Ausgabe vom 13.11.2008

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Unten links

Die Europäische Union schafft überraschend ihre geradlinigen Vorschriften zur Gurkenkrümmung ab. Die EU-Staaten beschlossen am Mittwoch in Brüssel, die Normen für Gurken und 25 andere Gemüse- und Obstsorten ersatzlos zu streichen. Nach der Verordnung zur Festsetzung von Qualitätsnormen von 1988 durften beispielsweise edle Gurken der Extra-Klasse maximal eine Krümmung von zehn Millimetern je zehn Z...

ndPlusRené Heilig

Schäuble-Sieg

Gestern wurde die Republik verändert. Einfach so, per Gesetz. Ganz legal also. Ab sofort kann in Deutschland jedermann bespitzelt werden. Das BKA, bekam neue, weit reichende Kompetenzen. Es darf Bürger ausforschen und muss sich nicht einmal entschuldigen, wenn Beamte sich zu Unrecht in das Privatleben von Bürgern »eingeklinkt« haben. Nur noch einmal zur Klarstellung: Das BKA ist das Bundeskriminal...

Obama verteilt Übergangsposten

Der künftige US-Präsident Barack Obama hat weitere Posten seines Übergangsteams besetzt. Auch will er hohe Geheimdienstler auswechseln.

Unter Verdacht: Alle!
ndPlusRené Heilig

Unter Verdacht: Alle!

Der Bundestag verabschiedete am Mittwoch in namentlicher Abstimmung ein im Vorfeld heftig umstrittenes Gesetz zur Arbeit des Bundeskriminalamtes (BKA). Regierung und Regierungsfraktionen halten es für notwendig, um die Abwehr des internationalen Terrorismus zu gewährleisten.

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ndPlusGábor Kerényi, Budapest

Roma und Rassismus in Ungarn

Die keineswegs vollständige kleine Chronik der Ausschreitungen gegen Roma, die durchaus einer Liste von Gräueltaten des Ku-Klux-Klans in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ähnelt, ist nur ein Ausschnitt Besorgnis erregender rassistischer Verwerfungen im heutigen Ungarn.

»Bildung für alle – und zwar umsonst«
ndPlusMarkus Drescher

»Bildung für alle – und zwar umsonst«

Zehntausende Schüler und Schülerinnen sind am Mittwoch bundesweit für bessere Bildung auf die Straße gegangen. In über 30 Städten demonstrierten sie unter anderem für kleinere Klassen und mehr Lehrer.

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ndPlusHendrik Lasch

Eine Woche Gründerzeit auf Probe

In vielen ostdeutschen Innenstädten stehen Häuser leer. Weil Mieter fehlen, werden selbst Denkmäler abgerissen. In Görlitz versucht man statt dessen, Menschen in den Altbau zu locken – mit begrenztem Erfolg.

Italienreisender, Künstler und Partisan
Tom Mustroph

Italienreisender, Künstler und Partisan

Deutsche Maler hat es seit jeher nach Italien gezogen. Albrecht Dürer brach 1494 und 1505 zu zwei längeren Studienreisen in den Süden auf. Zu Goethes Zeiten ließen sich die Maler des Lukasbundes sogar für längere Zeit in Rom nieder. Willi Sitte, wirkungsmächtiger Maler des sozialistischen Realismus, hat in jungen Jahren ebenfalls die Kunst aus Antike und Renaissance am ursprünglichen Ort kennen ge...

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Weniger Frauen mit Ministeramt

Genf (dpa/ND). Am 90. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts ist Deutschland in einer internationalen Rangliste über die Gleichstellung der Frauen deutlich zurückgefallen. Das ergab ein Vergleich des Weltwirtschaftsforums (WEF). Nahm die Bundesrepublik im vergangenen Jahr noch Platz sieben ein, so liegt Deutschland in der Rangfolge 2008 auf Platz elf. Angeführt wird die Liste, die Auskunft ...

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Protest gegen verspätetes Gesetz

Mit eintägiger Verspätung wegen eines Patzers der Koalition soll heute in Sachsen das neue Hochschulgesetz verabschiedet werden. Studenten protestierten gestern noch einmal.

Fünf Weise warnen vor Rezession

Angesichts der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise haben sich auch die fünf Wirtschaftsweisen von ihrer angebotsorientierten Grundhaltung verabschiedet und fordern höhere Staatsausgaben. Sie kritisieren das Konjunkturprogramm der Bundesregierung als unzureichend.

Günter Frech

Mitbestimmung im Bundestag

Ein – noch unveröffentlichtes – Gutachten bestätigt es: Eine betriebliche Interessenvertretung der Mitarbeiter von Bundestagsabgeordneten greift nicht in die Ausübung des »freien Mandats« ein. Damit ist der Weg geebnet zu Personalratswahlen und mehr Mitbestimmung im Bundestag.

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Zukunftsinvestitionen nach Solidarpakt

Berlin (dpa/ND). Nach dem Auslaufen des Solidarpakts für Ostdeutschland Ende 2019 sollten die freiwerdenden Bundesmittel nach Plänen der ostdeutschen Länder in Zukunftsinvestitionen gesteckt werden. Das forderten die Ost-Ministerpräsidenten am Mittwoch auf ihrer Regionalkonferenz in Berlin. »Dieser finanzpolitische Spielraum sollte dazu genutzt werden, weitere Generationenaufgaben solidarisch zu f...

Peter Nowak

Razzia im Morgengrauen

Am Dienstagmorgen bekam der Berliner Publizist Burkhard Schröder ungebetenen Besuch. Im Auftrag des Berliner Amtsrichters Ebe Ebsen durchsuchten Polizisten die Wohn- und Arbeitsräume des 56-Jährigen – angeblich auf der Suche nach Waffen.

ndPlusSusann Witt-Stahl

Biedermann und die Brandstifter

Die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein zieht personelle und organisatorische Konsequenzen. Während sich die Krise ausweitet, verschanzt sich Aufsichtsratsmitglied und Finanzsenator Michael Freytag (CDU) hinter Opfer-Mythen.

ndPlusNiels Seibert

Vermummt im Zeugenstand

Vor dem Berliner Kammergericht sind drei Männer im Alter zwischen 36 und 47 Jahren angeklagt wegen versuchter Brandstiftung auf Bundeswehr-Lkw und Mitgliedschaft in der »militanten gruppe«. Nach elf Prozesstagen ist die Beweislage noch dürftig.

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Korea-Halbinsel vor Polit-Eiszeit

Aus Verärgerung über die politischen Angriffe aus Südkorea ist die Führung Nordkoreas auf einen radikalen Abschottungskurs eingeschwenkt.

UNO erwägt mehr Truppen für Kongo

Nach seiner ablehnenden Haltung in den vergangenen Wochen hat der UNO-Sicherheitsrat in der Nacht zum Mittwoch erstmals eine militärische Verstärkung der UNO-Mission in der DR Kongo (MONUC) erwogen.

Seite 7
ndPlusRalf Klingsieck, Paris

»Anarchisten« als Sündenböcke?

Wegen des Verdachts, Gewaltakte gegen Bahnanlagen verübt zu haben, sind am Dienstag in Paris, in Rouen und in einem Dorf im Zentralmassiv insgesamt 20 Personen festgenommen und zehn von ihnen in Untersuchungshaft genommen worden.

»Die Parteibasis wäre mit ›Bush light‹ nicht zufrieden«

»Die Parteibasis wäre mit ›Bush light‹ nicht zufrieden«

Nach dem Wahlsieg Barack Obamas hofft der linke Flügel der Demokraten auf einen Neuanfang. Der 52-jährige Autor und Politikwissenschaftler Stephen Zunes, einer der führenden Kritiker der US-Regierung, hält einen solchen Wandel aber für illusorisch. Mit dem Professor und Leiter der Nahostabteilung an der University of San Francisco sprach Max Böhnel.

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Olaf Standke

Der EU-Dissident

Vaclav Klaus hat eine ungewöhnliche Art, die am 1. Januar 2009 beginnende EU-Ratspräsidentschaft seines Landes vorzubereiten: Der Prager Staatspräsident lässt keine Gelegenheit aus, sein Missvergnügen an dieser Union zu demonstrieren. In Dublin präsentierte er sich jetzt als »EU-Dissident« und unterstützte offen den inzwischen über die irischen Landesgrenzen hinaus bekannten Unternehmer und EU-Ske...

Ina Beyer

Enttäuschung bleibt

Acht Prozent mehr hatte die IG Metall gefordert. Mit etwas mehr als der Hälfte geht sie nun aus dem Konflikt. Und aus ursprünglich 12 sind mit der Einigung von Sindelfingen nun 18 Monate Laufzeit geworden. Ganz klar: Ein glänzendes Ergebnis ist das nicht. Erst recht nicht für eine Schlüsselindustrie. Ihre Forderung – die höchste seit 16 Jahren – hatte die Gewerkschaft mit den exorbitan...

ndPlusDieter Janke

Kleinteiliger Aktionismus

Trotz erster Beben auf den Finanzmärkten sahen die Wirtschaftsweisen vor Jahresfrist noch keine Anzeichen dafür, dass der damalige Aufschwung zum Erliegen kommt. Der Bundesregierung schrieben sie dabei ins Stammbuch, das Erreichte nicht durch die Aufweichung der »Reformen« bei der Rente und der Arbeitslosenversicherung zu verspielen. Inzwischen ist die Wirtschaftskrise nicht mehr zu leugnen. Niema...

Nissrine Messaoudi

Businessman

»Ich bin ein Jerusalemer«, sagte der frisch gebackene Bürgermeister von Jerusalem, der die Kommunalwahl mit 52 Prozent der Stimmen, wie am Mittwoch morgen bekannt wurde, für sich entschied. Für seinen schärfsten Rivalen, der ultraorthodoxe Rabbiner Meir Porusch, votierten 43 Prozent. Der erfolgreiche High-Tech-Unternehmer, der mit der Computer-Softwarefirma BRM ein Vermögen machte, trat zum zweite...

Fragen zur Ostrente unerwünscht?

Fragen zur Ostrente unerwünscht?

ND: Bundestagspräsident Lammert hat keine dringlichen Fragen der Linksfraktion zur Zukunft der Ost-Renten in der gestrigen Fragestunde des Parlaments zugelassen. Ignoranz oder Hilflosigkeit? Enkelmann: Eher, Ignoranz. Möglicherweise ist das für den Bundestagspräsidenten tatsächlich kein Thema. Dabei ist es in aller Munde ... Herr Lammert hat das ja zunächst versucht, formal zu begründen und gesagt...

Seite 9
Das Hündchen
ndPlusBarbara Reitter

Das Hündchen

Glas ist in der Kunst angekommen«, sagt Clementine Schack von Wittenau, die Kuratorin des neuen Glasmuseums auf der Veste Coburg. »Heute sind die Glaskünstler der mittleren und jüngeren Generation keine Handwerker mehr, sondern an Kunstakademien ausgebildet«. Sie haben ein Genre aufgewertet, das bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts nur schön gestaltete Gebrauchsgegenstände hervorbrachte....

Freude am Wort
Klaus Bellin

Freude am Wort

Er war vierzehn, als er zu schreiben begann, und er hatte eine »kaputte Kindheit« hinter sich. Der Krieg war zu Ende, der Vater in der Gefangenschaft umgekommen, die Mutter hatte sich das Leben genommen. Er lebte in Nürtingen unter lauter alten Nazis, »die plötzlich schnelle Demokraten waren, auch in der Schule«. Er wehrte sich, indem er seine ersten Verse schrieb. Als er mit einem Gedichtband deb...

Eigene und fremde Feder
ndPlusHanno Harnisch

Eigene und fremde Feder

Dass von Songs, Chansons und Liedern gelegentlich Coverversionen angefertigt werden, gehört zu den Usancen des Musikgeschäfts, national wie weltweit. Viele Bands, auch in der DDR, haben damit angefangen, ihre musikalischen Vorbilder zu kopieren, meist in deren Sprache. Das war in der Regel das Englische. Interessant wurde es aber, wenn Lieder von einer Sprache in eine andere »geschmuggelt« wurden....

Seite 10
Schutzraum Kirche
ndPlusAnke Engelmann

Schutzraum Kirche

Lange Haare, Kutten, Jesuslatschen oder Kletterschuhe – die Bluesfans waren in der DDR meist gut zu erkennen. In den Siebzigern bis Mitte der Achtziger war für viele junge Leute die Musik der Schwarzen Amerikas Protest pur, traf ein Lebensgefühl und erlaubte Identifizierung. Wenn sich der Blues dann noch mit kirchlicher sozialdiakonischer Jugendarbeit verband, die sich an unzufriedene und au...

Ein »Sonnenschein« am Rande
Angelika Kettelhack

Ein »Sonnenschein« am Rande

Die blutrote türkische Flagge ziert links ein weißer Mond und rechts ein weißer Stern. Doch je nachdem woher der Wind weht, kann sich das umkehren. Man könnte das als Symbol für die Wandlungsfähigkeit der Türkei, aber auch für deren Wankelmut begreifen.Vollmundig hatte die türkische Regierung verkündet, die Türkei sei vor der internationalen Finanzkrise gefeit, alles sei sicher. Nimmt man die Film...

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STARporträt

STARporträt

KarolineHerfurthDie Berlinerin (*22.5.1984, Foto: dpa) schloss 2007 ihre Ausbildung an der Schauspielschule »Ernst Busch« ab, da war sie allerdings schon eine feste Größe beim Film und auch des Öfteren im Fernsehen präsent – ausgezeichnet 2006 als beste Nachwuchsschauspielerin von TV Movie. Entdeckt wurde sie als Schülerin und als solche machte sie auch erste Filmerfahrungen. Vor allem »Mädc...

www.filmszene.de

www.filmszene.de

Seit neun Jahren existiert das Web-Kinomagazin filmszene.de, ein Zeitraum, in dem sich Enthusiasmus oft zur Routine wandelt, auch kreative Arbeit zur lästigen Alltagspflicht wird. Bemerkenswert deshalb, wie frisch und begeisternd die Gruppe filmverliebter Jungjournalisten und Studenten aus ganz Deutschland ihr Projekt präsentiert: Keine überfrachtete »Web 2.0«-Optik, keine penetranten Werbeeinblen...

Nachrichten

AUSSCHLUSS DURCH ERDOGAN. Offenbar aus Verärgerung über unbequeme Fragen und Berichte hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sieben Journalisten aus seiner Umgebung entfernen lassen. Den Reportern sei die erneute Akkreditierung als für das Ministerpräsidentenamt zuständige Korrespondenten verweigert worden, berichtete die türkische Presse. Die türkischen Journalistenverbände beze...

ndPlusAlexandra Exter

Schuld und Auferstehung

Philippe Claudel war in Frankreich schon länger als Schriftsteller, später auch als Drehbuchautor bekannt. Mit »So viele Jahre liebe ich Dich« gibt er sein Debüt als Spielfilmregisseur – Kurzfilme hatte er schon als Student gedreht –, und wurde gleich mit seinem Erstling in den Wettbewerb der Berlinale eingeladen. Die Jury übersah den Film und auch seine wunderbaren Hauptdarstellerin(n...

Späte Selbstfindung
Caroline M. Buck

Späte Selbstfindung

Eine junge Frau verliert, in kurzer zeitlicher Folge Vater und Mutter – und den beruflichen Boden unter den Füßen: »33 Szenen aus dem Leben« ist die Geschichte einer dreifachen emotionalen Katastrophe, eines Reifeprozesses, einer durch äußere Ereignisse ausgelösten Bewusst- und Erwachsenwerdung. Und es ist ein bisschen die Geschichte der Regisseurin selbst: Malgorzata Szumowska stammt aus ju...

ndPlusEkkehart Krippendorff

Gegenöffentlichkeit in Italien

Wo ist sie geblieben, die Italien-Seligkeit der bundesrepublikanischen Linken der 70er und 80er Jahre, als man ins Land des Eurokommunismus pilgerte, um dort den Klassenkampf hautnah mitzuerleben und um Solidarität für die eigenen Kämpfe zum Beispiel gegen das Berufsverbot zu werben? Wer heute aus Deutschland politisch nach Italien blickt, der sieht und hört nur »Berlusconi« – und wendet sic...

Seite 12
Irmtraud Gutschke

Als das Paradies verloren war

Ich hatte geglaubt, sie wäre ein Teil von mir«, erinnert er sich. Doch plötzlich ist ihm gewesen, als stünde ein zweiter Adam an der Tür. Der sah den gewölbten Leib der Frau, das aufgedunsene Gesicht, ihre Gier, ihre Rechthaberei, ihre Streitsucht. Es ist ein schlimmer Moment in jeder Zweisamkeit: wenn das Einssein sich auflöst, wenn die Verliebtheit erlischt. Es sei ein normaler Vorgang, wird ein...

ndPlusSabine Neubert

Anfang oder Ende

Von Liebe im Alter handelte Barbara Bronnens Roman »Am Ende ein Anfang«. Jetzt beschäftigt die Autorin das Thema Alter wieder, nun aber – eigentlich gegenteilig – Alter und Krankheit zum Tode. Der Tod ist endgültig. Und doch gibt es am Schluss des Buches auch so etwas wie einen Neubeginn. Der achtzigjährige Emanuel Forster, der mit seiner schwer kranken Frau sterben wollte und sich dan...

ndPlusWerner Jung

Kants Sternenhimmel

Worum es in Marion Poschmanns neuem Buch geht, ist schnell erzählt: eingangs des Textes läuft der Ich-Erzählerin ein Hund unbestimmter Rasse zu, »zottelig und ungepflegt«, ja wild; am Ende dann, nachdem die Erzählerin zunächst eine Weile mit dem Tier zusammengelebt, es aber wieder aus den Augen verloren hat, liegt der wiedergekehrte Hund tot auf der Fußmatte. – Und das sollte nun eine Novell...

Seite 13

Leseprobe

Humanitäre Helfer gelten oft als selbstlose Helden, als »Gutmenschen« schlechthin, weil sie beherzt dorthin gehen, wo viele nicht sein möchten: in Kriegs- und Krisengebieten. Doch Uneigennutz allein reicht nicht aus. »Wer nichts als seinen Altruismus hat, wird scheitern«, sagte mir eine Ärztin in einem langen Gespräch. Denn in Katastrophengebieten gelten eigene Spielregeln, die die Helfer anfangs ...

ndPlusMarianne Bäumler

Unglaublich

Die Politikbedürftigkeit des Militärischen – Schon dieser vage Untertitel des kleinformatigen Buchs von Klaus Naumann steht im irritierenden Widerspruch zu anderen Titeln der angenehm konkreten Publikationsrreihe des Hamburger Instituts für Sozialforschung, in der u. a in diesem Jahr aus der Feder von Philipp Reemtsma die umfassende Studie »Vertrauen und Gewalt« erschienen ist, die weit über...

Franz-Karl Hitze

42 Grad Celsius in Ramadi

Im August 2007 besuchte Jürgen Todenhöfer (67) für fünf Tage Irak. Mit Hilfe Einheimischer reiste er über Damaskus in das von amerikanischen Bombern schwer zerstörte Ramadi, unweit von Bagdad. Er wollte sich dort mit Vertretern des irakischen Widerstandes aus baathistischen, nationalistischen und gemäßigten islamischen Gruppen treffen. Dem Reisenden ging es darum, alle jene Aspekte zu ergründen un...

ndPlusKarin Leukefeld

Begegnung statt Kampf

Die Deutschen haben Angst vor dem Islam. 56 Prozent sollen sich laut dem Allensbacher Institut durch einen »Kampf der Zivilisationen« zwischen Christentum und Islam bedroht fühlen. Eine Umfrage des PEW Forschungszentrums in Washington fand heraus, dass acht von zehn Deutschen Islam gedanklich mit Fanatismus gleichsetzen und laut dem Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltfo...

Seite 14

Hypo Real Estate mit Verlusten

München (AFP/ND). Der schwer angeschlagene Baufinanzierer Hypo Real Estate (HRE) hat von Juli bis September einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro verbuchen müssen. Auch für die letzten drei Monate des Jahres und für 2009 erwartet die HRE weitere Belastungen. Grund sind vor allem die Abschreibungen der irischen Tochter Depfa, wie die Bank am Mittwoch in München mitteilte. Die Probleme der Depfa hat...

Krise erreicht Acker

Schwerin (dpa/ND). Die Landwirte wollen in das Konjunkturpaket der Bundesregierung einbezogen werden. »Die Finanzkrise ist in der Landwirtschaft angekommen«, sagte der Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Rainer Tietböhl, am Mittwoch in Schwerin. Die Landwirte fordern unter anderem wieder Abschreibungen, zum Beispiel für Traktoren. Das würde ihnen sofort steuerliche Entlastung und...

René Heilig

Heimatraub im Münchner Speckgürtel geplant

Braucht der Airport München eine dritte Start- und Landebahn? Der Streit darüber hat gerade erst begonnen. 60 000 Einwendungen gegen das Projekt sind abzuarbeiten.

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Mehr Lohn für Bahnbeschäftigte

Die Tarifgemeinschaft der Bahngewerkschaften TRANSNET und GDBA (TG) fordert in der kommenden Tarifrunde 2009 bei der Deutschen Bahn AG (DB) Einkommensverbesserungen von zehn Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten.

IEA fordert Energierevolution

In Anbetracht schwindender Ölreserven und einer drohenden Klimakatastrophe forderte die Internationale Energieagentur (IEA) bei der Vorstellung ihres alljährlichen »World Energy Outlook« in London eine »weltweite Energierevolution«.

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Bartko/Keisse siegen in München

»Wir wollten es unbedingt und haben gezeigt, dass wir den Siegeswillen hatten«, freute sich Robert Bartko (Berlin) nach dem Triumph beim Münchner Sechstagerennen mit seinem Partner Iljo Keisse (Belgien). Mit einer Runde Vorsprung verwiesen sie die vor dem Finaltag führenden Erik Zabel (Unna) und Leif Lampater (Schwaikheim) auf Platz zwei. Dritte wurden Olaf Pollack und Roger Kluge (Kolkwitz/Cottbu...

ndPlusMichael Müller, Dresden

»Wir spielen eine Sprache«

Die 38. Schacholympiade ist am Mittwochabend in der Freiberger Arena in Dresden mit einem bunten Showprogramm eröffnet worden. Der bis zum 25. November dauernde wichtigste internationale Schach-Mannschaftswettbewerb steht unter dem Motto »Wir spielen eine Sprache«.Heute ab 15 Uhr werden an den 540 Brettern im Internationalen Kongresszentrum zum ersten Mal die Figuren gesetzt. Gemeldet hatten 152 L...

Mark Stralau

Drei Medaillen schon sicher

Nach dem Kölner René Krause im Halbschwergewicht haben am Dienstagabend zwei weitere deutsche Boxer das Halbfinale bei den Europameisterschaften der Amateure in Liverpool erreicht. Im Weltergewicht kam Jack Culcay-Keth aus Darmstadt zu einem 6:3-Punktsieg über den Russen Alexander Rakislow. Denis Makarow (Bottrop) setzte sich gegen Ryan Lindberg im Viertelfinale des Bantamgewichts mit 5:4 durch. A...

Christian Heinig

Chance auf Wiedergutmachung

Luka Pavicevic hatte ein Einsehen. Gewöhnlich beordert er seine Spieler nach den Partien vor den Fernseher – zur eindringlichen Video-Analyse. Diesmal aber machte der Trainer der Basketballer von Alba Berlin eine Ausnahme. Mit 41 Punkten Unterschied hatte sein Team vergangene Woche in der Euroleague beim spanischen Klub Tau Vitoria Prügel bezogen. »Wir spielen in der höchsten Liga. Solche Di...

Seite 17

Teurer Wohnen

Meldungen vom Berliner Wohnungsmarkt gleichen sich seit einiger Zeit: Sie verheißen – jedenfalls für Mieter – nichts Gutes. Selbst ein Immobilienverband wie der IVD hat jetzt die Mietbelastung als »alarmierend« bezeichnet. Wer in Berlin eine neue Wohnung mieten will, muss dafür im Schnitt 29 Prozent seines Einkommens hinblättern. Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg liegen mit 33,5 bzw. ...

»In der Krise boomen wir«

»In der Krise boomen wir«

Peter Ehrenberg ist Präsident des Landesverbandes der Gartenfreunde Berlins – und damit Vorsitzender von rund 76 000 Kleingärtnern, die über 3000 Hektar Fläche und damit fast 3,5 Prozent der Stadtläche verfügen. Für ND sprach Martin Kröger mit ihm über Auswirkungen der Finanzkrise auf die Siedlungen und ihr soziales Gefüge. Immerhin wird auch hier seit weit über 100 Jahren Kleingartenanbau betrieben.

Seite 18
ndPlusPeter Nowak

Lidl im Sozialbereich

Es waren mehr Teilnehmer als erwartet. Auf einem Vernetzungstreffen von Beschäftigen Freier Träger im Kinder- und Jugendbereich wurde am Dienstagabend deutlich, dass die Zustände beim Trägerverbund Independent Living keine Ausnahme mehr sind.Dessen Mitarbeiter klagen über unzumutbare Arbeitsbedingungen und die Einschränkung ihrer Rechte. Independent Living hat sich als Zusammenschluss freier Träge...

Blindbuchungen am Spreeufer
Christoph Villinger

Blindbuchungen am Spreeufer

»Wann wird denn der Beton nun wirklich gemischt?«, fragte Professor Martin Wiebel am Dienstagabend auf einer Podiumsdiskussion in der »Bar 25« zu einem »möglichen Neuanfang« beim Spreeraum. Für den Vertreter des Rudolf-Kiezes haben »die Investoren nur Blindbuchungen, die zwar auf beschlossenen Bebauungsplänen stehen«, aber nichts passiere. Wie leicht notfalls ein B-Plan zu ändern sei, zeige dass B...

Seite 23

Jobs für Kulturarbeiter

(ND). Durch die Initiative Kulturarbeit werden bis Ende diesen Jahres 300 zusätzliche, sozialversicherungspflichtige und auf drei Jahre befristete Arbeitsplätze in der Berliner Kulturlandschaft entstehen und mit geeigneten Bewerbern besetzt werden. Das teilte die Senatskulturverwaltung gestern mit.Die Berliner Initiative Kulturarbeit war im Juli 2008 von Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linkspa...

Klaus Joachim Herrmann

Noch lange kein Fenster für multikulti

In den Planungen des Rundfunks Berlin Brandenburg (rbb) spielt der Sender radiomultikulti bereits keine Rolle mehr. In Unterlagen für das Jahr 2009, die dem ND vorliegen, ist nur noch von den Sendern die Rede, die nach einer Schließung des vielsprachigen Integrationsprogrammes verbleiben.»Die sechs Hörfunkprogramme des rbb gewährleisten ein qualitativ hochwertiges und vielfältiges Angebot für alle...

ndPlusLucía Tirado

Die Küsse bleiben echt

Ringelpietz in der Müllerstraße. Das prime time theater feiert seinen fünften Geburtstag. Der Eintritt dazu ist frei und das Geschenk der Zuschauer schon klar. Stammbesucher werden Folgen von »Gutes Wedding, schlechtes Wedding« am 3.12. auf der Bühne nachspielen. Die Sieger erwartet ein beneidenswerter Preis – ein Abendessen mit fünf Figuren der einzigen Theater-Sitcom der Welt. Küsse sind e...

Seite 24
Klaus Teßmann

Straße trennt Ahrensfelde ab

Die Ortsumfahrung Ahrensfelde ist im Norden von Berlin-Marzahn und im brandenburgischen Ahrensfelde schon lange umstritten. Am Freitag um 16 Uhr wird im Bürgerzentrum in der Wörlitzer Straße 3a eine Ausstellung über die geplante Umgehungsstraße B 158n eröffnet. Im Mittelpunkt steht ein Modell, das die Gegend mit der Umgehungsstraße im Maßstab 1:200 zeigt. Dabei handelt es sich um die jetzt vorgese...

ndPlusBernd Baumann

Polen setzen auf »Made in Germany«

In Brandenburg haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Firmen aus Polen angesiedelt. Die Landesregierung rechnet mit noch mehr. Der zunehmende Fachkräftemangel und steigende Preise im eigenen Land machen Brandenburg für polnische Unternehmen immer attraktiver, sagte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU).Mit der aktiven Unterstützung der Zukunftsagentur siedelten sich in den Jahren 200...