. Internationale kamen Sozialisten und Kommunisten links der Sozialdemokratie dazu. In den 80ern ergänzten ökologische Parteien das Spektrum. Nur in Westdeutschland gab es keine Partei links der SPD, die politisch entscheidend eingreifen konnte, bedingt durch die Fünf-Prozent-Klausel und das System der Parteienfinanzierung. Wie konnte es gelingen, jene Hürden erfolgreich zu nehmen?

Peter Richter

Der aufhaltsame Aufstieg der Folterknechte

Zuerst wird der Gefangene an Händen und Füßen auf einer Holzpritsche gefesselt, Dann legt man ihm ein dickes, schweres Tuch über den Kopf, auf das anschließend über einen Schlauch ständig Wasser fließt. Das Gewebe presst sich ans Gesicht, das Wasser lässt keine Möglichkeit zu atmen. Der Gefolterte gurgelt, hustet, keucht; er glaubt zu ertrinken, zu ersticken. Kurz wird das Wasser abgestellt, und e...

Seite 20

WochenChronik

7. Dezember 1807: Mit seinem Bruder Jérôme beschert der französische Kaiser Napoleon dem von ihm geschaffenen Königreich Westfalen einen Monarchen, der wegen seines leichtfertigen Wesens bald König Lustig genannt wird. 7. Dezember 1912: Bei Ausgrabungen in Amarna in Ägypten entdecken deutsche Wissenschaftler die 48 Zentimeter hohe Büste der Königin Nofretete, deren Name »Die Schöne ist gekommen« b...

Ronald Sprafke

Gold-Gruben

»Die Einheimischen legen zottelige Schafsfelle in das Wasser (der Bäche), auf diese Weise fangen sie die schwebenden Goldkörnchen auf«, berichtete Appian um 160 n. Chr. in seiner »Römischen Geschichte« über die Goldgewinnung in der Kolchis, jenem Gebiet an der Ostküste des Schwarzen Meeres, das schon seit alten Zeiten für seinen Goldreichtum berühmt war. Bislang hatte man angenommen, dass aus Flüs...

Die eiserne Faust des Reiches
ndPlusHorst Diere

Die eiserne Faust des Reiches

Auf der Jagd beim Fürsten Pleß in Oberschlesien erreicht Wilhelm II. im November 1897 die Nachricht von der Ermordung zweier deutscher katholischer Missionare in der ostchinesischen Provinz Shandong (Schantung). Des Kaisers Reaktion, telegrafiert an das Auswärtige Amt in Berlin: »Jetzt oder nie!« Dem Chef der vor Schanghai liegenden Ostasiatischen Kreuzerdivision, Vizeadmiral Diederichs, befiehlt ...

Um die Spaltung zu verhindern
Manfred Gerlach

Um die Spaltung zu verhindern

Am 6. und 7. Dezember 1947 fand der erste Deutsche Volkskongresses für Einheit und gerechten Frieden in Berlin stattfand. Im November des Jahres hatte sich die SED an das deutsche Volk gewandt. Zuvor hatte der Vorsitzende meiner Partei, der LDPD, Dr. Wilhelm Külz, die Bildung einer deutschen Repräsentanz allein aus Vertretern der politischen Parteien angeregt; das war am Widerstand von Kurt Schuma...

Seite 21

Aufgeblasen

Ein ungewöhnliches Experiment in der Schwerelosigkeit unternahmen Forscher des Berliner Hahn-Meitner-Instituts (HMI) kürzlich. Allerdings kamen sie dabei nicht in den Weltraum. Sie flogen in einem speziell ausgebauten Airbus A300. Der bietet bei einem Parabelflug jeweils 20 Sekunden Schwerelosigkeit für Experimente. Die HMI-Forscher um Francisco Moreno untersuchten dabeidie Entstehung von Metallsc...

ndPlusWalter Willems

Experte: Durchbruch gegen Malaria in Sicht

In den kommenden Jahren rechnen Forscher mit einem Durchbruch in der Malariaforschung. Aufgrund neuer Erkenntnisse werde es dann neue Medikamente und Impfstoffe geben, die den Erreger gezielt bekämpfen, erwartet der Mediziner Tim-Wolf Gilberger vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.Zwischen ein und fünf Millionen Menschen sterben jährlich an Malaria. Der Kampf gegen die Infektio...

Martin Koch

Dampfender Schneeball

Am Sternenhimmel vollzieht sich derzeit ein Schauspiel, das selbst Astronomen in Erstaunen versetzt: Der Komet 17P/Holmes, der ansonsten recht lichtschwach und nur mit größeren Fernrohren zu beobachten ist, strahlt seit einigen Wochen zigtausendfach heller als gewöhnlich. Das heißt, bei idealen Sichtbedingungen kann man den flüchtigen Himmelskörper als gelblichen Lichtfleck im Sternbild Perseus so...

Steffen Schmidt

Algenblüte für das Klima

Algenblüten haftet ein überaus negatives Image an. Schließlich verdirbt einem der schaumige Schleim am Strand das Badevergnügen, schlimmstenfalls sind die auch noch giftig. Doch in den letzten Monaten kann man kaum ein Wissenschaftsmagazin aufschlagen, ohne dem pflanzlichen Plankton als Hoffnungsträger im Klimawandel zu begegnen. Insbesondere auf das Plankton der Weltmeere bauen einige Wissenschaf...

Seite 22
Eine Revolution für das Grundgesetz

Eine Revolution für das Grundgesetz

Die Debatte um Nationalstaat und Nation begleitet die Linke von ihrem Beginn an. Verbunden mit der »Europafrage« hat sie neue Zuspitzungen erfahren. Vieles – vom Verdikt »vaterlandslose Gesellen« gegen Bebels SPD, der Verbrennung von Büchern und der Ausbürgerung humanistischer Eliten bis zum »Geht doch nach drüben!« – zeigt: Weite Teile der Bourgeoisie wollten nie mit der Linken unter ...

Seite 23
ndPlusInes Sebesta, Sofia

Auf dem Frauenmarkt in Sofia

Nein, auf dem Sofioter Frauenmarkt werden keine Frauen feilgeboten. Im 19. Jahrhundert – noch unter der Türkenherrschaft – soll es sich zugetragen haben, dass sich Frauen, die ja ins Haus gehörten, hier erstmals und offiziell unter das kauffreudige Sofioter Volk mischen durften.

»Das hat schon ein gewisses Suchtpotenzial!«
Harald Lachmann, Mahlwinkel

»Das hat schon ein gewisses Suchtpotenzial!«

Der Mann ist Ende 50. Er trägt ein bunt gestreiftes Poloshirt über grünen Cargohosen und wirkt mit Brille und Bürstenschnitt wie ein Behördenmensch auf einem gesitteten Wochenendtrip. Immerhin hat er Frau und ein befreundetes älteres Ehepaar im Gefolge. Doch plötzlich entert er über Kette und Wanne den schweren Schützenpanzer, neben dem sie gerade noch plauderten. Er schwingt sich in die Fahrerluk...

Seite 24

Weltgrößter Topflappen

Normalerweise schwirren sie irgendwo in der Küche herum und sind nie genau da, wo man sie braucht, wenn es dampft und kocht. Unübersehbar und genau deshalb rekordverdächtig ist der gehäkelte Topflappen von Monika Veidt, vor dem sie im Kreismuseum Schönebeck (Salzlandkreis) steht. Mit dem 16 Quadratmeter großen Exemplar will die 59-jährige Hausfrau einen Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde scha...

Christkind-Meisterin

Der beste Weihnachtsmann Deutschlands ist eine Frau. Renate Hammer aus Regensburg (Foto: dpa) gewann die Deutsche Weihnachtsmann-Meisterschaft in Celle. Die 25 Jahre alte Studentin setzte sich gegen ihre männlichen Konkurrenten aus den einzelnen Bundesländern durch. 40 Kandidaten hatten sich zur Wahl gestellt. Neben Schlitten ziehen, Kinder trösten, Geschenke einpacken und Hufeisen schmieden musst...

ndPlusUdo Bartsch

Kartenspiel

Bitte keinen Blumenkohl! Aufgeregt fuchtelt der Chefkoch mit seinen Ärmchen und deutet auf das Verbotsschild: Das Gemüse ist als Salat-Beigabe allerstrengstens tabu! – Nun gut, verstanden. Aber was soll man tun, wenn man trotzdem eine Blumenkohlkarte in der Hand hält? Ganz einfach: Das Gemüse schnell umbenennen … Alle Spieler bekommen einen verdeckten Kartenstapel mit Paprika, Tomaten...

Testspiel

Wer schrieb es? Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden. Wie teuer war es? Welchen Schaden verursachte der teuerste Tippfehler der Welt? Welche Einrichtung war es? Welche zentrale wissenschaftliche Einrichtung der DDR wurde am 8. Dezember 1951 in der Hannoverschen Straße 2...

Königsklasse hinter dickem Glas
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Königsklasse hinter dickem Glas

Die spanische Stadt Vitoria organisierte ein neues Schachturnier und nannte es in Fußball-Analogie »Champions-League«. Immerhin, fünf der sechs Teilnehmer waren ja auch schon mal Weltmeister: Weselin Topalow (Bulgarien, 32), Anatoli Karpow (Russland, 56), Ruslan Ponomariow (Ukraine, 24), Alexander Khalifman (Russland, 41) und Rustam Kasimdzhanow (Usbekistan, 28). Der sechste Teilnehmer war Judit P...