Ausgabe vom 28.05.2009

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Unten links

Der König ist tot! Lang lebe der König! War das nicht ein tolles Bürgerfest am vergangenen Wochenende in Berlin?! Aus der ganzen Republik strömten sie herbei: 750 000 Untertanen, um sich untertänigst unterhalten zu lassen. Ein Volksfest wie zu Erichs Zeiten. Es fehlte nur die großbusige nackte Nixe aus dem Festumzug im 750. Jahr von Berlin. Dafür gab's die schwarze Alice aus dem Emma-Wunderland. U...

General Motors lässt Opel fahren

Rüsselsheim/Berlin (dpa/ND). Der angeschlagene US-Autokonzern General Motors (GM) hat mit der Abspaltung seiner europäischen Unternehmensteile einen entscheidenden Schritt zur Rettung von Opel getan. GM übertrug am Mittwoch die europäischen Werke, die Patente und den Zugriff auf Technologien auf die deutsche Tochter, wie Opel in Rüsselsheim mitteilte. Die Bundesregierung will nun eine Brückenfinan...

Kurt Stenger

Hühnerhaufen

Wer will noch mal, wer hat noch nicht? In der einst allmächtig erscheinenden Konzernwelt geht es zu wie auf dem Jahrmarkt. Nach den Banken, den Autogrößen Schaeffler, Opel und Porsche ruft auch der Handels- und Touristikkonzern Arcandor nach Staatshilfen. Hier hinterließ der einst an der Börse gefeierte Sanierer Thomas Middelhoff einen Scherbenhaufen. Sicher könnte es sich der plötzlich wieder hei...

Nordkorea droht mit Angriffen

Zwei Tage nach seinem Atomtest hat Nordkorea am Mittwoch die geplante Teilnahme Südkoreas an einer USA-geführten Initiative gegen Atomwaffenverbreitung als eine »Kriegserklärung« bezeichnet.

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Olaf Standke

Obama unter Druck

Sicher, die neue USA-Regierung schlage bei den Menschenrechten einen ganz anderen Weg ein als Präsident Bush, lobt Irene Khan, internationale Generalsekretärin von Amnesty International. Dass Barack Obama nach nur 48 Stunden im Amt entschieden habe, das Gefangenenlager Guantanamo innerhalb eines Jahres zu schließen, Folter abzulehnen und der geheimen CIA-Haft ein Ende zu setzen, sei ebenso anerken...

Silvia Ottow

Harakiri nicht in Sicht

Gestern wurde in Berlin der »Hauptstadtkongress 2009 Medizin und Gesundheit« eröffnet, auf dem sich vor allem Firmen präsentieren, die in der Gesundheitswirtschaft arbeiten. Doch der erste Tag stand im Zeichen der Politik. Wie wirken sich Gesundheitsfonds und Finanzkrise auf die Branche aus, wurde gefragt.

ndPlusNissrine Messaoudi

EU-Asylpolitik verletzt Menschenwürde

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International stellte ihren Jahresbericht vor. Armut, Gewalt, Repression – der Jahresreport 2009 von Amnesty International über die Lage der Menschenrechte warnte vor der Diskriminierung von Minderheiten und kritisiert die europäische Flüchtlingspolitik.

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ndPlusRichard Färber

Für den Notdienst »rekrutiert«

Während im Konflikt bei den Kindertagesstätten die Verhandlungen gestern in Berlin vorerst gescheitert sind, wird erste Kritik am Einsatz von Zivildienstleistenden und Praktikanten für Streikbrucharbeiten laut.

Eine Frau in der Welt der Männer
ndPlusIrina Lazarova

Eine Frau in der Welt der Männer

Vor 18 Jahren kam Nelly Kostadinova aus Bulgarien nach Deutschland – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Heute ist sie Inhaberin eines der größten Unternehmen für Übersetzungs- und Dolmetscherdienstleistungen deutschlandweit. Ihr persönlicher Weg führte sie von der bulgarischen Hauptstadt bis zur Medienmetropole Köln.

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Zustimmung zu MfS-Überprüfung

Ein Vorstoß von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) für eine Aufklärung der Aktivitäten des Ministeriums für Staaatssicherheit (MfS) der DDR im Bundestag stößt quer durch die Fraktionen auf Zustimmung.

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Wahlkampf per Haushaltssperre

Wie viele Länder muss auch Sachsen Steuerausfälle verkraften. Beim Sparen sehen sich indes die SPD-Ressorts benachteiligt – und sträuben sich. Die »Friedenspflicht« sieht der kleine Koalitionspartner ohnehin aufgekündigt.

»Löschen vor Sperren«
Ines Wallrodt

»Löschen vor Sperren«

Im Streit um Internet-Sperren zur Bekämpfung von Kinderpornografie will Familienministerin Ursula von der Leyen im Grundsatz bei ihren Plänen bleiben. Bei einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestages äußerten Experten am Mittwoch in Berlin erhebliche Bedenken zu dem von Union und SPD eingebrachten Gesetzentwurf.

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Koalition streitet über Kinderschutz

Berlin (dpa/ND). SPD und Union streiten über den Kinderschutz-Gesetzentwurf von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU). SPD-Fraktionsvize Christel Humme kündigte am Mittwoch an, der Gesetzentwurf werde »in dieser Legislaturperiode nicht weiter verfolgt«. Die Kritik der Fachwelt bei einer Bundestagsanhörung sei »eindeutig« gewesen. Dagegen sagte von der Leyens Sprecher Jens Flosdorff: »Wir g...

»Linke Politik ist kein Selbstzweck«

Mit einem dringenden Appell haben sich Mitglieder des Forums Demokratischer Sozialismus in der LINKEN an ihre Genossen gewandt. »Die LINKE muss mehr sein als Protestpartei oder SPD minus Schröder. Ringen wir darum IN unserer Partei!«, heißt es in dem Papier, das ND vorliegt.

Gabriele Oertel

Neuer »Herr der Löcher«

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Entwurf für den zweiten Nachtragshaushalt für 2009 beschlossen. Die Neuverschuldung steigt auf den neuen Rekordwert von 47,6 Milliarden Euro. Das sind 10,7 Milliarden Euro mehr als bisher vorgesehen. Und schon pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass dies noch längst nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Größte Sorge ist die Wahlbeteiligung
Frank Rafalski, dpa

Größte Sorge ist die Wahlbeteiligung

Einen Rekord hat die Europawahl am 7. Juni bereits aufgestellt. Der Wahlzettel, den die Wähler in die Urne stecken werden, ist der bisher längste bei Wahlen. Mit 31 Vorschlägen ist er 94 Zentimeter lang. Neben den Alt-Parteien kämpfen so kuriose Vereinigungen wie »Die Violetten – für spirituelle Politik« oder »Die Piratenpartei« um die 99 Abgeordneten-Sitze aus Deutschland in Straßburg.

Seite 6

Chávez will Verstaatlichung vorantreiben

Caracas (AFP/ND). Venezuelas Staatschef Hugo Chávez hat die Verstaatlichung weiterer Unternehmen angekündigt. Der venezolanische Staat werde »im Einklang mit den Möglichkeiten« weitere Konzerne übernehmen, sagte Chávez am Dienstag (Ortszeit) während eines Aufenthalts in Brasilien. Das nötige Geld dafür sei vorhanden. Zudem sei die Verstaatlichung von Unternehmen für das Land rentabel und stärke di...

Abbas erwartet Taten statt Worte

US-Präsident Barack Obama kommt an diesem Donnerstag in Washington erstmals seit seiner Amtsübernahme zu Gesprächen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammen.

Seite 7
ndPlusRalf Streck, San Sebastián

Verbot von »Egin« war illegal

Eineinhalb Jahre nach den Hafturteilen gegen baskische Separatisten aus dem Umfeld der ETA hat Spaniens Oberster Gerichtshof die Strafen drastisch verringert. Außerdem wurde das 1998 erlassene Verbot der Zeitschrift »Egin« für unwirksam erklärt.

Irina Wolkowa, Moskau

Islamisten machen Fergana-Tal unsicher

Neue Überfälle islamischer Extremisten im Fergana-Tal, wo Usbekistan, Kirgistan und Tadshikistan aneinandergrenzen, sprechen für eine instabile Lage in der zentralasiatischen Region.

Seite 8
Hans-Dieter Schütt

Flächen: flach

Es heißt, unkontrolliert wuchernde Graffiti seien Umweltverschmutzung. Großformatige Werbung ist schlimmer, sie schlägt auf die Augen wie Panzerplatten. Im Fernsehen ist Werbung eine Axt, die Filme in Elementarteilchen zerwuchtet. Werbefläche unterscheidet nichts von Oberfläche. Ein Hochleistungsgewerbe, unter Niveau. Jetzt teilt die Werbewirtschaft mit, dieses Jahr bringe der Branche den größten ...

Olaf Standke

Auf dem Pulverfass

Wir leben in einer zweigeteilten Welt zwischen Mangel und Maßlosigkeit. Die Mehrheit der Menschen leidet unter unsicheren, ungerechten und unwürdigen Lebensverhältnissen.

ndPlusFabian Lambeck

Gebt die Akten frei!

Ohnesorg, Buback, Dutschke – die vermeintliche Todesliste der Stasi wird von Tag zu Tag länger. Schon mutmaßen die Söhne Rudi Dutschkes und Siegfried Bubacks, das MfS könne hinter den Attentaten auf ihre Väter stecken. Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust fordert gleich eine Neubewertung der RAF: Terror made in GDR. Dabei war es doch gerade das MfS, das dabei half, den mörderische...

Martin Ling

Linksliberal

Es ist zwar mehr als eine Formsache, doch die Zeichen stehen gut, dass das höchste Gericht der USA bald erstmals ein Mitglied hispanoamerikanischer Herkunft hat: Sonia Sotomayor. Zumindest hat Präsident Barack Obama die in einfachen Verhältnissen in der New Yorker Bronx aufgewachsene puertoricanischstämmige Juristin dazu auserkoren. Und die Herkunft spielte eine gewichtige Rolle: Zum einen hat sic...

Wann wird die Heide frei?

ND: Der Petitionsausschuss des Bundestages verschob die Abstimmung über das Bombodrom am Mittwoch auf den 17. Juni. Sind Sie enttäuscht? Schirge: Die Initiativen Freie Heide, Freier Himmel und Pro Heide wussten schon am Dienstagabend, dass der geplante Luft-Boden-Schießplatz der Bundeswehr in der Kyritz-Ruppiner Heide jetzt noch nicht behandelt wird. Die Begründung lautete, die Tagesordnung sei sc...

Seite 9

Grund, Globus

PARTISANEN, STUDENTEN Noch immer bewegt der »Fall Kurras« die feuilletonistischen Gemüter. Der Historiker Gerd Koenen (»Vesper Baader Ensslin«) schreibt in der »Süddeutschen Zeitung«: Wieso machte so einer von Mielkes Schrot und Korn, der seine gesamte Freizeit auf dem Schießplatz verbrachte, wo er seine Ostberliner Honorare in Form von scharfer Munition verballerte, in der Westberliner Polizei Ka...

Ich krieg' die Krise
Christina Matte

Ich krieg' die Krise

Die weltweite Finanzkrise, ausgelöst durch Spekulationen, hat sich zur Krise der Weltwirtschaft ausgeweitet. Es ist die erste Weltwirtschaftskrise, die ich – ein Kind der DDR – nicht als Beobachterin erlebe.

Seite 10
Verständnis

Verständnis

Promoviert hat er über die Absurdität bei Camus, und er selber macht den Eindruck, als könne sich das zweifelsfrei Absurde dieser Welt bei ihm ein wenig Trost holen. Er ist der Verständnisvolle, der Mildgestimmte – und er erzählt seine Geschichten mit einer Unaufgeregtheit, die ebenfalls als Gemütsaufhilfe für das Absurde gewertet werden darf: Es könnte ja auch Teil des Guten sein, vielleich...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Sehnsucht

Das Wort/ in den Händen einer Näherin/ ein mit Speichel und Ippen/ gespitzter Faden« – so beginnt Charlotte Grasnick (Foto: Bohne) ihr Gedicht »Das Wort«. Sie war eine Lyrikerin, von der zunächst nur Eingeweihte wussten, doch zunehmend vielen Menschen schrieb sie sich ins Herz. 1939 in Berlin geboren, ist sie in Thüringen aufgewachsen, war bis 1959 Röntgenpraktikantin, studierte danach an de...

Antisemit
Jürgen Amendt

Antisemit

Eigentlich war die Entscheidung schon gefallen: Faruk Hosni (Foto: dpa), bislang ägyptischer Kulturminister, soll im Oktober neuer Generalsekretär der UN-Kulturorganisation UNESCO werden. Um Kampfkandidaturen für diesen Posten zu verhindern, wurde zwei Jahre lang diskret nach einem mehrheitsfähigen Kandidaten gesucht. Auch Israel, das lange wegen Hosnis antiisraelischer Einstellung Vorbehalte gege...

'67: Volkszorn gegen Studentenrevolte

»Die Blätter des Axel Springer Verlages haben – was wir belegen werden – über die 68er-Bewegung sehr viel differenzierter berichtet, als es im Schreckbild von der ›hetzerischen Springerpresse‹ vorgesehen ist.« So schrieb Thomas Schmid, Chefredakteur der »Welt«, gestern in einem Leitartikel jener Zeitung. Auf diese Aufarbeitung darf man gespannt sein. Schmid, einst Mitgründer der Frankfurter Sponti-Gruppe »Revolutionärer Kampf«, wird hoffentlich all die Passagen nicht übersehen, von denen hier ein kleiner Auszug dokumentiert ist.

Gerhard Hanloser

'67: Nicht erklärter Notstand

Erwartet hatte man das nicht. Der Polizist, der den Studenten Benno Ohnesorg ungestraft am 2. Juni 1967 erschoss, fungierte als ein von der DDR angeworbener Spitzel in der Westberliner Polizei. Karl Heinz Kurras war SED-Mitglied, es existiert eine 17-bändige Stasiakte. Sofort griffen Spekulationen um sich, und der Konjunktiv regierte auf den Politik- und Feuilleton-Seiten: Hätte der Stasi-Mann nic...

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STARporträt

STARporträt

Sein neuer Film bedient das Image, das der amerikanische Schauspieler in den letzten Jahren erworben hat: romantischer Liebhaber bzw. Frauenheld. Jetzt ist er »Der Womanizer« – mit einer langen Liste von Ex-Freundinnen. Der Ruf ist gutem Aussehen, durchtrainiertem Körper und etlichen einschlägigen Filmen zu verdanken, darunter »Wedding Planner« mit Jennifer Lopez, »Wie werde ich ihn los &nda...

Caroline M. Buck

Ein ruhiger Fluss

Die Filme von Jim Jarmusch sind Reisen, geografische und spirituelle, voller flüchtiger Begegnungen, die zu unerwarteten Einsichten führen, gebettet in einen losen erzählerischen Zusammenhalt. In »The Limits of Control« führt die Reise per Flugzeug nach Madrid, im Zug nach Sevilla und weiter per Lieferwagen in die Spaghetti-Western-Landschaft im Hinterland von Almería. Der Reisende – zum vie...

ndPlusGunnar Decker

Idealismus des Beharrens

Edgar Selge vermag den Absturz eines Menschen in Zeitlupe zu spielen. Das machte ihn am Hamburger Thalia-Theater zum idealen Faust-Darsteller und im Film zum Trikotagen-Vertreter, der es nicht mehr schafft, mit der neuesten Mode Schritt zu halten. Nun ist er in Marco Mittelstaedts »Im nächsten Leben« der Boulevard-Reporter Wolfgang Kerber. Das ist einer, der sich krampfhaft bemüht, nicht aus der Z...

ndPlusMartin Hatzius

Aufbruch, Ankunft

Am 21. Dezember 1989 reiste die Westberliner Band Einstürzende Neubauten mit dem Tourbus von Kreuzberg nach Lichtenberg. Im Kultursaal des VEB Elektrokohle sollten die Postpunk-Avantgardisten um den Heiner-Müller-Freund Blixa Bargeld ihr erstes Konzert auf dem Gebiet der DDR geben. Zwischen Aufbruchs- und Ankunftsort liegen gerade einmal zehn Kilometer.Vom Aufbrechen und vom Ankommen erzählt Uli M...

Seite 12
Erinnerung ans Großeltern-Land
ndPlusIrmtraud Gutschke

Erinnerung ans Großeltern-Land

Wie nennt man das? Einen Comic? Oder einfach ein Bilderbuch? Eines für Menschen zwischen 10 und 100: Die Jüngeren könnten was erfahren, die Älteren könnten sich erinnern und darüber reden. Ach ja, die Angela Davis! – Und kosteten die kleinen Ansteckblumen zum Frauentag wirklich zwei Mark das Stück? Waren sie aus Plaste? – Nein, die Blüten waren aus Stoff. – So einen »Fuchs mit Ko...

ndPlusKatrin Greiner

Feinfühlig, intensiv und sehr weise

Mittsommernacht im grauen und »schrundigen« Ostberlin. Bleiern liegt der Sozialismus der 1980er Jahre über Menschen und Häusern. Hier, mitten in »gestauter Wärme, gestockter Zeit«, begegnen sich der Enddreißiger Matti und die blutjunge Ria. Treffen im Atelier der alternativen Künstlerin Lilith aufeinander, um nie mehr voneinander zu lassen. Beide durch Beziehungen und Erlebnisse in der Vergangenhe...

Anton Hiersche

Heiterer Abschied von Absurdistan

Eigentlich eine einfache Liebesgeschichte aus dem geteilten Deutschland, wenn sie denn nicht so doppel- oder dreifachbödig wäre. Und wenn man nicht bemerkte, dass man immer mal wieder – recht sanft zwar – auf den Arm genommen wird. Es kann jedoch durchaus sein, dass man dessen mitunter gar nicht gewahr wird. Der Möglichkeiten sind da viele, deshalb spielt ja auch der Konjunktiv im Text...

Seite 13

Leseprobe

Inmitten globaler Krisen – der Finanzkrise, der Lebensmittelkrise, der Klima- und Energiekrise, der Verteilungskrise – steckt der Global Player EU nicht zufällig auch in einer demokratischen Legitimationskrise. Das Vertrauen der Menschen in die europäischen Institutionen ist gering, das Demokratiedefizit notorisch ... Das schwache Vertrauen der Bevölkerung ist verständlich: Die EU hat ...

ndPlusElisabeth Schulz-Semrau

»Du mitkommen!«

Nu denn, nähmt mi bloß minem Hanske in acht«, verlangt Großmutter Matzigkeit von ihrer Familie. Wie aber sollte das gehen? Unser liebes altes Königsberg war wie das übrige Deutschland unter »die Räuber« gefallen. Und wenn auch die Kinder als letzte deutsche Generation eine scheinbar ungetrübte Kindheit in ihrer Heimatstadt und deren landschaftlich schönen Umgebung erleben durften – die Zeich...

Utopien im Labyrinth
Wladislaw Hedeler

Utopien im Labyrinth

Seit 1983 zieht es Kai Ehlers immer wieder in die UdSSR, zunächst wandte er sich den Metropolen zu, später der russischen Provinz und den Nachfolgestaaten. Stets in Begleitung sachkundiger russischer Freunde erschlossen sich ihm Innenansichten, die gewöhnlichen Touristen verborgen bleiben. Seinem, mit einer Sympathieerklärung an das unabhängige und sich selbst genügende Land eingeleiteten Bericht ...

ndPlusGerhard Hanloser

Mit Emphatie für die Ausgebeuteten

Nichts weniger als eine »Genealogie des 21. Jahrhunderts« zu sein beansprucht das neue Werk von Giovanni Arrighi. Der Professor für Soziologie an der Johns Hopkins University untersucht und intepretiert die aktuelle Verschiebung des Epizentrums der globalen politischen Ökonomie von Nordamerika nach Ostasien. Es ist keine Streitschrift von der Art der vielen jüngst erschienenen, die den Kapitalismu...

Seite 14

»Grüner Weltfonds« im Entstehen

Paris (AFP/ND). Die großen Industrie- und Schwellenländer prüfen, einen »Grünen Weltfonds« einzurichten, um Entwicklungsländer finanziell im Kampf gegen die Klimaerwärmung zu unterstützen. Bei einer zweitägigen Umweltkonferenz in Paris habe es Fortschritte bei der Finanzierung und Struktur des Fonds gegeben, sagte Frankreichs Umweltminister Jean-Louis Borloo am Dienstagabend. »Das ist noch nicht e...

EU-Kommission für schärfere Finanzaufsicht

Knapp zwei Monate nach dem Londoner Weltfinanzgipfel hat die Europäische Kommission Vorschläge für eine verschärfte Finanzmarktaufsicht vorgelegt. Nach den am Mittwoch in Brüssel vorgestellten Plänen soll es in Europa erstmals ein zentrales Aufsichtsgremium geben.

Die Treuhand für den Autobauer

Berlin/Brüssel (dpa/ND). Nach der Übertragung der europäischen Werke von General Motors an die Adam Opel GmbH wird es nun ernst mit der Neustrukturierung des Autobauers. Die Bundesregierung will eine Brückenfinanzierung beschließen und mit einem Treuhandmodell Zeit für Verhandlungen mit möglichen Investoren gewinnen. Regierungssprecher Thomas Steg sagte, beim Treuhandmodell »hake« es etwas von Sei...

Gabriel Rath, London

Vauxhall – Opfer für Opel?

London scheint den Kampf um die britische GM-Tochter Vauxhall schon verloren gegeben zu haben. Aktives Krisenmanagement jedenfalls ist ausgeblieben.

ndPlusAndreas Knudsen, Kopenhagen

Zwischen Profit und Klimaschutz

Bei einer Konferenz in Kopenhagen erklärten sich Konzernvertreter zu Klimaschutzmaßnahmen bereit – falls die Politik vorangeht.

Seite 15

Respektlose »Albatrosse« zittern

Hochmut kommt auch für die »Albatrosse« vor dem Fall. Nach einer Vorstellung, in der die Basketballprofis von Alba Berlin phasenweise jegliche Einstellung vermissen ließen, droht dem Titelverteidiger im entscheidenden fünften Spiel des Play-off-Viertelfinals heute in Berlin (20.15) gegen Außenseiter Paderborn Baskets das vorzeitige Ende aller Träume von der erneuten Teilnahme an der Euroleague.»Wi...

»Meine Zeit kommt erst noch«

»Meine Zeit kommt erst noch«

Der Norweger Magnus Carlsen (Foto: dpa) belegte beim Schachturnier der Weltelite in Sofia den zweiten Platz. Vor der Schlussrunde führte er noch, ehe er gegen den Wahlspanier Alexej Schirow seine einzige Niederlage kassierte und ihn vorbeiziehen lassen musste. Dritter wurde der Weltranglistenerste und Ex-Weltmeister Weselin Topalow (Bulgarien), den Carlsen zum Auftakt bezwungen hatte. ND sprach mit dem als »Kronprinz des Weltschachs« titulierten 18-Jährigen.

Renaissance der Relegation

»Sie waren mörderisch«, erinnert sich Klaus Thomforde an die drei »Schicksalsspiele« im Jahr 1991. Mit dem FC St. Pauli musste der Torwart als Drittletzter der Bundesliga in die Relegation gegen Zweitligist Stuttgarter Kickers. »Es lastete ein immenser Druck auf uns. Wir Spieler trugen die Verantwortung für den ganzen Verein. Als wir in Rückstand gerieten, waren wir wie gelähmt«, beschreibt Thomfo...

ndPlusJürgen Holz

Krisengeschüttelter Verband greift nach Strohhalm

»Uns fehlen Geld und sportliche Erfolge«, klagte dieser Tage Werner von Moltke. Der einstige Zehnkampf-Europameister von 1966 ist seit 1997 Präsident des rund 500 000 Mitglieder starken Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV). Noch zwei Jahre will der 73-Jährige dranhängen, wenn ihm die Delegierten auf dem Verbandstag am 6. und 7. Juni im saarländischen Bexbach eine auf die Hälfte verkürzte Amtszeit ...

ndPlusChristian Heinig

Ein Chopin in Cottbus

Michael Oenning hatte eigentlich nicht vor, dort zu landen, wo er vielleicht bald schon steht. »Ich bin nie mit dem Ziel angetreten, unbedingt Bundesligatrainer zu werden«, erzählte der gebürtige Münsterländer kürzlich in einem Interview. Oenning hat in den Achtzigern Deutsch und Sport auf Lehramt studiert, später promoviert und sechs Jahre an den Universitäten in Münster und Stuttgart gelehrt. De...

Seite 17

Sonderschule

Der rot-rote Senat hat die Aktion »Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass« erfolgreich abgeschlossen. Das Gymnasium, jene Sonderschule, die die Kinder von der Mittelschicht aufwärts zum Abitur traktiert, bleibt erhalten. Die Gymnasien dürfen weiterhin Schüler, die sie für ungeeignet halten (welch Euphemismus für die Demütigung von Kindern), von der Schule verweisen, wenn sie nicht schon dar...

ndPlusAndreas Heinz

An der Sekundarschule geht's auch bis zum Abitur

In spätestens zwei Jahren sollen die Schuluhren in Berlin anders gehen. Bis 2011 wird nach dem Willen des rot-roten Senats die Schulreform gestartet: Haupt-, Gesamt- und Realschulen verschwinden, es gibt nur noch Sekundarschulen und Gymnasien. Allerdings sorgt die Reform bei Lehrern für Aufregung und Unmut. Ihrer Ansicht nach wurde der Wechsel durchgepeitscht und am grünen Tisch geplant und entsch...

ndPlusMartin Kröger

Den charismatischen Prediger im Visier

Die inhaltlichen Akzente sind deutlich verschoben. Lenkten die Berliner Verfassungsschützer in den vergangenen Jahren regelmäßig ein besonderes Augenmerk auf die Gefahr durch Neonazis und Rechtsextremisten in der Stadt, sind für das Jahr 2008 nun neue Prioritäten zu erkennen: An erster Stelle der Bedrohungen sehen die Schlapphüte nämlich den islamistischen Terrorismus. Dieser habe sich jedoch seit...

Seite 18

S-Bahn fährt nach Spandau

(ND). Die S-Bahnlinie S 3 aus Erkner hat ab dem 31. August wieder eine Direktverbindung auf die Berliner Stadtbahn. Das teilte Ingo Priegnitz, Sprecher der S-Bahn Berlin, mit. Jeder zweite Zug ende dann nicht mehr am Ostbahnhof, sondern werde über Alex, Hauptbahnhof, Zoo und Olympiastadion bis nach Spandau verlängert.Die Fahrplanverbesserung stehe in Zusammenhang mit dem Umbau des Bahnhofs Ostkreu...

Räumung der Brunnen 183 am 18. Juni
Jörg Meyer

Räumung der Brunnen 183 am 18. Juni

Die Rettungsversuche und Bemühungen waren vergebens. Nun ist es amtlich: Das linksalternative Wohnprojekt Brunnenstraße 183 ist am Ende. Wie die Bewohner und Bewohnerinnen am Dienstag erfuhren, soll am 18. Juni ab 7 Uhr geräumt werden. Räumungstitel für zehn Wohneinheiten – rund zwei Drittel des Hauses – wurden zugestellt, hieß es in einer Mitteilung. In Zusammenhang mit den übrigen Wo...

Seite 23
Promis im Selbstentblößungsdrang
Volkmar Draeger

Promis im Selbstentblößungsdrang

Er möchte das Bloßstellen bloßstellen, sagte Patrick Wengenroth in einem Interview, und verwende deshalb nur Texte, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Wie eine Echokammer wiederhole er nur, was anderen entschlüpft ist. Diese Anderen sind Promis, ihre Worte werden gehört. Daraus hat Wengenroth, Mitinitiator des Theaterdiscounter, ein Stück gebastelt und setzt darin die Geschlechter verkehrt ...

ndPlusLucía Tirado

Geteilter Beifall, doppelter Spaß

Protagonisten der Commedia dell'arte verwies Carlo Goldoni schon vor 250 Jahren seiner Stücke. Weg mit den Masken, Gesicht zeigen! Das war seine Devise, mit der er im Stil dem Franzosen Molière folgte. Unter Regie von Jan Zimmermann tauchen die Maskenträger vor Beginn von »Mirandolina« im Amphitheater frech wieder auf und proben den Aufstand. Da muss ein Theaterdirektor her, der sie in die Schrank...

Seite 24
Andreas Fritsche

Bürgermeister-Kandidat will nicht plakativ sein

Michael Reimann macht einen sehr sympathischen Eindruck. Daraus könnte der Sozialist mit Schnurrbart und grau meliertem Haar einen Vorteil ziehen. Immerhin stellt er sich am 27. September in Königs Wusterhausen zur Wahl. Übernehmen möchte er die Nachfolge von Bürgermeister Stefan Ludwig (Linkspartei), der dann in den Landtag wechselt.Trotz seines Vorteils möchte Reimann nicht, dass sein Porträt an...

ndPlusWilfried Neiße

Nachbarn sollen den Eltern helfen

Schulfach Elternkunde. Abendschul-Ausbildung »Wie lerne ich, junge Mutter zu sein?« Prüfungen im Fach: »Wie verhalte ich mich als Vater richtig?« Klingt so die Zukunftsmusik der Familienpolitik in der modernen Gesellschaft? Rund 200 Fachleute trafen sich gestern in der Staatskanzlei, um über die brandenburgische Familienpolitik zu beraten und gegebenenfalls Anregungen für Korrekturen zu geben.Fami...

Bernd Kammer

Wirtschaft fliegt auf BBI – auch nachts

An die 40 Kräne drehen sich auf der BBI-Baustelle in Schönefeld, der Rohbau des Terminals hat schon die dritte Etage erreicht, und seit Anfang des Monats wird die vier Kilometer lange südliche Start- und Landebahn betoniert – der Flughafen nimmt Gestalt an. Am 1. Juni ist es genau 1000 Tage her, dass der Startschuss für das Großprojekt gegeben wurde.Für die Wirtschaft der Region sei das bish...