nd-aktuell.de / 14.09.2012 / Brandenburg / Seite 12

Vattenfall nicht dicht oder Lücke bei Greenpeace

Landtagsabgeordneter äußert sich zur Sicherheit des Dorfes Lieske am Tagebau Welzow-Süd II

Andreas Fritsche

Droht dem Lausitzdorf Lieske eine Katastrophe wie Nachterstedt in Sachsen-Anhalt, vom am 18. Juli 2009 eine Kippe abrutschte, Häuser mitriss und drei Menschen verschüttet wurden? Für den Landtagsabgeordneten Gerd-Rüdiger Hoffmann (LINKE, aber fraktionslos) ist diese Frage keine Panikmache. Es gehe darum - »bei aller Würdigung der ingenieurtechnischen Leistungen der Bergleute« - Gefahren im Auge zu behalten, sagte Hoffmann gestern.

Ralf E. Krupp machte in einem Gutachten für die Umweltorganisation Greenpeace darauf aufmerksam, dass die 10,6 Kilometer lange Dichtwand zwischen dem geplanten Braunkohletagebau Welzow-Süd II und dem Lausitzer Seenland nicht halten könnte. Bedroht wären dadurch eventuell die Bewohner von Lieske, Autofahrer auf der B 156 sowie Beschäftigte des Energiekonzerns Vattenfall.

In den Augen des Abgeordneten Hoffmann ist das Gutachten »ein ernsthaftes Argument« gegen den Tagebau Welzow-Süd II, zu dem bis gestern eine drei Tage dauernde Anhörung in der Messe Cottbus stattfand. Weil die drei Tage nicht ausreichten, soll die Anhörung in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Hoffmann erklärte, wenn jetzt von Vattenfall, Regierung und Bergamt der Einwurf komme, das Gutachten berücksichtige nicht alle Aspekte, so könne er nur sagen: »Dieses Gutachten berücksichtigt einen Aspekt, der bisher nicht angemessen berücksichtigt wurde.«

Im Tagebau wird der Grundwasserspiegel gesenkt, um sich zum Kohleflöz durchbaggern und den Rohstoff fördern zu können. Die Dichtwand soll verhindern, das Grundwasser seitlich zufließt. Vattenfall hat Argumente Krupps in einer Kurzeinschätzung hinterfragt. Darin heißt es etwa, wenn der Gutachter unterstelle, dass eine Dichtwand niemals tiefer als 100 Meter eingegraben werden könne, so beziehe er sich nicht auf den neuesten Stand der Technik. Die zwei modernen Geräte, die für die Dichtwand eingesetzt werden, seien für eine Tiefe bis zu 130 Meter ausgelegt. Derzeit erforderliche Tiefen von 108 bis 110 Meter »wurden bisher selbst bei schwierigsten geologischen Verhältnissen erfolgreich realisiert«.

Die Technologie sei sicher und wirksam, beteuerte Vattenfall. Die Dichtwand könnte einen Druck von 6,3 bar und auch weitaus mehr aushalten, was Krupp in Zweifel gezogen hatte. Außerdem seien die Verhältnisse an eine Tagebaukippe wie Nachterstedt nicht einfach auf einen Tagebau wie Welzow-Süd II zu übertragen.