Werbung

Guter Trick: Ein Dorf und nur eine Straße

Dass einzelne Straßennamen verschwinden, war nach 1990 im Osten keine Seltenheit. In Wahlsdorf werden alle abgeschafft - ab Sommer gilt der Orts- als einziger Straßenname.

Wahlsdorf. Im 330 Einwohner zählenden Wahlsdorf, Ortsteil von Dahme/Mark (Teltow-Fläming) gibt es künftig nur noch einen Straßennamen. Im Sommer werde eine Übergangsfrist auslaufen, sagte Ortsvorsteher Thomas März (parteilos). Statt rund einem Dutzend Namen für Straßen und Wege wird es dann nur noch einen geben: Wahlsdorf. Die Adressen der Menschen unterscheiden sich von da an nur durch die Hausnummer. Auf diese Weise retten die Wahlsdorfer, indem sie alle Straßennamen opfern, den Ortsnamen vor dem Verschwinden.

»Wir haben die Flucht nach vorn angetreten«, sagte der parteilose Ortsvorsteher Thomas März. Wahlsdorf bekam mit der Eingemeindung im Jahr 2003 die neue Postleitzahl 15936 und sollte dann auch den Ortsnamen Dahme/Mark übernehmen. »Unser Heimatort wäre dann verschwunden«, sagt März. Doch erst im vergangenen Jahr war die Eingemeindung abgeschlossen, da ein inzwischen verstorbener Bürger gegen den Schritt geklagt hatte.

Wahlsdorf ist aber bei Touristen bekannt, weil es direkt an der Fläming-Skate-Route liegt. Zudem waren einige Straßenbezeichnungen - wie Haupt- oder Dorfstraße - im Amtsbereich doppelt vorhanden. Experten etwa beim Städte- und Gemeindebund warnen, dass solche Dopplungen Notärzten das Leben schwermachen und entscheidende Augenblicke kosten können.

In einer Befragen entschieden die Einwohner: »Wahlsdorf« bleibt als neuer und einziger Straßenname. »Und alle Häuser wurden neu durchnummeriert: Von 1 bis zur 136«, sagt März.

»In allen Sortierprogrammen der bundesweit 82 Briefzentren der Deutschen Post sind die neuen Adressen bereits hinterlegt«, erklärte eine Post-Sprecherin. Einige Hundert Änderungen durch Eingemeindungen müssten pro Jahr bei der Post erfasst werden. 90 Prozent der Post komme schon mit richtiger Anschrift an. Werde die alte Anschrift benutzt, sei sie eine Woche länger unterwegs.

Die bisherigen Straßenschilder - groß durchgestrichen - hängen noch bis zum Sommer. Darunter sind die neuen mit der Aufschrift »Wahlsdorf« befestigt. Sie hat die Gemeinde bezahlt. dpa/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
0
Beiträge gelesen

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und kaufe eine virtuelle Ausgabe des »nd«

0
Beiträge auf nd-aktuell gelesen

Hilf mit, die Seiten zu füllen!

Zahlungsmethode