Ausgabe vom 12.02.2009

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Unten links

In einem Freiburger Theater wurden Auszüge des europäischen Verfassungsvertrages von Lissabon vorgelesen. Niemand verstand, was da geschrieben steht – der Abend wurde ein großer Lacherfolg. Und Angela Merkel trat beim Kinder-Vorlesewettbewerb auf – dort sagte sie, man komme viel weiter, wenn man lesen könne. Den Tipp hätte sie ruhig auch Michael Glos geben sollen. Der meint, von der CD...

ndPlusRoland Etzel

Wahlverlierer Frieden

Viel schlechter hätte es für den Friedensprozess im Nahen Osten nicht kommen können, sagen die einen. Welchen Friedensprozess? fragen die anderen – und beide Lager haben Recht. Israel hatte sich einen Krieg als Elixier für die Wahlkampagne verordnet. Deren hervorstechendstes Merkmal war, dass sich die Wortführer der nunmehrigen vier stärksten Parteien im Verkünden blutunterlaufener Parolen t...

Israel rückt nach rechts

Nach einem deutlichen Rechtsruck bei der Parlamentswahl in Israel wirft eine schwierige Regierungsbildung ihre politischen Schatten voraus.

René Heilig

Mehdorn provoziert Untersuchungsausschuss

Missgelaunt beendeten gestern die Abgeordneten des Bundestags-Verkehrsausschusses die zum Thema DB-Spitzelaffäre anberaumte Sitzung. Neues haben sie nicht erfahren.

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Zur Person
ndPlusRassist als Königsmacher?

Zur Person

Angesichts des knappen Wahlausgangs wird der ultrarechte Politiker Avigdor Lieberman (Foto: dpa) zu Israels Königsmacher. Die Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel), die Lieberman 1999 gegründet hatte, wurde bei der Abstimmung am Dienstag mit 15 von 120 Mandaten erstmals drittstärkste Kraft im Parlament.Im hartnäckigen Kampf zwischen Kadima und Likud um die Führung des Landes spielt Lieberman d...

Schlechte Aussichten für den Friedensprozess

Nach dem Rechtsruck bei der Wahl in Israel hat sich die palästinensische Führung enttäuscht über das Ergebnis geäußert. »Es ist offensichtlich, dass die Israelis für eine Lähmung des Friedensprozesses gestimmt haben«, sagte der palästinensische Nahostunterhändler Sajeb Erakat gegenüber AFP am Dienstagabend in Ramallah. Die Ergebnisse zeigten, dass es in Israel keine Regierung geben werde, die die ...

Neues Sprichwort: Die Bahn beginnt am Kopf zu stinken
René Heilig

Neues Sprichwort: Die Bahn beginnt am Kopf zu stinken

Gestern tagte der Verkehrsausschuss des Bundestages. Es ging um die Bespitzelung von DB-Mitarbeitern und vielen anderen, die irgendwie mit der Bahn zu tun haben. Vor der Tür hatte sich ein journalistisches Heerlager aufgebaut.

ndPlusOliver Eberhardt, Jerusalem

Die Rechte auf dem Vormarsch

Israel hat gewählt, aber das Ergebnis ist unklar: Zwar führen die bisherige Außenministerin Zipi Livni und ihre Partei Kadima, aber die besseren Chancen auf die Bildung einer neuen Regierung hat der rechtskonservative Likud-Block, der nur einen Sitz weniger bekam. Die Linke indes erlitt schwere Verluste und wird in den kommenden Jahren kaum eine Rolle spielen.

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Michael Lenz

Heiße Mischung in Australien

181 Menschen und schätzungsweise mehr als eine Million Tiere haben in den schwersten Buschbränden der australischen Geschichte ihr Leben verloren, ganze Ortschaften wurden ausgelöscht.

Der Mensch und die Algen

Der Mensch und die Algen

Nach des Vaters Willen sollte er Medizin studieren. Doch dazu hatte der junge Charles Darwin, geboren am 12. Februar 1809 in Shrewsbury, England, als fünftes von sechs Kindern des Arztes Robwert Darwin, keinerlei Interesse. Vielmehr interessierten ihn schon in der Kindheit Muscheln, Schmetterlinge, Käfer und anderes Getier. Aus Neigung wurde Profession und Charles Darwin zu einem der bedeutendsten Naturforscher. Am Anfang heftig umstritten und vehement angegriffen, ist seine Evolutionstheorie heute fester Bestandteil wissenschaftlicher Erkenntnis. Mit dem Zoologen und Evolutionsbiologen Professor AXEL MEYER, einem breiterem Publikum durch seine humorvollen Kolumnen »Evolution ist überall« (Böhlau, 2008) bekannt, sprach ADELBERT REIF.

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Christian Klemm

Feier abblasen – NATO abschaffen

Anlässlich des 60. Geburtstages der NATO hat sich ein breites Friedensbündnis zusammengeschlossen, das zu Protesten in Baden-Baden und Straßburg mobilisiert.

ndPlusFabian Lambeck

Brüderle will Kapitalismus retten

Die FDP im Aufwind. Aktuelle Umfragen sehen die Liberalen bei knapp 18 Prozent, also nur knapp fünf Prozentpunkte hinter der SPD. Somit wird eine schwarz-gelbe Koalition nach der nächsten Bundestagswahl immer wahrscheinlicher. Die Liberalen nutzen die Gunst der Stunde und präsentieren sich derzeit als Gralshüter der neoliberalen Lehre.

ndPlusClaus Dümde

Viel Skepsis, aber ohne Folgen?

Auch am zweiten Tag der mündlichen Verhandlung über Verfassungsbeschwerden und Organklagen gegen den EU-Reformvertrag von Lissabon war Skepsis von der Richterbank über die Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz unüberhörbar. Doch findet sich eine Mehrheit, die vor der Ratifizierung noch Vertragsänderungen verlangt? Wahrscheinlicher ist, dass dem Gesetzgeber einige beschränkende Interpretationen nahegel...

Seite 5

Preisdruck verschärft die Armut

Berlin (AFP/ND). Die Hilfsorganisation Oxfam hat von den deutschen Handelsketten ein Ende des Preisdrucks auf die Lieferanten gefordert. »Der Preisdruck muss aufhören, um Spielraum für bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne zu schaffen«, sagte Oxfam-Handelsexpertin Marita Wiggerthale am Mittwoch. Sie begrüßte zudem, dass ein Bericht der »Kampagne für Saubere Bekleidung« erneut ein Licht auf di...

Guttenbergs Firma hatte nur drei Mitarbeiter

Hamburg (ots/ND). Der neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat entgegen wiederholter Presseberichte offenbar niemals ein mittelständisches Unternehmen geführt, sondern war lediglich in einem Drei-Mann-Büro zur Verwaltung des eigenen Familienvermögens tätig. Das ist das Ergebnis von Recherchen des NDR-Medienmagazins »Zapp« zur Wirtschaftskompetenz des Ministers. Als Beleg für s...

Gabriele Oertel

Vorgriff auf den Valentinstag

Der Bundestag hat gestern auf Antrag der Grünen über die Führungsverantwortung von Kanzlerin Angela Merkel in der Wirtschaftskrise – unter besonderer Berücksichtigung der Turbulenzen um den Rücktritt des CSU-Wirtschaftsministers Michael Glos und die Inthronisation seines Nachfolgers zu Guttenberg – debattiert. Die Sessel von Kanzlerin und den Ministern waren allerdings leer geblieben.

Seite 6

Massen machen Druck auf Sarkozy

Paris (ND/Agenturen). Zehntausende Studenten, Forscher und Professoren haben in Paris und weiteren französischen Städten gegen umstrittene Bildungsreformen der Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy protestiert. Allein in der Hauptstadt versammelten sich nach Polizeiangaben 17 000 Demonstranten. Gewerkschaften gaben die Teilnehmer der Proteste im ganzen Land mit 100 000 an.Anlass für die Demonstr...

Russland begrüßt neuen USA-Kurs zu Iran

Moskau / Teheran / Washington (Agenturen/ND). Russland hat das Gesprächsangebot des neuen US-Präsidenten Barack Obama an Iran begrüßt. Moskau messe »der erklärten Absicht der neuen Regierung in Washington, einen direkten Dialog mit Iran aufzunehmen, besondere Bedeutung« zu, erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch in Moskau. Mit dem neuen Vorgehen könnten die USA »einen wirku...

Seite 7
ndPlusBenjamin Beutler

Evo Morales verlor einen Vertrauten

In Bolivien wurde am Dienstagabend Santos Ramírez verhaftet. Der war nicht nur Präsident des staatlichen Öl- und Gasunternehmens, sondern er war auch Mitbegründer der regierenden Bewegung zum Sozialismus (MAS) und ein Vertrauter des Staatspräsidenten Evo Morales.

ndPlusPeter Kirschey

Tage des Zorns in Pjöngjang

Droht auf der koreanischen Halbinsel ein neuer militärischer Konflikt? Nähme man offiziöse Äußerungen aus der nördlichen Koreanischen Demokratischen Volksrepublik (KDVR) für bare Münze, so schiene ein Krieg unausweichlich.

Hilmar König, Delhi

Gegner des neuen Nepal machen mobil

Ein bewaffneter Überfall auf den Privatsekretär des nepalischen Premiers Pushpa Kamal Dahal Prachanda in Katmandu wirft ein Schlaglicht auf die gegenwärtige Lage in der Himalaja-Republik.

Seite 8
Martin Kröger

Selbstzerstörung

Schadenfreude ist die schönste Freude. Beim Betrachten des Selbstzerstörungsprozesses, dem sich die rechtsextreme NPD derzeit unterzieht, kann man urigen Spaß nicht verhehlen. Zu schön, um wahr zu sein, aber die einst so ambitionierte NPD, der es gelungen war, in zwei Landesparlamente einzuziehen und die rechtsextreme Szene mehr oder weniger zu einen, zerlegt sich selbst. Was bisher als Machtkampf...

Gabriele Oertel

Richtlinie und Kompetenz

Plötzlich ist sie wieder da – die böse Frage nach der Richtlinienkompetenz der Kanzlerin. Gestern stand sie im Bundestag wie ein drohendes Menetekel. Seit Wochen schon fordern Spitzenvertreter auch aus der Union eine stärkere Durchsetzungsfähigkeit der Regierungschefin und werfen ihr gar Führungsschwäche vor. Seit Horst Seehofer den Vorturner in der CSU macht und die CDU-Chefin in den ersten...

ndPlusDieter Janke

Sand ins Getriebe

Peer Steinbrück scheint immer wieder einmal für Überraschungen gut zu sein. Der Bundesfinanzminister und SPD-Vize soll sich nun mit der Wiedereinführung der Börsenumsatzsteuer eine ureigene linke Forderung zu eigen gemacht haben. Mit ihr, so dem Vernehmen nach sein Plan, soll die Sozialdemokratie in den Wahlkampf ziehen.

Selbstständig
Velten Schäfer

Selbstständig

Klaas Hübner ist verwundert. Irgendjemand in der sachsen-anhaltischen SPD hat etwas gegen ihn. Aber niemand hat dem SPD-Rechten, Ko-Sprecher des »Seeheimer Kreises« und immerhin Vize-Fraktionschef der Bundespartei, bisher erklärt, wieso er keinen Freifahrtschein in den Bundestag bekommen soll. Der Vorschlag zur Landesliste, über den Sachsen-Anhalts Genossen am Samstag abstimmen, sieht Hübner nur a...

Keine Chance für Volksentscheide?

Keine Chance für Volksentscheide?

ND: Union und SPD haben gestern im Innenausschuss die drei Gesetzentwürfe von FDP, Grünen und Linkspartei zur Einführung von direkter Demokratie auf Bundesebene abgelehnt. Über wen ärgern Sie sich mehr: Über die Union, die seit Jahren dagegen ist, oder die SPD, die aus Koalitionsdisziplin die Anträge ablehnt? Efler: Mich ärgern beide. Die Union bleibt bei ihrer Verweigerungshaltung, obwohl Horst S...

Seite 9
Facettenreicher Tod
Lilian Astrid Geese

Facettenreicher Tod

Am beeindruckendsten sind die Bilder. Ganz subtil, zwischen die Schichten des Realen geschoben, ungemein präsent und gleichsam transparent: die Geister, die Wesen aus der Zwischenwelt. Nicht die kalten Hände des Todes »begeistern«.»Ghosted« heißt der Film über die Wünsche und Träume, die bleiben, wenn ein Mensch stirbt.Monika Treut erzählt in ihrer deutsch-taiwanesischen Koproduktion – ihr z...

Leben ohne Liebe
ndPlusAngelika Kettelhack

Leben ohne Liebe

Scheinbar unberührbar ist die 14-jährige Hayat: Streng und geheimnisvoll geht sie durch den Film »Hayat Var« (Mein einziger Sonnenschein), den der türkische Regisseur Reha Erdem am Rande Istanbuls gedreht hat. Dort, wohin sich kein Tourist verirrt. Fast autistisch versucht das Mädchen eine Umwelt zu ignorieren, die sie zu fressen droht. Groß und mächtig liegen die Container-Schiffe auf der Reede, ...

Schuld und Sühne
Gunnar Decker

Schuld und Sühne

Was ist Schuld? Eine Verstrickung, aus der man nicht herauskommt. Das ist der mythisch-schwebende Grundton dieses ungewöhnlichen Films des Engländers Peter Strickland, Musiker und bislang Schöpfer einiger Kurzfilme, der hier die Symbiose mit einer ungarisch-rumänischen Co-Produktion wagte. Ein geglücktes Unterfangen. Dieser eindringlich-stille Film verwandelt seine schroffen Gegensätze in eine Ges...

Vergängliche Schönheit
ndPlusCaroline M. Buck

Vergängliche Schönheit

Vor genau zwanzig Jahren waren sie schon einmal hier, mit einem Film, der Filmgeschichte machte: Regisseur Stephen Frears, Drehbuchautor Christopher Hampton und Schauspielerin Michelle Pfeiffer. In »Gefährliche Liebschaften« spielte sie nur eine von drei weiblichen Hauptrollen: der eigentliche Star war Glenn Close, die eigentliche Entdeckung Uma Thurman. In »Chéri« besetzt Pfeiffer jetzt zwar auch...

Seite 10
Heinrich Fink

Kanzel, Katheder und Salon

Geboren ist er am 12. November 1768, wie viele Berliner, in Breslau. Der wohl bekannteste Wissenschaftler, des 18./19. Jahrhunderts war Mitbegründer und Organisator, Rektor und verehrter Hochschullehrer der Berliner Universität, prominentes Mitglied und Sekretär der Berliner Akademie der Wissenschaften, einer der bedeutendsten klassischen Philologen und ein Philosoph, der fast alle Gebiete der Kul...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Sturzgefahr mit roten Fahnen

Soeben hieß es noch, ein Plakat auf Säulen des Herrn Litfass: Du bist Deutschland! Überforderung stieg allerorten in die Gesichter. Oder empörtes Flehen, doch bitte in Ruhe gelassen zu werden. Jetzt sagte das Maxim Gorki Theater, ebenfalls auf Plakaten: »Du bist Geschichte!«So kommt Wahrheit näher: Wir sind nicht nur von heute, durch uns hindurch geht der Todessturz aller Ideen, und dieser Fall sc...

Seite 11
www.datenparty.de

www.datenparty.de

Im Netz gibt es kein Vergessen. Dieser Satz birgt eine schlichte, jedoch notwendige Warnung. Speziell Jugendlichen gilt Problembewusstsein im Umgang mit sensiblen Daten häufig nichts. Facebook, StudiVZ, Myspace – virtuelle soziale Netzwerke locken mit unkomplizierten Blitz-Freundschaften. Der Haken: Das unbedarfte Preisgeben intimster Lebenserfahrungen im Netz öffnet dem Missbrauch Tür und T...

STARporträt

STARporträt

Die junge Schauspielerin, Jahrgang 1986, kam im Alter von acht Jahren mit ihrer Mutter von der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer nach Berlin und tritt seit ihrem 12. Lebensjahr am Theater auf, seit 2001 regelmäßig bei der Berliner Volksbühne. Zu ihren wichtigsten Arbeiten am Theater gehören ihre Rollen in den Inszenierungen von Frank Castorf, darunter »Erniedrigte und Beleidigte« (Katja), »Meister ...

Nachrichten

GRÜNES LICHT. Das Bundeskartellamt hat die Übernahme des Berliner Verlags mit dem Flaggschiff »Berliner Zeitung« durch das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg (»Kölner Stadt-Anzeiger«, »Frankfurter Rundschau«) freigegeben. Damit kann der Erwerb eines Pakets mit deutschen Titeln vom angeschlagenen Fi-nanzinvestor David Montgomery über die Bühne gehen. Der Kauf führe nicht zu einer Marktbeherrschu...

»Großartig«

»Großartig«

Julia Jentsch ist Stammgast der Berlinale seit sie als Sophie Scholl auf der Leinwand debütierte. Jiri Menzel verpflichtete sie für seine Adaption von Hrabals »Ich diente dem König von England«. Am Montag wurde sie als Effi (Foto: AFP) in Hermine Huntgeburths Adaption mit Standing Ovations gefeiert. Der Film entstand 2007 in Litauen, Berlin und Brandenburg auf den Spuren Theodor Fontanes.

ndPlusGunnar Decker

Starke Frau

Wie weiträumig doch Goethes Utopie von den »Wahlverwandtschaften« und wie eng doch alle Realität, besonders in Preußens Provinz. Also wird Effi Briest bei Fontane ein Opfer jener Verhältnisse, denen die Wahrung des Scheins von Sitte und Ordnung wichtiger ist als diese selbst. Junges Mädchen, das mit einem viel älteren preußischen Aktenträger verheiratet wird, erträgt dessen emotionale Dürre nicht,...

ndPlusHanno Harnisch

Überraschende Umzugspläne

Die dpa (Deutsche Presseagentur GmbH) ist in der Hansestadt Hamburg, im Stadtteil Harvestehude im Bezirk Eimsbüttel zu Hause. Etwa genau so alt wie die Bundesrepublik selbst, ist sie mit ihren rund 1100 Mitarbeitern die größte Nachrichtenagentur Deutschlands. »Unparteiisch und unabhängig von Einwirkungen und Einflüssen durch Parteien und Weltanschauungsgruppen.«Am Dienstag gab es die überraschende...

Seite 12
Irmtraud Gutschke

Als alles zerbrach

Einer der vielen verkannten russischen Schriftsteller, der Gedemütigten, die es nicht zum »Zug der Zeit« geschafft hatten und dort auch nicht mitfahren wollten: Leonid Dobycin, 1894 im Baltikum als Sohn eines Arztes geboren, soll unter den Schriftstellern in Leningrad durch seine »Vornehmheit« ins Auge gefallen sein. Allein das schon wurde ihm übel genommen. Dass er Revolution und Bürgerkrieg als ...

Monika Melchert

Witzig und traurig

Tausend Werst von Petersburg entfernt, in der russischen Provinz, spielt eine der schönsten frühen Erzählungen Gorkis: »Warenjka Ollessowa« (1895). Die zwanzigjährige Gutsbesitzertochter, eine lebenspralle, sinnliche Schönheit, fordert Ippolit Sergejewitsch heraus, den Gelehrten, der sich selbst immerzu beobachtet – und dabei nicht zum wirklichen Lebensgenuss kommt. Der Erzähler beschreibt i...

ndPlusKarlheinz Kasper

Durch die Steppe ans Tote Meer

Iwan Bunin (1870-1953), der als erster russischer Schriftsteller 1933 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, gilt in seiner Heimat zu Recht als »letzter Klassiker«, der das Werk von Tolstoi und Tschechow fortgesetzt und vollendet hat. Auch in Deutschland fanden seine Meisterwerke »Der Herr aus San Franzisko«, »Das Dorf« und »Mitjas Liebe« sehr früh ihre Bewunderer. Thomas Mann, der ...

Seite 13

Leseprobe

»Eine Revolution ist nur etwas wert, wenn sie sich zu verteidigen weiß.« Mit diesem Spruch wurde unmittelbar nach der Oktoberrevolution die für die Erhaltung des sozialistischen Staates ausgeübte staatliche Gewalt nach innen und außen begründet. Die selbstdefinierte historische Legitimation als einzig möglicher Ausweg aus dem Dilemma des Kapitalismus gab dazu eine zusätzliche Rechtfertigung sozusa...

Günter Rosenfeld

Sklavenarbeit für Stalin

Als Alexander Solshenizyn, in den Jahren 1945 bis 1953 selbst Lagerhäftling, im Westen seine in der UdSSR auf dem Index stehende dreibändige literarisch-dokumentarische Darstellung »Der Archipel GULag« (1973-1975) veröffentlichte, wurde die internationale Öffentlichkeit ausführlicher mit den sowjetischen Straflagern und ihren unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen bekannt. Informationen dar...

ndPlusJörn Schütrumpf

Mehr als ein Verbrechen

Ein (im doppelten Sinne) alter Freund – durch Familienbande mit der deutschen Arbeiterbewegung seit deren Frühzeit eng verbunden – meinte, ich sollte in dieser Besprechung nicht zuletzt die vielen ehrlichen Emissäre der Kommunistischen Internationale hervorheben, die von ihrem Exekutivkomitee verheizt und verraten wurden; pars pro toto nannte er Charlotte Bischof, der Peter Weiss in de...

Seite 14

HRE braucht noch mehr Staatshilfen

Im Kampf um sein Überleben braucht der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate schon wieder Geld. Zusätzlich zu den bisherigen Milliardenhilfen gewährte der staatliche Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) dem Konzern am Mittwoch nochmals Garantien in Höhe von 10 Milliarden Euro.

ndPlusBirgit Reichert, Luxemburg

Raue Zeiten für Stahlbarone

Es sind raue Zeiten für Stahlbaron Lakshmi Mittal. Der Multimilliardär, aufgewachsen in einem westindischen Dorf ohne Telefon und elektrisches Licht, ist Schwierigkeiten zwar gewöhnt. Doch jetzt steht der 58-Jährige vor der größten Herausforderung, seit er 2006 den Stahlriesen ArcelorMittal geschmiedet hat. Mit der Flaute in der Auto- und Bauindustrie ist dem weltgrößten Stahlhersteller die Nachfr...

ndPlusSusanne Götze

Damoklesschwert über Biospritbranche

Die EU hat Anfang der Woche die Novelle des deutschen Biokraftstoffgesetzes gestoppt. Die angeschlagene Branche freut sich über den Aufschub, denn mit den neuen Regelungen würden ihre Quoten deutlich gesenkt. Bei einer Anhörung im Bundestag am Mittwoch sprachen sich jedoch Umweltverbände und die Mineralölwirtschaft gegen Biokraftstoffe aus.

Max Böhnel, New York

Viel Geld, wenig Wirkung?

Mit bis zu drei Billionen Dollar will die Washingtoner Elite die Finanzkrise bezwingen und Arbeitsplätze schaffen. Aber können Unsummen den Karren aus dem Dreck ziehen?

Seite 15
ndPlusJürgen Holz

Viel Härte, viele Rekorde

Das Nachholspiel in der Deutschen Eishockey-Liga zwischen Titelverteidiger Eisbären Berlin und Iserlohn vor 13 000 Zuschauern in der O2 World dürfte als ein in mehrfacher Hinsicht denkwürdiges Spiel in die DEL-Geschichte eingehen.Hinter dem 9:5-Sieg der Berliner verbirgt sich ein DEL-Rekord: Vier Tore fielen innerhalb von nur 58 Sekunden! Damit verbesserten beide Teams die bisherige Rekordmarke um...

Magdeburg verpasst Überraschung

Die eindrucksvolle Heimserie des Handball-Bundesligisten SC Magdeburg ist gerissen. Im Spitzenspiel hatten die »Gladiators« den deutschen Rekordmeister THW Kiel nach einer kämpferischen Leistung am Rande der ersten Saisonniederlage, mussten sich dann aber knapp mit 32:34 (16:17) geschlagen geben. Damit verlor der SC Magdeburg erstmals seit dem 1. März 2008 (29:30 gegen Nordhorn) wieder in der heim...

ndPlusJürgen Holz

Dopingaffäre überschattet Titelkämpfe

Die bevorstehende große Show der 51. Biathlon-Weltmeisterschaften ab Sonnabend im südkoreanischen Pyeongchang wird gegenwärtig überschattet von Dopingvorwürfen fast ohne Ende. Der Biathlon-Weltverband IBU räumte bisher »mehrere positive A-Proben« ein. Dem Vernehmen nach soll die Öffnung der B-Probe am heutigen Donnerstag erfolgen. Gerüchte besagen, dass es sich bei der in der A-Probe nachgewiesene...

Seite 17

Eine gute Sache

Ein guter Wettbewerb – auf den ersten Blick. Die drei Gewinnerprojekte des diesjährigen »MittendrIn Berlin! Die Zentren-Initiative« können sich über die 35 000 Euro Preisgeld freuen und ihre Ideen verwirklichen – wenn es gut läuft auch auf Dauer. Sie sollen die Attraktivität ihrer Standorte erhöhen. Eine Gewinnerinitiative will an der Schillerpromenade den traditionsreichen Wochenmarkt...

ndPlusMartin Kröger

Porno-Mobbing in der NPD

Auf nationalen Biedermeier hat man im Landesverband der NPD nie gesetzt. Statt des pseudobürgerlichen Anstrichs, wie ihn sich die rechte Partei in manchen Gegenden verpasst hat, setzten die Rechtsextremen in der Hauptstadt immer auf die neonazistische Schiene. Dies war unter dem ehemaligen Landesvorsitzenden und Kroatien-Söldner Eckart Bräuniger genauso wie unter dem rechtsextremen Liedermacher Jö...

Seite 18

Ganz vorn bei Schulreform

(ND). Die Robert-Havemann-Oberschule in Karow wird ab dem Schuljahr 2010/11 nur noch gymnasiale 7. Klassen aufnehmen. Das teilte das Bezirksamt mit. Zum kommenden Schuljahr 2009/10 ist es möglich, sich neben der Anmeldung für die Gesamtschule auch speziell für die Schulart Gymnasium anzumelden. Ab Sommer 2010 sollen dann entsprechende gymnasiale Klassen eingerichtet werden. »Damit ist ein Schritt ...

Kita auf Rädern und Schillernder Markt
ndPlusSarah Liebigt

Kita auf Rädern und Schillernder Markt

Die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs »MittendrIn Berlin! Die Zentreninitiative« stehen fest. Auf der gestrigen Pressekonferenz überreichten die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die IHK Berlin den drei Projekten aus Friedrichshain, Charlottenburg und Neukölln die Urkunden.Mit dem Preisgeld in Höhe von jeweils 35 000 Euro können die Projekte ihre Ideen und Pläne umsetzen. Die Preisträg...

Der Fall 165 endete tödlich

Der Fall 165 endete tödlich

180 strafbare Handlungen listet die Staatsanwaltschaft gegen den Ex-Gastwirt Aytac G. (28) auf. Der Fall 165 war der alles entscheidende, der die Lawine ins Rollen brachte. Er führte zum Tod des 16-jährigen Schülers Lucas. Körperverletzung mit Todesfolge – so umschreibt die Anklage seit gestern ein Geschehen am 27. Februar 2007. Da tauchte nach mitternächtlicher Stunde der Gymnasiast Lucas i...

Seite 23
Lucía Tirado

17 auf einen Streich

Nicht mehr lange hin, dann kann man sagen: Es war einmal im vergangenen Winter, da sorgten fröhliche Schauspieler in zwei alten Hütten auf einem Bunkerdach dafür, dass das Lachen auch in der kalten Jahreszeit im Monbijoupark bleiben durfte. Sie spielten mehr und mehr Grimmsche Märchen für Kinder und Erwachsene. Am Ende waren es 17 Stücke auf einen Streich, die allein von Ende November bis Anfang F...

Der kleine Unterschied
ndPlusTobias Riegel

Der kleine Unterschied

»Ich finde, dass ein Schiff ein sehr komfortables Heim ist«, schrieb 1831 der damals 22-jährige britische Evolutionsforscher Charles Darwin. Da befand er sich mit dem Dreimaster HMS Beagle auf Weltumsegelung, die ihn fünf Jahre lang zu entlegensten Orten der Erde führen sollte. Doch kein Licht ohne Schatten: Der studierte Theologe aus bürgerlichem Hause, der vom Botaniker John Henslow an die Natur...

Seite 24
Wilfried Neiße

Palette zum Schicksalsjahr 1989

20 Jahre ist die politische Wende in der DDR jetzt her, und eine Unmenge von Veranstaltungen wartet aus diesem Grund auf die Brandenburger. Im Unterschied zum üblichen offiziellen Angebot bei diesem Thema bietet das gestern präsentierte Programm immerhin Anlass zu der Vermutung, dass es diesmal nicht allzu einseitig wird.Was die Landeszentrale für politische Bildung, der Museumsverband, die Reihe ...

Thälmann-Denkmal abgerissen
ndPlusAndreas Fritsche

Thälmann-Denkmal abgerissen

Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann zählt zu den bekanntesten Opfern des Faschismus. In der DDR trugen Straßen, Schulen und Betriebe seinen Namen. Vieles davon ist in den frühen 1990er Jahren getilgt worden. Auch die Ernst-Thälmann-Straße in Herzberg (Elbe-Elster) heißt nicht mehr so, sondern Schliebener Straße. Doch ein 1984 eingeweihtes Denkmal erinnerte dort noch an den Mann, der früh vor der br...