Ausgabe vom 06.12.2008

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Marx meinte

In jeder Aktienschwindelei weiß jeder, dass das Unwetter einmal einschlagen muß, aber jeder hofft, dass es das Haupt seines Nächsten trifft, nachdem er selbst den Goldregen aufgefangen und in Sicherheit gebracht hat. Après moi le déluge! [Nach mir die Sintflut!] ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation. Das Kapital ist daher rücksichtslos gegen Gesundheit und Lebensdauer des...

Banken: Absturz in Rezession droht

Deutschland droht 2009 eine der tiefsten Rezessionen seit Gründung der Bundesrepublik. Schon jetzt sind am Konjunkturhimmel dunkle Wolken aufgezogen.

Palästinenser bitten UNO um Hilfe gegen aggressive Siedler

Aus Furcht vor weiteren Ausschreitungen nach der Räumung eines von jüdischen Siedlern besetzten Hauses in Hebron sind die Sicherheitsvorkehrungen am Freitag verstärkt worden. Während die Palästinenser Hilfe aus dem Ausland fordern, hat Israel das südliche Westjordanland zur geschlossenen militärischen Zone erklärt.

Unrechtsstaat
Gesine Lötzsch

Unrechtsstaat

Der CDU-Parteitag hat gezeigt: Diese Partei interessiert sich nicht für ihre eigene Geschichte. Das von ihr verordnete DDR-Geschichtsbild bekommt Risse. Die CDU hat Jahre lang mit viel Geld und Mühe an einem DDR-Gesamtkunstwerk gearbeitet und war mit sich sehr zufrieden. Doch plötzlich blättert die Farbe ab und Personen kommen zum Vorschein, die CDU-Restauratoren immer wieder sorgfältig übertüncht...

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Überzeugter Außenseiter

Überzeugter Außenseiter

In der Sozialistischen Partei, der er 34 Jahre angehört hat, war Jean-Luc Mélenchon (Foto: AFP) immer ein aufmüpfiger Außenseiter. Zu den »Salonsozialisten« in der Führungsetage hielt er kritische Distanz. Ihnen warf er eine zunehmende Lösung »von den wirklichen Problemen der einfachen Franzosen« vor.Mélenchons Weg führte nicht, wie bei so vielen der prominenten PS-Politiker, auf geradem Weg aus e...

»Eine große Nähe zur LINKEN«

»Eine große Nähe zur LINKEN«

ND: Sie waren am vergangenen Wochenende dabei, als die Parti de Gauche aus der Taufe gehoben wurde und gelten als deren »Gründungspate«. Entsteht mit der Partei von Jean-Luc Mélenchon eine Konkurrenz für Sozialisten und Kommunisten in Frankreich? Lafontaine: Das ist selbstverständlich, denn alle Parteien konkurrieren miteinander. Es muss in Frankreich aber wie in Deutschland gelingen, durch die Fu...

Ralf Klingsieck, Paris

Mélenchon will die »neue, kämpferische Linke«

In Frankreich sammelt die neue Partei der Linken (Parti de Gauche) Unzufriedene aus dem linken Spektrum. Dabei setzt Parteigründer Jean-Luc Mélenchon auf die Zusammenarbeit mit Kommunisten und Trotzkisten.

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ndPlusJan Opielka

»Kinder? – Ja, auch die Kinder«

Kurz vor dem 60. Jahrestag der Verabschiedung der UN-Völkermord-Konvention diskutierten im hessischen Marburg Historiker, Juristen und Zeitzeugen über Möglichkeiten, Völkerrechtsverbrechen rechtlich, politisch und moralisch zu ahnden. Ausgangspunkt war dabei der Nürnberger Kriegsverbrecherprozess vor mehr als 60 Jahren.

Bodenschutz-Training in Zeiten der Cholera
Andrea Case und Munyaradzi Samusodza

Bodenschutz-Training in Zeiten der Cholera

»E-Africa« steht für Umwelt-Afrika. Der Name ist Programm für einen Zusammenschluss von Simbabwern, die sich dem Schutz der natürlichen Ressourcen und der besseren Ernährung im Lande verschrieben haben. Unterstützt wird E-Africa vom Weltfriedensdienst (WFD), einem der Partner der jährlichen ND-Spendenaktion. Im folgenden Beitrag berichten zwei Aktivisten des Projekts vom Alltag ihrer Arbeit.

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ndPlusJürgen Amendt

Patient Hauptschule

Die Bildungsstandards für die Hauptschulen werden also nicht abgesenkt. So haben es die Kultusminister jetzt verkündet. Die Standards an Hauptschulen sollen weiterhin bundesweit vergleichbar bleiben und auch die 15-jährigen Hauptschüler dürfen sich im nächsten Jahr an den überall in Deutschland zu schreibenden Vergleichsarbeiten beteiligen. Mit ihrem Beschluss vom Donnerstag hat die Kultusminister...

ndPlusOlaf Standke

Schutz vor Siedlern

T erroristen waren im israelischen Sprachgebrauch bisher klar eingegrenzt – Hamas, Hisbollah, Islamisten aller Couleur gehörten dazu. Nun aber sprechen israelische Medien von »jüdischen Terroristen« und meinen jene fundamentalistischen Siedler, die zum Häuserkampf auf biblischem Boden aufgerufen haben. Nach tagelangen gewaltsamen Zusammenstößen im Westjordanland hat die Armee am Donnerstag z...

Klaus Joachim Herrmann

Gefährliches Spiel

Im Land der rot-roten Koalition war die SPD für die Reform des Erbschaftsrechts, die LINKE dagegen. Daraus hätte zwangsläufig die Enthaltung Berlins im Bundesrat folgen müssen. Doch Klaus Wowereit wählte das Ja. Sein Widerpart Klaus Lederer bekräftigte die Ablehnung der LINKEN und protestierte. Es sei der »vertrauensvollen Zusammenarbeit in der Koalition Schaden zugefügt« worden. Gemessen am Bruch...

ndPlusKarlen Vesper

2 x Nikolaus

Piraten haben im 11. Jahrhundert die Gebeine des Heiligen Nikolaus den Türken geraubt und in die italienische Hafenstadt Bari gebracht. Der Streit um die Rückgabe währt bis heute. Nikolaus gilt als Schutzpatron der Kinder, Gefängniswärter, Seefahrer, Kaufleute sowie Pfandleiher, also Banker. Inwieweit sein Anrufen den heutigen helfen kann, steht in den Sternen. Nikolaus, im 4. Jahrhundert Bischof ...

Ist die Kritik an Kuba berechtigt?

Ist die Kritik an Kuba berechtigt?

ND: Kuba wird oft dafür kritisiert, dass Meinungs- und Pressefreiheit nicht gewährleistet wären. Wie stehen Sie zu diesen Vorwürfen? Gerardo Peñalver: Kuba ist bekanntlich ein Land, das unter besonderen Umständen existiert. Seit fast 50 Jahren leidet das kubanische Volk unter einer Handels- und Wirtschaftsblockade durch die USA, die darauf abzielt, die kubanische Revolution zu stürzen und die verf...

Seite 5

Nackt auf die Straße gesetzt

Hannover (ND-Paul). Die Polizei in Hannover sieht sich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert – Beamte sollen einen Afrikaner nach einer Vernehmung nackt nach Hause geschickt haben. Die LINKE will den Fall zum Thema im Landtag machen und hat eine Anfrage an die Landesregierung gestellt.Der Togolese war in der vergangenen Woche zufällig in eine Drogenrazzia geraten und mit auf die Wache genomme...

Uwe Kalbe

Erbschaftsteuer durch, Wowereit auch?

Die jahrelang umstrittene Erbschaftsteuerreform ist beschlossene Sache. Am Freitag stimmte nach dem Bundestag auch die Länderkammer, der Bundesrat, zu. In der Berliner Landesregierung führt das Thema allerdings zu neuem Streit.

Plädoyer für soziale Menschenrechte
ndPlusStephan Stracke

Plädoyer für soziale Menschenrechte

Anlässlich des 60. Jahrestages der Menschenrechtsdeklaration lud die Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Diskussion in Berlin. Die Veranstaltung stand unter dem Motto »Menschenrechte und Sozialismus«.Oskar Lafontaine, Vorsitzender der LINKEN, plädierte für die weltweite Durchsetzung sozialer Menschenrechte.

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Jürgen Amendt

KMK hält an Hauptschulen fest

Die Bildungsstandards für die Hauptschule werden nicht gesenkt. Das teilte die Kultusministerkonferenz (KMK) jetzt mit. In den letzten Wochen war immer wieder darüber spekuliert worden, dass die KMK die Hauptschulen von den bundesweiten Vergleichstests abkoppeln will, die es ab nächstem Jahr in der Sekundarstufe I geben wird. Als Grund dafür wurde KMK-intern das schlechte Abschneiden der Hauptschü...

Mindestlohn scheitert erneut an Zeitarbeit

Berlin (ND-Beyer). Beim Mindestlohn ist sich die Große Koalition weiter uneins. Die von der Regierung eingesetzte Arbeitsgruppe, die am Donnerstag zu Beratungen über die Aufnahme weiterer Branchen in das Arbeitnehmerentsendegesetz zusammenkam, scheiterte erneut am Streitpunkt Zeitarbeit. Die Union blockt einen Mindestlohn für die Branche bislang kategorisch ab, während die SPD darauf besteht.Die U...

Hanno Harnisch

Die WAZ-Gruppe will 262 Stellen streichen

Der Geschäftsführer der WAZ-Gruppe Bodo Hombach hat gestern seiner Stammbelegschaft in Essen gravierend Sparpläne vorgelegt: 262 Stellen sollen gestrichen werden.

Seite 7

Neue Gräueltaten an Flüchtlingen in Kongo

Genf/Maputo (Agenturen/ND). Flüchtlinge im Osten der Demokratischen Republik Kongo berichten laut Vereinten Nationen von neuen Massenerschießungen und anderen Gräueltaten an Zivilisten im Konflikt zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR teilte am Freitag in Genf mit, 5000 Menschen seien vor der Gewalt in die unmittelbare Nähe eines Stützpunkts der UN-Blauhelmtruppe ...

Indiens Ermittler blicken nach Pakistan

Der neue indische Innenminister Chidambaram hat Versäumnisse der Behörden für die Terroranschläge in Bombay mitverantwortlich gemacht. Indien sieht aber weiterhin eine pakistanische Spur.

Seite 8
Uruguays Präsident jetzt parteilos
Jürgen Vogt, Buenos Aires

Uruguays Präsident jetzt parteilos

Uruguays Staatspräsident Tabaré Vázquez ist aus der Sozialistischen Partei ausgetreten. Er zog damit die Konsequenz aus der harschen Kritik der Partei an seinem Veto gegen eine Neureglung des Abtreibungsrechts.

ndPlusHarald Neuber

Chávez spürt Gefahr und will an der Spitze bleiben

Ein Jahr nach dem Scheitern einer Verfassungsreform in Venezuela will Präsident Hugo Chávez einen der strittigsten Punkte erneut zur Abstimmung stellen. Durch Änderung des Artikels 230 des venezolanischen Grundgesetzes soll die Begrenzung der Amtszeiten des Staatsoberhauptes aufgehoben werden.

Reiner Oschmann

Obama und die Geheimdienste

Auf Barack Obama warten vor und bei seiner Amtseinführung als USA-Präsident am 20. Januar viele Stunden der Wahrheit. Eine der wichtigeren schlägt für den künftigen Umgang mit den USA-Geheimdiensten.

Seite 9

Bahn stoppt Suche nach Investoren

Berlin (dpa/ND). Die Deutsche Bahn sieht nach einem Bericht der »Süddeutschen Zeitung« kaum noch Chancen für eine Teilprivatisierung im nächsten Jahr. Im Unternehmen halte man auch ohne Börsengang den Einstieg privater Investoren vor 2010 nicht mehr für möglich, schreibt das Blatt unter Berufung auf Konzernkreise. Ein Bahnsprecher sagte dazu: »Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.« Ursprüngli...

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

26 Milliarden gegen die Krise

Der Plan zur Ankurbelung der Wirtschaft, den Präsident Nicolas Sarkozy am Donnerstag verkündet hat, setzt vor allem auf Investitionen und erst in zweiter Linie auf Maßnahmen zur Konsumförderung.

ndPlusGrit Gernhardt

Weniger Geld für Erwerbslose

Am Freitag beschloss die Bundesregierung Änderungen in der Arbeitsmarktpolitik. Finanzielle Auswirkungen wird die Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags haben. Sprecher der Opposition sowie Erwerbslosenverbände äußerten sich besorgt darüber, dass weiter bei den Arbeitslosen gespart wird.

André Anwar, Stockholm

Nobelpreise in Finanznot

Wegen zu riskanter Investitionen der Nobelstiftung soll nicht mehr gesichert sein, dass Preisträger in Zukunft weiter 10 Millionen Kronen erhalten werden. Die Stiftung missachtete die Verfügung, Nobels Vermögen in »sichere Wertpapiere« anzulegen.

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Neues »Rotkäppchen«
Jürgen Holz

Neues »Rotkäppchen«

»Für den Anfang war das schon ganz anständig«, meinte Biathletin Kati Wilhelm (Foto: dpa) zu ihrem zweiten Platz über 15 km beim Weltcup-Start in Östersund. Nun gilt die 32-Jährige in ihrer Paradisziplin Sprint am Sonntag als Siegfavoritin. Dennoch sieht die dreifache Olympiasiegerin vom SC Motor Zella-Mehlis die Lage in der internationalen Szene realistisch: »So gut, wie ich das in dieser Saison ...

ndPlusAlexandra Fischer

Althaus rettet deutschen Sieg

Anja Althaus hat den deutschen Handballerinnen in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Spiel den vorzeitigen Einzug in die EM-Hauptrunde gesichert. Gegen Serbien warf die Kreisläuferin 25 Sekunden vor dem Ende den entscheidenden Treffer zum 32:31 (17:15)-Sieg und ging nach dem Schlusspfiff in einer deutschen Jubeltraube unter. Sechs Minuten vor dem Ende herrschte Spannung pur, als die Serbinnen...

Alexander Ludewig

Wenn man schon ganz unten ist

Nach ihren Niederlagen und dem drohenden Ausscheiden im UEFA-Cup wollen es der FC Schalke 04 und Hertha BSC im Kampf um Bundesligapunkte besser machen. Doch bei beiden Vereinen stören Nebengeräusche die Konzentration auf die Partie in Gelsenkirchen.Besonders brisant geht es auf Schalke zu. Manager Andreas Müller sprach von der »schwersten Krise seit Jahren«. Nach fünf Niederlagen aus den letzten s...

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Auch Profitsport steuerfrei?
ndPlusThomas Wieczorek

Auch Profitsport steuerfrei?

Kaum ist aufgrund der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise das Reizwort »Steuersenkung« gefallen, da stehen auch die Sportverdiener sofort in der ersten Reihe. So regte der Sportausschuss des Bundestages eine Änderung des Jahressteuergesetz 2009 an, um sportlichen Großereignisse von der leidigen Quellensteuer zu befreien. Der Staat sollte bei solchen Veranstaltungen auf sie verzichten und sich liebe...

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Stimmen zur 3. ND-Schachgala

Stimmen zur 3. ND-Schachgala

Anna Musitschuk »Die Atmosphäre bei der Schachgala hat mir sehr gefallen. Ich bin zwar mit der höchsten Elo-Zahl in den Wettkampf gegangen, aber das war kein Selbstgänger. Es ist nicht leicht gewesen, zu gewinnen: In einigen Partien kriegte ich richtige Schwierigkeiten, und ich habe dann manchmal auch einfach mehr Glück gehabt als meine Gegnerinnen.« Anna Satonskich »Ich möchte viel mehr solche Tu...

Unbekümmert und frisch
ndPlusRené Gralla

Unbekümmert und frisch

Beinahe hätte am Donnerstag die Revanche für die Dresdner Schacholympiade geklappt. Elisabeth Pähtz, zweimalige Gewinnerin der Internationalen ND-Damen-Schachgala, war in Berlin auf dem besten Weg, den Einzug ins Turnierfinale und womöglich den dritten Sieg in Folge zu schaffen. Die Fans im Saal fieberten mit, doch alles Daumendrücken half nichts: Am Ende fehlte der 23-Jährigen, die bei der Schach...

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»Die Leute sollen mich verstehen«

Im Animationsfilm »Madagascar« von Eric Darnell und Tom McGrath und in seiner Fortsetzung, die jetzt in unseren Kinos läuft, synchronisiert Jan Josef Liefers einen sprechenden Löwen. Alex heißt die Figur. Mit weiteren drei New Yorker Zootieren landet Alex in einem afrikanischen Tierreservat und trifft dort seine Eltern wieder. Der vielseitige Schauspieler und Sänger, geboren 1964 in Dresden, gab 1989 sein Schauspieldebüt mit »Die Besteigung des Chimborazo« von Rainer Simon. Vor allem als Gerichtsmediziner Boerne im »Tatort« wurde er auch zum Fernsehstar.

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Streit um willkommenes Denkmal
ndPlusPeter H. Feist

Streit um willkommenes Denkmal

Seit kurzem steht am Berliner Bahnhof Friedrichstraße ein Denkmal, das daran erinnert, dass 1939, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, noch eine größere Zahl jüdischer deutscher Kinder nach England ausreisen durften, weil Großbritannien und Hilfsorganisationen ihnen Schutz und Fürsorge gewährten. Ihre Eltern und ältere Gefährten mussten zurückbleiben und wurden fast alle bald darauf von den NS-...

Dieter Hanisch

Neunzehnhundertachtzehn

Der in Heide ansässige Boyens-Verlag zeigt sich künstlerisch mutig und hat jetzt in seinem Sortiment eine Neuveröffentlichung zur November-Revolution vor 90 Jahren aufgenommen, die historische Puristen nicht zufrieden stellen dürfte, wird in dem Werk »1918 – Revolution in Kiel« doch der Spagat zwischen zeitgeschichtlicher Würdigung der Fakten und einer zum Teil mit Fiktion angereicherten dra...

PLATTENBAU
Sebastian Blottner

PLATTENBAU

Gäbe es analog zur Farben- eine musikalische Emotionenlehre, würde folgender Glaubenssatz wohl dazu gehören: Ein wenig bittere Wehmut, manch ungestillte Sehnsucht und eine Hand voll Trost ergeben zusammen einen merkwürdig süßen Klang – besser bekannt unter dem Namen Klezmer. Eine Musik mit Zigeuner-Charme und Ost-Exotik, selbst wenn sie aus Amsterdam kommt. Die Amsterdam Klezmer Band repräse...

ndPlusWalter Kaufmann

Unterm Star Sprangled Banner

Die Henri-Nannen-Journalistenschule muss eine famose Einrichtung sein, wenn Absolventen wie Annett Heide und Jan Wiechmann daraus hervorgehen! Ihre Reportagen zu den Auswirkungen des Irak Krieges auf die US-Soldaten, die dort zum Einsatz kamen, halten in Atem. Die Stücke sind sprachlich exemplarisch, gut durchdacht und machen auf wenigen Seiten ganze Lebensabschnitte sichtbar. Vor allem aber sind ...

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Salzwiesenschafe und Antiviruskonfekt
Wolfgang Weiß

Salzwiesenschafe und Antiviruskonfekt

»Ein Fremder, der in den Norden kommt, weint zweimal: wenn er ankommt und wenn er wieder fährt.« Dieses Sprichwort bezieht sich auf eine Region Frankreichs, die selbst vielen Franzosen noch immer ziemlich fremd und mitunter gar unheimlich ist. Erst ein Film, der in diesem Jahr in Frankreich mit über 20 Millionen Besuchern alle bisherigen Zuschauerrekorde sprengte, rückte auch die Departements Pica...

Seite 16
Auf Orangenblüten erbaut
ndPlusHeidi Diehl

Auf Orangenblüten erbaut

»Julio! Oh, Juuuhlioho!« Immer lauter und lustvoller stöhnt und schmachtet die junge Frau ins Mikro. Als sei das Gegurre ein Signal, stürzen 20- bis 70-Jährige wie elektrisiert an die Reling steuerbords. Alle wollen in der ersten Reihe stehen, um ja kein Detail der prachtvollen weißen Villa zu verpassen. Fotoapparate klicken im Dauerbeschuss. Da drüben auf Star Island wohnt Julio Iglesias – ...

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Protest auch an neuem Ort und zu anderer Zeit

(ND-Funke). In weiten Teilen hat das Verwaltungsgericht gestern die Auflagen der Polizei für die Protest-Demos gegen den Naziaufmarsch in Lichtenberg bestätigt. Durch die nun zu knapp gewordenen Fristen ändere ein Anrufen des Oberverwaltungsgerichtes wohl nichts mehr, so Linkspartei-MdA Evrim Baba. Proteste seien dennoch nötig. Deshalb wird es am heutigen Sonnabend – Beginn 15 Uhr – ei...

Streit um Zeugen

(ND). Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Vorgänge um das sogenannte Spreedreieck am Bahnhof Friedrichstraße hat sich am Freitag auf die Ladung der ersten Zeugen verständigt. Gegen den Willen der Oppositionsvertreter von CDU, Grünen und FDP legte die Koalition aus SPD und Linken fest, dass am 9. Januar neben Ex-Finanzsenator Peter Kurth (CDU) Vertreter der Ravenna Vermög...

ndPlusRainer Funke

Hürden überall

Manchmal erweisen sich Bildungsschranken als schier unüberwindliche Hürden. Das erfuhren Linkspartei-Fraktionschefin Carola Bluhm und der Abgeordnete Steffen Zillich am eigenen Leibe, als sie Schulsenator Jürgen Zöllner zu einem Gespräch in seinem Büro besuchten. Zu fortgeschrittener Stunde, so gegen 22 Uhr, wollten Bluhm und Zillich das Haus verlassen. Allein: Der Fahrstuhl war längst abgestellt,...

Andreas Heinz

Wer das Licht an lässt, spart Kohle

Verwundert schüttelt der Mann in den Toilettenräumen des Lichtenberger Stadtteiltreffs »Kiezspinne« den Kopf. Er mag nicht glauben, was da auf einem Informationsblatt gewünscht wird: Lassen Sie bitte das Licht an, wenn es brennt. Das spart Kosten. Glühlampen, die ständig an- und ausgeschaltet werden, gehen schneller kaputt. Die »Kiezspinne« ist einer der Partner, die beim Energiesparcheck von Sena...

Spreepark im Plänterwald vor Versteigerung
Marina Mai

Spreepark im Plänterwald vor Versteigerung

Der Spreepark im Plänterwald kommt unter den Hammer. Das bestätigt die Sprecherin für die Berliner Zivilgerichte, Katrin-Ilena Schönberg. Ein Termin für die Versteigerung sei noch nicht angesetzt, sagt sie weiter. Beantragt hätte die Zwangsversteigerung des Erbbaurechtsvertrages das Finanzamt, sagt Irina Dähne vom Berliner Liegenschaftsfond.Die Spreepark GmbH hatte 1997 mit dem Land Berlin ein Erb...

ndPlusElmar Altvater

Die Veränderung der Weltordnung

Man kann sich aussuchen, was größeren Schrecken verbreitet: die astronomischen Verluste durch die globale Finanzkrise oder die ebenfalls astronomischen Kosten des Klimawandels. Der ist ebenso bittere Realität wie die Finanz- und Wirtschaftskrise.

Seite 18

Keine Vierbeiner schenken

(ND). Tiere stehen alle Jahre wieder bei Kindern auf dem Weihnachtswunschzettel ganz oben. Der Präsident des Berliner Tierschutz-Vereins, Wolfgang Apel, wandte sich deshalb mit einem Appell an die Eltern: »Tiere sind Lebewesen. Sie eignen sich nicht als Überraschungsgeschenk, weder zu Weihnachten, noch zu anderen Anlässen.« Viele Tiere würden unüberlegt angeschafft, nach den Festtagen im Tierheim ...

Jörg Huffschmid

Aktionismus des G20-Gipfels

Nie hat eine Finanzkrise soviel Aktivität ausgelöst wie die gegenwärtige: Rettungsaktionen mit dreistelligen Milliardensummen, Bürgschaften, Rekapitalisierungen, und jede Menge Regierungstreffen und -gipfel. Vorläufiger Höhepunkt war der G20-Gipfel in Washington Mitte November.

Chronik

1997 bis 2008 Dezember 1997: In der US-Investmentbank J.P. Morgan wird die Verbriefung von Zahlungsausfällen erfunden, die sogenannten Bistro-Papiere oder Credit Default Swaps (CDS). Bis heute haben sich die Ansprüche aus diesen Schwindelanlagen auf phantastische 50 Billionen US-Dollar summiert. November 1999: Nach jahrelangem Lobby-Druck wird in den USA das Glass-Seagall-Gesetz aufgehoben. Ursprü...

Seite 19
ndPlusTobias Riegel

Gehört: Agitations-Rap

Als Public Enemy vor 20 Jahren zum ersten Mal in Berlin spielten, lag die Welt bereits im Argen: »Ihr hattet die Mauer, die Engländer Margaret Thatcher, und wir den Motherfucker Ronald Reagan.« So plastisch erinnerte sich am Donnerstag im Postbahnhof der wegen Tourstrapazen anfangs stimmlose Rapper Chuck D – nachdem er und seine siebenköpfige Truppe mit theatralisch gestreckten Fäusten und v...

Die Entführung aus dem Wohnzimmer
Antje Rößler

Die Entführung aus dem Wohnzimmer

Architekt Ercan ist Mitte zwanzig und sieht einfach umwerfend aus. Der Neuankömmling aus Ankara wird im Kreise der Berliner Verwandten einquartiert. Verstrickungen mit dem schönen Geschlecht lassen nicht auf sich warten: Onkel Mahmut will ihn mit Mine verkuppeln, die hat schließlich einen deutschen Pass. Ercan legt die Studentin ebenso flach wie deren Freundin Sinem. Und dann gibt es da auch noch ...

ndPlusAxel Troost

Die deutschen Brandstifter

Deutschland ist der größte Finanzplatz in der Euro-Zone. Allein an der Frankfurter Derivatebörse Eurex wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt jährlich 60 Mal umgeschlagen. Die Deutsche Bank steht mit einem weltweiten Marktanteil von 22 Prozent auf Platz 1 der Devisenspekulation. Als Netto-Kapitalexporteur folgt Deutschland mit Platz 2 gleich hinter China.

Zähmung des Geldes erst 2009
Hermannus Pfeiffer

Zähmung des Geldes erst 2009

Auch über den hiesigen Bankensektor wurde ein gigantischer Rettungsschirm gespannt. Indes hält sich die Nachfrage nach den staatlichen Milliarden bislang in Grenzen.

Seite 20
»Erichs Lampenladen« lebt weiter
Uwe Werner

»Erichs Lampenladen« lebt weiter

Es klingt wie eine Sage: Vor wenigen Tagen machte der Palast der Republik noch einmal Schlagzeilen, als es bei dem Abriss des letzten Treppenturms Schwierigkeiten gab. Nun ist der Palast komplett weg. Es gibt Menschen, die freuen sich, dass das Gebäude aus dem Herzen Ostberlins verschwunden ist. Andere erinnern sich gern an frohe Stunden beim Bowling, in den Restaurants, mit der Familie, Freunden ...

ndPlusBernd Baumann

Autoklau an der polnischen Grenze

In der Grenzregion zu Polen ist die Kriminalität seit dem Wegfall der Personenkontrollen am 21. Dezember des vergangenen Jahres gesunken. Gleichzeitig gibt es jedoch beim Autoklau und in weiteren Teilbereichen einen Anstieg der Straftaten. Das geht aus einem Bericht hervor, den Innenstaatssekretär Hans-Jürgen Hohnen in dieser Woche im Innenausschuss des Landtages vorlegte.Danach wurden im Grenzgeb...

ndPlusJörg Roesler

Die Rettung: intervenierender Staat

Periodische Störungen der Wirtschaftsentwicklung gehören seit fast 200 Jahren zur Geschichte des Kapitalismus. Etliche von ihnen wurden durch einen Börsenkrach eingeleitet wie etwa die Gründerkrise von 1873 bis 1879, die mit Kursstürzen an den Börsen Wiens, New Yorks und Berlins begann.

Dieter Janke

Das Auf und Ab des Kapitalismus

Dass die aktuelle Finanz- in eine Wirtschaftskrise mündet, ist alles andere als einmalig. Der Blick in die Geschichte zeigt einen fast zweihundertjährigen Zusammenhang von Finanzkrisen und Konjunkturzyklen.

Seite 21
Andreas Wehr

Bruch der deutsch-französischen Achse

Die Krise bringt es an den Tag: Von einer Achse zwischen Berlin und Paris kann keine Rede mehr sein. Auf dem deutsch-französischen Gipfel am 24. November 2008 waren sich Merkel und Sarkozy nur noch darüber einig, dass man sich nicht einig ist, was jetzt zu tun sei.

ndPlusMartin Ling, Cape Coast

Geldmangel kennt Ghana auch ohne Finanzkrise

Wer bietet mehr? Um über 50 Prozent hat Ghanas Börse 2008 bereits zugelegt – mutmaßlich Weltrekord. Auch die »Realwirtschaft« wächst seit Jahren um über sechs Prozent, und 2009 soll sich das Wachstum nur leicht abschwächen

Seite 22
ndPlusHilmar König, Delhi

»Das andere Gesicht, das nicht strahlt ...«

Auf dem »Express Highway« der Nationalstraße NH-8 zwischen Gurgaon und Delhi, strömt dichter Feierabendverkehr. Links das riesige Gelände des Internationalen Indira Gandhi Airports, ein Symbol der indischen Wirtschaftskraft. Rechts die übervölkerte Stadtrandsiedlung Mahipalpur, der eine riesige Straßenbrücke der NH-8 vor die Nase gebaut wurde.

Max Böhnel, New York

Lebensmittelscheine und ausgebrannte Autos

Wenn John Armage von seinem verflossenen Wohlstand erzählt, bricht ihm immer wieder die Stimme. Er habe ein Grundgehalt von 125 000 Dollar erhalten, das mit einem Jahresendbonus in derselben Höhe angereichert wurde.

Seite 23
Kurt Stenger

Wie die Konjunktur stützen?

Dass die Finanzkrise längst auf die Konjunktur durchschlägt, hat sich auch im bundesdeutschen Politikbetrieb herumgesprochen. Konsens ist mittlerweile, dass staatliche Stützungsmaßnahmen für die Binnenwirtschaft notwendig sind, um einer allzu tiefen Rezession mit rasantem Stellenabbau entgegenzusteuern. Immer größer werden zudem die Zweifel, dass es mit dem Konjunkturpaket der Regierung getan ist. Einige Vorschläge, die derzeit im Umlauf sind:

ndPlusHubert Weiger

Klimaschutz hat immer Konjunktur

Angesichts des Konjunkturabsturzes haben viele Regierungen wirtschafts- und beschäftigungsfördernde Gegenmaßnahmen beschlossen. Diese gehen oft zu Lasten des Ziels, die Treibhausgasemissionen zu begrenzen. Doch Klimaschutz und die Schaffung von Arbeitsplätzen lassen sich sehr wohl verbinden.

Susanne Götze

Konzern-Lobby fordert den »Old Deal«

Durch die Finanzkrise könnten Klimaschutzmaßnahmen in Verzug geraten und nationale wie internationale Klimaziele gefährdet werden. Doch Umweltschützer sehen gerade jetzt die Gelegenheit, die Wirtschaft grundlegend hin zu einer Öko-Ökonomie zu reformieren.

Seite 24

Ökonomen in Zeiten des Sturms

Neben Karl Marx gibt es einen weiteren ökonomischen Klassiker, der, über Jahrzehnte von der herrschenden Politik und Wirtschaftswissenschaft an den Rand gedrängt, in der Krisenzeit wieder Konjunktur hat: John Maynard Keynes (1883-1946).

Wolf-Dieter Narr, Peter Grottian und Benedict Ugarte Chacón

Stabilisator auf alten Bahnen

Heute keucht »der Staat« überall. Er, »der Staat« nämlich, schafft »Vertrauen«. Er schlägt die Geldflucht in Bann. Damit die Banken wieder banken. Damit die Bürger ihr Geld nicht vergraben, sondern anlegen.

Thomas Kuczynski

Die ganze Plusmacherei ist absolutes Gesetz

Sind die raffgierigen Manager schuld? Ich verstehe ja die Wut: Da verzocken Bankmanager Milliarden an den Börsen und dann wollen sie als »Bonus« auch noch Millionen in die eigene Tasche stecken. Aber Wut ist zumeist ein schlechter Ratgeber, und blindwütiges Zuschlagen trifft oft die Falschen.