Parallelwelt der Entwürdigten

Abbas Khider: Eine »Ohrfeige« für Frau Schulz - und ein Land, in dem Ausgrenzung gang und gäbe ist

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Respekt beruht auf 
Gegenseitigkeit: Wer keinen gibt, kann auch 
keinen erwarten – der Deutsch-Iraker Abbas Khider beschreibt in seinem Roman »Ohrfeige«, wie ein Flüchtling vom Opfer zum Täter wird.

Stumm und starr vor Angst hockte sie in ihrem Drehstuhl, als hätte die Ohrfeige sie betäubt ... Ich greife nach dem Packband in meiner Jackentasche, fessle ihre Hände an die Armlehnen und die Fußgelenke an die Stuhlbeine. Mit mehreren Streifen klebe ich ihren rot geschminkten Mund zu.»

Ein Attentäter, ein Geiselnehmer, auf dessen Verhaftung wir hoffen? Nein, dieser Karim Mensy will unseren Beistand. Obwohl wir ihn zu Beginn des Romans noch gar nicht kennen, für uns hat er ein Recht auf Zorn. Auch auf einen kriminellen Übergriff? Es ist seltsam, Mitgefühl mit der verängstigten Frau Schulz aus der Ausländerbehörde stellt sich erst bei genauerem Bedenken ein. Klebestreifen über ihrem «rot geschminkten Mund»: Es hätte doch auch ein männlicher Mitarbeiter sein können, mit dem der Ich-Erzähler dieses Romans abrechnet (nun, am Ende kommt es nicht so schlimm, wie man anfangs vermutet). Aber seine Bittstellerrolle in der Behörde wird für d...


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