Ausgabe vom 08.05.2008

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Unten links

Die Russen kommen! Nicht mit Stalinorgel und Gulaschkanone wie anno domini 1945. Viel subtiler ist ihre Offensive heute. Sie haben, wie Brandenburgs Premier Platzeck Gymnasiasten warnte, »Öl und Gas bis zum Abwinken«. Und die Macht, den Hahn abzudrehen. So dass der arme »Fritz« erfriert und verhungert. Innerhalb eines Jahres mussten die Deutschen darob schon zwei Mal zittern. Angst geht um in Deut...

ndPlusJürgen Elsässer

Keine Entwarnung

Karlsruhe profiliert sich immer stärker als Widerpart der Ultra-Fraktion in der deutschen Politik. Im März machte das Bundesverfassungsgericht Furore, als es das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung stoppte, wenigstens vorläufig. Jetzt haben die Hüter des Grundgesetzes unkontrollierte Kriegseinsätze verurteilt. Es ging um den AWACS-Einsatz während des Irak-Krieges 2003. Die Schröder-Regierung sah da...

Gericht entzieht Regierung Kriegsgewalt

Gericht entzieht Regierung Kriegsgewalt

Das Bundesverfassungsgericht hat die Rechte des Bundestags bei Auslands- einsätzen der Bundeswehr gestärkt. Der Einsatz deutscher Soldaten in AWACS-Aufklärungsflugzeugen der NATO zu Beginn des Irak-Kriegs 2003 war wegen der fehlenden Zustimmung des Bundestags verfassungswidrig.

Jürgen Elsässer

Eine Konferenz im Geiste Orwells

Die Union will alle Hürden fallen lassen – für Einsätze der Bundeswehr im In- und Ausland. Das auf einer Sicherheitskonferenz am Mittwoch in Berlin beschlossene Konzept selbst erlegt sich keine Grenzen auf.

Seite 2

Chronologie

Wichtige historische Ereignisse für Israels Staatsgründung und seine bisherige Geschichte:1882 – Erste Einwanderungswelle osteuropäischer Juden nach Palästina, das unter osmanischer Herrschaft steht.1897 – In Basel fordert erster Zionistenkongress Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina. Theodor Herzl (1860-1904), der 1896 »Der Judenstaat« veröffentlicht hat, forciert dieses Vor...

Heinz-Dieter Winter

Staatsraison oder Solidarität?

In diesem Monat feiert der Staat Israel den 60. Jahrestag seiner Gründung. Die israelische Regierung hat diesem Tag im nationalen und internationalen Rahmen eine herausragende Würdigung zukommen lassen, allein 40 Millionen Dollar hat der Staatshaushalt dafür zur Verfügung gestellt. Und auch Freunde in aller Welt feiern diesen Tag. Sind doch Frieden und Existenzsicherheit für einen Staat, der nach ...

Der fatale Verlust von Visionen

Der fatale Verlust von Visionen

Mit seinem Buch »1949. The First Israelis« löste der israelische Historiker Tom Segev 1986 eine Entmythologisierung der Gründungsgeschichte Israels aus. Der regierungsoffiziellen, ideologisch motivierten Geschichtsdarstellung widersprechend, entfesselte er in Israel einen Historikerstreit, der bis heute anhält. Nach 22 Jahren und rechtzeitig zum 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels ist sein Werk nun auf Deutsch unter dem Titel »Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates« (Siedler, 416 S., geb., 24,95 EUR) erschienen. Mit dem in Jerusalem lebenden Wissenschaftler sprach Adelbert Reif.

Seite 3
Eine Brücke ins Leben
Harri Czepuck

Eine Brücke ins Leben

Den Tag der Befreiung am 8. Mai 1945 erlebten viele junge Deutsche fern der Heimat. Hunderttausende waren als Wehrmachtssoldaten in Kriegsgefangenschaft geraten. Für sie begann ein schwieriger Weg – aus einem mörderischen Krieg in eine friedliche Zukunft, aus einer Niederlage in einen Neuanfang, aus Schuld und Verstrickung zum Nachdenken über eigene Verantwortung. Den 40 000 in Polen Internierten half dabei eine Zeitung von Gefangenen für Gefangene: »Die Brücke«. Unser Autor Harri Czepuck war selbst Kriegsgefangener in Polen und einer der »Brücke«- Redakteure. Später wurde er Journalist und u.a. stellvertretender Chefredakteur des »Neuen Deutschland«.

Seite 4
Christian Klemm

Abseits kaiserlicher Militärtraditionen

Als Reaktion auf den Karlspreis gründeten Friedensaktivisten 1988 den »Aachener Friedenspreis«. Diese jährlich verliehene Auszeichnung wurde gestern vor zwanzig Jahren begründet.

Fordert EuGH andere Asylpolitik?

Fordert EuGH andere Asylpolitik?

ND: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat einen Ratsbeschluss gekippt, wonach die Mitgliedsstaaten allein über Listen angeblich sicherer Drittstaaten und Herkunftsländer für Flüchtlinge entscheiden konnten. EU-Parlamentarier begrüßten das Urteil als Erfolg für den Flüchtlingsschutz. Teilen Sie diesen Optimismus? Erstmal hat das Gericht doch nur formal die Mitentscheidungsrechte des P...

ndPlusHendrik Lasch, Borna

Holocaust-Leugner zum Umzug genötigt

Mit dem »Collegium Humanum« und zwei verbandelten Vereinen hat das Innenministerium ein Sammelbecken der Holocaust-Leugner verboten. Allerdings verfügt die Szene seit 2005 auch über eine Filiale in Sachsen.

ndPlusUwe Kalbe

Parteilinke will SPD retten

Langsam, aber unaufhaltsam rückt die Bundestagswahl 2009 näher. Die SPD fühlt sich unwohl in ihrer Haut, Umfragetiefs, das Dasein in der Großen Koalition, der Druck der LINKEN sorgen dafür. Am unwohlsten fühlt sich wohl die Parteilinke, sie drängt auf Neuorientierung der Partei.

Seite 5

VdK sieht Gerechtigkeitslücke

Berlin (Agenturen/ND). Die von Union und SPD geplante neuerliche Erhöhung der Abgeordnetendiäten sorgt weiter für Empörung. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch eine sogenannte Formulierungshilfe zum entsprechenden Gesetzentwurf von Union und SPD. Demnach sollen die Diäten zum Jahresbeginn 2009 um 278 Euro und ein Jahr darauf noch einmal um 213 Euro steigen. Ende 2007 war bereits eine Anhebung...

ndPlusAnke Engelmann, Erfurt

Mathelehrer wird Kultusminister in Thüringen

Der neue Kultusminister von Thüringen wird aller Voraussicht nach Bernward Müller heißen. Das wurde am Dienstagabend in Erfurt bekannt. Der bisherige CDU-Bundestagsabgeordnete tritt anstelle des vorgesehenen Kandidaten Peter Krause an, der am Montag sein Amt abgegeben hatte.

Althaus im politischen Abwärtstrudel
Bodo Ramelow

Althaus im politischen Abwärtstrudel

Ende Februar kündigte die Thüringer CDU vollmundig an, in Zukunft mit jener Werbeagentur zu arbeiten, die erfolgreich den Wahlkampf des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) bestritten habe. Da horchten alle auf und erwarteten Großes und Neues von der Partei, die sich nun auf der Siegesstraße befinden sollte. Es plätscherten dann die Wochen so dahin und die alleinregierende C...

Seite 6
Irina Wolkowa, Moskau

»Weltweit bestes Land zum Leben«

Bereits beim ersten Satz von Dmitri Medwedjew, kaum, dass dieser am Mittwochmittag seinen Amtseid auf die russische Verfassung abgelegt hatte, war das Auditorium hellwach.

ndPlusReiner Oschmann

Obama hält Clinton auf Abstand

Bei den Vorwahlen zur Nominierung des Präsidentschaftskandidaten der USA-Demokraten hat sich am Dienstag Senator Barack Obama gegenüber Senatorin Hillary Clinton nach Rückschlägen in den vergangenen Wochen stabilisieren und seiner Bewerbung neuen Schwung verschaffen können.

Seite 7
Karin Leukefeld

Kämpfe in Jemen wieder aufgeflammt

In Jemen sind die Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und den Huthi-Rebellen nordwestlich der Hauptstadt Sanaa neu aufgeflammt. Die Rebellen gehören zum Stamm der Saidi, einer Minderheit von schiitischen Muslimen in dem mehrheitlich sunnitisch-muslimischen Land.

ndPlusHilmar König, Delhi

Inderinnen nahmen die »erste Hürde«

Die seit zwölf Jahren schmorende Verfassungsergänzung über eine Quote für weibliche Abgeordnete in Indiens Parlamenten wurde am Dienstag der Rajya Sabha, dem Oberhaus, vorgelegt. Noch aber gibt es Widerstand gegen den Gesetzentwurf.

Welche Revolution steht Nepal bevor?

Welche Revolution steht Nepal bevor?

Mit 220 Abgeordneten wird die Kommunistische Partei Nepals (Maoisten) die mit Abstand stärkste Fraktion in der Verfassunggebenden Versammlung stellen, die am 10. April gewählt wurde. Allerdings sträuben sich die anderen großen Parteien, gemeinsam mit den ehemaligen Rebellen eine Regierung zu bilden. Dina Nath Sharma (62), ein früherer Lehrer, ist Abgeordneter, Mitglied des Zentralkomitees der KPN (M) und einer der Sprecher seiner Partei. Für ND befragte ihn in Kathmandu Carla Lee.

Seite 8
Oliver Händler

Wirkungslose Tricks

Den Wählern in den US-Bundesstaaten North Carolina und Indiana ist ein Kompliment zu machen – nicht weil sie mehrheitlich für Barack Obama stimmten, sondern weil sie kleine Versprecher und schnelllebige Versprechen der Kandidaten nicht mehr so wichtig nehmen, wie es die Medien tun. Mag man der langen Vorwahlschlacht der Demokraten mittlerweile auch überdrüssig sein, sie hat zumindest bewirkt...

Detlef D. Pries

Mutmaßungen über M.

Russland hat einen neuen Präsidenten. Wer am 7. Mai 2008 in den Moskauer Kreml einziehen würde, wusste man zwar bereits im Dezember 2007, doch noch immer haben Kreml-Astrologen nur Mutmaßungen parat, wenn sie verkünden, wer dieser Dmitri Anatoljewitsch Medwedjew ist und welche Rolle er spielen wird. Sie behelfen sich mit Etiketten. Das beliebteste zeigt Medwedjew als Marionette seines Vorgängers W...

ndPlusRené Heilig

»Spiel« der freien Kräfte

Der Bundesinnenminister hat mal wieder ein paar rechtsextreme Vereine verboten. »Die geistigen Brandstifter, mit denen wir es hier zu tun haben, sind der Nährboden, aus dem letztlich auch rassistisch motivierte Gewalt erwächst«, sagte Schäuble. Wer will ihm widersprechen? Doch machen wir uns nichts vor. Das Verbot des »Collegium Humanum«, der »Bauernhilfe e.V«“ sowie des »Vereins zur Rehabil...

ndPlusVolker Stahl, Hamburg

Alternativlos

Es gab mal Zeiten, in denen grüne Politiker auf erfrischende Weise Klartext geredet haben. Auch als vor nicht allzu langer Zeit der aus Hamburg stammende Bundesarbeitsminister Olaf Scholz wegen der Serienproduktion nichtssagender Sprechblasen als »Scholzomat« veralbert worden war, dürften noch viele Grüne mitgelacht haben. Tempi passati! Heute pflegen die meisten Spitzenpolitiker der »Alternativen...

Seite 9
Die Stille: ein Klang

Die Stille: ein Klang

Rund acht Millionen Menschen haben das Berliner Holocaust-Denkmal seit dessen Einweihung vor genau drei Jahren besucht. Zum Jahrestages wird das Stelenfeld nun erstmals Schauplatz eines Konzerts. 23 Musiker der Kammersymphonie Berlin führen morgen die eigens für diesen Anlass geschaffene Komposition »Vor dem Verstummen« von Harald Weiss auf. Dirigiert werden sie von Lothar Zagrosek, dem Chefdirige...

Birgit Gärtner

Lebensfroh statt im Gleichschritt

Ohne die Swing-Jugend hätte ich die Nazis nicht überlebt«, ist sich Uwe Storjohann heute sicher. »Ich war weder rassisch verfolgt, noch von meinem Elternhaus her zu politischem Widerstand motiviert, aber ich habe den Nazi-Drill kategorisch abgelehnt und mich der Hitler-Jugend konsequent verweigert. Damals dachte ich aber noch, ich sei der einzige Hamburger Jugendliche, der das tut. Bei den Swingki...

Astrid Volpert

Leuchtturm in der Lausitz

Man schrieb das Jahr 1925, als in den »ABC-Beiträgen zum Bauen« zwei provokante Fragen und kurze Antworten darauf zu lesen waren: Der Schweizer Moderne-Architekt Hans Schmidt stellte der Schönheit der Maschinen, die »arbeiten, sich bewegen, funktionieren«, die Nicht-Schönheit unserer Häuser gegenüber, die angeblich »nichts tun, herumstehen, repräsentieren«. Der vermeintliche Widerspruch findet run...

Seite 10
ndPlusF.-B. Habel

Das »Garbo-Geheimnis«

Ins rettende Exil in der Schweiz erhielt Hertha Thiele 1937 nach einigen Monaten einen Brief vom Vater aus Leipzig, der ihr einen Zeitungsausschnitt beigelegt hatte – mit ihrem Nachruf. Nachdem die Anfragen nach der beliebten Schauspielerin nicht verstummen wollten, ließ Goebbels' Propagandaministerium verbreiten, die junge Künstlerin sei viel zu früh nach langer Krankheit gestorben. Sie wur...

Caroline M. Buck

Duldung vs. Abschiebung

Valentina sieht aus wie die junge Barbara Sukowa: die gleiche wilde Mähne, die gleiche Projektion überschäumender Lebenslust. Suli ist ruhiger, überlegter, konservativer erzogen. Während Valentina die Schule schwänzt, auf dem Bolzplatz eine große Lippe riskiert und sich gelegentlich mit Autoritätspersonen in Uniform anlegt, legt Sulis Familie viel Wert auf ihre Schulbildung und anständiges Verhalt...

Durch Mitleiden wissend
ndPlusWerner Wolf

Durch Mitleiden wissend

Von allen Werken Richard Wagners erfuhr sein letztes, das Bühnenweihfestspiel »Parsifal«, die meisten und widersprüchlichsten Erklärungs- und Deutungversuche. Der Text lässt manches offen und fordert so zum Nachdenken heraus. Doch wenn man ihn in Verbindung mit der Musik liest, bleibt der Spielraum gar nicht so riesig. Zur generellen Frage, ob »Parsifal« ein kirchliches Werk sei, äußerte sich der ...

Seite 11

Nahtstellen

Nahtstellen – Fotos für die Pressefreiheit 2008«, so heißt der Bildband von »Reporter ohne Grenzen« (Coverfoto: Frank Herfort: Sleep – Schlaf), der jetzt druckfrisch vorliegt. Der langjährige Sowjetunion- und Russlandkorrespondent des ZDF, Dirk Sager, hat ein sehr kundiges Vorwort geschrieben. Zu sehen sind Fotos aus den GUS-Staaten. Fast nirgends entwickelten sich dort stabile Demokra...

STARporträt

Als englischer Schauspieler mit Ausbildung an der Bristol Old Vic Theatre School und großen Bühnenerfolgen, auch am Broadway, ist er im Kinofilm ein ebenso geschätzter Charakterdarsteller – jetzt als dekadenter Millionenerbe in »Wilde Unschuld« zu sehen. Stephen Dillane (*27.3.1957 London, Foto: AFP) wandte sich erst nach einem Geschichts- und Politik-Studium sowie Arbeit als Journalist dem ...

www.grimme-institut.de

Die Suche nach brauchbaren Informationen im Internet gestaltet sich für unbedarfte Nutzer oft schwierig. Wie sind etwa seriöse von dubiosen Websites zu unterscheiden? Die Nominierungen für den Grimme-Online-Award können wegweisend sein hinsichtlich qualitativ hochwertiger Angebote im Netz – vorausgesetzt, man folgt dem Ehrgeiz des Adolf Grimme Instituts. Dessen Nominierungskommission stellt ...

Caroline M. Buck

Nach dem Krieg

So hatte Jerry sich das nicht vorgestellt, als er in den Golfkrieg zog, nach Afghanistan, und schließlich nach Irak: dass er als Kriegsheimkehrer im Trailer enden würde mit seiner Familie, auf einem Grundstück, das Raum böte für den Bau eines Hauses, wenn denn Geld da wäre. Dass er würde froh sein müssen über seinen Niedriglohn-Job und dem Chef jede Gemeinheit nachsehen, damit es zu Hause für Miet...

ndPlusMarion Pietrzok

Böses Idyll

An diesem Morgen ist die Kleinstadt mit touristenträchtigem Flair noch eine heile Welt, Haus- und Geschäftstüren gehen auf, es wird heftig gewunken, jeder kennt jeden. Und heftig winkt hier auch der Zaunspfahl: Es wird noch heftig zur Sache gehen. Tatsächlich streben die Schüler aus der Puppenstube – Apotheke, Bäckerladen, Goldschmiede, blitzblanke backsteinerne Gassen – ins Kafka(!)-G...

Peter Pagel, Schwerin

Verspätete Presseschau

Derzeit ist so manches über Versagen und Schoten von Norbert Claussen, den die Schweriner am 27. April 2008 aus dem Amt gewählt haben, zu erfahren. Warum aber hatten sie ihn im April 2002 frei gewählt? Oder waren sie gar nicht so frei in ihrer Entscheidung? Vieles spricht für eine gehörige Manipulation durch Medien und Politik. Darum sei hier eine Presseschau aus den Apriltagen 2002 nachgereicht.

Seite 12
ndPlusLilian-Astrid Geese

Der Tod erzählt

Man sagt, dass der Krieg der beste Freund des Todes ist, aber da muss ich euch berichtigen. Für mich ist der Krieg wie ein neuer Vorgesetzter, der Unmögliches von einem erwartet.« Fast hat man Mitleid mit dem Erzähler in Markus Zusaks jüngstem Roman »Die Bücherdiebin«. Es ist der Tod, der auf der Umschlaghülle der Kinder- und Jugendausgabe dieses Buches »für alle Altersklassen« fröhlich mit einem ...

Sabine Neubert

Doppelter Wahnsinn

Grote notierte die Zahl der Blässhühner auf dem Teich hinter dem Verbrennungsplatz, Marek zählte Stockenten. Ein Kleiber lief kopfunter einen Baumstamm herab, ließ sich auch nicht stören, als ein Schuss fiel ... Ich denke, das Schießen ist verboten, wunderte sich Marek. Nur das Schießen auf Vögel, antwortete Grote: »Marek Rogalski war einmal Kunststudent in Krakau. Dann kam der Krieg. Jetzt ist er...

Irmtraud Gutschke

»Es hat mich ja keiner gefragt«

Der Reiz liegt im Authentischen des Geschehens und seiner Erkundung. Sicher auch in der Popularität der Autorin, die durch einen Zufall entdeckte, dass sie jüdische Vorfahren hat. Sie hatte nicht gewusst, dass ihr Großvater Franz, den sie ja noch kennenlernte, Jude war, nicht geahnt, was das für ihren Vater bedeutet hatte. Eine eigenartige Stimmung zwischen beiden hatte sie registriert, etwas Abwe...

Seite 13

Zweiter Weltkrieg

Anders als nach dem Ersten Weltkrieg gab es 1945 keine Kriegsschulddebatte und keine »Dolchstoßlegende«. Anders als im August 1914 läßt sich aus der Abfolge der Kriegserklärungen im September 1939 bzw. den Aufmarschplänen der Armeen keine Kontroverse über die Verantwortung für den Kriegsausbruch ableiten. Zu eindeutig hatte sich der unbedingte Kriegswille Hitlers offenbart, zu klar waren seine auf...

Gerd Kaiser

Staatlicher Mord

Dieses Buch über die deutsch-faschistischen Einsatzgruppen in Polen 1939 ist nicht die erste Veröffentlichung der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart über Verbrechen des »Großdeutschen Reiches«. Es dürfte und darf nicht das letzte sein. Nach wie vor ist vieles noch nicht oder nicht gründlich genug erforscht. Das hat seine Gründe. Wichtigste Ursache dürfte sein, dass sowohl Schre...

ndPlusHarald Loch

Tödliche Logik

Erst in jüngster Zeit hat sich die etablierte bundesdeutsche Geschichtsschreibung (im Gegensatz zu der der DDR) mit den ökonomischen Zusammenhängen befasst, die zum Faschismus geführt und sein mörderisches Wirken bestimmt haben. Dabei kam es aber auch zu auf Abwege führende Veröffentlichungen wie Götz Alys »Hitlers Volksstaat«, der dem Naziregime – aus Angst vor den eigenen »Volksgenossen« &...

Manfred Weißbecker

Gereimte Ergüsse

Wie es scheint ein unerschöpfliches Thema – die Deutschen und Hitler. Viel ist dazu von Geschichtswissenschaftlern bereits klärend gesagt worden, wenn auch Fragen bleiben und neue noch auftauchen werden. Zu außergewöhnlich und beschämend, ja auch zu erbärmlich war das, was sich in Deutschland in der Zeit vom Ende des Ersten bis zu dem des Zweiten Weltkrieges abgespielt hat. Rationale Argumen...

Seite 14

Machtkampf bei TUI spitzt sich zu

Hannover (dpa/ND). Der Machtkampf um die Zukunft des Reise- und Schifffahrtskonzerns TUI ist auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Hannover mit unverminderter Schärfe fortgesetzt worden. Der größte Aktionär, der norwegische Reeder John Fredriksen, griff durch seinen Vertrauten Tor Olav Troim die TUI-Spitze massiv an und warf ihr schlechte Unternehmensführung und Vetternwirtschaft bei der Besetzu...

ndPlusVelten Schäfer

Flucht nach Baabe

Das Osteebad Baabe kann mit einem einzigartigen Standortmerkmal in die Tourismussaison starten: Heute wird das idyllische Dorf an der Prorer Wiek als weltweit erstes mit dem Siegel einer »allergikerfreundlichen Gemeinde« ausgezeichnet.

Prekäre Beschäftigung führt zu Altersarmut
ndPlusAnnelie Buntenbach

Prekäre Beschäftigung führt zu Altersarmut

Der Bundestag stimmt heute abschließend über die geplante Rentenerhöhung von 1,1 Prozent zum 1. Juli ab. Die Frage, wie das Rentensystem armutsfest gemacht werden kann, bleibt aber weiter auf der Tagesordnung.

Seite 15
ndPlusDirk Harten und Mark Stralau

Rostock so gut wie abgestiegen, aber Cottbus kann weiter hoffen

Der freie Fall von Hansa Rostock in die 2. Bundesliga scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Von den vergangenen 12 Punktspielen konnten die Rostocker nur eines gewinnen. Das klare 0:3 bei Hannover 96 nach Toren von Balitsch (19.) und Rosenthal (47., 87.) war nun schon die siebente Niederlage an den letzten acht Spieltagen! Selbst die größten Optimisten dürften sich inzwischen mit dem Wiederabsti...

Jirka Grahl

Schicht im Schacht

Eigentlich war es im Lößnitztal an diesem Dienstagnachmittag wie so oft in den vergangenen fünf Zweitligaspielzeiten. Die Sonne fiel schräg ins Erzgebirgsstadion, die Fans verteilten sich auf Treppen und Sitzen und dann sangen sie ihre Hymne: von den zwei gekreuzten Hämmern und dem großen W, das Lied von Wismut Aue, »unserer BSG«, die aus der Tiefe kommt. Aus dem Schacht. Danach liefen der besunge...

Seite 17

Täglicher Irrsinn

Auf der Universität kann man viele schlaue Theorien studieren – manchmal taugt das Erlernte sogar im Alltag: Wer sich beispielsweise mit der Kriegsursachenforschung beschäftigt, erfährt vieles darüber, was einen Konflikt ausmacht, damit er ein richtiger Krieg ist. Es bedarf nämlich einer Reihe von Kriterien, die erfüllt sein müssen. An erster Stelle taucht in vielen Definitionen das Kriteriu...

Ansinnen der Nazis in sein Gegenteil verwandeln

(ND). »Tut mir das nicht an! Laßt mich nicht übrig! Habe ich nicht immer die Wahrheit berichtet in meinen Büchern? Und jetzt Werd ich von euch wie ein Lügner behandelt! Ich befehle euch: Verbrennt mich!« Die Passage aus Bertolt Brechts »Die Bücherverbrennung« setzte dem Schriftsteller Oskar Maria Graf ein Denkmal. Bestimmt hatte dieser in der Wiener Arbeiterzeitung von den Nazis gefordert, seine z...

»Hitler kaputt! Ein Grund zu feiern!«

»Hitler kaputt! Ein Grund zu feiern!«

(ND). Am 8. und 9. Mai wird in Berlin des 63. Jahrestages des Sieges über den Faschismus und der Befreiung gedacht. Kranzniederlegungen gibt es heute u. a. um 10 Uhr in der Schönholzer Heide (Pankow), um 12.15 Uhr am Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten und um 17 Uhr am Treptower Ehrenmal sowie an der Gedenktafel für Nikolai Bersarin, Petersburger Straße 90-98 (Friedrichshain). Zum 9. Mai als dem »...

Stempeln gegen barbarischen Akt

Stempeln gegen barbarischen Akt

ND: Warum werden Sie am Freitag gegen das Vergessen stempeln? Lötzsch: Jedes Jahr gibt es um den 10. Mai viele Veranstaltungen, die an die Bücherverbrennung 1933 in vielen deutschen Städten erinnern. Helga Elias organisiert seit 15 Jahren die Lesung auf dem August-Bebel-Platz. Das nenne ich Beharrlichkeit! Trotzdem müssen wir noch mehr tun. Insbesondere Jugendliche sollen mehr über die Bücher erfa...

Seite 18
Tobias Riegel

NPD provoziert in Neukölln

Die NPD in Neukölln plant für heute Abend eine Veranstaltung zum Tag der Befreiung – und bekam dafür vom Bezirksamt ausgerechnet eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung im Süden des Bezirkes zur Verfügung gestellt. »Das war der einzig verfügbare Versammlungsraum«, sagt dazu die stellvertretende Bürgermeisterin, Stefanie Vogelsang (CDU). »Und in dem Gebäude sind ja alle möglichen Einric...

ndPlusSteffi Bey

Gelbe Helfer in den Gärten der Welt

Sie zeigen Besuchern den Weg, geben Auskünfte und schieben gehbehinderte und ältere Besucher durch den Erholungspark Marzahn. Sechs Langzeitarbeitslose bilden den Besucher-Service in den Gärten der Welt. Doch das kostenlose Angebot muss sich erst noch herumsprechen. An der langen Kette mit dem kleinen Schild ist Annelore Geisler zu erkennen: »Gärten der Welt« steht darauf in rotem Schriftzug gesch...

Seite 23
Freiluftkinohorrorstart

Freiluftkinohorrorstart

(ND). Das Freiluftkino Insel im Sommergarten des Kiezclubs Cassiopeia auf dem RAW-Gelände an der Revaler Straße 99, Friedrichshain, startet heute in die dritte Sommersaison. Gezeigt wird der spanische Gruselhit des Jahres 2007 »[REC:]«, vierfacher Gewinner des diesjährigen Fantasy Filmfests in Sitges (Spanien), im Original mit Untertitel (FSK 18).Davor gibt es für Freunde von Trash und Horror den ...

Ost-West-Road-Movie

Ost-West-Road-Movie

(ND). Als Preview mit Gästen wird heute im Babylon:mitte, Rosa-Luxemburg-Straße 30, »Übermorgen Nirgendwo« gezeigt. Der schon als Weltpremiere beim Festival »achtung berlin« vorgestellte Film (Deutschland 2007, Regie: Markus Stein) läuft in der Reihe »Neuer deutscher Film« – immer donnerstags, 21.15 Uhr.Von Berlin aus betreiben der Serbe Zoki und der Bosnier Feti ein eigenartiges, einträglic...

Zeitensprünge

(ND). Eine multimediale Ausstellung über das Leben von Hans Rosenthal wird von Lichtenberger Jugendlichen erarbeitet, teilte das Bezirksamt mit. Das Medienprojekt »youngmedialounge-Lichtenberg« wird im Rahmen des Jugendprogramms »Zeitensprünge« der Bundesinitiative »wir ... hier und jetzt« gefördert und steht unter der Schirmherrschaft von Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich.Hans Rosenthal er...

Tom Mustroph

Opernskulptur am Grenzwachturm

Ein grauer Zahn im grünen Busch ist der ehemalige Grenzwachturm an der Puschkinallee. Mit Graffiti bedeckt, ist er in der heutigen Zeit angekommen. Er greift aber noch immer ins Gestern aus. Dass dieses Gestern weniger leicht zu erklären, zu verstehen, nachzuvollziehen ist als Gedenkstätten, Geschichtsbücher und erst recht Sonntagsreden suggerieren, zeigt die Geschichte von Dorle. Diese Frau, DDR-...

Seite 24

NPD will Klub in Rheinsberg

Rheinsberg (ND/dpa). Die neofaschistische NPD plant womöglich, ein 20 000 Quadratmeter großes Grundstück am Stadtrand von Rheinsberg zu kaufen und dort ein »Nationalistisches Begegnungszentrum« zu errichten. Bürgermeister Manfred Richter (SPD) bestätigte, dass ihm vor zwei Wochen ein Schreiben zugespielt wurde, aus dem hervorgehe, dass die NPD Interessen am Kauf des Geländes habe. »Für uns ist ein...

ndPlusBernd Baumann

Geteilte Meinung über geteiltes Land

Innerhalb der EU-Förderperiode von 2007 bis 2013 bekommt das Land Brandenburg über 3,1 Milliarden Euro aus Brüssel. Die Ministerien für Wirtschaft, Soziales und Landwirtschaft zogen gestern eine Zwischenbilanz. Demnach flossen seit Anfang 2007 rund 430 Millionen Euro. Die Unterstützung durch die EU sei ein Segen, meinte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU).»Europa ist jedoch keine Geldvertei...

Wilfried Neiße

Rettungsschwimmer in Not

Der Entwurf für das neue Landesrettungsdienstgesetz stellt keinen der Betroffenen zufrieden. Und das – wie gestern bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Landtags deutlich wurde –, obwohl es um geringe Summen geht.Das Problem ist die finanzielle Situation des Rettungsdienstes an den märkischen Gewässern. Im Unterschied zu anderen Bundesländern sind allein die Landkreise und die...