nd-aktuell.de / 05.05.2018 / Berlin / Seite 13

Und dann kann der Regen kommen

Um Extremwetterlagen besser zu bewältigen, gibt es eine neue Beratungsagentur

Martin Kröger

Für Meteorologen ist es nicht ausgeschlossen, dass es auch diesem Sommer wieder viel regnet. Im vergangenen Jahr gab es von Juni bis August 52 Tage, an denen es stadtweit regnete - einige sprachen bereits von einer Monsunzeit. Fakt ist: Die Zahl der Wetterextremereignisse nimmt zu, auch wenn die gesamte Regenmenge übers Jahr gesehen bislang nicht ansteigt. Damit Berlin in Zukunft besser gegen die großen Niederschlagsmengen gewappnet ist, hat der Senat jetzt gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben eine Regenwasseragentur gegründet. »Wir brauchen ein widerständigeres System«, sagt der Vorstandsvorsitzende der Wasserbetriebe, Jörg Simon. Das kommunale Unternehmen ist verantwortlich für die Kanalisation, die bei Starkregen überflutet. »Unser Ziel ist es, die Stadt stabiler und regenfester zu machen«, sagt Simon. So wie es beispielsweise beim Neubau des Potsdamer Platzes gemacht wurde. Dort wird Regenwasser aufgefangen, danach als Brauchwasser genutzt oder zur Versickerung und Verdunstung weitergeleitet, ohne dass die Kanalisation gebraucht wird.

Insgesamt vier Mitarbeiter unter der Leitung der Ingenieurin Darla Nickel sollen künftig auch an anderen Orten Konzepte umsetzen, damit das Schmutzwasser nicht mehr in die Flüsse und Kanäle gelangt. »Es steht eine breite Palette technischer, stadtgestalterischer und miteinander kombinierbarer Maßnahmen zur Verfügung«, sagt Nickel. Besonders erfolgsversprechend scheint die Begrünung von Dächern zu sein. Nur drei Prozent der Dächer sind derzeit begrünt, ein 1000-Dächer-Programm ist in Vorbereitung.

Auch das Problem Versiegelung der Böden will Rot-Rot-Grün angehen: »Wir wollen die Stadt in großen Flächen zu einem Schwamm umwandeln«, sagt Umweltsenatorin Regine Günter (parteilos, für Grüne). Um das umzusetzen, soll die Regenwasseragentur Grundstücksbesitzer beraten, wie sie ihre Dächer begrünen können oder wie auf deren Grundstücken Versickerungsflächen eingerichtet werden könnten. Auch bei den geplanten großen Neubauquartieren, von denen elf in den kommenden Jahren entstehen sollen, soll die Regenwasseragentur miteinbezogen werden.