Ausgabe vom 12.05.2009

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Unten links

Eine Meldung aus der Zeitung von gestern muss hier wegen ihrer außergewöhnlichen Brisanz wiederholt werden: Die Bundeskanzlerin hat bekräftigt, dass die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei. Dennoch, so Frau Merkel, seien Dinge wie der Ehevertrag legal gewesen. Deshalb habe auch nicht jeder neu heiraten müssen, als die Wiedervereinigung stattfand. Potzblitz! Warum eigentlich nicht? Haben die Verhandl...

Bundeswehr erschoss Afghanen

Berlin/Kabul (Agenturen/ND). Die Bundeswehr hat bei den Gefechten der vorigen Woche in Afghanistan mehrere Aufständische erschossen. Wie das Verteidigungsministerium in Berlin erst am Montag mitteilte, wurden bei dem stundenlangen Feuergefecht am vergangenen Donnerstag mindestens zwei Einheimische durch deutsche Soldaten getötet. Dies habe sich aufgrund der zunächst »unübersichtlichen Lage« erst s...

ndPlusJürgen Reents

Profilsuche

Die LINKE hat sich mit ihrem Programmentwurf zur Bundestagswahl als eine Partei vorgestellt, die nicht um Regierungsbeteiligung kämpfen, sondern oppositionellen Druck für die Beachtung vorrangig sozialer Forderungen in der aktuellen Krise machen will. Sie konnte es daher wagen, ihr politisches Angebot nicht allzu klein zu schneidern. Daran ändert auch der gern betonte Hinweis nichts, dass es hier ...

Ein »Lernort« über die Nazi-Herrschaft
ndPlusBernd Kammer

Ein »Lernort« über die Nazi-Herrschaft

Für das NS-Dokumentationszentrum »Topographie des Terrors« in Berlin ist gestern Richtfest gefeiert worden. Am 8. Mai 2010, 65 Jahre nach Ende des Nazi-Regimes, soll am »Ort der Täter« die neue Ausstellung über die Schrecken der Terrorherrschaft eröffnet werden.

Wahlprogramm mit Background
Gabriele Oertel

Wahlprogramm mit Background

»Konsequent sozial« und »für Demokratie und Frieden« will die LINKE in den Bundestagswahlkampf ziehen. Bei der Vorstellung ihres Programmentwurfs am Montag in Berlin verwiesen Oskar Lafontaine und Gregor Gysi auf den breiten Konsens, mit dem das Papier am Wochenende im Parteivorstand bei nur drei Stimmenthaltungen nach wochenlanger kontroverser Debatte gebilligt worden war.

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Aufgemuckt – Leistungen gekürzt

Die Situation Erwerbsloser in der Berliner Beschäftigungsindustrie weist skurrile Züge auf. Betroffene berichten regelmäßig von sinnlosen Beschäftigungstherapien wie simplen Aufräumarbeiten oder Herstellung unnützer Konstruktionen. Nicht selten werden sie überhaupt nicht beschäftigt. Andreas K., der im Bezirk Kreuzberg ein halbes Jahr in einer ABM war, berichtet, dass er »sich selbst Sachen mitbri...

Die »Nuckelflasche« der Elite gibt es nicht mehr

ND: Was konnte in den letzten drei Jahren im Kampf gegen die Korruption erreicht werden? Iturry: Präsident Evo Morales meint es auf jeden Fall ernst. Schließlich gibt es in keinem Land der Welt ein eigenständiges Ministerium für Korruptionsbekämpfung und Transparenz. Erstmalig nennt unsere Verfassung zur »Neugründung Boliviens«, die Anfang des Jahres durch ein Referendum angenommen wurde, explizit...

Holger Marcks

Das lukrative Geschäft mit den Erwerbslosen

Der Berliner Arbeitsmarkt ist eng. Durch die aktuelle Krise wird sich die Situation noch verschlechtern. Viele Menschen in der Hauptstadt sind auf staatliche Hilfen angewiesen. Die Jobcenter pumpen Riesensummen in Beschäftigungsmaßnahmen, mit denen Betroffenen Druck gemacht wird, neue Arbeit zu finden. Um das System Hartz IV herum aber ist eine regelrechte Industrie entstanden, die an der Arbeitslosigkeit noch verdient.

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ndPlusJürgen Holz

IOC steckt im Reformstau

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bereitet sich auf eine heiße Phase vor. Am 2. Oktober wird auf der IOC-Vollversammlung in Kopenhagen entschieden, wer von den vier Kandidatenstädten Madrid, Chicago, Rio de Janeiro und Tokio Olympia-Gastgeber der Sommerspiele 2016 wird.

Die Hühner gegen den Fuchs
Hans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

Die Hühner gegen den Fuchs

Was sich im hessischen Werk des US-Konzerns Federal Mogul derzeit abspielt, könnte im Zuge der Krise in der Autozulieferindustrie Schule machen.

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Große Koalition im Steuersenkungsstreit

Im Streit um Steuersenkungen hat die SPD der Union einen unklaren Kurs vorgeworfen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf attackiert. Dagegen stellte sich die CDU-Spitze trotz der internen Meinungsverschiedenheiten hinter den Steuersenkungskurs ihrer Parteichefin.

Hendrik Lasch, Dresden

Prüfer lieferten ein Resümee ganz im Sinne der Opposition

Sachsens Rechnungshof kritisiert erneut die Ausrichtung der Landesbank. Die Schelte findet in einem Untersuchungsgremium im Landtag so viel Zustimmung, dass ein eigenes Resümee dort fast überflüssig erscheint.

ndPlusRudolf Stumberger

Die Konstruktion der Zukunft

Sogar die Zukunft war früher besser, soll der Münchner Komiker Karl Valentin moniert haben. Wie heute die Zukunft aussehen soll, damit beschäftigen sich derzeit wieder diverse »Zukunftskommissionen«.

Seite 5

Jusos wollen linke Mehrheit im Bundestag

Berlin (dpa/ND). Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel fordert von der SPD mehr Offenheit für eine rot-rot-grüne Koalition im Bund. »Wir wünschen uns eine Große Koalition auf keinen Fall. Wir wollen eine linke Mehrheit im Bundestag – und eine linke Regierung», sagte Drohsel der Zeitung »Die Welt«. Die Chefin der SPD-Jugendorganisation wehrte sich gegen die definitive Absage ihrer Partei an ...

Velten Schäfer, Schwerin

Der kleine König macht sich selbstständig

Kurz vor der Kommunalwahl in Mecklenburg-Vorpommern verliert die CDU ihren erfolgreichsten Kommunalpolitiker. Der Bürgermeister des Boomstädtchens Stavenhagen im Kreis Demmin gibt sein Parteibuch ab.

René Heilig

GSG 9 als »Grundgesetz-Versager«

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will mal wieder das Grundgesetz ändern. Das ist nicht neu. Neu ist, dass er eine gescheiterte Anti-Piraten-Aktion seiner GSG-9-Elitetruppe zum Anlass nimmt.

ndPlusVolker Stahl, Hamburg

Innensenator gegen NPD-Verbot

Obwohl Rechts- und Linksextremisten im vergangenen Jahr mit spektakulären Aktionen rund um den 1. Mai für mehr Aufsehen in der Hansestadt gesorgt hatten, bleibt die Beobachtung und Bekämpfung des Islamismus und des islamischen Terrorismus die »zentrale Aufgabe«, so Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU).

Seite 6

Massenflucht im Nordwesten Pakistans

Islamabad (AFP/ND). Aus den umkämpften Gebieten im Nordwesten Pakistans sind in den vergangenen Tagen mehr als 360 000 Zivilisten geflohen. Die Menschen hätten die Regionen Swat, Buner und Lower Dir seit dem 2. Mai verlassen, sagte eine Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Montag. Die pakistanische Armee setzte ihren Einsatz gegen islamistische Aufständische mit Boden- und Luftangriffen f...

EU-Religionstreffen zu Krisenproblemen

Trotz eines jüdischen Teilboykotts haben Vertreter der großen Religionsgemeinschaften in der Europäischen Union bei einem Treffen ihre Gemeinsamkeiten angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise betont.

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Andreas Knudsen, Kopenhagen

Dänemarks linke Flanke ist rot-grün

Zwanzig Jahre sind vergangen, seit sich in Dänemark Vertreter dreier Linksparteien unterschiedlichen Zuschnitts zusammensetzten, um über ihre Zukunft zu beraten. Ergebnis der Beratung war die Bildung der Rot-Grünen Einheitsliste (EL).

ndPlusGábor Kerényi, Budapest

Damit die Gewalt in der Familie bleibt

Ein Gesetz, das sich gegen Gewalt in der Familie richtete, indem es die Möglichkeit bot, die gewalttätige Person aus der gemeinsamen Wohnung fernzuhalten, wurde in der vergangenen Woche von Ungarns höchstem Gericht für verfassungswidrig erklärt.

Albert Sterr

Calderon setzt auf die »harte Hand«

Mexikos Behörden haben die Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung der Schweinegrippe zurückgestuft. Die Alarmstufe wurde von »Orange« auf »Gelb« gesenkt. Doch die Epidemie ist längst nicht das einzige Problem des Landes. Zwei Monate vor Parlaments- und Regionalwahlen steht Mexikos konservativ-neoliberale Regierung unter Präsident Felipe Calderón unter gehörigem Druck.

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Uwe Sattler

Wahltaktische Grenzen

Es war Jacques Delors, der von der EU als einem Flugobjekt mit unbekanntem Ziel sprach. Aber nicht die politische und ökonomische Destination war gemeint, die steht seit Jahrzehnten fest. Der langjährige Präsident der Brüsseler Kommission drückte sich damit um die Aussage, wo die Gemeinschaft endet und wie mit Beitrittswünschen weiterer Staaten umzugehen ist. Der Lissaboner Vertrag, den die EU-Reg...

ndPlusUwe Kalbe

Schrei des Hähers

Zu schön! Endlich hat mal wieder jemand ein Machtwort gesprochen. Ohne wäre der Steuerstreit der Koalition ja auch kaum noch erträglich gewesen. Nun aber ist es gesprochen, und die Parole lautet in der CDU: Steuersenkung in der nächsten Wahlperiode. Mit dem Zwischenruf der Kanzlerin ist etwas geschehen, dem wie dem Schrei des Eichelhähers allenfalls für eine kurze Weile das Schweigen im Walde folg...

Kurt Stenger

In treuen Händen

Die Idee eines Treuhänders für Opel ist wohl eher als Beruhigungspille gedacht. Da Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) selbst keine rechte Idee hat, was mit dem Autohersteller geschehen soll, darf das Thema wenigstens im Wahlkampf keine Rolle mehr spielen. Da ihm die US-Mutter General Motors offenbar nicht den Gefallen tut, eine Lösung für Opel aus dem Hut zu zaubern, und wo...

Standhaft / Der Kölner Bezirksbürgermeister erhält Drohanrufe von Rechtsradikalen.

Der Rentner Josef Wirges aus Köln-Zollstock erhielt regelmäßig Drohanrufe von Rechtsextremisten. Lange Zeit rätselte der 78-Jährige, wieso ausgerechnet er zum Hassobjekt der Rechten avancieren konnte. Durch besonderes Engagement gegen rechte Umtriebe hatte sich Wirges jedenfalls nicht hervorgetan. Doch nach einiger Zeit löste sich das Rätsel um die anonymen Anrufe. Eigentlicher Adressat der Schimp...

Reden am Bedarf vorbei
ndPlusBrigitte Zimmermann

Reden am Bedarf vorbei

Angeblich regelt sich in unserem Leben alles im Zuge des unantastbaren Prinzips von Angebot und Nachfrage. Was unwahr ist. Wenn es um materielle Güter geht, übersteigt das Angebot die Nachfrage ungewollt bei Weitem. Denn immer mehr Menschen können ihren Bedarf nicht mit den nötigen finanziellen Mitteln »untersetzen«, wie die neuere polit-bürokratische Sprache solche Notstände verschleiernd umschre...

Seite 9
Hans-Dieter Schütt

Leben schillert

Waffenlos sei der Held, so träumt Bildhauer Werner Stötzer. Brecht stellte dem Land, das Helden besitze, jene Staatsform gegenüber, die keine Helden nötig habe. Meist erbringt Heldennot nur Nothelden, und also wird die Not nicht geringer. Fast jeder Politiker betätigt sich als Wortheld und ist doch erst dann ein Held, wenn er Wort hält – so hoch veranschlagen wir schon, was doch alltäglich u...

Was vom Sockel reißt
ndPlusMarion Pietrzok

Was vom Sockel reißt

Ein Pranger sei die Ausstellung, schimpfen manche. Nein, ist sie nicht. Ungewöhnlich schon. Auch in dem, was ihr vorausging, und die meisten Kommentare im Besucherbuch sind empört bis sarkastisch: »Selten so gelacht.« »Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wiederhaben.« »Das Schloss ist genug.« »Es stellt sich die Frage, in welcher Kontinuitätslinie die Bundesrepublik steht.« Corpora delicti sind...

Seite 10
Geformte Menschen
Volkmar Draeger

Geformte Menschen

Wer in Paris das Musée Auguste Rodin besucht, sieht dort neben den Arbeiten des Altmeisters auch kleinere Plastiken von Camille Claudel, deren Qualität besticht. Am Theater Nordhausen hat Jutta Wörne der so talentvollen wie glücklosen Künstlerin ein bewegendes choreografisches Denkmal gesetzt. Schon früh entdeckt die 1864 geborene Camille ihre Liebe zur Skulptur, darf in Paris Unterricht nehmen, g...

Hans-Dieter Schütt

Wo Luther lebte ...

Mir war beklommen. Er sprach mit offenem, ja einladendem Blick Klartext: »Jeder Mauerschütze war Opfer und Täter, aber wenn er verurteilt, der Haupttäter jedoch nach Chile entlassen wird, dann kann nur Verwirrung entstehen und ohnmächtiger Zorn.« Oder: »Ein System, das sich anmaßt, den Menschen ändern zu wollen, führt zu Zwangspädagogik und Indoktrination. Das bringt den funktionierenden, nicht de...

ndPlusEberhard Reimann

Akelei und Päonien

Charaktere zeigen sich im Garten unverstellt: der Hochmütige, der seinen Garten für den schönsten hält; der Genießer, der sich an Farben, Düften berauscht; der Pedant, der alles kurz hält und mit der Nagelschere dem natürlichen Wuchs zu Leibe rückt; der Misanthrop, der seine Verachtung vor Wuchs und Werden hinter exakt geschnittenen Hecken und hohen Mauern verbirgt; der Pessimist, der dem Vorbeige...

Wie eine Libelle
ndPlusGunnar Decker

Wie eine Libelle

Ohne Musik wäre Leben ein Irrtum? Nietzsche, der lieber Komponist als Philosoph geworden wäre, wusste es allerdings: Auch mit Musik hört der Irrtum nicht auf. Aber wenn ein Leben seine Grundmelodie fand, wenn Rhythmus, Takt, Tempi stimmen – dann ist jeder Irrtum Teil jener Dissonanz, die eine Harmonie erst übers bloße Schönspielen hinaushebt. Wer solch einen echten Ton fand, dessen Leben war...

Seite 11

Afrika fällt zurück

Paris (epd/ND). Die Weltwirtschaftskrise wirft Afrika bei der Armutsbekämpfung zurück. In diesem Jahr können die afrikanischen Länder nur ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 2,8 Prozent erwarten – etwa halb so viel wie 2008, wie aus einer am Montag in Paris vorgelegten Prognose hervorgeht. Die Wirtschaft wächst nur noch wenig schneller als die Bevölkerung (2,3 Prozent).»Viele Mensch...

Auch das Klima setzt den Ozeanen schwer zu

Manado (dpa/ND). Mit Schreckensszenarien über die Folgen des Klimawandels für die Weltmeere hat am Montag die 1. Welt-Ozean-Konferenz begonnen. Klimaforscher und Politiker riefen die Weltgemeinschaft dringend zum Handeln auf. Der Zustand der Meere und ihre Rolle im Klimawandel müssten bei den bevorstehenden Verhandlungen über einen neuen Weltklimavertrag einen zentralen Stellenwert haben, erklärte...

Ina Beyer

IG BAU ruft Schlichter an

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat die Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 700 000 Beschäftigten im Baugewerbe gestern in Berlin für gescheitert erklärt. Nun will die Gewerkschaft die Schlichtung anrufen. Unterdessen laufen auch Vorbereitungen für einen möglichen Streik.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Der klamme Oligarch

Oleg Deripaska gilt als Interessent für eine Opel-Beteiligung. Doch der russische Oligarch steht derzeit selbst finanziell auf schwachen Beinen. Gerüchte über ihren geplanten Einstieg bei Opel wollten potenzielle Investoren in Russland lange weder bestätigen noch dementieren.

Seite 12
ndPlusFabian Lambeck

Smithfield Foods unter Verdacht

Überdimensionierte Schweinemastanlagen gelten als Brutreaktoren für Krankheiten aller Art. Auch die derzeit zirkulierende Schweinegrippe scheint ihren Ursprung in einem solchen Stall zu haben. Im Verdacht stehen die Mastanlagen des Smithfield-Konzerns im mexikanischen La Gloria. Rund um das kleine Dorf, in dem die Schweinegrippe wohl ihren Ausgang nahm, finden sich zahlreiche Schweinefarmen, die es mit den Umweltauflagen nicht so genau nehmen.

Jörn Bender

Die Dresdner Bank – ein Nachruf

Am Montag wurde die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank endgültig besiegelt. Damit endet auch die bewegte Geschichte des Geldhauses.

Geschätztes Minus
ndPlusDieter Janke

Geschätztes Minus

In Folge der Wirtschaftskrise werden alle bisher gültigen Prognosen für die öffentlichen Haushalte obsolet. Laut einer internen Schätzung des Bundesfinanzministeriums drohen allein in diesem Jahr Steuerausfälle von 48 Milliarden Euro.

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Nord-Süd - Tipps

MIGRATION: Festung oder Raum der Freiheit? EU-Grenzpolitik im Mittelmeerraum. 19. Mai, 16 Uhr - 20. Mai, 17.30 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, Schumannstr. 8; u. a. mit Peter Altmaier (Staatssekretär im Bundesministerium des Innern), Prof. Mehdi Lahlou (Nationales Institut für Statistik und Angewandte Ökonomie Rabat) und Prof. Loren Landau (University of the Witwatersrand, Südafrika) www.migr...

Der Minister und die Sachlichkeit

Berlin (AFP/ND). Nach scharfen Reaktionen auf die neue Verbalattacke gegen Steueroasen bemüht sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück endlich um eine Rückkehr zur Sachlichkeit. Ein Ministeriumssprecher sagte am Wochenende, Steinbrück habe zugespitzt auf die Probleme hingewiesen und nicht bestimmte Länder vergleichen wollen.Der Botschafter von Burkina Faso in Deutschland, Xavier Niodogo, hatte si...

Fließt Blut für Öl in Peru?
ndPlusHarald Neuber

Fließt Blut für Öl in Peru?

Perus neoliberale Regierung will die Förderung von Erdgas und -öl um jeden Preis aufrechterhalten. Dafür nimmt Präsident Alan Garcia Perez in Kauf, dass Blut fließt. Am Sonnabend verhängte die Staatsführung den Ausnahmezustand im Nordosten des Andenstaates. Lima reagierte damit auf Proteste indigener Einwohner gegen die Ausbeutung der Erdöl- und Gasressourcen in ihren angestammten Gebieten. Ende v...

ndPlusStephen Leahy

Die Böden der anderen

In reichen Staaten und Schwellenländern wächst der Hunger nach dem Ackerland armer Regionen. Die haben praktisch kaum Möglichkeiten, dies zu verhindern.

Cam McGrath

Der Fluch der verseuchten Spritzen

Eine umfassende Präventionskampagne, mit der Ägyptens Regierung in den 60er und 70er Jahren mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die in ländlichen Regionen weit verbreitete Wurmkrankheit Bilharziose auszurotten hoffte, wurde Jahrzehnte später Millionen Ägyptern zum Verhängnis. Sie leiden an Hepatitis C.

»Ich habe kein Zuhause. Meine Mutter und mein Vater sind tot.«

»Ich habe kein Zuhause. Meine Mutter und mein Vater sind tot.«

ND: Wie bist du von Marokko über die Grenze nach Ceuta gekommen? Carr: Ich bin geschwommen. Ganz einfach so? Nein, das war von der Mafia organisiert. Ich bekam eine Schwimmweste, um den Bauch eine Leine und wurde so von einem Jungen durchs Wasser gezogen. Wie lange warst du im Wasser? Ich weiß nicht mehr genau. Ich war so aufgeregt, aber es müssen zwei Stunden gewesen sein. Wie viel hast du dafür ...

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Klavierspiel besser als Gymnastik

Die Hand der Psychologin und Musikpädagogin Sabine Schneider führt die Hand des Schlaganfallpatienten Gerhard Beyer im Gesundheitszentrum in Hannover an einem Keyboard. Das neue »Musikunterstützte Training« für Schlaganfallpatienten ist als Gemeinschaftsprojekt der Hochschule für Musik und Theater Hannover und der Uni Magdeburg entwickelt worden. Nun soll es in Reha-Einrichtungen in ganz Deutschla...

ndPlusEric Breitinger

Die Rezension - Hans und Hilda

Unter Demenz leiden die Angehörigen des Betroffenen mitunter stärker als die Erkrankten. Dies zeigen zum Beispiel die Erlebnisse der Lehrerin Hilda, die jahrelang ihren dementen Mann pflegte. Ihre Erfahrungen hat die FAZ-Journalistin Katrin Hummel zu einem eindringlichen Buch verarbeitet. Irgendwann bemerkt Hilda an ihrem Mann Hans erste Gedächtnisaussetzer. Sie bringt ihn zum Neurologen. Der frag...

Nachrichten

Abgase können Herzinfarkt auslösen Eine Befragung von Infarktpatienten zeigt, dass auffällig viele von ihnen kurz vor dem Ereignis am Straßenverkehr teilnahmen – im Auto, im Bus oder auf dem Fahrrad. Die damit verbundene Belastung erhöhte in der Folgestunde die Gefährdung um mehr als das Dreifache, wie die Forscher des Münchner Helmholtz-Zentrums auf einer Fachtagung in Palm Harbor im US-Sta...

ndPlusUlrike Henning

Künstliche Ernährung – Für und Wider

Die künstliche medizinische Ernährung steht auf dem Prüfstand: Das könnte für pflegebedürftige Menschen in Heimen heißen, dass sie keine Flüssignahrung mehr verschrieben bekommen und dafür demnächst selbst zahlen müssten. Sind sie dazu nicht in der Lage, könnte sich ihr Gesundheitszustand dadurch verschlechtern.

Anke Nussbücker

Für Mensch und Kaninchen

Der zu den Wildgemüsen zählende, mit kleinen Härchen bedeckte Wiesenbärenklau ist in den Frühjahrs- und Sommermonaten eine preiswerte und schmackhafte Alternative zu Kulturgemüse aus Bio-Anbau.

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Thüringer HC hofft auf ein Wunder

Für die Handballerinnen des Thüringer HC ist der erste internationale Titelgewinn noch in Reichweite. Das Team von Trainer Dago Leukefeld, das nach einer kuriosen Saison und vier Jahren Zugehörigkeit wieder aus der 1. Bundesliga absteigen muss, verlor das FinalHinspiel im Challenge Cup bei Handball Cercle Nimes (Frankreich) mit 22:26 (14:15) und muss nun für das Rückspiel am Sonnabend in Erfurt (1...

Nach dem 25. WM-Titel die Kampfansage für Olympia

Es war kurz nach Mitternacht, als Wjatscheslaw Bykow den Beginn einer neuen Ära ausrief. »Wir haben eine junge Mannschaft, wir haben noch mehr junge Spieler. Davon wird unser Eishockey profitieren«, sagte der Trainer des alten und neuen Weltmeisters Russland.Der 2:1 (1:1, 1:0, 0:0)-Triumph im Traumfinale von Bern gegen den Erzrivalen Kanada könne der Anfang einer neuen russischen Eishockey-Dynasti...

ndPlusChristian Heinig

Bayern entdeckt den Tatendrang

Hermann Gerland ist ein Mann der Tat. Einsatz zeigen, kämpfen für das Kollektiv – Gerland, 54, macht es vor. Im ersten Spiel als Aushilfs-Assistenztrainer beim FC Bayern München gegen Mönchengladbach rannte er unter dem Jubel der Fans um das halbe Spielfeld, um Philipp Lahm, der scheinbar zu verdursten drohte, eine Trinkflasche zu bringen. Zuletzt im Stadion der Freundschaft bewies er ähnlic...

Seite 16
»In die Maultasche gehört kein Fisch«

»In die Maultasche gehört kein Fisch«

CARSTEN MARTIN (41) aus Weinstadt bei Stuttgart und seine Freunde vom Verein »Die Maultasche e. V.« sorgen sich um das Original des schwäbischen Beitrags zur globalen Esskultur. Mit dem Chef eines Leipziger Softwareunternehmens sprach ND-Autor RENÉ GRALLA.

Seite 17

Krise dämpft Touristenstrom

(dpa). Wegen der weltweiten Wirtschaftskrise sind im März weniger ausländische Touristen nach Berlin gekommen. Die Zahl der Gäste aus dem Ausland nahm im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,1 Prozent auf 211 510 ab. Diese buchten auch 7,1 Prozent weniger Übernachtungen, wie die Berliner Tourismus-Gesellschaft (BTM) Montag mitteilte. Vor allem aus Ländern, die besonders stark von der Krise betroffen ...

ndPlusMartin Krögerkann von Jamaika nichts entdecken

Sang- und klanglos

Wo ist denn Jamaika geblieben? Ausgerechnet mitten in der rot-roten Wackelpartie, wo es bei den Sozialdemokraten gärt und es auch bei der LINKEN turbulent zugeht, weil ein Abgeordneter meint, parteibetreffende Debatten im »Spiegel« führen zu müssen, ist von der einst so offensiv auftretenden Oppositionsallianz in der Hauptstadt nichts zu hören. Nicht nur, dass die schwarz-gelb-grüne Machtoption im...

Sturmfreie Bude räumen
ndPlusLea Sandberg

Sturmfreie Bude räumen

In einem leer stehenden Einkaufszentrum in Lichtenberg tönt Stimmengewirr. Siebtklässler stehen auf der Bühne, suchen den Weg durchs Labyrinth, haben sturmfreie Bude. In den Landsberger Allee Einkaufspassagen ist noch bis zum 15. Mai das Projekt »komm auf Tour« zu finden. Das Projekt in Trägerschaft der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat zum Ziel, »Schüler der siebten und achten Kla...

Körting blasser als normalerweise
Martin Kröger

Körting blasser als normalerweise

Der erste 1. Mai in der Wirtschaftskrise wurde in Berlin durch eine Vielzahl politischer Veranstaltungen geprägt. Und obwohl die überwiegende Zahl der Demonstrationen wie der Mayday-Parade etwa oder der politischen Feste mit zehntausenden Teilnehmern friedlich verliefen, bestimmten gestern im Abgeordnetenhaus fast nur die gewalttätigen Auseinandersetzungen rund um die »Revolutionäre 1. Mai-Demonst...

Seite 18
Vom Hörsaal in die Klasse
ndPlusBarbara Staacke

Vom Hörsaal in die Klasse

Die Fontäne sprudelt. Sonnenstrahlen glitzern im Teich. Verschlungene Wege führen an Rondell, Teehäuschen und Lesegarten vorbei. Einer Oase gleicht der Biesdorfer Park. Das findet auch Michael Mentzel. Der angehende junge Lehrer hatte sich an diesem schönen Frühlingsmorgen spontan mit seinen Schülern auf den Weg gemacht. »Das Areal ist die reinste Fundgrube für den Biologieunterricht«, erklärt der...

Den verstellten Fluchtweg abarbeiten
Stefan Otto

Den verstellten Fluchtweg abarbeiten

Der Konflikt könnte auch in einer Kleingartenkolonie stattfinden, in der zwei Nachbarn sich über den Gartenzaun hinweg streiten. Da wird sich über Müll hinterm Haus aufgeregt oder ein Grünstreifen achtlos planiert. Nur die Dimensionen auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) in Friedrichshain sind größer.Als vor drei Jahren das Unternehmen R.E.D., hinter dem sich ein islän...

Seite 19
Lebenslinie

Lebenslinie

(ND). Mit einem Tribut an den südafrikanischen Trompeter, Komponisten und Sänger Hugh Masekela beginnt vom 14. bis 16. Mai die neue Reihe »Lebenslinien« im Haus der Kulturen der Welt. Sie stellt Musiker, Bildende Künstler, Literaten, Filmemacher oder Choreografen und ihr Lebenswerk vor. Hugh Masekela, kürzlich 70 geworden, zählt neben Fela Kuti und Miriam Makeba zu den prägenden afrikanischen Musi...

ndPlusNicolas Šustr

Glückliches Ende eines Pokerspiels

Eine unerwartete, wenn auch glückliche Wendung nahm das jahrelange Pokerspiel um die Rettung der Weddinger Ateliergemeinschaft von 14 Künstlern auf dem ehemaligen Rotaprint-Gelände. Die Schweizer Edith-Maryon-Stiftung war, wie bei dem benachbarten Ex-Rotaprint-Komplex, auch hier die Retterin in der Not. Sie kaufte dem Liegenschaftsfonds (LF) das Grundstück am vergangenen Mittwoch ab und wird mit d...

Regenbogen-Nation
Knut Henkel

Regenbogen-Nation

Freshlyground stehen für das neue gleichberechtigte Südafrika. Folglich spielte die siebenköpfige Truppe nicht nur bei Ex-Präsident Nelson Mandela auf, sondern repräsentiert das Land auch bei der 2010 anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft mit ihren mitreißenden Rhythmen. Die fusionieren lokale Genres mit Pop und Funk. Unabhängigkeit und Einigkeit sind zwei Worte auf die Zolani Mahala großen Wert l...

Seite 20
ndPlusAndreas Fritsche

Ziegenhals im Internet

Der Besucher sieht Tische und Stühle, eine Vase mit Blumen, die auf einer weißen Tischdecke steht, viele Porträtfotos an der Wand und eine bekannte Aufnahme des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, der den linken Arm in die Hüfte stützt und den rechten Arm auflegt. Der Besucher liest den Ausspruch: »Genossen! Wir als einzige sind die treibende Kraft des Kampfes gegen die faschistische Konterrevolution...

Annette Herold

Die Oderknirpse segeln nach Island

Polen liegt nur einen Steinwurf entfernt und plötzlich scheint auch Island ganz nah zu sein: Wenn der pensionierte Pädagoge Ralf Dießner als »Käptn Ralf« einmal pro Woche mit deutschen und polnischen Kindern in der Eurokita Frankfurt (Oder) auf eine Fantasie-Seefahrt geht, wird ein Zimmer im Obergeschoss des Kindergartens zum Segelschiff.Janek, Nele, Mara, Kacper und die anderen verwandeln sich fü...

ndPlusAndreas Fritsche

»Ich bitte Euch um Euer Vertrauen«

Dagmar Enkelmann wird am Sonnabend als Spitzenkandidatin der märkischen Linkspartei für die Bundestagswahl nominiert. Das steht im Grunde fest. Der Landesvorstand schlägt es den Delegierten eines Parteitags in Blossin so vor. Listenplatz zwei wird mit ziemlicher Sicherheit an den Landesvorsitzenden Thomas Nord gehen, Platz drei an seine Stellvertreterin, die Tierärztin und Bundestagsabgeordnete Ki...