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Unten links

Am Wochenende setzte die »Berliner Zeitung« ihre Leser von der lange erfolgreich verschwiegenen Tatsache in Kenntnis, dass der wiedergewählte konservative Premierminister David Cameron ein »rosiges Engelsgesicht« habe. Man weiß nicht, wie intensiv die Recherche war. Jedenfalls ist das doch mal unzweifelhaft eine Berichterstattung, wie man sie sich als Leser von einem künftigen kritischen Meinun...

Schwere Gefechte in Mazedonien

Kumanovo. Mazedonien ist von schweren Kämpfen nahe der Grenze zu Kosovo erschüttert worden: Bei einem Feuergefecht zwischen Polizisten und einer »terroristischen Gruppe« in der Stadt Kumanovo wurden seit Samstagmorgen mindestens acht Polizisten und 14 Kämpfer getötet, wie das Innenministerium am Sonntagnachmittag mitteilte. Die Gruppe soll aus mutmaßlich ethnischen Albanern aus Kosovo, Albanien un...

Keine Hilfe

In der SPD-Zentrale hatte man auf ein paar Tage gute Laune gehofft. Schon der zweite Wahlsieg in diesem Jahr; erst Hamburg, jetzt Bremen - mit uns zieht die neue Zeit, jawohl! Trotz deutlicher Verluste sind die propagandistischen Sätze absehbar.

Merkel erinnert in Moskau an die sowjetischen Opfer

Berlin. Nach der größten Militärparade in der russischen Geschichte zum Tag des Sieges am Sonnabend hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Moskau-Besuch am Sonntag vor den sowjetischen Opfern des Zweiten Weltkriegs verneigt. Gemeinsam mit Präsident Wladimir Putin legte sie am Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Kranz nieder. Im anschließenden Gespräch forderte Merkel ein stärkeres Ein...

Rot-Grün in Bremen abgestraft

Berlin. Rot-Grün kann in Bremen wahrscheinlich weiter regieren, allerdings erheblich geschwächt. Die Bürgerschaftswahl am Sonntag hat die bisherigen Machtverhältnisse in dem Zwei-Städte-Landtag bestätigt, aber im Detail für Verschiebungen gesorgt. Den am Sonntag um 18.00 Uhr veröffentlichten Prognosen der Forschungsgruppe Wahlen und von Infratest dimap zufolge erreichen die Sozialdemokraten von Bü...

ndPlusKatja Herzberg

»Positive Erklärung« statt Einigung

Auch am Montag konnte die SYRIZA-geführte Regierung nicht auf die Zusage für die Auszahlung blockierter Kredite hoffen. Lediglich die Anerkennung von Fortschritten stand in Aussicht.

Kanzleramt hat im Wahlkampf gelogen

E-Mails zum No-Spy-Abkommen zeigen: Die Union hat im Wahlkampf 2013 gelogen. Zudem wurden Vorwürfe laut, die NSA wollte Siemens ausspähen.

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Menschlichere Politik hat erst begonnen

Wiedereinstellung Hunderter Putzfrauen, Schulwächter, Lehrer und Mitarbeiter des staatlichen Rundfunks, Wiederanhebung des Mindestlohns, Strom und Essensmarken für mittellose Menschen - die SYRIZA-geführte Regierung hat sich einiges vorgenommen und bereits umgesetzt, um die soziale Krise in Griechenland abzumildern. Doch Arbeits- oder Obdachlosigkeit kann nicht binnen weniger Monate der Garaus ...

Katja Herzberg

SYRIZA zeigt keine Angst

Die Verantwortung für den Grexit würde bei den »europäischen Partnern« liegen, meint Giorgos Chondros von SYRIZA und hofft daher auf eine baldige Einigung.

ndPlusVincent Körner

Politischer Wille, fehlender Wille

Am Montag trifft sich die Eurogruppe - doch die Gläubiger Griechenlands haben erklärt: Das »wird kein entscheidendes Treffen sein«. SYRIZA fordert »politischen Willen« zu einer Einigung. Doch der fehlt.

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Silvia Ottow

Wie ist er so, der Erzeuger?

Mit der anonymen Samenspende ist es vorbei, entschied der Bundesgerichtshof. Die Folgen für Kinder, Familien und Spender aus dem Urteil mit dem Aktenzeichen XII ZR 201/13 sind jedoch unklar.

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Armut ohne Konsequenz

Kein Urlaub, ungenügende Kleidung im Winter, kaum Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten. Was in einer aktuellen Studie schon auf dem Papier schlimm genug aussieht, ist für rund 2,5 Millionen Kinder hierzulande bittere Realität. Keine neue Erkenntnis, aber trotz aller Studien und Berichte längst nicht bei jenen angekommen, die die Verhältnisse politisch mitbestimmen. Vom Hartz-IV-Regelsatz...

ndPlusInes Wallrodt

Das Misstrauen wächst

Was für ein Schauspiel! Noch im Koalitionsvertrag heißt es: »Um Vertrauen wiederherzustellen, werden wir ein rechtlich verbindliches Abkommen zum Schutz vor Spionage verhandeln.« Dabei war dem Kanzleramt da längst bekannt, dass die USA offenbar nicht dazu bereit sind.

ndPlusOlaf Standke

Fehlende Realpolitiker

»Sie haben die Liebe Ihres Volkes verdient«, sagte Ban Ki-moon am Wochenende zur Verblüffung nicht weniger zu Wladimir Putin. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen war sichtbar beeindruckt von der Aktion »Unsterbliches Regiment«, mit der Millionen Menschen in ganz Russland der Helden des so opferreichen Kampfes gegen Nazideutschland gedachten. An der Spitze des Straßenzuges in Moskau marsc...

Ulrike Henning

Hansdampf

Die Widersprüche in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gären schon länger. Andreas Gassen war im März 2014 als Vorstandschef mit dem Ziel angetreten, für Ruhe zu sorgen. Gelungen ist das dem in Düsseldorf niedergelassenen Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rheumatologie offenbar nicht. Der Dauerstreit um die Honorarverteilung von Haus- und Fachärzten hielt an und eskal...

Matthias Dell

Krause hätte mehr Zuneigung verdient

Es gibt die Folgen, die was wollen und das auch können, das sind die Besten. Und es gibt welche, die nichts wollen, dabei aber nicht ausfällig werden. Der Brandenburger Polizeiruf »Ikarus« gehört eindeutig dazu.

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Katja Herzberg

Widerstand, der verbindet

Diskussionen, Filme und Musik - am Tag der Befreiung wurde ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm geboten, auch mit Zeitzeugen wie zwei Widerstandskämpfern, die sich endlich begegneten.

Irina Wolkowa, Moskau

Das »Unsterbliche Regiment«

16 000 Soldaten paradierten vor Präsident Putin. Aber weitaus mehr Menschen trugen die Trauer an ihre im Zweiten Weltkrieg umgekommenen Angehörigen auf Moskaus Straßen.

ndPlusFabian Lambeck

Demminer stellen sich Neonazis in den Weg

Mit Blockaden, Kundgebungen, einem Friedensfest und Gebeten haben linke Gruppen, Parteien, Initiativen und Kirchen am 8. Mai in Demmin gegen einen Aufmarsch der NPD protestiert.

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Hendrik Lasch, Dresden

Sachsen-Mythos von links

Für wen will Sachsens LINKE Politik machen, welche Themen will sie besetzen und soll sie regieren wollen oder nicht? Fragen für eine Strategiedebatte, die überfällig war - und an Fahrt gewinnt.

ndPlusDieter Hanisch, Lübeck

Nord-Grüne stützen Habecks Pläne

Radikal und pragmatisch - so will der Kieler Spitzengrüne Habeck frischen Wind in die Bundespartei bringen. Sein Landesverband steht voll dahinter.

ndPlusRudolf Stumberger, München

Das Bild des großen Parteivorsitzenden

Für Bayern hält das politische Jahr nicht nur ein G 7-Gipfeltreffen bereit. Viel nachhaltiger wird das Land durch ein Jubiläum bewegt: den 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß.

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Neue Spuren von C-Waffen

Den Haag. Chemiewaffeninspekteure haben in Syrien Spuren von Vorprodukten der Nervengase Sarin und VX gefunden. Angesichts des Fundes habe die EU die Befürchtung, dass Syrien noch immer über Chemiewaffen oder Bestandteile zu ihrer Herstellung verfüge, hieß es in einem Bericht, der am Wochenende auf der Website der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) veröffentlicht wurde. Man sei be...

Neue Hoffnung in Jemen

Sanaa. Im Konflikt in Jemen gibt es erstmals Hoffnung auf eine Waffenruhe: Die Huthi-Rebellen deuteten ihre Bereitschaft an, sich an einer von der arabischen Militärkoalition angekündigten humanitären Feuerpause zu beteiligen. Sie seien bereit, »positiv« auf alle Bemühungen zu reagieren, um das »Leiden« der Bevölkerung zu beenden, sagte ein Huthi-Sprecher am Sonntag. Zuvor hatten verbündete Militä...

Islamischer Staat befreit Häftlinge

Bagdad. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat Dutzende Gefangene und Kämpfer aus einer Haftanstalt im Zentralirak befreit. Den Angriff auf das Gefängnis der Kleinstadt Chalis, 75 Kilometer nördlich von Bagdad, eröffneten die Extremisten in der Nacht zum Samstag mit Autobomben, die sie vor den Toren und Mauern zur Explosion brachten. Bei der anschließenden Schießerei wurden 16 Sicherheitsbeamt...

Thomas Roser, Belgrad

Dreiländereck in neuer Kriegssorge

Nach blutigen Gefechten im mazedonischen Kumanovo wächst die Sorge vor einem neuen bewaffneten Konflikt in Südosteuropa. Kritiker wittern ein Ablenkungsmanöver der angeschlagenen Regierung.

Anke Stefan, Athen

Morgendämmerung im Sondergericht

Formalien verzögerten bereits zweimal den Beginn des Prozesses gegen die 68 Mitglieder der neofaschistischen Partei. Erst ab September soll es zudem Raum im normalen Gerichtskomplex im Zentrum von Athen geben.

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Terroranschlag in Australien verhindert

Melbourne. Zum zweiten Mal in drei Wochen hat die Polizei in Australien nach eigenen Angaben einen geplanten Terroranschlag vereitelt. Sie nahm in Melbourne einen 17-Jährigen fest. Sie wirft ihm vor, in einem Vorort der zweitgrößten Stadt Bomben gebastelt zu haben, um einen Anschlag zu verüben, wie am Samstag berichtet wurde. Ob der Junge Sympathisant der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist, se...

Mubarak erneut wegen Korruption verurteilt

Kairo. Ein Gericht in Kairo hat den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak wegen Korruption zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Auch seine Söhne Alaa und Gamal erhielten am Samstag dasselbe Strafmaß. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die drei Angeklagten während der Amtszeit Mubaraks 125 Millionen Ägyptische Pfund (16 Millionen Euro) veruntreut haben. Die Urteile sind noch nicht ...

Raúl Castro vom Papst empfangen

Rom. Papst Franziskus hat Kubas Staatschef Raúl Castro zu einer Privataudienz im Vatikan empfangen. Das Treffen dauerte nach Vatikan-Angaben vom Sonntag etwa eine Stunde. »Ich habe dem Papst für seinen Beitrag zur Annäherung zwischen Kuba und den USA gedankt«, sagte Castro nach dem Treffen der italienischen Nachrichtenagentur ANSA zufolge. Im Anschluss waren Gespräche zwischen Castro und dem itali...

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Weniger Kohle - ausreichend Strom

Berlin. Würden 36 besonders CO2-intensive Braun- und Steinkohlekraftwerke abgeschaltet, wäre die bundesweite Stromversorgung dennoch gesichert. Das ist das Ergebnis einer Simulation von Greenpeace, deren Ergebnis am Sonntag veröffentlicht wurde. Die Meiler hätten eine Gesamtleistung von 15 Gigawatt, was der Hälfte aller Braun- und einem Fünftel aller Steinkohlekraftwerke entspreche. Sie könnten al...

Jedes fünfte Kind lebt in Armut

Gütersloh. Der Alltag jedes fünften Kindes in Deutschland ist nach einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung von Verzicht und Mangel geprägt. Rund 2,1 Millionen Unter-15-Jährige lebten in Familien, deren Einkommen unter der Armutsschwelle liege, teilte die Stiftung am Sonntag mit. Bei 480 000 weiteren liege das Einkommen nur knapp darüber. Als armutsgefährdet gilt, wer von weniger ...

Bengt Arvidsson, Stockholm

Vollgeld soll Island krisenfest machen

Island erwägt einen radikalen Schritt, um Wirtschaftskrisen zu verhindern. Nur noch der Staat soll Geld schöpfen können. Auch in der Schweiz wird über einen solchen Vorschlag diskutiert.

ndPlusSimon Poelchau

Finanzsteuer verspätet sich

Bis zu 44 Milliarden Euro könnte Deutschland mit der Finanztransaktionssteuer einnehmen. Doch trotz öffentlichen Drucks ist es noch ein weiter Weg bis zur Einführung.

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ndPlusMax Reinhardt und Stefan Stache

Keine willigen Kader

Offener, weniger formalistisch, nicht so autoritär: Der Wertewandel hat den Umgang mit dem Wert des solidarischen Zusammenhalts verändert. Darauf muss linke Politik reagieren.

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Polizei sichert Besuch von Rivlin ab

Zum Staatsbesuch des israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin erhöht die Polizei in Berlin die Sicherheitsvorkehrungen. »Wir werden natürlich alles tun, um den Aufenthalt des Staatsgastes so sicher wie möglich zu machen«, sagte ein Sprecher. Dafür arbeite die Berliner Polizei eng mit dem Bundeskriminalamt zusammen. Auch aus anderen Bundesländern gibt es Hilfe. Rivlin beginnt an diesem Monta...

ndPlusMartin Kröger

Investieren statt bunkern

Mehr Haushaltsehrlichkeit hat Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen versprochen. Damit wollte sich der SPD-Politiker von seinem Vorgänger abheben, der im Abgeordnetenhaus wegen seiner »Voodoo-Zahlen« und geheimen Bunker berüchtigt war. Dass gerade mal zwei Wochen nach Verabschiedung des Nachtragshaushalts für 2015 schon wieder neue Mehreinnahmen bekannt werden, widerspricht Kollatz-Ahnens eigene...

Paul Liszt

Friedensdemo hat rechte Anhängsel

Die Diskussion wird kontrovers geführt. Die Friedensbewegung debattiert seit Monaten über den Zusammenschluss von Teilen traditioneller Gruppen und den »Montagsmahnwachen für den Frieden« des sogenannten Friedenswinters. Beobachter bescheinigten den »Montagsmahnwachen« immer wieder die Verbreitung von verschwörungsideologischen bis hin zu antisemitischen Inhalten. Wohl deshalb haben namhafte Or...

Peter Nowak

Sturm auf den Reichstag scheiterte kläglich

Aus dem von Rechten groß angekündigten Protest gegen Islamisierung und Amerikanisierung wurde nichts. Auf der Kundgebung am Samstag fanden sich nur knapp 400 der erwarteten »1000 Stimmen« ein.

ndPlusJosephine Schulz

Tausende feiern die Befreiung

Rote Nelken am sowjetischen Ehrenmal in Treptow, Gespräche über heutiges Engagement gegen Rassismus im Kino International. Berlin stand am Wochenende ganz im Zeichen des Befreiungsjubiläums.

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CDU im alten Intrigen-Trott

Potsdam. Die Senioren-Union hat ihren Streit mit dem CDU-Landesvorsitzenden Ingo Senftleben über die geplante Abwahl von Fraktionsvize Anja Heinrich beigelegt. »Wir haben in einem persönlichen Gespräch die Unklarheiten ausgeräumt«, sagte der Landeschef der Senioren-Union, Ingo Hansen, am Sonnabend. Einzelheiten wollte er unter Hinweis auf die Vertraulichkeit des Gesprächs nicht nennen.Die von Senf...

Streik im Nahverkehr ausgesetzt

Schüler und Pendler können an diesem Montag in Brandenburg wieder überall in Busse und Straßenbahnen einsteigen. Der Streik im Nahverkehr endet zumindest vorläufig.

»Früher nannte man so was auch mal SA«

Bei der beabsichtigten Kreisreform könnte die Zahl der Landkreise in Brandenburg nach Ansicht der Grünen durchaus halbiert werden. Das beschlossen die Delegierten eines Parteitags der Grünen.

Henry-Martin Klemt

Eine schwarze Null geht nicht wählen

Angesichts eines Schuldenbergs von 100 Millionen Euro muss die Stadt Frankfurt (Oder) sparen. Aber muss sie wirklich so radikal im Sozialbereich kürzen?

ndPlusAndreas Fritsche

Blechlawine vor der Haustür

Der Grenzübergang Bornholmer Straße war 1989 beim Mauerfall der Erste, der sich öffnete. Nun wird die Stelle wegen Sanierung der Brücke halbseitig dicht gemacht.

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Wie der Sachse Buße tut

In Gerichtsverfahren werden Beschuldigte oft finanziell belangt. Während Geldstrafen und -bußen in der Staatskasse landen, bekommen gemeinnützige Einrichtungen von den Geldauflagen etwas ab.

Martina Rathke

Städte auf Vordermann gebracht

Bröckelnde Fassaden - so sahen die Innenstädte in Wendezeiten häufig aus. Mit einem Tag der Städtebauförderung präsentierten Kommunen im Nordosten ihre Vorzeigeprojekte.

ndPlusHenry-Martin Klemt

Eine schwarze Null geht nicht wählen

Angesichts eines Schuldenbergs von 100 Millionen Euro muss die Stadt Frankfurt (Oder) sparen. Aber muss sie wirklich so radikal im Sozialbereich kürzen?

ndPlusHans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

Wiesbaden beendet Wibus-Drama

Der Wiesbadener Magistrat zog in der letzten Woche einen Schlussstrich unter das unrühmliche Kapitel der Privatisierung seines öffentlichen Busverkehrs.

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Über das deutsche Wesen

Einen Abend über das deutsche Wesen, das deutsche Kino, das deutsche Theater, die deutschen Drogen, das deutsche Leben, den internationalen Sex, ja, einfach »über all das, was im wiedervereinigten, schnöden Deutschland nach Rainer Werner Fassbinder eigentlich kaum noch denkbar ist«, kündigt die Volksbühne für diesen Mittwoch (20 Uhr) an. »Der 2. Tod eines Kollektivs oder Die wunderbare Welt des R....

ndPlusDoreen Hoyer

Forscher: Ossis im Bett nicht lockerer

Haben »Ossis« mehr Spaß im Bett als »Wessis«? Große Unterschiede habe es nie gegeben, meint ein Experte. Prägend für das Sexualleben sei die Bildung, nicht die Herkunft.

ndPlusJürgen Amendt

Vorsicht, Zelle!

Die russischen Putin-Rocker sind wieder abgezogen. Ihr Einzug nach Berlin ging wie der Abzug recht geräuschlos über die Bühne. Da ist der Berliner ganz anderes gewohnt, Rollkofferhintersichherzieher zum Beispiel. Angelockt werden die von Airbnb oder Wimdu oder wie die ganzen gefakten Hotelseiten im Internet sonst noch heißen, die Touristen vorgaukeln, man würde hier auf Zeit bei einem Berliner ...

Hans-Dieter Schütt

Welt in der Wanne

Wer in den kleinen Strudel des abfließenden Wassers einer Badewanne schaut, der hat die Weltbewegung erfasst. Den Sog, dem alles Leben folgt und alle Geschichte. Das Trichterloch auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlin erzählt ebenfalls davon. Wirkt auch wie ein Krater, der schluckt und gleichermaßen spuckt. Mittelpunkt von Mark Lammerts schräg ansteigendem Spiel-Raum für »Warten auf Godot«, n...

Marco Krefting, Rottweil

Turmbau zu Rottweil

Um 3,60 Meter am Tag wächst in Rottweil ein Testturm für Aufzüge in den Himmel. Am Ende soll zugleich Deutschlands höchste Aussichtsplattform entstanden sein.

ndPlusTom Mustroph

Bestrafungsrituale im Biergarten

Theater ist ein Wahrnehmungsapparat. Ganz wörtlich genommen hat diese Erkenntnis die Truppe Monster Truck. Für ihre Produktion »Welcome to Gemany« stellt sie eine kreisrunde Panoramabox auf die Bühne der Sophiensäle. In deren Innerem sitzen Zuschauer an Biertischen und schauen auf um sie herum rotierende Wandbilder, die Szenen zeigen aus der »Villa Baviera« in Chile. Im Zentrum des Apparats dre...

Rudolf Stumberger, München

Feng Shui gegen die fahle Fratze des Mönchs

Die Stadt Friedberg nahe Augsburg hat 29 000 Einwohner, ein Schloss aus dem 13. Jahrhundert und seit kurzem Ärger wegen der asiatischen Harmonielehre Feng Shui.

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Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

Beim verkehrspolitischen Frühschoppen ging es hoch her. »Alle Räder stehen still!«, rief der erste Redner. Der zweite: »Das Signal steht auf Rot!« Der dritte: »Die Weichen müssen neu gestellt werden!« Der vierte: »Die Bahn ist am Zug!« - »Ich verstehe nur Bahnhof«, murmelte Herrn Mosekunds Nachbar. Oh, dachte Herr Mosekund, ein Experte....

Rahmsuppe!

Der Maler, Zeichner und Autor Rudi Hurzlmeier ist mit dem Satirepreis »Göttinger Elch« ausgezeichnet worden. Die Stadt vergibt den Preis jährlich für ein satirisches Lebenswerk. Er ist mit 3333 Euro, einer silbernen Elchbrosche und 99 Dosen »Original Göttinger Elch-Rahmsüppchen« dotiert.Die Preis-Jury sprach unter anderem von Hurzlmeiers »einmaliger Art eines surrealistischen Barock«, die »ihn zu ...

Jürgen Amendt

Miese Stimmung unter Deck

Ende des vergangenen Jahrtausends wagte Deutschland ein Experiment. Unter dem Namen »Bologna« wurde das System der Studiengänge und -abschlüsse reformiert.

ndPlusIngo Arend

Wackelpudding an der Wand

Was haben Chris Dercon und Hans-Ulrich Obrist gemeinsam? Der 1958 geborene belgische Kurator und sein zehn Jahre jüngerer Schweizer Kollege sind beide Kunsthistoriker. Beide wohnen in London. Vor allem aber stehen sie für die Überdehnung eines schillernden Begriffs. Das Treffen junger Künstler und Wissenschaftler, das Obrist 1989 organisierte, nannte er »Zukunft kuratieren«. Und Dercon, derzeit Ch...

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Heimat ganz unromantisch

Im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg ist noch bis zum 21. Juni die Ausstellung »Gelebte Nähe - Drei Künstler sehen Heimat« zu sehen. Drei Künstler aus dem Ruhrrevier: der Duisburger Siegfried Dorschel (1912- 1988) mit Zeichnungen, Radierungen, Malereien. Der Duisburger Rainer Bergmann mit Ölmalereien, u.a. auf Holz-Fundstücken und der in Bochum lebende Künstler H. D. Gölzenleuchter mit...

Landliebe

In Lübeck hat am Sonntag die Trauerfeier für Günter Grass begonnen. 900 Gäste aus »Kultur, Politik und Gesellschaft« haben sich im Theater der Hansestadt versammelt. Hauptredner ist der populäre US-Autor John Irving. Der 73-Jährige hat Grass als sein literarisches Vorbild bezeichnet.Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und de...

Nackte Haut? Natürlich.

Vom 14. Mai an wird im Schloss Lichtenwalde im sächsischen Niederwiesa eine Ausstellung mit 150 Arbeiten des Leipziger Fotografen Günter Rössler (1926 - 2012) zu sehen sein. Unter dem Titel »Günter Rössler - Die Genialität des Augenblicks« werden Bilder aus sechs Jahrzehnten präsentiert. Zur Geltung kommt Rösslers Schaffen in den Genres Reportage, Mode und Akt. Nach seinem Studium an der Hochschul...

ndPlusAntje Rößler

Getrommel im Fahrstuhlschacht

Die aktuelle Ausstellung »Kunst für alle« in der Berliner Akademie der Künste behandelt die Politisierung der Kunst ab den sechziger Jahren. Wie dieser Aufbruch auch die Musik erfasste, zeigte am vergangenen Wochenende eine Doppel-Veranstaltung unter dem Motto »Musik für alle«. Los ging es am Freitag im Akademie-Gebäude am Hanseatenweg, wo das Berliner Landesjugendensemble Neue Musik die harten, m...

ndPlusFelix Koltermann

Was bleibt und was verschwindet

Bilder vom Krieg sind allseits präsent in den deutschen Medien. Sie sind Teil der tagtäglichen Medienroutine. Eine unkonventionelle Perspektive auf die Bildgeschichte des Kriegs will die Ausstellung »Conflict, Time, Photography« bieten, die zur Zeit im Essener Folkwang-Museum zu sehen ist. Die in Kooperation mit dem Londoner Museum Tate Modern entstandene Gruppenausstellung will dabei nicht die...

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Erklärbären

Der Bayerische Rundfunk (BR) denkt darüber nach, die »Tagesschau« um 20 Uhr aus dem Ersten zu übernehmen. Dafür könnte die Berichterstattung aus Bayern in der »Rundschau« ausgebaut werden. Die »Marke ›Rundschau‹« solle »gestärkt« werden, teilte der BR mit. Die Fernsehsendung »Dahoam is Dahoam« werde gegebenenfalls um 15 Minuten vorgezogen. Im Unterschied zu anderen Dritten Programmen...

Rein ins Netz!

Der Streit um die Verbreitung öffentlich-rechtlicher Programme im Kabelnetz beschäftigt jetzt auch das Verwaltungsgericht München. Unitymedia NRW, Unitymedia Hessen und Kabel BW fordern vom Bayerischen Rundfunk ein Einspeise-Entgelt.Bis Ende 2012 zahlten ARD, ZDF und Arte für die Verbreitung ihrer Programme im Kabelnetz. Dann lief der Einspeisungsvertrag aus. Seither sind quer durch die Republik G...

Lauter Klischees

Der Journalist und politische Autor Stephan Hebel hat einen Mangel an Qualitätsjournalismus und eine Vermehrung der Klischees in der Presse beklagt. Es bestehe die Gefahr, dass sich journalistische Berichterstattung nur noch selbst bestätige, sagte Hebel am Donnerstagabend in Köln bei einem von ver.di organisierten Streitgespräch. Der Autor der »Frankfurter Rundschau« plädierte dafür, Lesern und Z...

ndPlusJan Freitag

Das ZDF entdeckt die Erotik

Es war die Woche der Breaking News, wie krasse Neuigkeiten heißen: englische Prinzessin geboren! Christian und Bettina Wulff wieder ein Paar!! Bayern verloren!!! Und dann auch noch das: Es gibt eine Fischer-App, aber nicht zum Thema Fangquoten oder Joschka, sondern Helene.

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ndPlusAlexander Ludewig

Aue im irren Abstiegskampf

Für den FC Erzgebirge Aue war der 1. FC Union Berlin am Sonnabend ein dankbarer Gegner. Denn für die Berliner geht es nach einer wechselhaften Saison seit einigen Spieltagen um nichts mehr. Vor den letzten drei Partien mit 41 Punkten auf Platz neun liegend, sind Auf- und Abstieg kein Thema mehr. Für Aue hingegen geht es noch immer um alles. Diese Einstellung brachte der Tabellenletzte mit...

Eric Dobias, München

Auf dem Rathausbalkon wird’s eng

Die Profis um Philipp Lahm legten den 25. Meistertitel des FC Bayern vor. Am Sonntag zogen die Fußballerinnen des FCB nach - mit dem zweiten Titelgewinn nach 1976.

ndPlusUlli Brünger, Düsseldorf

Nervenspiel im Tabellenkeller

Zwischen Hertha BSC auf Platz 13 und Schlusslicht VfB Stuttgart liegen gerade einmal vier Punkte. Sechs Klubs kämpfen noch gegen den Absturz in die 2. Liga.

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ndPlusDenis Düttmann

Die Polizei bezieht den Slum-Turm

Der Torre de David in Caracas galt jahrelang als höchster Slum der Welt. Nun soll eine Einsatzzentrale in das Hochhaus ziehen. Die Stadtverwaltung will ein unrühmliches Kapitel abschließen.

Monumentaler Erfolg

Monrovia. Eineinhalb Jahre nach dem Ausbruch der verheerenden Ebola-Epidemie in Westafrika mit Tausenden Toten hat Liberia den Kampf gegen die Seuche offenbar gewonnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte das Land jetzt als erstes der drei am schlimmsten betroffenen Staaten für Ebola-frei. Das letzte Opfer in Liberia war vor sieben Wochen gestorben. Seitdem seien keine neuen Fälle mehr ...