Ausgabe vom 13.10.2008

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Unten links

Die Finanzkrise ist hartnäckig und will noch lange bleiben – alle haben begriffen, dass sie ein schweres

Kurt Stenger

Verzocktes Vertrauen

Die hektische Betriebsamkeit von Regierungen und wichtigen internationalen Gremien in Sachen Finanzkrise folgt nur einem Ziel: das Vertrauen der Anleger und der Banken in das herrschende Finanzsystem wiederherzustellen. Die Panik an den Aktienmärkten, die Kreditsperre der Geldinstitute und die Sorge der Bürger um ihr Erspartes lassen sich nur noch durch massives Eingreifen des Staates überwinden. ...

USA machen Politik mit der Atomkarte

Während Indien von den USA zum Atompartner erkoren wurde, will Washington Nordkorea durch Streichung von der Liste der »Schurkenstaaten« zur nuklearen Abrüstung bewegen.

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Andreas Knudsen, Kopenhagen

Island ist bei eBay billig zu haben

Baugur, FL Group, Stodir, Kaupthing, Glitnir – diese Firmen- und Banknamen tauchten in den vergangenen Jahren immer wieder auf, als isländische Investoren in vorher nicht gekanntem Umfang im Ausland einstiegen. Jetzt hat ein Brite den vom Bankrott bedrohten Inselstaat beim Internet-Auktionshaus eBay zur Versteigerung angeboten.

Neue Ära staatlicher Eingriffe

Neue Ära staatlicher Eingriffe

ND: Werden die Aktionspläne und Koordinationsversprechen von G7 sowie IWF und Weltbank die Welt aus der Finanzkrise führen? Wahl: Alle großen Länder haben ihr eigenes Konzept zur Krisenbekämpfung. Eine kollektive Vorgehensweise jenseits von Absprachen über Zinssenkungen und Kapitalspritzen gibt es derzeit nicht. In der gegenwärtigen Situation läuft eine Zusammenarbeit leicht darauf hinaus, die Kri...

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Peter Kirschey

Das Spiel mit den Karteileichen

Wenn bei der Innungskrankenkasse von Berlin und Brandenburg (IKK) der Name Walter Retter (Name geändert) fällt, werden sofort die Schotten dicht gemacht. Ein Spinner, der nicht aufhört, den Ruf der Kasse zu schädigen, heißt es da. Auch bei den Behörden, besonders bei der Berliner Justiz, ist Retter nicht besonders gelitten. Wenn der ältere, tadellos gekleidete Herr aus dem Westteil Berlins auftaucht, dann bereitet er denen, die sich mit ihm beschäftigen müssen, sichtliches Unbehagen.

»Es geht uns alle an«

»Es geht uns alle an«

Er gilt seit einigen Jahren als heißer Kandidat auf den Nobelpreis für Wirtschaft, der am heutigen Montag wieder vergeben wird. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Joseph E. Stiglitz (der 2001 den Nobelpreis erhalten hat) verteidigt Jagdish Bhagwati weiterhin vehement die Globalisierung. Der 1934 in Bombay geborene Professor an der Columbia University (USA) beriet internationale Institutionen wie GATT, WTO und UNO in Globalisierungsfragen. Mit dem gemeinsam mit seiner Frau Padma Desai verfassten Werk »India: Planning for Industrialization« hat er Reformen in Indien inspiriert. Er berät den indischen Premier und ist Mitglied von Human Rights Watch Asia. Seine Streitschrift »In Defense of Globalization« (Verteidigung der Globalisierung) ist dieser Tage auf Deutsch erschienen (Pantheon, 524 S., 16,95 EUR). Mit dem indischen Ökonomen sprach Karlen Vesper.

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Hans-Dieter Schütt

Die späte Freude

Die größte Online-Befragung, organisiert von der Universität Osnabrück, hat Sensationelles ergeben: Menschen im Alter rücken politisch mehr und mehr nach links. Plötzlich geht einem auf, was wir doch längst wissen müssten: Wie leichtfertig wird von alter-nativem Denken gesprochen, und der Verfassungsschutz beschnüffelt die »Kommunistische Plattform«, statt sich in die Altersheime einzuschleichen. ...

Olaf Standke

Gefährliche Währung

Die Welt hat einen »Schurkenstaat« weniger, jedenfalls wenn es nach der Definition der Bush-Regierung geht. Und nachdem Washington die KDVR von seiner »schwarzen Liste« der Terrorunterstützer gestrichen hat, will Pjöngjang auch seine Atomanlage abschalten. Allen voran die USA haben dafür gesorgt, dass sich eine neue Währung auf der Weltbühne etablieren konnte: Atomwaffen. Die offiziellen Kernwaffe...

ndPlusJürgen Amendt

Genosse Zuchtmeister

Es klingt verlockend einfach: Wenn Kinder nicht zur Schule gehen, muss man nur deren Eltern hart bestrafen, dann wird alles wieder gut. So oder so ähnlich mögen die Genossen von der SPD im Berliner Bezirk Neukölln denken, wenn sie über Maßnahmen gegen die steigende Zahl von Schulverweigerern in ihren Problemkiezen grübeln. Es klingt so einfach und ist dennoch das falsche Rezept. Als ob Kinder, die...

ndPlusPeter Hossli

Krisenarchitekt

Die US-Presse glaubt, den Hauptschuldigen für Börsenkollaps und Kreditengpass ausgemacht zu haben: Phil Gramm. Als Vorsitzender der Bankenkommission des US-Senats habe der heute 66-Jährige gesetzliche Schranken niedergerissen, die zum Wildwuchs an der Wall Street führten. 1999 gelang dem republikanischen Senator aus Texas der erste Coup. Er drückte ein Gesetz durch, das die seit 1933 bestehenden S...

Kein Mut für die Krise
Rainer Braun

Kein Mut für die Krise

Wer sich in diesen Tagen das Fernseh-Programm der öffentlich-rechtlichen Sender anschaut, kann sich nur wundern. Während global an den Märkten bislang rund 1,4 Billionen US-Dollar abgeschrieben wurden und sich die Börsenkurse an den wichtigsten Handelsplätzen nur nach unten bewegen, machen sie bei ARD und ZDF bevorzugt Dienst nach Vorschrift. Erst am letzten Freitag reagierten beide Sender mit ein...

Seite 5
ndPlusDieter Hanisch, Flensburg

Bundespolitische Begehrlichkeiten geweckt

Mit dem Rückenwind des Wahlerfolges der Freien Wähler in Bayern trafen sich am Wochenende Mitglieder des Bundesverbandes der Wählervereinigung in Flensburg. Eine Einigung zu Kandidaturen bei künftigen Landtagswahlen und der Bundestagswahl wurde allerdings nicht erzielt.

»Spiegel«: Bahn bleiben nur noch vier Monate

Der Bahn bleiben nach einem Medienbericht noch maximal vier Monate Zeit für ihren geplanten Börsengang. Sollte die Teilprivatisierung bis dahin nicht zu Stande kommen, wäre das Projekt in dieser Legislaturperiode wohl nicht mehr durchführbar.

»Der Staat macht mir Angst«
Ines Wallrodt

»Der Staat macht mir Angst«

Zehntausende haben am Sonnabend in Berlin für mehr Datenschutz demonstriert. Die hohe Teilnehmerzahl zeigt, dass die Sensibilität für den Schutz der Privatsphäre zugenommen hat.

Seite 6
Hendrik Lasch, Markneukirchen

Der »rote Hahn« spielt auf Angriff

André Hahn ist Spitzenkandidat der sächsischen LINKEN zur Landtagswahl 2009, bei der diese die CDU von der Macht verdrängen und wenn möglich selbst an die Regierung gelangen will.

ndPlusHans-Gerd Öfinger, Friedberg

Ypsilanti kann auf die Roten bauen

Einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Duldung einer Minderheitsregierung aus SPD und Grünen hat die hessische LINKE am Wochenende vollzogen. Ein Sonderparteitag in Friedberg bestätigte mit großer Mehrheit eine vom Landesrat vorgelegte Erklärung. Nun wird ab Montag ein Mitgliederentscheid stattfinden, bei dem alle Parteimitglieder in ganz Hessen sich per Briefwahl äußern können.

Nährboden für antisemitische Vorurteile?

Nährboden für antisemitische Vorurteile?

Prof. Werner Bergmann (Jahrgang 1950) arbeitet am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität (TU) Berlin. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Soziologie und Geschichte des Antisemitismus und angrenzender Gebiete wie Rassismus und Rechtsextremismus. Mit dem Wissenschaftler sprach ND-Autor Carsten Hübner.

Seite 7

Massendemo gegen Kurs Berlusconis

Rom (AFP/ND). Mindestens hunderttausend Demonstranten haben am Sonnabend in Rom gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi protestiert. Die Organisatoren sprachen von 300 000 Teilnehmern, die Polizei nannte 100 000 Demonstranten. In einem anderen Teil der Stadt protestierten Tausende Menschen auf Initiative des früheren Anti-Korru...

Korruption kippte Kabinett

Von Gerhard Dilger, Porto AlegreIn Peru ist das gesamte Kabinett wegen eines Korruptionsskandals zurückgetreten. Präsident Alan García nahm den Rücktritt der Regierung am Freitag (Ortszeit) an, wie die peruanische Tageszeitung »El Comercio« (Online-Ausgabe) berichtete. In dem Skandal geht es um mögliche Schmiergeldzahlungen bei der Vergabe von Konzessionen an eine norwegische Erdölfirma. Neuer Pre...

ndPlusHannes Hofbauer, Wien

Rechts von der Fahrbahn abgekommen

Rechts von der Fahrbahn abgekommen, hat der Landeshauptmann von Kärnten und Chef des rechtsliberalen Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), Jörg Haider, in der Nacht zum Sonnabend die Herrschaft über seinen VW Phaeton verloren. Nach mehreren Überschlägen blieb das Fahrzeug zerstört auf der Fahrbahn liegen. Die Rettungsmediziner konnten nur mehr den Tod des Politikers feststellen.

Seite 8
Jindra Kolar, Prag

Rot-rote Koalitionen in Tschechien?

Am 17. und 18. Oktober wird in fast allen tschechischen Bezirken und ein Teil des Senats gewählt. Die in Prag regierenden Bürgerlichen Demokraten (ODS) könnten dabei ihre Führungsrolle verlieren. Schon setzen Spekulationen über neue Koalitionsmodelle ein. Die Sozialdemokraten etwa schließen auch ein Zusammengehen mit den Kommunisten nicht mehr aus – was sie in der Vergangenheit entschieden abgelehnt hatten.

ndPlusLeo Burghardt, Havanna

»Miami five« läuft die Zeit davon

Seit zehn Jahren sitzen die sogenannten Cuban five (Miami five) in den USA in Haft, weil sie in Miami für Havanna Material aus dem Umfeld einer antikubanischen Terrororganisation zusammentrugen. Anfang Dezember läuft die letzte Berufungsfrist ab.

ndPlusAnna Guhl, Peking

KP sorgt sich um Chinas Bauern

Vor 30 Jahren führte Chinas Führung auf dem Land wieder die private Nutzung von Ackerböden ein. Die Bauern sollten vom eigenen Anbau leben und ihre Familien ernähren können.

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Das »Contergan«-Signal

Der ARD-Zweiteiler »Contergan« ist am Samstagabend in Köln als bester Film mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet worden. Der Zweiteiler, bei dem Adolf Winkelmann Regie geführt hatte, machte das Rennen vor den ebenfalls nominierten Filmen »Das jüngste Gericht« (RTL), »Die Frau vom Checkpoint Charlie« (ARD), »Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen« (RTL) und »Das Wunder von Berlin« (ZDF). De...

ndPlusH.-D. Schütt

Charakter?

Kritiker Marcel Reich-Ranicki (88) hat in Köln den Ehrenpreis des »Deutschen Fernseh-Preises« in Köln abgelehnt. Die Branche des Bunten spricht von »Eklat«. Das sagt man immer, wenn etwas stört, das man Charakter oder Ehre nennt. Reich-Ranicki sagt, er sei entsetzt und habe »nicht gewusst, was ihn hier erwartet«. So weit, so ehrenhaft. Aber er selber hat doch die Literatur(kritik) telegen gemacht,...

Franz X. A. Zipperer

Eine Brücke geschlagen?

Im Rahmen des Partnerland-Konzepts der soeben zu Ende gegangenen Berliner Popkomm profilierte sich in diesem Jahr die Türkei. An allen vier Showcase-Abenden traten insgesamt 13 türkische Künstler und Formationen aus Rock, Pop, Folk und DJ-Culture auf. Das Spektrum der Musikstile war leider nicht so breit, wie es die türkische Musikszene hergegeben hätte. Der erste Abend war vom türkischem Rock-Urg...

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Irmtraud Gutschke

Moment der Freiheit

Eigentlich ein seltsamer Begriff: Wenderoman. Klingt wie Wendejacke, von zwei Seiten zu tragen. Ein Vergleich, der nicht ganz so abwegig ist. Denn die sogenannte »Wende« – die Angliederung des untergehenden Staates DDR an die BRD – will ja von zwei Seiten betrachtet werden. Das Verlorene, das Gewonnene – Schulze stellt es abgewogen, ausgewogen dar. Vorwiegend heiter, was bei dem ...

ndPlusHanno Harnisch

... so steht er hier

Iris Hanika schreibt auch mal gerne für Zeitungen. Für die »Frankfurter Allgemeine« hat sie jüngst einen Tag die Familienministerin Ursula von der Leyen bei ihren Besuchen »draußen im Lande« begleitet. Das war ihr erster Text, »der konkret mit staatlicher Politik zu tun hat«, so die Schriftstellerin auf ihrer Homepage. Das muss vorher so aufregend gewesen sein, »dass ich wochenlang nicht schlafen ...

ndPlusUli Gellermann

Wie der Welt zu helfen wäre

Eine Kaskade von Worten, in einen großen Strom mündend, droht den Leser hinweg zu schwemmen: Schon die Einleitung, ein einziger Satz über fünf bedruckte Seiten, eine mächtige Beschreibung der Stadt Dresden, als einer Miniatur der untergehenden DDR, scheint dem Autor das Recht der Großen zu geben, der Klassiker, den Lesern alles abzuverlangen, ihnen den Atem zu rauben, um sie am Ende der fast tause...

Seite 11
Lilian-Astrid Geese

Abenteuer wahres Leben

Mir hat Ihr Buch sehr gut gefallen«, gestehe ich dem Autor bei einer Begegnung in Berlin. »Das scheint auch anderen so zu gehen«, antwortet er bescheiden erfreut. »Man hat Sie nominiert für den Deutschen Buchpreis, ich werde Ihnen die Daumen drücken.« Sherko Fatah lächelt. »Das ist gut, tun Sie das.« Er wirkt zurückhaltend, dieser Erzähler, der einen mit seinen intensiven, drastischen Beschreibung...

Seite 12
ndPlusPeter Nowak

Honig als Sondermüll

Der Imker Karl-Heinz Bablok aus dem bayerischen Kaisheim im Landkreis Donau-Ries musste 340 Kilogramm Honig in der Augsburger Müllverbrennungsanlage vernichten lassen. Denn bei einem von ihm selbst veranlassten Gentest wurden in dem Honig Pollen des Gentech-Maises MON810 (mit Genen für das Bacillus-thuringiensis-Gift) gefunden. Die bayerischen Behörden betrachten den Honig mit Gentech-Pollen als S...

ndPlusWolfgang Ewert

Juwel an Bächen und Flüssen

Mit der Wahl des Jahresvogels 2009 am vergangenen Freitag machen der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayrischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), einmal mehr die Bedeutung lebendiger Flüsse und Auen für den Erhalt der Artenvielfalt deutlich.

Günter Queißer

Biomasse – Chancen und Grenzen

Dem Thema »Biomasseanbau und Biodiversität« widmete sich in der vergangenen Woche eine Konferenz im Potsdamer Haus der Natur.

Susanne Götze

Entscheidung am Brokkoli

Der Widerstand gegen Patente auf Leben soll in letzter Minute Schlimmstes verhindern: Für den 23. Oktober rufen Umweltschützer, Landwirte und Verbraucher zu einer Demonstration vor dem Europäischen Patentamt (EPA) in München auf, um die Patentwelle auf pflanzliche und tierische Produkte zu stoppen.

Seite 13

Chrysler im Angebot

New York (dpa/ND). Der schwer angeschlagene US-Autokonzern General Motors (GM) erwägt laut Medienberichten einen Kauf des Konkurrenten Chrysler. Bei einem Zusammengehen mit der ehemaligen Daimler-Tochter würde der mit Abstand weltgrößte Autokonzern entstehen. Ob das Geschäft zustande kommt, ist laut Informationen aus Verhandlungskreisen aber noch offen. Zugleich berichtete das »Wall Street Journal...

Bänder still in Eisenach

Eisenach (dpa/ND). Als Reaktion auf die deutlich gesunkene Nachfrage stoppt der Autohersteller Opel seine Produktion in Eisenach. Von diesem Montag an bis Ende Oktober soll die Fertigung in dem Werk, das mit rund 1800 Beschäftigten zu den großen Industrie- Arbeitgebern in Thüringen gehört, ruhen. Nach Betriebsratsangaben werden dadurch mehr als 11 000 Autos weniger gebaut. In der Opel Eisenach Gmb...

ndPlusJulian Bartosz, Wroclaw

Beruhigungspillen

Polens Regierung verhält sich angesichts der Finanzkrise so, als liege das Land auf einer Insel der Sicherheit. Das Motto lautet: Ruhe bewahren.

ndPlusBernd Parusel, Stockholm

In der Not hilft der Staat

In Schweden weckt die Finanzkrise Erinnerungen an die frühen 90er Jahre. Damals reagierte die Politik mit umfangreichen Bankgarantien und mit Einschnitten in das Sozialsystem.

Michael Sommer, Hamburg

Aggressive Patienten

Gewalt gegen medizinisches Pflegepersonal hat auch gesellschaftliche Ursachen. Vertreter des Berufsverbandes fordern von den Pflegenden mehr politisches Bewusstsein.

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Debüt mit Genuss

René Adler (23), in Leipzig geboren und in Diensten von Bayern Leverkusen, legte im Tor ein überzeugendes Debüt hin. Er war für den verletzten Robert Enke nominiert worden.

ndPlusMichael Müller

Nachschuss

Die deutsche Nationalelf hat gegen Russland gewonnen – und hat seither ein bizarres Personalvorkommnis. Kevin Kuranyi, 26, 19 Tore in 52 Länderspielen, verschwand zur Halbzeit von der Tribüne. Aus Gnatz, weil er nicht nominiert war, hieß es (was sein Manager indirekt bestätigte). Da strenge Sitten herrschen im Profifußball, wurde Kuranyi gestern DFB-offiziell aus dem Team gefeuert. Das dürft...

ndPlusThomas Prüfer

»Lokomotive des Kontinents«

Der Europameister brilliert, der WM-Sieger stagniert und der Vizeweltmeister riskiert den Kopf des Trainers: Während EM-Champion Spanien auch unter dem neuen Coach Vicente del Bosque beim 3:0 in Estland seine zwei Jahre haltende Serie der Unbesiegbarkeit auf 26 Länderspiele ausbaute, verlor Italien unter Weltmeistertrainer Marcello Lippi beim 0:0 in Bulgarien den ersten Punkt in der Ausscheidung f...

WM-Qualifikation

Europa: Gruppe 1, Ungarn - Albanien 2:0 (0:0), Schweden - Portugal 0:0, Dänemark - Malta 3:0 (2:0). 15.10.: Malta - Ungarn, Portugal - Albanien. 1. Dänemark 3 6:2 7 2. Schweden 3 2:1 5 3. Portugal 3 6:3 4 4. Ungarn 3 3:2 4 Albanien 3 3:2 4 6. Malta 3 0:10 0 Gruppe 2: Luxemburg - Israel 1:3 (1:1), Schweiz - Lettland 2:1 (0:0), Griechenland - Moldawien 3:0 (2:0). 15.10.: Lettland - Israel, Luxemburg...

Arschawin könnte sogar die Bayern retten
Michael Müller, Dortmund

Arschawin könnte sogar die Bayern retten

Sbornaja-Trainer Guus Hiddink dürfte auch nach dem 1:2 gegen Deutschland in seiner Wahlarbeitsheimat gänzlich unumstritten bleiben. Für Kopfschütteln sorgt er dennoch immer wieder. So, als er am Sonnabend in Dortmund vor russischen Journalisten das Spiel analysiert (Frage auf Russisch, Antwort auf Englisch). Mit keiner Silbe erwähnt er, wie ersatzgeschwächt er – ganz anders als Bundestrainer...

Seite 15

Jacke wie Hose

Es ist es vorbei mit Nike, Adidas oder gar Giorgio Armani hinter Gittern. Der jugendliche Gefangene trägt Einheitsdress. Die messerscharfen Wärterblicke können von nun an genau unterscheiden, wer dazu gehört und wer nicht, wer nach einem erlebnisreichen Besuchertag mit Spiel und Spaß wieder gehen darf und wer bleiben muss. Das war nicht immer so. Da rutschte schon mal einer durch die Lappen, weil ...

Potsdamer Judo-Frauen Meister

Die Judo-Frauen vom UJKC Potsdam wurden zum dritten Mal nach 2005 und 2007 deutscher Mannschaftsmeister. Der Topfavorit setzte sich im Finale gegen den Gastgeber JC Leipzig mit 4:2 durch. Meisterschaftsdritte wurden PSG Brandenburg mit der dreimaligen Olympiateilnehmerin Sandra Köppen-Zuckschwerdt, die ihren letzten Kampf bestritt, und Kim-Chi Wiesbaden, die in den vorangegangenen Poolkämpfen jewe...

Martin Ling

Entwicklungspolitik zum Anfassen

Entwicklungspolitik fristet gemeinhin ein Nischendasein. Das Zitat von Überwachungsminister Wolfgang Schäuble, mit Entwicklungspolitik könne man keine Wahlen gewinnen, steht dafür sinnbildlich. Aus der Nische heraus kommt die Entwicklungspolitik heute in Berlin. Der Ausschuss für Wirtschaft, Technologie und Frauen ist erstmals in seiner Geschichte zu Gast beim Berliner Entwicklungspolitischen Rats...

Jürgen Holz

Ein glanzvolles Comeback

Es war ein überraschendes Ende im WM-Kampf nach WBC-Version im Schwergewicht vor gut 14 000 Zuschauern in der O2 World in Berlin. Der exakt 1400 Tage nach seinem letzten WM-Kampf im Dezember 2004 wieder in den Boxring zurückgekehrte 37-jährige Ukrainer Witali Klitschko entthronte den bisher einzigen afrikanischen Schwergewichts-Profiweltmeister Samuel Peter und feierte ein glanzvolles Comeback.Der...

Deutsches Doppel macht Rückstand wett

Die Europameisterschaften in St. Petersburg sind eine einzigartige Erfolgsstory für den deutschen Tischtennissport. Nach dem Titelgewinn des Männerteams zum EM-Auftakt folgte am Sonntag der Triumph im Männer-Doppel durch die Titelverteidiger Timo Boll und Christian Süß. Boll hatte obendrein alle Chancen, seinen Titel-Hattrick von 2007 in Belgrad zu wiederholen. Denn der 27-Jährige aus Düsseldorf s...

ndPlusMartin Binder

»Ich fühle mich wie im Paradies«

Erschöpft mussten Normann Stadler und Faris Al Sultan den Traum vom erneuten Coup auf Hawaii begraben. Dafür fühlte sich Sandra Wallenhorst nach ihrem dritten Platz bei der inoffiziellen Ironman-WM wie im Paradies. »Ich bin sehr glücklich. Hawaii ist die Mutter aller Triathlonrennen. Dass ich hier bei meinem Debüt so abgeschnitten habe, macht mich stolz«, sagte die 36-Jährige. Die »Eisenfrau« aus ...

ndPlusPeter Kirschey

Gebrochene oder gerade Biografie?

Wie umgehen mit der historischen Wahrheit? Vor allem dann, wenn die bekannt gewordenen Tatsachen und das vorgefertigte Bild von einer Person oder einem Ereignis nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Dieser Frage widmete sich in der letzten Woche eine Podiumsdiskussion des Berliner Landesbeauftragten für die MfS-Unterlagen und der Robert-Havemann-Gesellschaft im Rathaus Schöneberg. Im Mittelpun...

ndPlusJörg Meyer

Linkspartei will Bezirke stärken

Eher sachlich ging es zu beim Landesparteitag der LINKEN in der Lichtenberger Max-Taut-Aula. Thema des Tages waren die Bezirke. »Eine Millionenstadt wie Berlin ist nicht zentral regierbar«, sagte Landeschef Klaus Lederer in seiner Begrüßungsrede vor den 147 Delegierten. Deshalb brauche sie die Bezirke als starke politische Einheiten. Das habe aber nur Sinn, wenn den Bezirken dafür Gestaltungs- und...

Seite 16

Handballsieg in Königsklasse

Der in der Bundesliga schwächelnde HSV Hamburg hat in der Champions League wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Beim FC Kopenhagen gewannen die Hanseaten am Sonnabend mit 34:31 und behaupteten mit dem zweiten Sieg im zweiten Spiel die Tabellenführung in der Gruppe D. »Das ist pure Freude«, sagte der zuletzt in die Kritik geratene HSV-Trainer Martin Schwalb. Nach dem enttäuschenden Abschneiden mi...

ndPlusHajo Obuchoff

Große Initiative in rot-weiß

Die Sonne schickt letzte goldene Strahlen durch die farbigen Baumkronen der Wuhlheide, als sich das rot-weiße Festzelt im Stadion an der Alten Försterei füllt. Und es dauert nicht lange, da klingen Fangesänge und Jubelrufe durch die dünne Plane in die Dämmerung. Das soll an diesem Freitagabend bis tief in die Nacht anhalten. Eingeweihte wissen: Da feiern die Fans der Köpenicker Kultkicker vom 1. F...

Seite 17
Maria Curter

Das Bauwesen wird industrialisiert

Mitte des 19. Jahrhunderts war Berlin schon zum Standort des industriellen Maschinenbaus geworden und die Elektrotechnik begann sich zu entwickeln. Seit 1800 hatte sich die Bevölkerung fast vervierfacht. Sowohl das Wachstum der industriellen Fertigungsstätten als auch die vielfältigen höheren Bildungseinrichtung wie Bauakademie (1799), Universität (1810), die Königliche Artillerieschule (1816) ode...

ndPlusAndreas Heinz

Die Gezeichneten – Shoah als Comic

Darf man Schlimmes, Böses, Furchtbares gezeichnet darstellen? Kann man die Shoah in Form eines Comic »vereinfachen«? Ja, man kann und darf, so die (fast) einhellige Meinung von Pädagogen und Publizisten bei der Diskussion über das Comicheft »Die Suche«, in dem rückblickend das Schicksal der jüdischen Familie Hecht in Nazideutschland fiktiv erzählt wird. Eine Idee aus dem niederländischen Anne Fran...

Seite 18
Wilfried Neiße

Der Biber ist übern Damm

Dem Biber geht es in Brandenburg gar nicht schlecht. Er gehört zu den geschützten Tierarten und breitet sich aus. Es ist verboten, ihn zu fangen, zu verletzen, zu töten oder seine Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Nach Ansicht von Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) wird sich der Biber »in den kommenden Jahren ausbreiten«. Geeignet dafür seien die Einzugsgebiete von Dahme, Spree und Nu...

ndPlusMarina Mai

Vietnamesische Kinder sind engagiert

74 Prozent der vietnamesischen Kinder in Brandenburg besuchen ab der 7. Klasse ein Gymnasium. Das weiß die Integrationsbeauftragte Karin Weiss durch eine Studie. 47 000 Brandenburger haben einen ausländischen Pass und 132 000 einen Migrationshintergrund. Von einem Migrationshintergrund spricht man, wenn mindestens ein Elternteil nicht in Deutschland geboren wurde. Unter den Menschen mit Migrations...