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Stephan Fischer

Plötzlich nicht mehr alternativlos

Hinter den Konflikten auf dem Gifel steht auch die Frage, was die EU ist und was sie werden soll: Wohin ginge denn der Weg einer »ever closing union«, einer immer weiter zusammenwachsenden Union? Dabei steht sie selbst auf dem Spiel.

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Stephan Kaufmann

Wen stört die Inflation?

Die rasch steigenden Preise, so heißt es, schüren Sorgen bei den Menschen. Dabei trifft die Inflation gar nicht alle gleich. Einige macht sie ärmer, für andere ist sie kein Problem und wieder andere profitieren. Ein Überblick.

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Jana Frielinghaus

Breite Abwehr

Bis die östliche EU-Außengrenze dicht ist, wollen Bund und Länder aus Richtung Belarus kommende Schutzsuchende nicht nach Deutschland lassen oder nach Polen zurückschicken. Derweil formieren sich in Sachsen »Bürgerwehren«.

Fabian Lambeck, Brüssel

Eine neue Mauer für den Osten

Wenn sich die EU-Spitzen in Brüssel treffen, befindet sich die belgische Hauptstadt im Ausnahmezustand. Während dort der zeitweilige Ausnahmezustand schon Routine ist, herrscht an den östlichen EU-Außengrenzen eine ganz andere Art von Ausnahmezustand.

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Max Zeising

Schwierige Suche nach »Stabilität«

Der Kampf zwischen Rot-Rot-Grün und der Opposition in Thüringen wird härter. Vier zusätzliche Stimmen benötigt die Minderheitsregierung - von CDU oder FDP. Die Debatten in dieser Woche zeigten aber, dass zu beiden Parteien tiefe Gräben bestehen.

Uwe Kalbe

Lindner leuchtet

Leitplanken für die Ampelkoalition seien gezogen, jetzt gehe es an die Detailplanungen des Klimakabinetts. So verkünden die Koalitionäre. Wo das Geld herkommen soll, ist noch offen, ebenso, was es die Menschen im Land kostet.

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Birger Schütz

Der Statthalter

Er diente seinem Vorgänger als gefürchteter Vollstrecker und ordnete unerwartete Reformen an: Usbekistans Präsident Schawkat Mirsijojew stellt sich der Wiederwahl. Trotz ernüchternder Bilanz in Sachen Menschenrechte gilt sein Sieg als sicher.

Seite 8
Autos sollen draußen bleiben
Yannic Walther und Nicolas Šustr

Autos sollen draußen bleiben

Mehr Autos wollen eigentlich nicht mal die Kritiker der autofreien Friedrichstraße in der Gegend haben. aber weniger Durchgangsverkehr vor der eigenen Haustür. Über das Wie muss noch diskutiert werden.

Seite 9
Louisa Theresa Braun

Kann Berlin Paris?

Zwar bekennen sich Berliner SPD, Grüne und Linke in ihrem Sondierungspapier für eine mögliche Koalition »zum Ziel der Klimaneutralität« der Hauptstadt. Aber wie das erreicht werden soll, wird nur vage angedeutet. Manche Ziele sind sogar kontraproduktiv.

Seite 10
Rainer Rutz

Studentische Landlust

Studieren in Eberswalde, in der Brandenburger Provinz? Für viele klimapolitisch engagierte Nachwuchswissenschftler ist das keine Frage. Auf ihre Hochschule für nachhaltige Entwicklung und die Stadt nördlich von Berlin lassen sie nichts kommen.

Seite 12
Alexander Isele

Die Zweideutigkeit endet

Lange konnten die USA den Taiwan-Konflikt mit ihrer Politik der »strategischen Zweideutigkeit« managen. Doch die ist mittlerweile selbst eine Gefahr für den Frieden, weil sie Fehleinschätzungen ermöglicht.

René Heilig

Dumm und lebensmüde

Die Nato-Verteidigungsminister haben sich auf einen »Masterplan« zur Abschreckung Russlands geeinigt. Wer sich noch immer nur definieren kann, wenn er anderen bis zur letzten Konsequenz mit Gewalt droht, stellt seinen politischen Fähigkeiten ein Armutszeugnis aus.

Peter Steiniger

Mehl aus derselben Tüte

Als ein »Festival von Schwätzern« möchte Brasiliens ultrarechter Staatschef Jair Bolsonaro den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Versäumnissen und Fehlern seiner Regierung während der Pandemie abtun.

Simon Poelchau

Ein Kritiker der EZB tritt ab

Bundesbank-Chef Jens Weidmann war im EZB-Rat die Stimme der Bundesregierung. Mit seinem harten Kurs in der Eurokrise machte er sich in Europa keine Freunde. Nun tritt Weidmann zum Jahresende ab.

Andreas Koristka

Die Kraft der Haartransplantation

Die CDU muss jünger, urbaner und vor allem weiblicher werden. Aber wie soll die Partei rankommen an die jungen tätowierten Longboardfahrerinnen mit konservativem Wertekompass? Sie muss nur ein paar einfache Hinweise beherzigen.

Seite 13
Erik Zielke

Gospodin Obeliks

Es gibt Schauspieler, die bis zur Ununterscheidbarkeit mit ihrer Rolle verschmelzen. Gérard Depardieu und die Comic-Figur Obelix haben sich gegenseitig einander angenähert. Nun sind beide auf abenteuerliche Weise in Russland gelandet.

Björn Hayer

Mehr intellektuelle Wehrhaftigkeit!

Auf der einen Seite stehen Schriftsteller*innen, die ein Zeichen gegen die Toleranz der Intoleranz setzen wollen, auf der anderen argumentieren die Organisator*innen mit dem hohen Gut der Meinungsfreiheit. Was also tun?

Seite 14
Jeja Klein

Reichelt schadet dem hehren Anliegen!

Die politischen und kulturellen Folgen des Falls Reichelt zeichnen sich bereits ab. Im März war Reichelt noch so viel öffentliche Unterstützung zugeflogen - nun stellt sich vieles plötzlich ganz anders dar.

Stefan Ripplinger

Die vielen Gründe der Flucht

Die Corona-Filme sind wohl noch nicht fertig sind, auch wenn hier und da die Masken aber schon zu sehen sind. Ein wiederkehrendes Thema dagegen ist die Vergangenheit, die nicht vergehen will.

Seite 15
Sabine Kebir

Unverkäufliche Würde

Der Roman »Überleben« ist der letzte Teil einer auf autobiografischen und familiären Erfahrungen Dangarembgas beruhenden Trilogie. Der Autorin geht die psychischen Verspannungen und Entgleisungen zwischen Kolonisierten mit den Kolonisierenden.

Seite 16
Gunnar Decker

Kontrapunkte zur herrschenden Zeit

Zwei Exzentriker und Exilanten: Carlfriedrich Claus und Gerhard Altenbourg werden gemeinsam in einer opulenten Doppelausstellung der Kunstsammlungen Chemnitz geehrt. Was die beiden verbindet, ist ihr Sinn für das Skurrile und Groteske.

Seite 17
Eva Casper

Land der Ungleichheit

Die Organisation »Voice Up Japan« kämpft für Gleichberechtigung. Keine leichte Aufgabe in einem Land, in dem das Hausfrauenideal so präsent ist. Gleichzeitig sind sexistische Entgleisungen in Japan keine Seltenheit.

Seite 18
Der Preis der Tütensuppe
Johanna Treblin

Der Preis der Tütensuppe

Häftlinge können Lebensmittel und Körperpflegeprodukte kaufen, in den meisten deutschen Justizvollzugsanstalten allerdings nur bei einem hochpreisigen Monopolisten. Ein anstehendes Urteil könnte das ändern.

Seite 20
Wolfgang Hübner

Kein Blitzbesuch von der Weltraumärztin

Der Orbit wird allmählich geschäftlich interessant - künstlerisch war er das schon immer. Dieser Tage war ein russisches Filmteam auf der ISS, um den Notarzteinsatz einer Chirurgin zu drehen. Realistisches Szenario oder Science Fiction?

Seite 21
Tanja Röckemann

Unangepasster Boulevardjournalismus

Im Kapitalismus ist Konkurrenz an der Tagesordnung. Verleger Ippen und Julian Reichelt zeigen, dass eine andere Welt möglich ist: Männerbündelei - eine Liebe, die stärker ist als die Gesetze des Marktes.

Seite 22
Michael Lenz

Frühe Klimawanderer

Wie kam es, dass erst der Homo erectus aus Afrika in die Welt zog, und dann auch der Homo sapiens praktisch alle Klimazonen der Erde besiedelte? War es allein die Neugier oder haben Klimaveränderungen die Menschen zu ihren Wanderungen veranlasst?

Seite 23
Klaus Oberzig

Ungewisse Zukunft für Wärmewende

Trotz ihrer Geringschätzung erlebt die Solarthermie in Deutschland gegenwärtig einen Aufschwung, auch bei Großanlagen. Insgesamt ist das Thema Wärmewende wieder ins Rollen gekommen. Alles scheint offen, auch ein Revival der Solarwärme.

Seite 24
Guido Speckmann

Im Teufelskreis gefangen

Welche Rolle spielen die Zentralbanken im Kapitalismus? Der Politökonom Joscha Wullweber über Schattenbanken, Liquiditätsdynamiken und das Dogma Austerität. Er sagt: »Das derzeitige globale Finanzsystem ist seit der globalen Finanzkrise von 2008 äußerst instabil.«

Seite 25
Julia Lis und Michael Ramminger

Verschuldung ohne Ende

Die kapitalistische Logik ist eine der endlosen Verschuldung. Dies überträgt sich auch auf die Einzelmenschen - so Walter Benjamin in seinem berühmten vor 100 Jahren erschienen Text »Kapitalismus als Religion«.

Seite 27
Ulrike Wagener

Gut und Böse gibt es nicht

Sexualisierte Gewalt würde vielfach nicht ernst genommen und selbst in der linken Szene als Normalzustand akzeptiert, meint Ann Wiesental. Sie arbeitet mit linken weißen cis-Männern, »die zum Teil sehr feministisch unterwegs waren und sind« - und dennoch Gewalt ausgebübt haben.

Marco Kammholz

Das halb Richtige im ganz Falschen

Auch in der linken Szene kommt es immer wieder zu sexualisierter Gewalt. Aber heißt das, dass die Linke dem Rest der Gesellschaft hier wirklich kein Stück voraus ist? Und ist das Konzept Definitionsmacht eher die Lösung oder selbst ein Problem?

Seite 28
Frank Hellmann

Übergeordneter Auftrag

Beim ersten Spiel von deutschen Fußballerinnen in Israel tritt das 1:0 des DFB-Teams in den Hintergrund. Viel wichtiger war, dass sie sich im Gegensatz zu den Männern 2012 in Gdansk nicht vor der gesellschaftlichen Verantwortung ducken.

Seite 29
Tom Mustroph

Regenbogenstreifen im Herbst

Erfolgreiche Frauen: Bei den Weltmeisterschaften auf der Bahn haben die deutschen Radsportlerinnen im Velodrom von Roubaix nun schon zwei Titel geholt. Gold im Teamsprint folgte der Sieg in der Verfolgung. Und einige Entscheidungen stehen ja noch aus.

Elisabeth Schlammerl, Sölden

Sölden eröffnet die Saison - und erntet Kritik

Es ist wieder so weit: Mitten im Herbst startet der alpine Ski-Winter in Sölden. Die Kritiker fordern mehr Rücksicht auf die Umwelt. Die Veranstalter jubeln aus wirtschaftlichen Gründen und haben den Weltverbandspräsidenten auf ihrer Seite.

Seite 30
Tinga Horny

Was die Briten an uns seltsam finden

Seit Oktober sind wir für das Vereinigte Königreich richtige Ausländer. Für die Einreise brauchen wir einen Reisepass. Aber ehrlich: Schon vor dem Brexit taten sich die Briten mit unseren Eigenheiten schwer, so wie wir sie auch oft befremdlich finden.

Seite 31
Wolfgang Scherreiks

Wo Nobelpreisträger nächtigten

Das Hotel Friedenau ist Familienhotel und Hommage an das literarische Friedenau, an Uwe Johnson, Günter Grass und Max Frisch. Geführt wird es von der Schriftstellerin Christa Moog, die 1984 aus der DDR in den Westen Deutschlands ausreiste.

Seite 32
Isabella Caldart

»Warum wird Behinderung oft vergessen?«

Alexandra Koch bloggt auf readpack.de über Literatur, mitunter mit Fokus auf die Darstellung von Behinderungen. Ähnlich einer Lektorin prüft sie Bücher vor der Veröffentlichung auf diskriminierende oder klischeehafte Darstellungen.

Seite 33
Mario Pschera

Ideologie und Habgier

Mit dem Begriff »Ideologie« kann man heutzutage den mittig verorteten Bürger erschrecken und die durchaus vernünftige Forderung eines politischen Gegners, etwa nach einem Tempolimit oder der Respektierung nicht männlicher Daseinsweisen, in quasikommunistisches Teufelszeug verwandeln. Seit Marx ist der Begriff, der seine Kritik schon in sich trägt, der Ausdruck eines sich aus den gesellschaftlichen...

Seite 34

Kaisertreue, verwoben mit bürgerlicher Wissenschaft

Der Roman von Jürgen Meier erzählt, beginnend im Jahr 1910, die Geschichte zweier Familien - der Familie Becker aus Chemnitz und der Familie Meyer aus Ostwestfalen - und mit ihr die Geschichte eines Jahrhunderts. Johannes Becker beginnt 1910 ein Ingenieursstudium in Chemnitz und heiratet kurz darauf eine Glasmaler...

Seite 35

Die Ente ist der Mörder

In einer mittelgroßen Schweizer Stadt lauert einer im Schilf. Das ist Gerhard, selbst ernannter Kommissär, schrulliger Protagonist und eigenwilliger Erzähler in Anaïs Meiers Debütroman. Im See des Parks, in dem er jeden Morgen und jeden Abend seinen »Flamingo« macht, um Kontakt zum Universum herzustellen, sieht er eine...

Seite 36

Leg den Fuß hinters Ohr!

An guten Tagen steht Christian Bartel mit Prunkzigarette auf einem Streitwagen aus Schweinemett, sein Arzt in einem Brokkoli-Kostüm steht hinter ihm und flüstert »Bedenke, dass du unsterblich bist« in sein Ohr, während die Menge seine hervorragenden Leberwerte chantet. An schlechten Tagen sucht der Mittvierziger im Möb...

Seite 37

Gegen den Strom der Zeit

Der Berliner Journalist Theodor Wolff (1868-1943) schrieb auch Sachbücher, Theaterstücke und Romane. »Die Schwimmerin« war sein letztes Werk und erschien 1937 in Zürich. Wolff lebte da schon drei Jahre im südfranzösischen Exil. Der »Roman aus der Gegenwart«, so der Untertitel, erzählt die Geschichte der Liebe eines ält...

Seite 38

Ein Dreh der Nachkriegszeit

Planten ab 1946 die Alliierten tatsächlich gemeinsam mit ehemaligen Nazigrößen, Deutschland künftig regieren zu können? Wurden Politik, Verwaltung und Justiz tatsächlich durch die »Operation Omgus« so strukturiert, dass Deutschland nichts anderes als eine Kolonie der Alliierten ist? Gibt es ein von ehemaligen Nazis ers...

Seite 39

Akademie der Arschgesichter

An einer renommierten US-Universität schlägt sich Eve Braintree, Leiterin des Medienzentrums, mit schwindenden Budgets, egomaner Geltungssucht und Korruption herum: Hier wird jede Schwäche ausgenutzt, nur ihr exzentrischer Kater hält zu ihr. Doch dann gewinnt Eve ganz unerwartet einen mächtigen Verbündeten … Unive...

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Heute ist große Boykottbereitschaft

Seit Generationen schon leben die protestantische Kaufmannsfamilie Dortenbach und die jüdische Fabrikantenfamilie Martell in der kleinen württembergischen Weinstadt. Fest und liebevoll verbunden fühlen sich Claudia Dortenbach und ihr Jugendfreund und späterer Ehemann, der Rechtsanwalt Dr. Helmuth Martell, daher Land un...